Taiko ist die japanische Sammelbezeichnung für eine Familie von Trommeln (Membranophonen) und bezeichnet zugleich die aus ihnen entstandene Ensemble-Kunstform Kumi-Daiko. Taiko-Trommeln werden seit Jahrhunderten in shintoistischen und buddhistischen Zeremonien, bei Dorffesten (Matsuri) und im Theater eingesetzt; die heute weltbekannte Form des ensemblegetragenen Trommelspiels ist dagegen relativ jung und geht maßgeblich auf den Musiker Daihachi Oguchi zurück, der 1951 mit seiner Gruppe Osuwa Daiko die moderne Kumi-Daiko-Form begründete.
Wie klingt das Taiko?
Der Klang eines Taiko ist ein tiefer, druckvoller Donnerschlag mit starker körperlicher Präsenz, bei großen Trommeln (Odaiko) ist der Ton weniger zu hören als vielmehr im Brustkorb zu spüren. Je nach Trommelgröße und Schlagtechnik reicht das Klangspektrum von scharfen, hohen Akzenten kleinerer Shime-Daiko bis zu den gewaltigen, lang nachhallenden Basstönen der großen Fass-Trommeln.
Woraus besteht das Taiko?
Der Korpus (Do) einer traditionellen Byou-uchi-Daiko wird idealerweise aus einem einzigen Block dichten Holzes, bevorzugt Keyaki (japanische Zelkove), ausgehöhlt; wegen der Seltenheit großer, alter Keyaki-Stämme werden heute zunehmend auch andere Hölzer sowie Fassbauweisen aus mehreren Dauben verwendet. Auf beide Öffnungen des Korpus wird straff gespanntes Rindsleder aufgebracht und mit großen, sichtbaren Eisennägeln (Byou) direkt am Korpusrand festgetackert, ein Bauprinzip, das dem Instrumententyp seinen Namen gibt.
Anders als bei manchen anderen Trommeltypen gibt es bei der klassischen Byou-uchi-Daiko keine nachträgliche Stimmmechanik: Die Fellspannung wird allein beim Bespannen festgelegt. Eine an der Unterseite angebrachte Metallplatte zur Klangverstärkung, wie sie mitunter beschrieben wird, ist keine reale Bauweise traditioneller Taiko-Trommeln.
Wie spielt man das Taiko?
Gespielt wird das Taiko mit hölzernen Schlägeln, den Bachi, deren Dicke und Länge je nach Trommelgröße und Musikstück variieren. Die Schlagtechnik ist eng mit einer kraftvollen, körperbetonten Haltung (Kata) verbunden: Aus einer stabilen Standposition heraus wird der Bachi mit Schwung aus Schultern und Armen geführt, wobei Körperspannung und Atmung ebenso zum Ausdruck gehören wie der eigentliche Schlag.
Im modernen Kumi-Daiko-Ensemble spielen mehrere Trommler unterschiedlich große und gestimmte Taiko gleichzeitig und übernehmen dabei feste rhythmische Rollen, ähnlich einem Schlagzeug-Set, bei dem hohe Shime-Daiko den Grundpuls vorgeben und tiefe Nagado-Daiko Akzente setzen. Diese arbeitsteilige Ensembleform wurde von Daihachi Oguchi in den 1950er Jahren maßgeblich entwickelt und prägt bis heute nahezu jede moderne Taiko-Aufführung.
Typische Musikstile mit dem Taiko
Traditionell begleitet Taiko Shinto-Rituale, Matsuri-Umzüge und Theaterformen wie Kabuki und Noh. Seit der Erfindung des modernen Kumi-Daiko in den 1950er Jahren hat sich daraus eine eigenständige Bühnenkunstform entwickelt, die von professionellen Ensembles wie Ondekoza (gegründet 1971) und dessen Nachfolgegruppe Kodo (seit 1981 auf der Insel Sado) weltweit auf Tourneen gebracht wird und heute auch in Rock-, Pop- und Filmmusikproduktionen zitiert wird.
Bekannte Lieder mit dem Taiko
1. "Yatai-bayashi": Ein traditionelles Festival-Stück aus Chichibu, das Ondekoza-Mitglieder 1972 bei den dortigen Festteilnehmern erlernten und in dramatisch beschleunigter Form zu einem ihrer bekanntesten Bühnenstücke machten, bis heute fester Bestandteil des Kodo-Repertoires. 2. "Miyake": Basierend auf traditionellen Trommelmustern der Insel Miyake, eines der bekanntesten Ensemblestücke von Kodo. 3. Osuwa Daiko: Die 1951 von Daihachi Oguchi gegründete Gruppe gilt als Wiege des modernen Kumi-Daiko und prägt bis heute Aufführungen von Ensembles weltweit. 4. Kodo und Ondekoza: Die beiden einflussreichsten japanischen Taiko-Ensembles, deren Tourneen und Aufnahmen das Taiko-Trommeln international bekannt gemacht haben.




