Die Stahltrommel, meist Steelpan oder Steel Drum genannt, ist ein aus Trinidad und Tobago stammendes Perkussionsinstrument aus gestimmtem Metall. Sie entstand Ende der 1930er und in den 1940er Jahren, als Musiker auf der Karibikinsel ausrangierte Ölfässer zu Musikinstrumenten umfunktionierten; 1992 wurde sie offiziell zum Nationalinstrument von Trinidad und Tobago erklärt. Anders als der Name "Trommel" vermuten lässt, besitzt die Steelpan weder Fell noch schwingende Membran, sie ist ein reines Idiophon, bei dem der Klang durch das Metall selbst entsteht, ähnlich wie bei einem Gong oder Xylophon, nur mit gestimmten Flächen statt Stäben. Aus einem einzelnen Ölfass werden durch Hämmern, Dengeln und gezieltes Ausbeulen einzelne Tonfelder mit exakt festgelegten Tonhöhen geformt.
Wie klingt die Stahltrommel?
Der Klang der Steelpan ist hell, glockig und metallisch-warm zugleich, mit einer für Metallperkussion ungewöhnlich sanften, singenden Klangfarbe. Jedes der gehämmerten Tonfelder erzeugt beim Anschlagen einen klar definierten Ton mit charakteristischen, leicht schwebenden Obertönen. In größerer Besetzung, einem sogenannten Steelband oder Steel Orchestra mit mehreren unterschiedlich großen Pans von hoch bis tief, entsteht ein voller, orchestraler Gesamtklang, der von perlenden, hohen Melodielinien bis zu tragenden Basslinien reicht.
Woraus besteht die Stahltrommel?
Ausgangsmaterial einer Steelpan ist klassischerweise ein rund 200-Liter-Ölfass aus Stahl. Der Boden des Fasses wird zunächst mit Hämmern zu einer konkaven, schüsselartigen Fläche eingetieft (das sogenannte "Sinking"). Anschließend werden auf dieser Fläche einzelne, klar voneinander abgegrenzte Bereiche unterschiedlicher Größe herausgearbeitet und gezielt gehämmert und tempergehärtet, bis jedes Feld eine exakt bestimmte Tonhöhe klingt, ein Prozess, der als "Tuning" bezeichnet wird und höchste handwerkliche Präzision erfordert. Je nach Größe und Tonumfang des Instruments, vom hohen "Tenor Pan" bis zum tiefen "Bass Pan", das aus mehreren Fässern besteht, variiert die Zahl der Tonfelder von wenigen bis zu über zwanzig. Eine Membran, ein Fell oder Löcher zur Tonhöhenveränderung mit den Fingern besitzt die Steelpan nicht; sämtliche Tonhöhen sind fest in das Metall eingearbeitet.
Wie spielt man die Stahltrommel?
Gespielt wird die Steelpan mit einem Paar Schlägeln (Pan Sticks), deren Enden meist mit Gummi umwickelt sind, um einen weichen, runden Klang zu erzeugen und das Metall zu schonen. Die Spielerin oder der Spieler schlägt die einzelnen Tonfelder gezielt an, um Melodien, Akkorde und Rhythmen zu erzeugen, bei größeren Instrumenten mit vielen eng beieinanderliegenden Feldern erfordert dies eine präzise Hand-Augen-Koordination. Zu den typischen Spieltechniken gehören schnelle Wechselschläge zwischen benachbarten Tonfeldern für melodische Läufe, Rolls für gehaltene Töne sowie rhythmisch akzentuierte Anschläge für den charakteristischen, treibenden Groove der karibischen Steelband-Musik. In einem vollständigen Steel Orchestra übernehmen unterschiedlich gestimmte Pan-Typen, von der Melodiestimme bis zum Bass, jeweils eigene Aufgaben, ähnlich den Stimmgruppen in einem klassischen Orchester.
Typische Musikstile mit der Stahltrommel
Die Steelpan ist untrennbar mit der Musik Trinidad und Tobagos verbunden, insbesondere mit Calypso und Soca sowie dem jährlichen Karneval, bei dem der internationale Wettbewerb "Panorama" die besten Steelbands der Insel kürt. Traditionsreiche Orchester wie Desperadoes oder Phase II Pan Groove treten dort mit oft über hundert Musikerinnen und Musikern gegeneinander an. Über die Karibik hinaus hat sich die Steelpan auch im Jazz etabliert, vor allem durch den amerikanischen Pannisten Andy Narell, der das Instrument mit Jazz-Harmonik und -Improvisation verbindet, sowie in der Weltmusik und gelegentlich in Filmmusik als klanglicher Verweis auf karibisches Flair.
Bekannte Lieder mit der Stahltrommel
1. "Hot Hot Hot" von Arrow (1982), einer der international erfolgreichsten Soca-Songs, dessen Sound eng mit dem karibischen Steelband-Klang verbunden ist. 2. Traditionelle Calypso-Standards wie "Day-O (The Banana Boat Song)" und "Matilda", die von Steelbands weltweit zum festen Repertoire gezählt werden. 3. Kompositionen des Pannisten Andy Narell wie "The Hammer", die die Steelpan als Jazz-Soloinstrument zeigen. 4. Auftritte der Trinidad-Steelband Desperadoes beim jährlichen Panorama-Wettbewerb, dem wichtigsten Steelband-Wettstreit der Welt.




