Handglocken sind ein Ensembleinstrument aus fest gestimmten Einzelglocken, die jeweils einen eigenen Griff besitzen und von Hand geläutet werden. Sie gehen auf die englische Tradition des "Change Ringing" der Kirchturmglocken im 17. und 18. Jahrhundert zurück: Glockenläuter übten die komplizierten Läutemuster ursprünglich mit kleineren, tragbaren Handglocken, bevor daraus die eigenständige Tradition der Handglockenchöre entstand. Heute werden Handglocken vor allem in England und Nordamerika in Chören gespielt, bei denen jede Spielerin und jeder Spieler ein oder zwei Glocken mit einem festen Ton übernimmt. Handglocken sind ein sehr präzises Ensembleinstrument, das eng abgestimmtes Zusammenspiel erfordert, und werden vor allem in klassischer und geistlicher Musik sowie im Weihnachtsrepertoire eingesetzt.
Wie klingen die Handglocken?
Handglocken erzeugen einen hellen, klaren und obertonreichen Klang, dessen Tonhöhe exakt festgelegt ist - jede Glocke einer Handglockenreihe ist auf einen einzigen Ton gestimmt. Der Anschlag des innenliegenden Klöppels gegen die Bronzewand erzeugt einen glockentypischen, leicht schwebenden Klang mit langem Nachklingen, das durch gezieltes Abdämpfen am Körper des Spielers kontrolliert wird. Im Zusammenspiel eines ganzen Handglockenchors entsteht ein voller, harmonischer Klangteppich, der von einzelnen, klar herausgehobenen Tönen bis zu dichten Akkorden reicht.
Woraus bestehen die Handglocken?
Eine einzelne Handglocke besteht aus einer gegossenen, konisch geformten Glocke aus Bronze oder Messing, die sich nach unten hin ausstellt. Im Inneren hängt an einem Scharnier ein beweglicher Klöppel, der beim Schwingen der Glocke gegen die Innenwand schlägt und den Ton erzeugt. Am oberen Ende der Glocke ist ein Griff aus Leder oder Kunststoff befestigt, an dem die Glocke gehalten und geschwungen wird. Jede Glocke wird für genau einen Ton gegossen; ein vollständiger Satz für einen Handglockenchor kann mehrere Oktaven umfassen und aus zwei oder mehr Dutzend einzelnen Glocken bestehen, die nach Tonhöhe von tief nach hoch geordnet sind.
Wie spielt man die Handglocken?
Um eine Handglocke zu spielen, hält man sie am Griff und schwingt sie mit einer kontrollierten Handgelenkbewegung, sodass der innenliegende Klöppel gegen die Wand der Glocke schlägt und den Ton auslöst. Direkt danach wird die Glocke meist gegen die Schulter oder den Körper gedämpft, um den Klang gezielt wieder zu stoppen.
In einem Handglockenchor übernimmt jede Spielerin oder jeder Spieler in der Regel ein bis zwei Glocken mit festgelegter Tonhöhe. Da niemand eine ganze Melodie allein spielt, müssen alle Beteiligten die Partitur genau lesen und exakt zum richtigen Zeitpunkt einsetzen - Handglockenspiel ist daher vor allem ein Ensemble- und Präzisionsinstrument.
Neben dem klassischen Läuten gibt es weitere Techniken: das "Shake" (schnelles, tremoloartiges Schütteln für einen anhaltenden Klang), das "Pluck" (leises Anzupfen des Klöppels mit den Fingern für einen kurzen, gedämpften Ton) sowie das Anschlagen mit einem gepolsterten Klöppel für einen weicheren Klang. Manche Spieler halten auch zwei Glocken gleichzeitig in einer Hand, um schnelle Tonfolgen zu ermöglichen.
Handglockenspiel erfordert viel Probenarbeit im Ensemble, da Timing und Zusammenspiel entscheidend für ein sauberes Klangergebnis sind. Richtig eingesetzt entsteht daraus ein sehr präziser, glockenheller Chorklang.
Typische Musikstile mit den Handglocken
Handglockenchöre sind vor allem in England und den USA verbreitet, wo sie häufig an Kirchengemeinden, Schulen und Universitäten angebunden sind. Das Repertoire reicht von geistlicher Musik und Choralbearbeitungen über klassische Transkriptionen bis zu volkstümlicher und weihnachtlicher Musik - besonders zur Weihnachtszeit sind Handglockenchöre in der englischsprachigen Welt eine feste Tradition.
Daneben treten Handglocken auch als Ergänzung in Orchestern oder Chorwerken auf, wenn ein glockenartiger, perkussiver Klangeffekt gewünscht ist. Anders als Kirchturmglocken, die im "Change Ringing" nach festen mathematischen Läutemustern erklingen, wird bei Handglocken meist komponierte oder arrangierte Musik nach Noten gespielt.
Bekannte Lieder mit den Handglocken
Ein fester Bestandteil des Handglocken-Repertoires ist weihnachtliche und geistliche Musik: Stücke wie "Carol of the Bells" nach einer ukrainischen Volksweise oder klassische Weihnachtslieder werden regelmäßig für Handglockenchöre arrangiert, ebenso wie Choralsätze und volkstümliche Melodien. Viele Kirchengemeinden und Schulen in England und Nordamerika unterhalten eigene Handglockenchöre, die dieses Repertoire zu besonderen Anlässen aufführen. Da Handglockenmusik meist eigens arrangiert wird, existiert kein festes "Konzertrepertoire" wie bei Soloinstrumenten - die Vielfalt liegt gerade darin, dass sich nahezu jedes mehrstimmige Stück für einen Handglockenchor bearbeiten lässt.




