Ipu ist das hawaiianische Wort für Kürbis und zugleich der Name eines Perkussionsinstruments aus einer getrockneten Flaschenkürbisschale. Zwei Bauformen tragen diesen Namen: das Ipu heke aus zwei zusammengefügten Kürbissen und das einfachere Ipu heke ʻole aus einem einzigen Kürbis. Beide begleiten den hawaiianischen Tanz Hula, vor allem dessen ältere Form, den Hula kahiko. Der Ton entsteht ohne Fell und ohne Membran allein durch die Resonanz des hohlen Kürbiskörpers, den der Spieler auf den Boden stößt oder mit der Hand schlägt.
Welche Bauformen hat das Ipu?
Zwei Bauformen unterscheiden sich klar voneinander. Das Ipu heke ʻole besteht aus einem einzigen Flaschenkürbis, dessen oberer Teil gerade abgeschnitten ist, sodass eine offene Kammer entsteht. Das Wort ʻole bedeutet auf Hawaiisch ohne: Ipu heke ʻole ist also das Ipu ohne den oberen Aufsatz. Das Ipu heke fügt dagegen zwei unterschiedlich große Kürbisse zu einem Instrument mit zwei Kammern zusammen. Der größere, birnenförmige Kürbis mit schmalem Hals bildet den unteren Klangkörper, ein kleinerer Kürbis, dem der komplette Hals entfernt wurde, sitzt kopfüber darauf und bildet den Aufsatz. Traditionell verband Harz des Brotfruchtbaums beide Teile, heute übernimmt das meist moderner Klebstoff. Zwischen den beiden Kammern bleibt eine offene Verbindung, durch die der Klang der unteren Kammer nach oben entweicht. Auch der Güiro aus Lateinamerika besteht oft aus einem ausgehöhlten Kürbis, doch dort schabt ein Stock über Rillen in der Oberfläche, statt dass eine Hand die Kürbisseite schlägt.
Woraus besteht ein Ipu?
Ein Ipu besteht ausschließlich aus dem getrockneten Fruchtkörper des Flaschenkürbisses Lagenaria siceraria, botanisch auch Kalebasse genannt. Nach der Ernte trocknen die Kürbisse, Handwerker höhlen sie aus und glätten die Innenwand mit Sand oder Sandpapier. Um den Hals des Instruments verläuft eine geflochtene Schnur, die zugleich als Griff dient: Beim Spielen führt der Spieler die Hand durch eine Schlaufe dieser Schnur und hält das Ipu so nah am Körper. Ein dokumentiertes Sammlungsstück eines Ipu heke misst rund 50 Zentimeter in der Länge, 23 Zentimeter im größten Durchmesser und besitzt ein Schallloch von rund 8 Zentimetern; die tatsächliche Größe hängt vom verwendeten Kürbis ab. Je größer der Kürbis, desto tiefer klingt seine Resonanz, denn eine größere Luftsäule schwingt langsamer als eine kleine. Auch die Maracas bestanden ursprünglich aus getrockneten Kürbissen, die jedoch mit einer Füllung geschüttelt statt geschlagen werden. Der indische Ghatam folgt demselben Grundprinzip mit einem gebrannten Tongefäß anstelle eines Kürbisses.
| Merkmal | Ipu |
|---|---|
| Familie | Gefäßidiophon, kein Fell und keine Membran |
| Material | Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria), getrocknet und ausgehöhlt |
| Bauformen | Ipu heke (zwei Kürbisse), Ipu heke ʻole (ein Kürbis) |
| Spielweise | Bodenstoß für den tiefen Ton, Handschlag an der Kürbisseite für den hellen Ton |
| Herkunft | Hawaii |
| Haupteinsatz | Begleitung von Gesang (Mele) und Tanz, vor allem im Hula kahiko |
Das Ipu erzeugt seinen Klang allein durch die Resonanz des Kürbiskörpers. Ohne Fell und ohne Membran hängt der Ton von Größe, Wandstärke und Anschlagstelle des Kürbisses ab, nicht von einer gespannten Fläche wie bei einer Trommel.
Wie spielt man das Ipu?
Der Spieler kniet auf dem Boden und hält das Ipu über die Schnur an seinem Hals nah am Körper. Zwei Grundschläge erzeugen die charakteristischen Klänge. Der erste entsteht, wenn der Spieler den Boden der unteren, größeren Kürbiskammer auf eine Matte oder ein gefaltetes Tuch stößt: ein tiefer, voller Ton ohne feste Tonhöhe, den die weiche Unterlage zugleich vor Rissen schützt. Der zweite entsteht, wenn die flache Hand oder die Finger die Seite des größeren Kürbisses antippen oder schlagen: ein heller, knackiger Ton. Aus dem Wechsel beider Schläge setzen sich die Ipu-Rhythmen zusammen, die Gesang und Tanzschritte tragen.
In Gruppenaufführungen übernimmt meist der Hoʻopaʻa, der sitzende Sänger und Rhythmusgeber einer Hula-Aufführung, gleichzeitig das Spiel des großen Ipu heke und den Vortrag des Gesangs. Einzelne Tänzerinnen und Tänzer schlagen daneben mitunter ein kleineres Ipu selbst in der Hand. Weil Schlagmuster, Atem und Text eng aufeinander abgestimmt sein müssen, verlangt die Koordination von Ipu-Spiel und Gesang viel Übung.
Welche Rolle spielt das Ipu im Hula?
Im Hula kahiko, der älteren, von Sprechgesang (Oli) und Perkussion getragenen Form des hawaiianischen Tanzes, zählt das Ipu heke zu den wichtigsten Begleitinstrumenten. Es liefert den Grundpuls, zu dem Gesang und Bewegung sich ausrichten, neben der Pahu, einer mit Haifischhaut bespannten, als heilig geltenden Trommel. Sowohl das Ipu heke als auch das einfachere Ipu heke ʻole begleiten Gesang und Tanz im Hula kahiko.
In der jüngeren Form Hula ʻauana verzichtet die Begleitung auf Sprechgesang und arbeitet stattdessen mit gesungener Melodie zu Gitarre, Ukulele, Steelgitarre und Bass. Das Ipu tritt dort praktisch nicht auf, weil es an die ältere, traditionelle Form gebunden bleibt.
Nach der Ankunft christlicher Missionare 1820 drängten diese die Hula-Praxis zurück. Erst unter König Kalākaua, der von 1874 bis 1891 regierte, erlebte der traditionelle Hula und mit ihm das Spiel des Ipu eine Wiederbelebung. Das nach ihm benannte Merrie-Monarch-Festival auf Hawaii zeigt bis heute im Wettbewerbsteil für Hula kahiko traditionelle Instrumente wie das Ipu neben Pahu, ʻUliʻuli und ʻIliʻili.
Häufige Fragen zu Ipu
Was unterscheidet Ipu heke und Ipu heke ʻole?
Ipu heke besteht aus zwei zusammengefügten Flaschenkürbissen unterschiedlicher Größe und bildet zwei miteinander verbundene Klangkammern. Ipu heke ʻole besteht dagegen nur aus einem einzigen Kürbis, dessen oberer Teil gerade abgeschnitten ist. Das Wort ʻole bedeutet auf Hawaiisch ohne, der Name sagt also, dass diesem Ipu der obere Aufsatz fehlt.
Wie erzeugt das Ipu seine beiden Klänge?
Das Ipu erzeugt seinen tiefen Ton, wenn der Spieler den Boden der größeren Kürbiskammer auf eine Matte oder ein Tuch stößt. Den helleren, klareren Ton erzeugt er, indem er mit der flachen Hand oder den Fingern gegen die Seite desselben Kürbisses schlägt. Beide Klänge entstehen allein durch die Resonanz des hohlen Kürbiskörpers, denn das Ipu besitzt weder Fell noch Membran.
Spielt man das Ipu auch in der Hula ʻauana?
In der Hula ʻauana, der jüngeren, von Gitarre, Ukulele und gesungener Melodie geprägten Form des hawaiianischen Tanzes, spielt das Ipu praktisch keine Rolle. Es begleitet stattdessen vor allem den Hula kahiko, die ältere, von Sprechgesang und Perkussion getragene Form, in der es neben der Pahu-Trommel zu den wichtigsten Instrumenten zählt.
Aus welchem Material besteht ein Ipu?
Ein Ipu besteht ausschließlich aus dem getrockneten Fruchtkörper des Flaschenkürbisses Lagenaria siceraria, auch Kalebasse genannt. Handwerker höhlen den reifen, getrockneten Kürbis aus und glätten die Innenwand mit Sand oder Sandpapier, bevor sie ihn zum fertigen Instrument verarbeiten. Ein zusätzliches Material wie Fell, Metall oder Holz kommt nicht hinzu.




