Der Janggu, auch Janggo oder Changgo genannt, ist ein doppelfelliges Sanduhr-Trommelinstrument (Membranophon) aus Korea und das wichtigste Rhythmusinstrument der koreanischen Volks- und Hofmusik. Er besteht aus einem einzigen, durchgehend sanduhrförmig gedrechselten Holzkorpus, traditionell aus dem leichten, gut resonierenden Holz des Blauglockenbaums (Paulownia), über dessen beide offene Enden zwei unterschiedlich dicke Tierhautfelle gespannt sind. Ein durchgehendes Lederband verläuft in Zickzackform zwischen den Metallösen beider Fellränder rund um den Korpus und lässt sich durch verschiebbare Lederringe spannen oder lockern, wodurch beide Felle in der Tonhöhe fein justiert werden können. Der Janggu besitzt keinerlei Saiten, er ist ausschließlich ein Fell-Schlaginstrument.
Wie klingt der Janggu?
Der charakteristische Klang des Janggu entsteht aus dem Kontrast der beiden unterschiedlich dicken Felle: Die linke, dickere Fellseite erzeugt einen tiefen, dumpfen, resonanzreichen Ton, während die rechte, dünnere Seite einen hohen, scharfen und durchdringenden Klang liefert. Im Zusammenspiel beider Klangfarben entsteht ein rhythmisch vielschichtiges Klangbild, das in Ensembles oft die tragende, taktgebende Rolle übernimmt.
Woraus besteht der Janggu?
Der Korpus des Janggu ist ein einziges, sanduhrförmig ausgedrechseltes Holzstück, meist aus Paulownia-Holz wegen seines geringen Gewichts und seiner guten Klangeigenschaften, mit zwei weiten, sich zur Mitte hin verjüngenden Öffnungen. Über beide Enden werden runde Rahmen mit gespannten Tierhautfellen, meist Rindsleder, gelegt: Das linke Fell ist deutlich dicker und liefert den tiefen Ton, das rechte Fell ist dünner und liefert den hohen Ton.
Beide Felle werden nicht separat befestigt, sondern über ein gemeinsames, durchgehendes Lederband miteinander verschnürt, das im Zickzack durch acht oder mehr Metallösen an den Fellrändern läuft. Verschiebbare Lederringe an den Schnürungen erlauben es, die Spannung und damit die Stimmung jedes Felles einzeln nachzujustieren. Diese Konstruktion aus einem durchgehenden Korpus mit zwei gegenüberliegenden, unterschiedlich gestimmten Fellen ist das entscheidende Merkmal des Janggu, nicht etwa, wie gelegentlich fälschlich behauptet, eine Verbindung zweier separater Trommeln.
Wie spielt man den Janggu?
Der Janggu wird meist im Sitzen quer vor dem Körper platziert oder über einen Schulterriemen getragen. Gespielt wird er beidhändig, aber mit unterschiedlicher Technik auf jeder Seite: Die rechte Hand führt einen dünnen Bambusstab, den sogenannten Yeolchae, mit dem das dünne, hoch gestimmte Fell angeschlagen wird, während die linke Hand das dicke, tief gestimmte Fell direkt mit der bloßen Handfläche oder gelegentlich mit einem Holzschlägel schlägt.
Durch das Zusammenspiel beider Techniken entsteht eine reiche Palette an Klangfarben und komplexen, oft synkopierten Rhythmusmustern. Der Janggu ist zentrales Instrument des Samulnori-Ensembles sowie der Nongak-Bauernmusik, wo er häufig auch tanzend gespielt wird, und begleitet zudem als Soloinstrument den erzählenden Sologesang Pansori, wo der Trommler, Gosu genannt, durch gezielte Schlagmuster und Zurufe das Tempo und die Dramaturgie des Gesangs mitgestaltet.
Typische Musikstile mit dem Janggu
Der Janggu ist seit der Goryeo-Zeit, etwa 10. bis 14. Jahrhundert, sowohl in der höfischen Musik als auch in der Volksmusik Koreas nachweisbar. Er ist unverzichtbarer Bestandteil der Nongak-Bauernmusik und -tänze, der Begleitung des Pansori-Erzählgesangs sowie zahlreicher Schamanenrituale.
Weltweit bekannt wurde der Janggu vor allem durch das 1978 von Kim Duk-soo mitbegründete Ensemble Samulnori, das die traditionellen Rhythmen der Bauernmusik für die Bühne neu arrangierte und den Janggu zu einem international gefeierten Konzertinstrument machte. Auch in zeitgenössischen Fusion-Projekten wird der Janggu zunehmend als rhythmisches Farbelement eingesetzt.
Bekannte Lieder mit dem Janggu
- Kim Duk-soo & SamulNori, das bekannteste koreanische Perkussionsensemble, dessen Aufnahmen den Janggu international bekannt gemacht haben.
- Arirang, das bekannteste koreanische Volkslied, das in nahezu jeder Fassung von Janggu-Rhythmen begleitet wird.
- Pansori-Tradition, in dieser erzählenden Sologesangsform begleitet ein einzelner Janggu-Spieler den Sänger; Pansori wurde von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt.
- Nongak-Bauernmusik, bei diesen traditionellen Umzugs- und Tanzmusiken bildet der Janggu gemeinsam mit Gongs und der Buk-Trommel das rhythmische Grundgerüst.




