Renaissance-Musik

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Redaktion
Der Korpus einer Laute mit geschnitzter Rosette im Schallloch. Foto: Talie79 / Pixabay.
Der Korpus einer Laute mit geschnitzter Rosette im Schallloch. Foto: Talie79 / Pixabay.

Zusammenfassung

Renaissance-Musik ist die europäische Kunstmusik von etwa 1430 bis 1600. Ihr Satz besteht aus vier bis sechs gleichrangigen Stimmen, von denen keine bloß begleitet. Die Imitation trägt ihn: Eine Stimme beginnt ein Motiv, die nächste nimmt es kurz darauf auf, während die erste weiterläuft. Ein Generalbass fehlt, und in der geistlichen Musik hat die Verständlichkeit des Textes Vorrang. Messe, Motette, Chanson, Madrigal und der Instrumentalsatz prägen die Epoche, deren Verbreitung der Notendruck ab 1501 beschleunigte.

Renaissance-Musik ist die europäische Kunstmusik von etwa 1430 bis 1600. Vier Merkmale kennzeichnen sie: Der Satz ist mehrstimmig, und alle Stimmen sind gleichrangig, keine ist bloße Begleitung. Die Imitation trägt diesen Satz, eine Stimme stellt ein Motiv auf und die nächste greift es auf. Ein Generalbass fehlt, das Klangbild ruht deshalb auf keiner stützenden Bassstimme. In der geistlichen Musik hat die Textverständlichkeit Vorrang.

1430Beginn der Epoche
1600Übergang zum Barock
4 bis 6übliche Stimmenzahl
1501erster Notendruck mit Lettern

Was ist Renaissance-Musik?

Renaissance-Musik ist die Musik der Epoche zwischen Mittelalter und Barock. Ihr Kennzeichen ist ein Satz aus mehreren gleichrangigen Stimmen, die einander imitieren, statt eine Melodie zu begleiten. Der Name stammt aus der Kunstgeschichte und meint die Wiedergeburt der Antike; auf die Musik überträgt er sich nur mittelbar, denn antike Musik war nicht überliefert.

In der geistlichen Musik hat die Verständlichkeit des Textes Vorrang. Das Konzil von Trient verlangte zwischen 1545 und 1563, dass die Wörter hörbar bleiben. Komponisten setzten das mit weniger Melismen um und mit Abschnitten, in denen alle Stimmen dieselbe Silbe zugleich singen.

Als Zeitraum gilt etwa 1430 bis 1600. Beide Zahlen sind Setzungen der Musikwissenschaft und keine Ereignisse in der Musik selbst.

MerkmalRenaissance-Musik
Entstehungszeitetwa 1430 bis 1600
AusgangspunktBurgund und die Niederlande, später Italien, Frankreich, England und Spanien
Satzweisevier bis sechs gleichrangige Stimmen, durchgehend imitierend gearbeitet
Harmonisches Fundamentkein Generalbass, der Zusammenklang entsteht aus allen Stimmen
TonsystemKirchentonarten, Terz und Sexte gelten als Konsonanz
NotationMensuralnotation, ab 1501 auch gedruckt
Prägende GattungenMesse, Motette, Chanson, Madrigal, Ricercar, Canzona, Tanzsatz
HauptvertreterDufay, Josquin, Palestrina, Lasso, Byrd
Nachbarepochendavor Mittelalter, danach Barock ab etwa 1600

Was bedeutet Imitation in der Renaissance-Musik?

Imitation heißt: Eine Stimme beginnt ein Motiv, kurz darauf nimmt die nächste dasselbe Motiv auf, oft in anderer Tonhöhe, während die erste weiterläuft. Weil keine Stimme abbricht, sobald die nächste einsetzt, entsteht ein Geflecht, in dem keine Stimme die Melodie allein trägt.

Der Abstand zwischen den Einsätzen bestimmt die Dichte: Setzt die zweite Stimme früh ein, überlagern sich die Motive, setzt sie spät ein, tritt das Motiv jedes Mal einzeln hervor. Die Tonhöhe des Einsatzes liegt meist eine Quinte oder Quarte unter der vorangehenden Stimme.

Dasselbe Motiv setzt nacheinander in jeder Stimme ein. Die zuvor eingetretenen Stimmen laufen weiter. hoch tief Sopran beginnt Alt Quinte tiefer Tenor Quarte tiefer Bass Quinte tiefer läuft weiter Einsatz 1 Einsatz 2 Einsatz 3 Einsatz 4 Zeit
Jede Stimme bringt dasselbe Motiv, setzt später ein als die vorige und liegt tiefer. Die Angabe links nennt die Lage gegenüber der Stimme darüber.

Die Gegenform heißt Homophonie: Dort führt eine Oberstimme die Melodie, die übrigen setzen darunter Akkorde, und alle bewegen sich im selben Rhythmus. Renaissance-Komponisten greifen dazu, wenn eine Textzeile hervortreten soll. Zur durchgehenden Regel wird die Homophonie erst in der Klassik.

Imitation ist kein Kanon. Im Kanon wiederholt die zweite Stimme das Vorbild vollständig und bis zum Schluss. In der Imitation übernimmt sie nur den Anfang, also das Motiv, und geht danach eigene Wege. Deshalb wirkt ein imitierender Satz frei, obwohl alle Stimmen von demselben Material ausgehen.

Was unterscheidet Renaissance-Musik von der Barockmusik?

Der Renaissance fehlt der Generalbass: Ihr Satz ist von allen Stimmen her gedacht, nicht vom Bass her. Um 1600 kehrt sich das um. Die Barockmusik schreibt eine bezifferte Bassstimme aus, ein Tasten- oder Zupfinstrument bildet daraus die Akkorde, und die übrigen Stimmen ordnen sich diesem Fundament unter.

Für die Aufführung heißt das: Ein Chorsatz der Renaissance kommt ohne Begleitung aus, weil jede klingende Stimme im Notentext steht.

Welche Gattungen prägen die Renaissance-Musik?

Fünf Gattungen tragen die Epoche: zwei geistliche, zwei weltliche und der Instrumentalsatz.

  • Messe: Sie vertont die fünf gleichbleibenden Teile des Gottesdienstes, also Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei, oft alle Sätze über dieselbe vorgegebene Melodie, etwa über einen gregorianischen Choral.
  • Motette: Sie vertont einen lateinischen geistlichen Text ohne feste Satzfolge und ist meist durchgehend imitierend gearbeitet.
  • Chanson: Sie ist das mehrstimmige französische Lied, oft mit tänzerisch gleichmäßigem Rhythmus.
  • Madrigal: Es vertont ein weltliches italienisches Gedicht und zeichnet einzelne Wörter musikalisch nach, etwa mit einem Aufstieg der Melodie beim Wort Himmel.
  • Instrumentalsatz: Das Ricercar arbeitet imitierend nach dem Vorbild der Motette, die Canzona übernimmt von der Chanson den lebhaften Verlauf, und der Tanzsatz stellt Paare zusammen, etwa Pavane und Gaillarde.

Wie veränderte der Notendruck die Renaissance-Musik?

Der Notendruck machte aus dem Einzelstück eine Auflage. Bis dahin verbreitete sich Musik nur als Abschrift: Jedes Exemplar kostete einen Schreiber Tage bis Wochen, und jede Kopie setzte neue Fehler hinein. 1501 druckte Ottaviano Petrucci in Venedig die erste Sammlung mehrstimmiger Musik mit beweglichen Lettern.

Das ist ein technischer Grund für den Verlauf der Epoche. Ein Komponist erreichte nun Leser in ganz Europa, ohne je an ihrem Hof gewesen zu sein, und ein Stil verbreitete sich in Jahren statt in Jahrzehnten.

Welche Instrumente spielt man in der Renaissance-Musik?

Die Laute ist das Hausinstrument der Zeit. Sie spielt mehrstimmige Sätze allein und begleitet den Gesang. Notiert ist ihre Literatur in Tabulatur, also in Griffzeichen für Bund und Saite statt in Tonhöhen.

Im Ensemble spielen Instrumente in Familien, also dasselbe Instrument in mehreren Größen von hoch bis tief. Eine solche Gruppe deckt einen vierstimmigen Satz in einer Klangfarbe ab.

  • Blockflöte: Die Blockflöte wird von Sopran bis Bass gebaut und klingt leise genug, um neben Singstimmen zu bestehen.
  • Gambe: Sie wird zwischen den Knien gehalten, trägt Bünde und sechs Saiten und klingt schlanker als die später vorherrschende Familie der Violinen.
  • Krummhorn: Sein Doppelrohrblatt sitzt in einer Kapsel, die der Spieler nicht mit den Lippen berührt, deshalb bleibt die Lautstärke gleich.
  • Zink: Er ist ein gebogenes Holzrohr mit Grifflöchern, das der Spieler mit den Lippen anbläst wie ein Blechblasinstrument.

Wer sind die wichtigsten Komponisten der Renaissance-Musik?

  • Guillaume Dufay (etwa 1397 bis 1474) steht am Beginn der Epoche; er arbeitete in Italien und zuletzt an der Kathedrale von Cambrai.
  • Josquin Desprez (etwa 1450 bis 1521) machte die Imitation zum tragenden Verfahren. Petrucci druckte schon zu seinen Lebzeiten mehrere Bände allein mit Messen Josquins.
  • Giovanni Pierluigi da Palestrina (etwa 1525 bis 1594) arbeitete an römischen Kirchen. Fux erklärte seinen Satz 1725 im Lehrbuch Gradus ad Parnassum zum Muster des strengen Kontrapunkts.
  • Orlando di Lasso (etwa 1532 bis 1594) wirkte über dreißig Jahre am Münchner Hof und vertonte lateinische, italienische, französische und deutsche Texte.
  • William Byrd (etwa 1540 bis 1623) schrieb Musik für die anglikanische Kirche und blieb zugleich Katholik, wovon seine lateinischen Messen zeugen.
  • Claudio Monteverdi (1567 bis 1643) steht am Übergang: Seine frühen Madrigale folgen dem Satz der Renaissance, in den späteren tritt ein Generalbass hinzu.

Häufige Fragen zur Renaissance-Musik

Was ist Renaissance-Musik?

Renaissance-Musik ist die europäische Kunstmusik von etwa 1430 bis 1600. Ihr Satz besteht aus vier bis sechs gleichrangigen Stimmen, die einander imitieren. Ein Generalbass fehlt, deshalb stützt keine Bassstimme das Ganze. In der geistlichen Musik hat die Verständlichkeit des Textes Vorrang.

Wann war die Epoche der Renaissance-Musik?

Die Epoche der Renaissance-Musik dauerte von etwa 1430 bis 1600. Davor liegt das Mittelalter, danach der Barock. Beide Grenzen sind Setzungen der Musikwissenschaft.

Was bedeutet Imitation in der Renaissance-Musik?

Imitation bedeutet, dass eine Stimme ein Motiv beginnt und die nächste es kurz darauf aufnimmt, meist in anderer Tonhöhe, während die erste weiterläuft. Nach und nach setzen alle Stimmen ein. Anders als im Kanon übernimmt die zweite Stimme nur den Anfang und führt danach eine eigene Linie.

Was unterscheidet Renaissance-Musik von der Barockmusik?

Der wichtigste Unterschied ist der Generalbass. Die Renaissance kennt ihn nicht, ihr Satz ist von allen Stimmen her gedacht. Die Barockmusik stützt jede Besetzung auf eine bezifferte Bassstimme, aus der ein Spieler die Akkorde bildet.

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