Barockmusik ist die europäische Kunstmusik zwischen etwa 1600 und 1750. Vier Merkmale kennzeichnen sie: Ein durchgehender Generalbass trägt jede Besetzung als harmonisches Fundament. Die Lautstärke wechselt in Stufen statt in gleitenden Übergängen, was man Terrassendynamik nennt. Die Melodie ist ausgeprägt verziert, und einen Teil der Verzierungen setzt der Spieler selbst hinzu. Die Formen bauen auf Wiederholung und Kontrast, etwa auf dem Wechsel zwischen dem vollen Ensemble und einem Solisten.
Was ist Barockmusik?
Barockmusik ist die Musik der Epoche zwischen Renaissance und Klassik. Sie beginnt mit einer Neuerung: Um 1600 setzen Komponisten in Italien eine einzelne Singstimme über einen stützenden Bass, statt gleichberechtigte Stimmen zu verweben. Daraus entstehen die Oper und der Generalbass.
Das Wort Barock stammt aus der Kunstgeschichte; portugiesisch barroco bezeichnet eine unregelmäßig geformte Perle. Kein Komponist dieser Zeit hätte seine Musik so genannt, die Musikwissenschaft übertrug den Namen erst später.
| Merkmal | Barockmusik |
|---|---|
| Entstehungszeit | etwa 1600 bis 1750 |
| Ausgangspunkt | Italien, von dort nach Frankreich, England und Deutschland |
| Harmonisches Fundament | Generalbass, ausgeführt von Cembalo, Orgel, Laute oder Theorbe zusammen mit einem tiefen Streich- oder Blasinstrument |
| Dynamik | Terrassendynamik, Wechsel in Stufen ohne gleitenden Übergang |
| Melodik | ausgeprägte Ziermelodik, teils vom Spieler ergänzt |
| Prägende Formen | Fuge, Suite, Concerto grosso, Solokonzert, Oper, Oratorium, Kantate |
| Hauptvertreter | Monteverdi, Corelli, Purcell, Vivaldi, Telemann, Bach, Händel |
| Stimmton der heutigen Praxis | meist 415 Hertz, rund einen Halbton unter 440 Hertz |
| Nachbarepochen | davor Renaissance bis etwa 1600, danach Klassik |
Was ist der Generalbass in der Barockmusik?
Der Generalbass ist die Schreibweise, an der man Barockmusik im Notenbild sofort erkennt. Der Komponist schreibt nur zwei Stimmen aus, die Melodie und den Bass. Welche Harmonien über dem Bass liegen, notiert er als Ziffern unter den Bassnoten. Die Ziffer nennt das Intervall über dem Basston, also 6 für die Sexte und 7 für die Septime. Steht keine Ziffer, meint der Bass einen Dreiklang aus Terz und Quinte.
Zwei Instrumente führen den Generalbass aus. Ein Tasten- oder Zupfinstrument greift die Akkorde, meist Cembalo, Orgel, Laute oder Theorbe, dazu spielt ein Violoncello, eine Gambe oder ein Fagott die Basslinie mit. Wie der Akkordspieler die Ziffern umsetzt, steht nicht in den Noten: Er entscheidet über Lage, Tonzahl, gebrochene oder gegriffene Akkorde und kleine Zwischenspiele. Zwei Aufführungen desselben Stücks klingen deshalb verschieden, ohne dass eine davon falsch wäre.
Der Generalbass ist eine Kurzschrift, keine vollständige Notation. Der Komponist legt Bass und Harmonie fest, die Ausführung überlässt er dem Spieler. Wer heute Barockmusik aufführt, trifft an dieser Stelle Entscheidungen, die der Notentext offenlässt.
Was bedeutet Terrassendynamik in der Barockmusik?
Terrassendynamik heißt, dass die Lautstärke in Stufen wechselt. Ein Abschnitt steht laut, der nächste leise, dazwischen liegt keine Steigerung. Der Grund sind die Instrumente des Generalbasses. Ein Cembalo zupft die Saite mit einem Kiel, deshalb ändert ein stärkerer Anschlag die Lautstärke kaum. Eine Orgel klingt so laut, wie die gezogenen Register es vorgeben. Beide lassen keinen gleitenden Übergang zu, und beide sitzen in fast jedem barocken Ensemble.
Die Stufen entstehen deshalb über Besetzung und Register: Im Concerto grosso wechselt eine kleine Solistengruppe mit dem vollen Orchester, an der Orgel wechselt der Spieler das Manual.
Welche Formen prägen die Barockmusik?
Sieben Formen prägen die Barockmusik, alle bauen auf Wiederholung und Kontrast. Wie solche Bauprinzipien allgemein geordnet sind, zeigen die musikalischen Formen.
- Fuge: Eine Stimme stellt ein Thema allein vor, die übrigen setzen nacheinander damit ein und führen es durch weitere Tonarten.
- Suite: Eine Folge stilisierter Tänze in derselben Tonart, im Kern Allemande, Courante, Sarabande und Gigue.
- Concerto grosso: Eine kleine Solistengruppe und das volle Orchester wechseln sich ab, zwei Klangstärken gegeneinander.
- Solokonzert: Ein einzelnes Instrument tritt gegen das Orchester an, meist in drei Sätzen: schnell, langsam, schnell.
- Oper: Ein gesungenes Bühnenwerk, in dem Rezitative die Handlung vorantreiben und Arien einen Gefühlszustand ausbreiten.
- Oratorium: Dieselben Mittel wie die Oper, aber ohne Bühne und Szene, meist über einen geistlichen Stoff.
- Kantate: Ein mehrsätziges Werk für Singstimmen und Instrumente, in der protestantischen Kirche an den Sonntag im Kirchenjahr gebunden.
Wann war die Epoche der Barockmusik?
Die Barockmusik reicht von etwa 1600 bis 1750. Beide Zahlen sind Setzungen der Musikwissenschaft und keine Ereignisse in der Musik selbst. Die Übergänge verlaufen fließend: Um 1600 schreiben Komponisten weiter im Satz der Renaissance, und in den 1730er Jahren arbeiten Zeitgenossen Bachs längst im galanten Stil.
Das Jahr 1750 gilt als Endpunkt, weil Johann Sebastian Bach in diesem Jahr starb. Das ist eine Konvention der Musikgeschichtsschreibung, kein Bruch in der Musik.
Wer sind die wichtigsten Komponisten der Barockmusik?
Diese sieben Komponisten tragen das barocke Repertoire im heutigen Konzertbetrieb.
- Claudio Monteverdi (1567 bis 1643) steht am Anfang der Epoche. Seine Oper L'Orfeo kam 1607 in Mantua heraus.
- Arcangelo Corelli (1653 bis 1713) prägte in Rom das Concerto grosso und die Triosonate; seine gedruckten Sammlungen galten europaweit als Vorbild.
- Henry Purcell (1659 bis 1695) schrieb englische Bühnen- und Kirchenmusik, darunter die Oper Dido and Aeneas.
- Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) machte den dreisätzigen Aufbau des Solokonzerts zum Standard.
- Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) arbeitete zuletzt in Hamburg und gilt als produktivster Komponist der Epoche.
- Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) führte den Kontrapunkt am weitesten; Kantaten, Passionen und Orgelwerke bilden den Kern der Werke Bachs.
- Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) ging nach London und schrieb dort italienische Opern und englische Oratorien, darunter den Messiah.
Wie klingt Barockmusik in der historischen Aufführungspraxis?
Ensembles der historischen Aufführungspraxis stimmen tiefer als der heute übliche Kammerton von 440 Hertz. Gebräuchlich sind 415 Hertz für das eingestrichene a, also rund ein Halbton tiefer. Einen einheitlichen Stimmton kannte der Barock nicht, die Höhe hing von Ort, Orgel und Anlass ab. Die 415 Hertz sind eine Vereinbarung von heute, kein historischer Messwert.
Dazu kommen weitere Unterschiede: Streicher spielen auf Darmsaiten und mit leichteren Bögen, die Besetzungen bleiben klein, das Vibrato dient als Verzierung statt als Dauerklang. Die Spieler ergänzen außerdem Verzierungen, die nicht im Notentext stehen, etwa Triller, Vorschläge und Mordente.
Häufige Fragen zur Barockmusik
Was ist Barockmusik?
Barockmusik ist die europäische Kunstmusik der Zeit von etwa 1600 bis 1750. Ein durchgehender Generalbass bildet ihr harmonisches Fundament, die Lautstärke wechselt in Stufen, und die Melodien tragen viele Verzierungen. Ihre prägenden Formen sind Fuge, Suite, Concerto grosso, Solokonzert, Oper, Oratorium und Kantate.
Wann war die Epoche der Barockmusik?
Die Epoche der Barockmusik dauerte von etwa 1600 bis 1750. Beide Grenzen sind Setzungen der Musikwissenschaft, die Übergänge zu Renaissance und Klassik verlaufen fließend. Als Endpunkt gilt 1750, weil Johann Sebastian Bach in diesem Jahr starb.
Was ist der Generalbass in der Barockmusik?
Der Generalbass ist das harmonische Fundament der Barockmusik. Der Komponist schreibt die Bassstimme aus und setzt Ziffern darunter, die die Intervalle über dem Basston angeben. Ein Tasten- oder Zupfinstrument bildet daraus die Akkorde, ein tiefes Streich- oder Blasinstrument spielt die Basslinie mit. Lage und Ausschmückung der Akkorde bleiben dem Spieler überlassen.
Was unterscheidet Barockmusik von der Klassik?
Barockmusik stützt jede Besetzung auf einen Generalbass und führt mehrere Stimmen gleichrangig nebeneinander. Die Klassik gibt den Generalbass auf und stellt eine führende Melodie über eine Begleitung. Dazu kommt die Dynamik: Barockmusik schaltet zwischen laut und leise um, die Klassik lässt die Lautstärke gleitend anschwellen.




