Der Blues ist eine Musikrichtung, die um 1900 im Süden der USA entstand und einem festen Schema folgt: zwölf Takte, drei Stufen, eine gesungene Zeile je vier Takte. Die Melodie stützt sich auf die Bluestonleiter, in der die dritte, die fünfte und die siebte Stufe abgesenkt sind. Sänger und Instrument wechseln sich ab, das nennt man Call and Response. Aus diesem Schema entwickelten sich Rock, Jazz und Soul.
Was macht den Blues aus?
Den Blues machen drei feste Bauteile aus: das Zwölftaktschema, die Bluestonleiter und der Wechsel zwischen Stimme und Instrument. Alle drei kennt jeder Bluesmusiker, deshalb genügt die Ansage der Tonart, damit fremde Musiker zusammen spielen.
Auffällig ist die Harmonik. Alle drei Stufen erklingen meist als Septakkorde, auch die Tonika. In der klassischen Harmonielehre verlangt ein Akkord mit kleiner Septime eine Auflösung, im Blues bleibt er stehen. Dazu kommt die Reibung zwischen der kleinen Terz der Melodie und der großen Terz der Begleitung.
| Merkmal | Blues |
|---|---|
| Entstehungszeit | um 1900, erste gedruckte Stücke in den 1910er Jahren |
| Entstehungsort | Süden der USA, vor allem das Mississippi-Delta |
| Typische Besetzung | Gesang und Gitarre, dazu Mundharmonika, Klavier, Bass und Schlagzeug |
| Taktart | 4/4, Achtel meist ternär als Shuffle |
| Tempobereich | rund 60 bis 160 Schläge je Minute |
| Prägende Merkmale | Zwölftaktschema mit den Stufen I, IV und V, Bluestonleiter, Call and Response, Textform AAB |
| Wichtige Subgenres | Delta Blues, Chicago Blues, Texas Blues, Jump Blues, Blues Rock |
Wie ist das Zwölftaktschema des Blues aufgebaut?
Das Zwölftaktschema teilt zwölf Takte in drei Gruppen zu vier Takten und belegt sie mit den Stufen I, IV und V. Die Takte 1 bis 4 stehen auf der Tonika, die Takte 5 und 6 auf der Subdominante, danach kehrt die Tonika für zwei Takte zurück. Takt 9 bringt die Dominante, Takt 10 noch einmal die Subdominante, die Takte 11 und 12 führen zurück zur Tonika.
Zwei Abweichungen sind so verbreitet, dass sie zum Schema gehören. Beim Quick Change steht schon im zweiten Takt die IV. Stufe. Und der zwölfte Takt trägt häufig die V. Stufe statt der Tonika, weil sie in den nächsten Durchlauf zurückführt. Diesen Übergang nennen Musiker Turnaround.
Der Blues ist die harmonische Grundlage von Rock, Jazz und Soul. Der Rock and Roll übernahm das Zwölftaktschema fast unverändert, der Jazz führt es bis heute als eine seiner beiden Standardformen, und der Soul erbte Bluestonleiter und Call and Response.
Woran erkennt man den Blues?
Am schnellsten erkennt man den Blues an der Tonleiter. Die Bluestonleiter besteht aus Grundton, kleiner Terz, Quarte, verminderter Quinte, reiner Quinte und kleiner Septime. In C sind das die Töne c, es, f, ges, g und b. Die drei abgesenkten Stufen heißen Bluesnoten. Sänger und Gitarristen treffen sie oft nicht genau, sondern ziehen den Ton von unten heran.
Das zweite Erkennungsmerkmal ist der Rhythmus. Der Shuffle teilt jede Zählzeit in drei gleiche Teile, gespielt werden davon der erste und der dritte. Dadurch dauert der erste Schlag doppelt so lang wie der zweite. Der Blues Rock verwendet stattdessen meist gerade Achtel.
Das dritte Merkmal ist der Aufbau des Gesangs. Der Sänger singt eine Zeile, wiederholt sie und beantwortet sie mit einer dritten. In den Pausen am Zeilenende antwortet ein Instrument mit einer kurzen Figur.
Woher stammt der Blues?
Der Blues stammt aus dem Süden der USA und entstand dort um 1900 unter der afroamerikanischen Bevölkerung. Seine Wurzeln liegen in den Arbeitsgesängen der Baumwollfelder, in den Field Hollers der einzelnen Rufer und in den geistlichen Liedern der Gemeinden. Aus dem Wechsel von Vorsänger und Gruppe wurde Call and Response.
Die ersten gedruckten Bluesstücke erschienen in den 1910er Jahren, die ersten Schallplatten mit Bluessängerinnen in den 1920er Jahren. Mit der Wanderung der Landbevölkerung in die Industriestädte des Nordens kam der Blues in den 1940er Jahren nach Chicago. Dort verstärkten die Musiker Gitarre und Mundharmonika elektrisch und machten aus dem Duo aus Stimme und Gitarre eine Band.
Welche Instrumente prägen den Blues?
- Gitarre übernimmt Begleitung und Antwort zugleich. Mit einem Bottleneck über dem Finger gleiten Spieler stufenlos zwischen den Tönen, seit den 1940er Jahren dient dafür meist die E-Gitarre mit leicht übersteuertem Verstärker.
- Mundharmonika antwortet der Stimme. Bluesspieler nehmen eine Mundharmonika, die eine Quarte tiefer steht als die Tonart des Stücks, weil sich die Töne beim Ziehen nach unten biegen lassen.
- Klavier spielt in der linken Hand eine laufende Bassfigur und in der rechten die Akkorde. Aus dieser Spielweise entstand der Boogie-Woogie.
- Bass und Schlagzeug halten den Shuffle. Das Schlagzeug betont die Zählzeiten zwei und vier, der Bass folgt der Akkordfolge in Vierteln.
Welche Subgenres hat der Blues?
- Delta Blues ist die älteste aufgezeichnete Form: eine Stimme, eine akustische Gitarre, oft ein Bottleneck, aufgenommen ab den 1920er Jahren im Mississippi-Delta.
- Chicago Blues verstärkte diese Musik ab den 1940er Jahren elektrisch und stellte eine Band aus Gitarre, Mundharmonika, Klavier, Bass und Schlagzeug dahinter.
- Texas Blues verbindet den Blues mit dem Swing der Tanzkapellen und stellt einzeln gespielte Gitarrenlinien über die Begleitung.
- Jump Blues beschleunigte den Blues in den 1940er Jahren, ergänzte Bläser und führte damit direkt zum Rock and Roll.
- Blues Rock übernahm ab den 1960er Jahren Schema und Tonleiter, spielte sie aber lauter, schneller und mit geraden Achteln.
Der Blues wirkte auch dort weiter, wo sein Schema fehlt: Der Jazz übernahm die Bluesnoten in seine Melodik, der Soul den Wechsel von Ruf und Antwort.
Häufige Fragen zum Blues
Wie viele Takte hat ein Blues?
Ein Blues hat in der Regel zwölf Takte je Durchlauf. Sie zerfallen in drei Gruppen zu vier Takten: Tonika, Subdominante mit Rückkehr zur Tonika, Dominante mit Rückleitung. Daneben gibt es achttaktige und sechzehntaktige Formen, die aber deutlich seltener vorkommen.
Welche Töne hat die Bluestonleiter?
Die Bluestonleiter besteht aus sechs Tönen: Grundton, kleine Terz, Quarte, verminderte Quinte, reine Quinte und kleine Septime. In C ergibt das c, es, f, ges, g und b. Die kleine Terz, die verminderte Quinte und die kleine Septime heißen Bluesnoten, weil sie gegenüber der Durtonleiter abgesenkt sind.
Was bedeutet Call and Response im Blues?
Call and Response bezeichnet im Blues den Wechsel zwischen Stimme und Instrument. Der Sänger singt in der ersten Hälfte eines Viertakters seine Zeile, in der zweiten Hälfte antwortet ihm Gitarre, Mundharmonika oder Klavier. Das Verfahren stammt aus den Arbeitsgesängen, in denen ein Vorsänger rief und die Gruppe antwortete.
Warum gilt der Blues als Grundlage anderer Musikrichtungen?
Der Blues gilt als Grundlage von Rock, Jazz und Soul, weil diese Musikrichtungen sein Material übernahmen. Der Rock and Roll baute auf dem Zwölftaktschema auf, der Jazz nahm es als Standardform und die Bluesnoten in seine Melodik auf, der Soul übernahm Call and Response und die Gesangstechnik.




