Chormusik ist Musik für einen Chor, also für eine Gruppe von Sängern, in der mehrere Personen dieselbe Stimme singen. Genau das trennt den Chor vom Vokalensemble, in dem jede Stimme nur einfach besetzt ist. Der gemischte Chor gliedert sich in die vier Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor und Bass, kurz SATB. Er singt entweder a cappella, also ohne Instrumente, oder mit Begleitung durch Orgel, Klavier oder Orchester.
Was ist Chormusik?
Chormusik ist mehrstimmige Vokalmusik für einen chorisch besetzten Klangkörper. Chorisch heißt: Jede Stimme singen mehrere Sänger gleichzeitig. Ein vierstimmiger Satz braucht deshalb mindestens acht Personen, üblich sind zwanzig bis achtzig, große Oratorienchöre zählen mehrere hundert.
| Merkmal | Chormusik |
|---|---|
| Entstehungszeit | mehrstimmiger Chorsatz ab dem 12. Jahrhundert, ausgebaut in der Renaissance ab etwa 1400 |
| Entstehungsort | Kirchen und Kathedralen Europas, Zentren in Frankreich, Flandern und Italien |
| Typische Besetzung | Sopran, Alt, Tenor und Bass (SATB), a cappella oder mit Orgel, Klavier oder Orchester |
| Prägende Merkmale | mehrfache Besetzung jeder Stimme, homophoner oder polyphoner Satz, gemeinsame Textaussprache |
| Wichtige Untergattungen | Messe, Motette, Kantate, Passion, Oratorium, Requiem, Madrigal, Chorlied |
| Chorformen | gemischter Chor, Männerchor, Frauenchor, Kinderchor, Knabenchor, Kammerchor |
Welche Stimmlagen singt ein Chor?
Ein gemischter Chor singt vier Stimmlagen: Sopran, Alt, Tenor und Bass. Sopran und Alt besetzen Frauen, Tenor und Bass Männer. Die vier Lagen liegen nicht getrennt übereinander, sondern überlappen sich deutlich, und zusammen decken sie gut drei Oktaven ab.
- Sopran ist die höchste Lage und singt im Chorsatz meist die Melodie. Der Umfang reicht etwa von c1 bis a2, also knapp zwei Oktaven.
- Alt liegt darunter, etwa von g bis d2, und führt im vierstimmigen Satz oft die engste Stimme mit den wenigsten Sprüngen.
- Tenor reicht etwa von c bis a1. Er steht im Violinschlüssel, klingt aber eine Oktave tiefer als notiert.
- Bass ist die tiefste Lage, etwa von E bis d1, und legt mit den Grundtönen der Akkorde das harmonische Fundament.
Im Chor singt jede Stimme mehrfach. Deshalb klingt ein Chor anders als ein Vokalensemble mit derselben Stimmenzahl: Kleine Abweichungen in Tonhöhe und Einsatz mitteln sich zu einem breiteren Klang, einzelne Fehler fallen nicht auf, und die einzelne Stimme bleibt nicht als Person erkennbar.
Welche Chorformen gibt es?
Chöre unterscheiden sich nach den Stimmen, die sie besetzen. Die Kurzformen nennen die Lagen von oben nach unten, ein doppelter Buchstabe steht für eine geteilte Lage.
- Gemischter Chor besetzt Sopran, Alt, Tenor und Bass (SATB). Er ist die häufigste Form und deckt den vollen Umfang ab.
- Männerchor besetzt zwei Tenor- und zwei Bassstimmen (TTBB). Der Satz liegt tiefer, die Melodie führt der erste Tenor.
- Frauenchor besetzt zwei Sopran- und zwei Altstimmen (SSAA) und klingt entsprechend heller.
- Kinderchor singt meist ein- bis dreistimmig, weil die Stimmen vor dem Stimmwechsel im Umfang eng beieinanderliegen.
- Knabenchor besetzt Sopran und Alt mit Jungen vor dem Stimmwechsel, Tenor und Bass mit Männern.
- Kammerchor ist klein besetzt und singt anspruchsvolle Sätze mit wenigen Sängern je Stimme.
- Doppelchor teilt den Chor in zwei vollständige vierstimmige Gruppen, die einander antworten. Der Satz wird dadurch achtstimmig.
Was unterscheidet einen homophonen von einem polyphonen Chorsatz?
Ein homophoner Chorsatz bewegt alle Stimmen im gleichen Rhythmus, ein polyphoner führt sie selbstständig. Im homophonen Satz sprechen alle Sänger die Silben gleichzeitig aus, der Text bleibt Wort für Wort verständlich, und die Akkorde treten deutlich hervor. Der vierstimmige Choralsatz ist dafür das Standardbeispiel.
Im polyphonen Satz setzen die Stimmen nacheinander ein und singen unterschiedliche Rhythmen, oft dasselbe Motiv zeitlich versetzt. Der Text ist dann schwerer mitzulesen, dafür entsteht ein dichtes Gewebe. Die Fuge treibt dieses Prinzip am weitesten, indem jede Stimme dasselbe Thema in fester Reihenfolge übernimmt.
Was bedeutet a cappella in der Chormusik?
A cappella bedeutet, dass ein Chor ohne Instrumente singt. Der Ausdruck stammt aus dem Italienischen und heißt wörtlich in der Art der Kapelle, gemeint war ursprünglich der unbegleitete Gesang in der päpstlichen Kapelle. Ein a cappella singender Chor muss die Tonhöhe über das ganze Stück selbst halten. Sinkt sie langsam ab, spricht man von Detonieren, und der Schlussakkord steht tiefer als der Anfang.
Der begleitete Chor bekommt dagegen ein Fundament vorgegeben. In der Kirche übernimmt das meist die Pfeifenorgel, in der Probe und im Konzertsaal oft das Klavier, im Oratorium ein ganzes Orchester.
Welche Gattungen prägen die Chormusik?
Die geistliche Chormusik stellt die größten Gattungen: Messe, Motette, Kantate, Passion, Requiem und Oratorium. Am Anfang dieser Reihe steht der einstimmige gregorianische Choral, aus dem sich ab dem 12. Jahrhundert die Mehrstimmigkeit entwickelte. In der Renaissance schrieben Josquin Desprez und Giovanni Pierluigi da Palestrina Messen und Motetten, in denen alle Stimmen gleiches Gewicht tragen. Johann Sebastian Bach führte den Chor in Kantaten, in der Matthäus-Passion und in der h-Moll-Messe.
Die weltliche Chormusik reicht vom Madrigal der Renaissance über das Chorlied des 19. Jahrhunderts bis zum Gospel und zur Popbearbeitung. In der Klassik öffnete Beethoven die Sinfonie für den Chor: Der Schlusssatz seiner neunten Sinfonie setzt Schillers Ode An die Freude für Soli, Chor und Orchester.
Häufige Fragen zur Chormusik
Welche Stimmlagen gibt es im Chor?
Ein gemischter Chor hat vier Stimmlagen: Sopran (etwa c1 bis a2), Alt (etwa g bis d2), Tenor (etwa c bis a1) und Bass (etwa E bis d1). Die Kurzform lautet SATB. Zusammen decken die vier Lagen gut drei Oktaven ab, benachbarte Lagen überlappen sich dabei um jeweils gut eine Oktave.
Was bedeutet a cappella in der Chormusik?
A cappella bedeutet Singen ohne instrumentale Begleitung. Der Ausdruck kommt aus dem Italienischen und heißt in der Art der Kapelle. Ein a cappella singender Chor gibt sich den Anfangston meist mit einer Stimmgabel oder einem Ton vom Klavier und hält die Stimmung danach ohne Hilfe.
Was ist der Unterschied zwischen homophonem und polyphonem Chorsatz?
Im homophonen Chorsatz singen alle Stimmen denselben Rhythmus und sprechen den Text gleichzeitig aus, wie im vierstimmigen Choralsatz. Im polyphonen Chorsatz laufen die Stimmen selbstständig, setzen nacheinander ein und überlagern sich, wie in einer Fuge oder einer Motette der Renaissance.
Wie viele Sänger braucht ein Chor?
Ein Chor braucht mindestens zwei Sänger je Stimme, für einen vierstimmigen Satz also acht Personen. Mit einfacher Besetzung wäre es ein Vokalensemble, kein Chor. Übliche Laienchöre zählen zwanzig bis achtzig Mitglieder, große Oratorienchöre mehrere hundert.




