Gospel

5 Min. Lesezeit
Redaktion
Eine Kirchenorgel und Chorstühle in einem hellen Kirchenraum. Bild: KI generiert.
Eine Kirchenorgel und Chorstühle in einem hellen Kirchenraum. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Gospel ist geistliche Musik aus den afroamerikanischen Gemeinden der USA, entstanden im frühen 20. Jahrhundert und ab den 1930er Jahren als eigenes Genre benannt. Ein Vorsänger singt eine Zeile, der Chor antwortet, und die Gemeinde klatscht auf die Zählzeiten zwei und vier. Solisten schmücken einzelne Silben mit mehreren Tönen aus, Klavier und Orgel tragen die Begleitung. Vom älteren, meist unbegleiteten Spiritual unterscheidet sich der Gospel durch feste Begleitung, benannte Autoren und gedruckte Noten.

Gospel ist geistliche Musik, die in den afroamerikanischen Gemeinden der USA entstanden ist. Der Name kommt vom englischen gospel, dem Evangelium oder der frohen Botschaft. Drei Merkmale prägen den Klang: der Wechsel zwischen einem Vorsänger und dem Chor, das Klatschen auf die Zählzeiten zwei und vier und die Ausschmückung einzelner Silben mit mehreren Tönen. Orgel und Klavier tragen die Begleitung, dazu kommen meist Bass und Schlagzeug.

1930erGospel als eigenes Genre
2 und 4betonte Zählzeiten
USAUrsprungsland
OrgelLeitinstrument der Begleitung

Was ist Gospel?

Gospel ist christliche Gemeindemusik mit festen Gestaltungsmitteln, kein Sammelbegriff für religiöse Lieder. Er entstand im frühen 20. Jahrhundert in den afroamerikanischen Kirchen der USA und verbindet deren Gesangstradition mit der Harmonik des Blues und dem Rhythmus des Jazz. Ein Gospelchor singt nicht auf Distanz zur Gemeinde, sondern zieht sie über Klatschen und mitgesungene Antworten in das Stück hinein.

MerkmalGospel
Entstehungszeitfrühes 20. Jahrhundert, als eigenes Genre ab den 1930er Jahren
Entstehungsortafroamerikanische Gemeinden in den USA, ein Zentrum war Chicago
Typische BesetzungVorsänger, Chor, Klavier, Orgel, Bass, Schlagzeug, Klatschen
Prägende MerkmaleCall and Response, Betonung der Zählzeiten zwei und vier, Melismen, Improvisation des Solisten
Wichtige UntergattungenTraditional Gospel, Gospelquartett, Contemporary Gospel, Southern Gospel
Verwandte FormenSpiritual, Soul, Rhythm and Blues

Woher stammt der Gospel?

Der Gospel stammt aus den afroamerikanischen Gemeinden der USA. Seine Wurzeln liegen im Gesang der versklavten Afroamerikaner, in westafrikanischen Musizierformen und im protestantischen Kirchenlied. Mit der Abwanderung vieler Familien aus dem Süden in die Industriestädte des Nordens ab den 1910er Jahren wuchsen dort große Gemeinden, in denen die neue Musik entstand.

Thomas A. Dorsey, zuvor Bluespianist, verband in Chicago die Gemeindetradition mit Harmonik und Ausdruck des Blues. Er schrieb, verlegte und verkaufte Gospellieder als gedruckte Noten, darunter Take My Hand, Precious Lord aus dem Jahr 1932, und gilt deshalb als Begründer des Genres. Mahalia Jackson trug die Musik ab den 1940er Jahren in Konzertsäle und ins Radio.

Was unterscheidet Gospel und Spiritual?

Das Spiritual ist rund ein Jahrhundert älter als der Gospel. Spirituals entstanden im 19. Jahrhundert unter versklavten Afroamerikanern im Süden der USA. Niemand schrieb sie auf, die Gemeinschaft gab sie mündlich weiter, und meist sang man sie ohne Instrumente. Ihre Texte greifen Bilder aus dem Alten Testament auf, etwa den Auszug aus Ägypten, und meinten zugleich die eigene Lage.

Spiritual und Gospel unterscheiden sich in Zeit, Herkunft und Begleitung. Das Spiritual ist eine mündlich überlieferte Form des 19. Jahrhunderts ohne benannte Verfasser und meist ohne Instrumente. Der Gospel entstand im 20. Jahrhundert in den Stadtgemeinden, mit benannten Autoren, gedruckten Noten und fester Begleitung aus Klavier, Orgel, Bass und Schlagzeug.

Wie funktioniert Call and Response im Gospel?

Call and Response ist der Wechsel zwischen einem Vorsänger und dem Chor. Der Vorsänger singt eine Zeile, der Chor antwortet mit einer festen Gegenzeile, und beide wechseln sich über das ganze Stück ab. Die Antwort bleibt dabei meist gleich, während der Vorsänger seine Zeile jedes Mal anders ausgestaltet. Das Prinzip stammt aus westafrikanischen Musizierformen und funktioniert ohne Noten: Nach einem Durchgang kennt jeder die Antwort.

Takt 1 Takt 2 1 2 3 4 1 2 3 4 Ruf Antwort Vorsänger Chor Klatschen
Der Vorsänger singt eine Zeile, der Chor antwortet mit der nächsten. Die großen gefüllten Kreise zeigen das Klatschen auf den Zählzeiten zwei und vier.

Das Klatschen fällt dabei nicht auf die Zählzeiten eins und drei, sondern auf zwei und vier. Diese Betonung heißt Backbeat und zieht den Puls nach vorn. Sie prägte den Rhythmus von Soul, Rhythm and Blues und Rock und stammt aus der Gemeindepraxis, in der Hände das Schlagzeug ersetzten.

Wie singt ein Gospelchor?

Ein Gospelchor singt mit voller Stimme, starken Lautstärkeunterschieden und viel Freiheit für den Solisten. Das wichtigste Gestaltungsmittel ist das Melisma: Der Sänger verteilt mehrere Töne auf eine Silbe und schmückt die Melodie damit aus. Zwei Sänger singen dieselbe Zeile deshalb nie gleich.

Der Chor bleibt einfacher gesetzt als in der klassischen Chormusik, oft drei- bis vierstimmig und über weite Strecken homophon, damit die Antwort geschlossen wirkt. Viele Gemeindechöre lernen ihre Stimmen nach Gehör statt nach Noten. Gegen Ende steigert ein Stück oft Tempo und Lautstärke, wiederholt eine kurze Zeile immer wieder und endet im Shout, dem lautesten Teil.

Welche Instrumente begleiten Gospelmusik?

Die Begleitung des Gospel ruht auf zwei Tasteninstrumenten. Das Klavier gibt den Puls und die Akkorde, die Orgel legt Flächen darunter und füllt die Pausen zwischen den Gesangszeilen. In den Gemeinden übernimmt das meist eine elektrische Hammondorgel, deren Ton rotierende Tonräder erzeugen; ein Lautsprecher mit drehendem Horn fügt das typische Schweben hinzu. In großen Kirchen steht daneben eine Pfeifenorgel.

Dazu kommen Bass und Schlagzeug, oft ein Tamburin, und in größeren Besetzungen Bläser und Gitarre. Das Klatschen der Gemeinde zählt zur Besetzung: Es liefert den Backbeat auch dann, wenn kein Schlagzeug da ist.

Was verbindet Gospel und Soul?

Der Soul ist aus dem Gospel hervorgegangen. In den 1950er Jahren übertrugen Sänger die Mittel der Kirchenmusik auf weltliche Texte: dieselbe Stimmführung mit Melismen, denselben Wechsel zwischen Solist und antwortendem Chor, denselben Backbeat, dazu Orgel und Klavier als Fundament. Ray Charles verband beides früh, Sam Cooke wechselte von einem Gospelquartett zur populären Musik, Aretha Franklin begann in der Gemeinde ihres Vaters.

Der Weg führte auch zurück: Der Contemporary Gospel übernahm ab den 1970er Jahren Besetzung und Produktionsweise der Popmusik, ohne die Texte zu ändern.

Häufige Fragen zum Gospel

Was ist der Unterschied zwischen Gospel und Spiritual?

Das Spiritual ist die ältere Form: Es entstand im 19. Jahrhundert unter versklavten Afroamerikanern, verbreitete sich mündlich und klang meist ohne Instrumente. Der Gospel entstand im frühen 20. Jahrhundert in den Stadtgemeinden, hat benannte Autoren, erschien als gedruckte Noten, und Klavier, Orgel, Bass und Schlagzeug begleiten ihn.

Was bedeutet Call and Response im Gospel?

Call and Response bezeichnet den Wechsel zwischen Vorsänger und Chor. Der Vorsänger singt eine Zeile und gestaltet sie jedes Mal anders aus, der Chor antwortet mit einer meist gleichbleibenden Gegenzeile. Das Prinzip stammt aus westafrikanischen Musizierformen und lässt die Gemeinde ohne Noten mitsingen.

Welche Instrumente begleiten Gospelmusik?

Gospel begleiten vor allem Klavier und Orgel, in den Gemeinden meist eine elektrische Hammondorgel. Dazu kommen Bass, Schlagzeug und Tamburin, in größeren Besetzungen Bläser und Gitarre. Das Klatschen der Gemeinde auf die Zählzeiten zwei und vier gehört fest dazu und ersetzt bei kleinen Besetzungen das Schlagzeug.

Ist Gospel die Wurzel des Soul?

Ja, der Soul ist unmittelbar aus dem Gospel hervorgegangen. Sänger übertrugen in den 1950er Jahren die Gesangsweise, den Wechsel zwischen Solist und Chor und den Backbeat der Kirchenmusik auf weltliche Texte. Ray Charles, Sam Cooke und Aretha Franklin kamen alle aus dieser Tradition.

Weitere Artikel in Genres

Grunge

Grunge

Grunge ist eine Spielart des Rock mit schwerem, trägem Gitarrenklang und einem starken Wechsel zwischen leisen Strophen und lauten Refrains. Die Songstrukturen bleiben einfach, oft mit vier oder fünf Powerakkorden je Stück, der Aufnahmeklang bleibt bewusst roh und ungeschliffen. Grunge entstand Ende der 1980er Jahre in Seattle und im Nordwesten der Vereinigten Staaten, wo unabhängige Label die ersten Platten herausbrachten. Die bekannteste Band der Richtung ist Nirvana.

Hard Rock

Hard Rock

Hard Rock ist eine Stilrichtung der Rockmusik, in der die verzerrte E-Gitarre die tragende Schicht bildet und ein Riff statt einer Akkordbegleitung den Ablauf des Stücks trägt. Das Tempo liegt im mittleren bis schnellen Bereich, die Snaredrum betont die Zählzeiten zwei und vier, und der Sänger singt in hoher Lage gegen die Band an. Harmonisch bleibt Hard Rock im Blues verwurzelt: Riffs und Soli stammen aus der Moll-Pentatonik und der Blues-Skala. Er entstand Ende der 1960er Jahre in Großbritannien und den Vereinigten Staaten aus dem Blues Rock.

Hip-Hop

Hip-Hop

Hip-Hop ist eine Kultur aus vier Elementen: MCing, DJing, Breakdance und Graffiti. Musikalisch besteht er aus einem rhythmisch gesprochenen Vortrag über einem wiederholten Beat, den ein DJ aus Breakbeats zusammensetzt oder ein Produzent aus Samples und Drumcomputer baut. Hip-Hop entstand Anfang der 1970er Jahre in der South Bronx in New York. Die Taktart ist 4/4, das Tempo liegt meist zwischen 80 und 100 Schlägen pro Minute.

House

House

House ist elektronische Tanzmusik mit einer Bassdrum auf jeder Viertel, einem Tempo von meist 118 bis 130 Schlägen pro Minute und einer offenen Hi-Hat auf den Achteln zwischen den Schlägen. Das Harmonie- und Gesangsmaterial stammt aus Disco, Soul und Gospel, Gesang gehört zum Normalfall. Ein Track ist aus Schleifen von 4, 8 oder 16 Takten gebaut, die einzeln zu- und abgeschaltet werden, nicht aus Strophe und Refrain. Der Stil entstand Anfang bis Mitte der 1980er Jahre in Chicago aus der dortigen Disco-Kultur.