Soul

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Redaktion
Hände halten eine Posaune mit angestecktem Notenhalter. Foto: congerdesign / Pixabay.
Hände halten eine Posaune mit angestecktem Notenhalter. Foto: congerdesign / Pixabay.

Zusammenfassung

Soul ist eine um 1960 in den USA entstandene Musikrichtung, die den Gesang der Gospelkirche mit weltlichen Texten verbindet. Kennzeichen sind lange Melismen, ein antwortender Chor und ein Bläsersatz, der die Lücken der Gesangslinie füllt. Der Bass spielt dabei eine eigene Melodie statt nur die Grundtöne. Die Zentren des Soul waren Detroit mit der Plattenfirma Motown und Memphis mit Stax.

Soul ist eine Musikrichtung, die um 1960 in den USA entstand und die Gesangstechnik des Gospels auf weltliche Texte überträgt. Die Sänger kamen aus den Kirchenchören und brachten deren Mittel mit: lange Melismen, Rufe zwischen den Zeilen und einen Chor, der antwortet. Dazu treten ein Bläsersatz und ein Bass, der eine eigene Melodie spielt statt nur die Grundtöne. Aus dem Soul ging ab Mitte der 1960er Jahre der Funk hervor.

um 1960Entstehung
USAUrsprungsland
4/4Taktart
2 und 4betonte Zählzeiten

Was macht Soul aus?

Soul verbindet den Gesang der Gospelkirche mit weltlichen Texten. Dieselbe Stimme, die sonntags von Erlösung sang, singt hier von Liebe, Trennung und Alltag. Die Technik bleibt gleich: Der Sänger dehnt einzelne Silben über viele Töne, steigert die Lautstärke innerhalb einer Zeile und lässt einen Chor die Zeilenenden beantworten.

Der zweite Baustein ist der Bläsersatz. Zwei bis vier Bläser spielen kurze, scharf abgesetzte Einwürfe in die Lücken der Gesangslinie und übernehmen damit die Rolle, die im Gospel die Gemeinde hatte. Der dritte Baustein ist der Bass. Er läuft nicht auf den Grundtönen mit, sondern bewegt sich mit Durchgangstönen und Synkopen als zweite Melodie unter dem Gesang.

MerkmalSoul
Entstehungszeitum 1960
EntstehungsortUSA, vor allem Detroit und Memphis
Typische BesetzungLeadstimme und Begleitchor, Bläsersatz, E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug, Klavier oder Orgel
Taktart4/4
Tempobereichrund 60 bis 130 Schläge je Minute
Prägende MerkmaleGospelgesang mit weltlichen Texten, Melismen, Bläsersätze, Bass als eigene Melodie, Betonung der Zählzeiten zwei und vier
Wichtige SubgenresMotown, Southern Soul, Philly Soul, Northern Soul, Neo Soul

Woran erkennt man Soul?

Am sichersten erkennt man Soul am Melisma, also daran, dass eine einzige Silbe über mehrere Töne läuft. Im Kirchenlied dient das Melisma der Verzierung, im Soul wird es zum Hauptmittel: Der Sänger verlängert das letzte Wort einer Zeile und führt es über eine ganze Tonfolge, bevor der Chor antwortet.

hoch tief eine Note je Silbe Du bist nicht hier Melisma: eine Silbe, viele Noten hier eine einzige Silbe
Links trägt jede Silbe genau einen Ton. Rechts verteilt der Sänger die letzte Silbe derselben Zeile auf sechs Töne, das ist ein Melisma.

Zwei weitere Merkmale sind leicht zu hören. Das Schlagzeug betont die Zählzeiten zwei und vier auf der kleinen Trommel, bei Motown zusätzlich mit einem Tamburin. Und der Bläsersatz spielt nie durchgehend mit, sondern setzt kurze Akkordblöcke genau dort, wo die Stimme Luft holt.

Soul ist Gospelgesang mit weltlichem Text. Ray Charles übertrug Melodien und Gesangsformeln aus der Kirche auf Liebeslieder, Sam Cooke und Aretha Franklin kamen selbst aus dem Kirchengesang. Die Technik blieb dieselbe, nur der Adressat des Textes wechselte.

Woher stammt der Soul?

Der Soul stammt aus den USA und entstand dort um 1960 aus zwei Quellen: dem Gospel der afroamerikanischen Kirchen und dem Rhythm and Blues der 1940er und 1950er Jahre. Vom Gospel kamen Gesangstechnik, Chor und Orgel, vom Rhythm and Blues die Bandbesetzung und die Form der Popsingle. Der Blues lieferte beiden das Tonmaterial.

Zwei Plattenfirmen prägten den Klang. Motown in Detroit arbeitete mit festen Studiomusikern und sorgfältig gesetzten Arrangements und zielte auf ein breites Publikum. Stax in Memphis nahm die Band gemeinsam in einem Raum auf, was einen raueren, direkteren Klang ergab. Beide Häuser bauten in den 1960er Jahren eine eigene Handschrift auf, an der sich ihre Aufnahmen bis heute unterscheiden lassen.

Welche Instrumente prägen den Soul?

  • Stimme steht im Zentrum. Sie trägt die Melodie, die Melismen und die Steigerung, alle anderen Stimmen ordnen sich ihr unter.
  • Bläsersatz aus Trompete, Posaune und Tenorsaxophon antwortet der Stimme mit kurzen Akkordblöcken und markiert die Übergänge zwischen den Formteilen.
  • E-Bass spielt eine eigene Melodie mit Durchgangstönen und Synkopen. James Jamerson prägte diese Spielweise bei Motown und machte den E-Bass zur zweiten Hauptstimme.
  • Schlagzeug legt den Akzent auf die Zählzeiten zwei und vier, oft verstärkt durch Tamburin oder Handclaps.
  • Hammondorgel und E-Piano füllen die Fläche zwischen Bass und Stimme und stellen die Verbindung zur Kirchenmusik her.

Welche Subgenres hat der Soul?

  • Motown steht für den Detroiter Klang der 1960er Jahre: kurze Songs, dichte Arrangements, deutlich hörbares Tamburin auf den Zählzeiten zwei und vier.
  • Southern Soul entstand in Memphis und Muscle Shoals. Die Band spielte gemeinsam ein, die Bläser klingen rauer, der Gesang bleibt näher am Gospel.
  • Philly Soul ergänzte den Soul in den 1970er Jahren um Streicher und weiche Arrangements und führte damit direkt zur Discomusik.
  • Northern Soul benennt keine eigene Spielweise, sondern eine britische Tanzszene, die ab Ende der 1960er Jahre schnelle amerikanische Soul-Singles auflegte.
  • Neo Soul verbindet ab den 1990er Jahren den Gesangsstil des Soul mit den Rhythmen und Klangfarben des Hip-Hop.

Häufige Fragen zum Soul

Was ist Soulmusik?

Soulmusik ist eine um 1960 in den USA entstandene Musikrichtung, die den Gesang der Gospelkirche mit weltlichen Texten verbindet. Kennzeichen sind lange Melismen, ein antwortender Chor, ein Bläsersatz und ein Bass, der eine eigene Melodie spielt. Der Takt ist fast immer 4/4 mit Betonung auf den Zählzeiten zwei und vier.

Was unterscheidet Soul vom Funk?

Soul und Funk unterscheiden sich in der Harmonik und im Schwerpunkt. Soul folgt einer Akkordfolge und stellt die gesungene Melodie in den Mittelpunkt. Funk bleibt oft über viele Takte auf einem einzigen Akkord und verlagert das Gewicht auf den Rhythmus, besonders auf die betonte erste Zählzeit.

Was ist ein Melisma im Soul?

Ein Melisma ist im Soul eine Silbe, die der Sänger über mehrere Töne führt. Statt jede Silbe auf einen Ton zu legen, dehnt er besonders die letzte Silbe einer Zeile und singt darauf eine kleine Melodie. Die Technik stammt aus dem Gospel und gehört zu den deutlichsten Erkennungszeichen des Soul.

Wann und wo entstand der Soul?

Der Soul entstand um 1960 in den USA, die wichtigsten Zentren waren Detroit mit der Plattenfirma Motown und Memphis mit Stax. Er ging aus dem Gospel der afroamerikanischen Kirchen und dem Rhythm and Blues der 1940er und 1950er Jahre hervor. Ab Mitte der 1960er Jahre spaltete sich der Funk ab, der den Rhythmus über die Harmonie stellt.

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