Swing ist ein Stil des Jazz mit vier festen Merkmalen. Gespielt wird er von einer Big Band, die ihre Bläser in drei Sätzen ordnet: Trompeten, Posaunen und Saxophone. Der Viervierteltakt läuft ohne Lücke durch, betont sind die Zählzeiten zwei und vier. Die Achtel klingen ternär, die erste also länger als die zweite. Und die Musik ist zum Tanzen gemacht.
Was macht Swing aus?
Swing ordnet eine große Besetzung in Blöcke und lässt diese Blöcke gegeneinander spielen. Jeder Bläsersatz spielt seine Akkorde in geschlossener Lage: Alle Stimmen bewegen sich im selben Rhythmus, nur auf verschiedenen Tönen. Ein Satz aus fünf Saxophonen klingt deshalb wie eine einzige breite Stimme.
Den Tanzpuls tragen Kontrabass und Gitarre. Beide spielen auf jeder Viertel, der Bass einen Ton, die Gitarre einen Akkord, und füllen den Takt damit lückenlos. Das Gewicht liegt dabei auf den Zählzeiten zwei und vier, nicht auf der Eins.
| Merkmal | Swing |
|---|---|
| Entstehungszeit | Ende der 1920er Jahre |
| Blütezeit | 1930er bis Anfang der 1940er Jahre |
| Entstehungsraum | USA |
| Übliche Besetzung | Big Band aus zwölf bis siebzehn Musikern |
| Bläsersätze | Saxophone, Trompeten, Posaunen |
| Rhythmusgruppe | Klavier, Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug |
| Taktart | 4/4, betont auf zwei und vier |
| Achtelaufteilung | ternär, erste Achtel länger als die zweite |
| Grundlage des Spiels | ausgeschriebenes Arrangement |
| Zweck | Tanzmusik |
Was sind ternäre Achtel im Swing?
Ternäre Achtel sind zwei notierte Achtel, die ungleich lang klingen: Die erste dauert länger als die zweite. Als Näherung gilt das Verhältnis innerhalb einer Triole. Die erste Achtel füllt dann die ersten zwei Drittel der Zählzeit, die zweite das letzte Drittel. Aufgeschrieben wäre das eine Viertel plus eine Achtel unter einem Triolenbogen.
Genau so schreibt es aber niemand. Im Notenbild stehen zwei gleich lange Achtel, über dem ersten Takt höchstens der Vermerk Swing. Wie die Achtel tatsächlich verteilt werden, verrät die Notation nicht, das bringt der Spieler aus der Stilkenntnis mit. Daran scheitern Anfänger regelmäßig: Sie spielen, was dasteht.
Das Verhältnis ist keine feste Größe, sondern verschiebt sich mit dem Tempo. In langsamen und mittleren Tempi fällt der Unterschied deutlich aus und geht mitunter über zwei zu eins hinaus. Je schneller ein Stück läuft, desto mehr nähern sich die Achtel einander an, bis sie fast gleich lang klingen.
Das wichtigste Merkmal des Swing steht in keiner Note. Die Stimme im Notenpult zeigt gleich lange Achtel, gespielt werden sie ungleich. Wer ein Swing-Arrangement genau nach Notenbild spielt, trifft jeden Ton und trotzdem nicht den Stil.
Wie ist eine Big Band im Swing besetzt?
Eine Big Band besteht aus drei Bläsersätzen und einer Rhythmusgruppe, zusammen meist zwölf bis siebzehn Musiker.
- Saxophonsatz umfasst in der ausgebauten Form fünf Instrumente: zwei Alt-, zwei Tenor- und ein Baritonsaxophon. Er trägt die weichen Flächen und oft die Melodie, viele Spieler wechseln zusätzlich auf Klarinette.
- Trompetensatz aus drei bis vier Trompeten sitzt in der höchsten Lage und liefert die scharfen, lauten Einwürfe.
- Posaunensatz aus drei bis vier Posaunen deckt die Mittellage und verbindet Trompeten und Saxophone.
- Rhythmusgruppe aus Klavier, Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug hält Takt und Harmonie und arbeitet meist nach Akkordsymbolen statt nach ausgeschriebenen Stimmen.
Zwischen den Sätzen arbeitet die Band mit Call and Response: Die Trompeten werfen zwei Takte ein, die Saxophone geben zwei Takte zurück. Dieses Wechselspiel gliedert lange Abschnitte, ohne dass sich die Harmonie ändern muss.
Das zweite Bauteil ist das Riff, eine kurze Figur über ein oder zwei Takte, die sich unverändert wiederholt, während die Akkorde darunter weiterlaufen. Ein Satz legt ein Riff, ein zweiter setzt ein anderes darüber, der dritte kommt dazu. So entsteht eine Steigerung aus einfachem Material, über der ein Solist spielen kann.
Welche Rolle hat der Arrangeur im Swing?
Der Arrangeur ist im Swing die Schlüsselfigur, denn eine Big Band spielt Ausgeschriebenes. Im späteren Jazz genügen einer kleinen Besetzung ein Thema und eine Akkordfolge. Hier hat jeder Musiker sein eigenes Notenblatt vor sich, denn sechzehn Leute können nicht gleichzeitig improvisieren, ohne dass der Satz auseinanderfällt.
Der Arrangeur legt fest, welcher Satz wann spielt, wie ein Akkord auf fünf Saxophone verteilt wird, wo ein Riff einsetzt und wie viele Durchläufe ein Solist bekommt. Der Klang einer Band ist damit die Handschrift ihres Arrangeurs. Fletcher Henderson schrieb die Arrangements, die dem Orchester von Benny Goodman seinen Klang gaben. Duke Ellington schrieb für die Musiker seiner eigenen Band und setzte die Stimmen auf deren Klangfarben. Im Orchester von Count Basie entstanden viele Fassungen dagegen in der Probe und ohne Noten, sie heißen Head Arrangement.
Woher stammt der Swing?
Der Swing stammt aus den USA und entstand gegen Ende der 1920er Jahre in den Tanzorchestern von New York, Chicago und Kansas City. Aus dem Jazz von New Orleans übernahmen diese Orchester das Improvisieren und die ungleichen Achtel, aus der eigenen Praxis brachten sie die geschriebenen Bläsersätze mit.
Die 1930er Jahre wurden zur Blütezeit. Radioübertragungen aus Tanzsälen machten einzelne Orchester landesweit bekannt, und die Bands zogen von Stadt zu Stadt. Zum Swing gehörten eigene Tänze, allen voran der Lindy Hop aus Harlem. Bis in die frühen 1940er Jahre blieb der Stil die meistgehörte populäre Musik der USA. Keine andere Phase des Jazz war kommerziell so erfolgreich.
Warum verlor der Swing an Bedeutung?
Der Swing verlor seine Vorrangstellung, weil kleinere Besetzungen die Musik übernahmen. Ein Orchester aus sechzehn Musikern samt Arrangeur kostet mehr als ein Quintett und braucht einen großen Saal voller Tanzender. Nach dem Zweiten Weltkrieg lösten sich viele der bekannten Bands auf.
Der Bebop machte das ausgedehnte Solo zum Inhalt eines Stücks und kam mit vier bis sechs Leuten aus. Damit entfiel der Arrangeur als Schlüsselfigur und mit ihm der Grund für die große Besetzung. Als Repertoire blieb der Swing erhalten: Big Bands spielen die alten Arrangements bis heute, und die Swing-Tänze werden weiter unterrichtet.
Häufige Fragen zum Swing
Was ist Swing?
Swing ist ein Stil des Jazz, der Ende der 1920er Jahre in den USA entstand und die 1930er Jahre prägte. Eine Big Band aus Saxophon-, Trompeten- und Posaunensatz und Rhythmusgruppe spielt ausgeschriebene Arrangements im Viervierteltakt, betont auf zwei und vier, mit ternär gespielten Achteln und für ein tanzendes Publikum. Dasselbe Wort bezeichnet auch das Rhythmusgefühl der ungleich langen Achtel.
Was bedeutet es, Achtel ternär zu spielen?
Ternär gespielte Achtel dauern unterschiedlich lang. Die erste Achtel einer Zählzeit füllt näherungsweise deren erste zwei Drittel, die zweite das letzte Drittel, was dem Verhältnis von Viertel und Achtel innerhalb einer Triole entspricht. Die Notenschrift zeigt davon nichts, dort stehen zwei gleich lange Achtel. Das tatsächliche Verhältnis hängt vom Tempo ab und wird bei schnellen Stücken flacher.
Wie viele Musiker hat eine Big Band?
Eine Big Band im Swing besteht meist aus zwölf bis siebzehn Musikern. Die ausgebaute Form umfasst fünf Saxophone, vier Trompeten und vier Posaunen sowie Klavier, Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug. Kleinere Bands kommen mit drei Trompeten und drei Posaunen aus.
Kann man zu Swing tanzen?
Zu Swing lässt sich tanzen, denn dafür ist die Musik gemacht. Der Viervierteltakt läuft ohne Lücke durch, Kontrabass und Gitarre füllen jede Viertel, und das Gewicht auf zwei und vier gibt dem Paar den Schritt vor. Der bekannteste Tanz dazu ist der Lindy Hop aus Harlem.




