Synthwave

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Redaktion
Ein Pad-Controller mit beleuchteten Anschlagflächen und Drehreglern. Foto: kpr2 / Pixabay.
Ein Pad-Controller mit beleuchteten Anschlagflächen und Drehreglern. Foto: kpr2 / Pixabay.

Zusammenfassung

Synthwave ist eine elektronische Musikrichtung der 2000er und 2010er Jahre, die den Klang von Filmmusik, Spielemusik und Popproduktion der 1980er Jahre nachbaut. Sie stammt nicht aus den 1980er Jahren, sondern bezieht sich auf sie. Kennzeichen sind Flächen aus Analogsynthesizern, eine arpeggierte Basslinie in gleichmäßigen Achteln oder Sechzehnteln, Schlagzeugklänge mit hart abgeschnittenem Hall und eine einzelne Leadstimme für die Melodie. Das Tempo liegt meist zwischen 80 und 120 Schlägen pro Minute. Verbreitet hat sich die Richtung über Internetveröffentlichungen, kleine Label und die Musik einzelner Kinofilme.

Synthwave ist eine elektronische Musikrichtung der 2000er und 2010er Jahre, die den Klang von Filmmusik, Spielemusik und Popproduktion der 1980er Jahre nachbaut. Sie stammt nicht aus den 1980er Jahren, sondern bezieht sich auf sie. Kennzeichen sind Flächen aus Analogsynthesizern, eine arpeggierte Basslinie in gleichmäßigen Achteln oder Sechzehnteln, Schlagzeugklänge mit hart abgeschnittenem Hall und eine einzelne Leadstimme für die Melodie. Das Tempo liegt meist zwischen 80 und 120 Schlägen pro Minute.

2000erEntstehung
1980erVorbild
80 bis 120BPM
4/4Taktart

Was ist Synthwave?

Synthwave ist eine Spielart der elektronischen Musik, die den Produktionsklang der 1980er Jahre absichtlich wiederherstellt. Die Stücke laufen im 4/4-Takt, bleiben meist instrumental und bestehen aus wenigen Schichten: Fläche, Basslinie, programmiertes Schlagzeug und eine Melodiestimme. Die Richtung entstand in den 2000er Jahren, als Produzenten den Klang gebrauchter Analogsynthesizer und früher Drumcomputer gezielt aufgriffen. Sie ist damit ein Rückgriff und keine Fortschreibung: Der Synthpop der 1980er Jahre suchte einen neuen Klang, Synthwave sucht einen bekannten.

MerkmalSynthwave
Entstehungszeit2000er Jahre, breitere Verbreitung in den 2010er Jahren
BezugszeitKlang und Bildwelt der 1980er Jahre
VorbilderFilmmusik und Spielemusik der 1980er Jahre, dazu deren Popproduktion
Tempoetwa 80 bis 120 BPM, oft mit halb so schnell wirkendem Grundschlag
Taktartüberwiegend 4/4
KlangquellenAnalogsynthesizer und deren Nachbildungen in Software, Drumcomputer, Schrittsequenzer
Kennzeichenbreite Fläche, arpeggierte Basslinie, Gated Reverb auf der Snare, einstimmige Leadstimme
Gesanghäufig ohne, im Dreamwave regelmäßig vorhanden
SpielartenOutrun, Darksynth, Dreamwave
VerbreitungswegeInternetveröffentlichungen, kleine Label, Filmmusik einzelner Kinofilme
Abgrenzungkein Bestand der 1980er Jahre, sondern deren späterer Nachbau

Warum ist Synthwave keine Musik der 1980er Jahre?

Synthwave ist keine Musik der 1980er Jahre, weil kein Stück dieser Richtung aus diesem Jahrzehnt stammt. Die Richtung entstand rund zwanzig Jahre später und nimmt die 1980er Jahre als Vorlage.

Der Unterschied bleibt hörbar. Produzenten der 1980er Jahre arbeiteten mit den Geräten, die gerade auf dem Markt standen, und mischten nach dem damaligen Stand. Synthwave wählt dagegen aus dem Rückblick aus: Es übernimmt die Merkmale, die heute als typisch für das Jahrzehnt gelten, und lässt alles Übrige weg. Deshalb klingen Synthwave-Stücke gleichmäßiger und aufgeräumter als die Aufnahmen, auf die sie sich beziehen. Wer Synthwave hört, hört eine spätere Vorstellung von den 1980er Jahren.

Synthwave ist ein Nachbau, kein Original. Die Richtung entstand in den 2000er Jahren und arbeitet mit dem Klangvorrat der 1980er Jahre. Wer ein Synthwave-Stück zeitlich einordnet, setzt es also in die 2000er oder 2010er Jahre, nicht in das Jahrzehnt, nach dem es klingt.

Woran erkennt man Synthwave am Klang?

Vier Klangmerkmale tragen fast jedes Synthwave-Stück. Alle vier stammen aus der Studiopraxis der 1980er Jahre.

  • Die Fläche kommt aus einem Synthesizer mit analoger Schaltung oder aus dessen Nachbildung in Software. Sie klingt breit, weil mehrere leicht gegeneinander verstimmte Oszillatoren denselben Ton spielen, und sie setzt langsam ein, weil die Hüllkurve eine lange Anstiegszeit bekommt.
  • Die Basslinie läuft arpeggiert, also als gebrochener Akkord in gleichmäßigen Achteln oder Sechzehnteln. Ein Sequencer spielt sie ab, deshalb sitzt jede Note exakt auf dem Raster.
  • Der Gated Reverb gibt der Snare ihren Klang. Auf den Schlag folgt ein großer Hall, den ein Noise Gate nach kurzer Zeit hart abschneidet. Der Nachklang bricht damit ab, statt auszuklingen.
  • Die Leadstimme spielt die Melodie einstimmig. Sie steht vorn im Klangbild und übernimmt die Rolle, die im Popsong der Gesang hat.

Welche Rolle spielt die Basslinie im Synthwave?

Die Basslinie hält den Puls und ersetzt die Akkordbegleitung. Sie springt zwischen Grundton, Oktave und Quinte hin und her und wiederholt diese Figur über viele Takte. Weil sie den Akkord Ton für Ton abspielt, braucht das Stück keine zweite Begleitstimme.

Ein Schrittsequenzer legt die Figur auf ein Raster aus sechzehn Sechzehnteln je Takt. Jeder Schritt trägt einen Ton oder bleibt leer, und der Musiker verschiebt nichts davon. Daraus entsteht der gleichmäßige Antrieb der Richtung. Das Tempo liegt meist zwischen 80 und 120 Schlägen pro Minute. Viele Stücke wirken trotzdem halb so schnell, weil das Schlagzeug den Grundschlag auf jede zweite Zählzeit legt, während die Basslinie in Sechzehnteln durchläuft.

Basslinie als Schrittfolge, ein Takt Oktave Quinte Grundton Sechzehntel 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Zählzeit 1 2 3 4
Gefüllte Felder zeigen einen gespielten Schritt. Die Figur Grundton, Oktave, Quinte, Oktave füllt vier Sechzehntel und wiederholt sich viermal je Takt, sodass auf jede Zählzeit der Grundton fällt.

Welche Vorbilder hat Synthwave?

Synthwave orientiert sich an Filmmusik und Spielemusik der 1980er Jahre und nicht an den Charts dieser Jahre. Dafür gibt es einen technischen Grund: Beide Bereiche kamen damals fast ohne Band aus. Ein Komponist bediente einige Synthesizer allein, weil ein Orchester zu teuer war oder die Tonhardware eines Spielautomaten nur wenige Stimmen zuließ. Genau diese schmale Besetzung baut Synthwave nach.

Ein Chartstück derselben Jahre trug dagegen Gesang, Gitarre und oft Bläser und war auf drei Minuten Radiolänge zugeschnitten. Synthwave übernimmt weder den Gesang noch die Songform: Die Stücke bleiben meist instrumental, laufen länger und wiederholen ihre Figuren, statt auf einen Refrain zuzulaufen.

Welche Spielarten hat Synthwave?

Drei Spielarten lassen sich an Härte, Tempo und Vorbild sicher unterscheiden.

  • Outrun ist die Grundform und trägt ihren Namen nach einem Arcade-Rennspiel von 1986. Sie klingt hell und gleichmäßig, hält die Basslinie durchlaufend und bedient die Bildwelt aus Neonlicht und nächtlicher Autofahrt.
  • Darksynth klingt härter und lauter. Die Bässe sind verzerrt, das Schlagzeug schlägt schwerer, und die Vorbilder liegen im Horrorfilm der 1980er Jahre.
  • Dreamwave nimmt Tempo und Lautstärke zurück. Flächen und lange Hüllkurven stehen vorn, die Basslinie tritt zurück, und viele Stücke tragen Gesang.

Woher kommt der Name Synthwave?

Der Name setzt sich aus Synthesizer und der Endung wave zusammen, die seit New Wave Stilbezeichnungen der Popmusik bildet. Er kam auf, als die Szene bereits bestand; daneben laufen bis heute die Bezeichnungen Retrowave und Outrun.

Verbreitet hat sich die Richtung über das Internet. Produzenten stellten ihre Stücke selbst auf Musikplattformen und Videoportale, kleine Label bündelten sie zu Katalogen, und der Handel spielte kaum eine Rolle. Den Sprung zu einem größeren Publikum brachte das Kino: Der Film Drive von 2011 setzte Stücke aus dieser Szene ein, darunter eines von Kavinsky. Danach griffen auch Computerspiele den Klang auf. Die härtere Spielart vertritt Carpenter Brut.

Häufige Fragen zu Synthwave

Ist Synthwave Musik aus den 1980er Jahren?

Nein. Synthwave ist eine Musikrichtung der 2000er und 2010er Jahre, die den Klang der 1980er Jahre nachbaut. Kein Stück dieser Richtung stammt aus den 1980er Jahren. Die Vorbilder sind Filmmusik, Spielemusik und Popproduktion jener Zeit, die Aufnahmen selbst entstanden zwei bis drei Jahrzehnte später.

Wie schnell ist Synthwave?

Synthwave läuft meist zwischen 80 und 120 Schlägen pro Minute im 4/4-Takt. Viele Stücke wirken langsamer, als sie gezählt sind, weil das Schlagzeug den Grundschlag auf jede zweite Zählzeit legt, während die Basslinie in Achteln oder Sechzehnteln durchläuft.

Was ist der Unterschied zwischen Synthwave und Synthpop?

Synthwave und Synthpop trennen sich in der Entstehungszeit und in der Form. Synthpop entstand Ende der 1970er Jahre und prägte die 1980er Jahre, Synthwave entstand in den 2000er Jahren und greift diesen Klang auf. Synthpop ist Popmusik mit Strophe, Refrain und gesungener Melodie. Synthwave bleibt meist instrumental, baut aus wiederholten Figuren und setzt eine gespielte Leadstimme an die Stelle des Gesangs.

Welche Spielarten hat Synthwave?

Synthwave teilt sich vor allem in Outrun, Darksynth und Dreamwave. Outrun ist die helle Grundform mit durchlaufender Basslinie. Darksynth klingt härter, arbeitet mit verzerrten Bässen und orientiert sich am Horrorfilm. Dreamwave nimmt Tempo und Lautstärke zurück und stellt Flächen in den Vordergrund.

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