Elektronische Musik

6 Min. Lesezeit
Redaktion
Ein modularer Synthesizer, dessen Baugruppen über Patchkabel verbunden sind. Foto: yannickmcosta / Pixabay.
Ein modularer Synthesizer, dessen Baugruppen über Patchkabel verbunden sind. Foto: yannickmcosta / Pixabay.

Zusammenfassung

Elektronische Musik ist Musik, deren Klang als elektrische Spannung entsteht und erst im Lautsprecher zu einer Luftschwingung wird. Sie entstand ab 1948 in Rundfunkstudios in Paris und Köln und wurde ab den 1980er Jahren zur bestimmenden Clubmusik. Ihre Werkzeuge sind Synthesizer, Drumcomputer, Sampler und Sequencer, die Klanggestaltung gehört zur Komposition. Viele Spielarten ordnen sich um eine Bassdrum auf jeder Viertel, unterscheiden sich aber deutlich im Tempo: House liegt bei rund 125, Drum and Bass bei rund 175 Schlägen pro Minute.

Elektronische Musik ist Musik, deren Klang als elektrische Spannung entsteht und erst im Lautsprecher zu einer Luftschwingung wird. Kein Körper schwingt, keine Saite und keine Luftsäule; die Klangquelle ist eine Schaltung. Sie entstand ab 1948 in Rundfunkstudios in Paris und Köln und wurde ab den 1980er Jahren zur bestimmenden Clubmusik. Viele ihrer Spielarten ordnen sich um eine Bassdrum auf jeder Viertel, unterscheiden sich aber deutlich im Tempo.

SpannungKlangquelle
4/4Taktart
60 bis 180BPM
1948erste Studioarbeiten

Was ist elektronische Musik?

Elektronische Musik ist Musik, deren Klang aus einer Schaltung stammt und nicht aus einem schwingenden Körper. Bei der Geige schwingen Saite und Decke, bei der Trompete die Lippen und die Luftsäule im Rohr. Beim Synthesizer schwingt zunächst nur eine Spannung, die als Kurve über die Zeit verläuft; der Lautsprecher setzt sie am Ende in Luftbewegung um. Deshalb begrenzt nicht die Bauform eines Instruments den Klang, sondern die Schaltung und ihre Einstellungen.

MerkmalElektronische Musik
EntstehungszeitStudioarbeiten ab 1948, Clubmusik ab den 1980er Jahren
EntstehungsortParis und Köln, später Detroit und Chicago
Typische ProduktionsmittelSynthesizer, Drumcomputer, Sampler, Sequencer, Rechner mit Audiosoftware
Taktartüberwiegend 4/4
Tempobereich60 bis 180 BPM, je nach Spielart
Prägende Merkmaleelektrisch erzeugter Klang, Vier-Viertel-Bassdrum, Aufbau aus wiederholten Schleifen, Klanggestaltung als Teil der Komposition
Wichtige SubgenresHouse, Techno, Trance, Drum and Bass, Dubstep, Ambient

Wie entsteht der Klang in der elektronischen Musik?

Der Klang entsteht in drei Schritten: erzeugen, formen, über die Zeit steuern. Jeder Schritt hat ein eigenes Bauteil, und alle drei sind einstellbar.

  • Der Oszillator erzeugt die Grundschwingung. Sägezahn, Rechteck, Dreieck und Sinus klingen unterschiedlich, weil sie unterschiedlich viele Obertöne enthalten: Der Sinus hat keine, der Sägezahn alle.
  • Das Filter nimmt Obertöne weg. Ein Tiefpass lässt die tiefen Anteile durch und macht den Klang dumpfer, die Resonanz hebt den Bereich unmittelbar an der Grenzfrequenz an.
  • Die Hüllkurve steuert den Verlauf über die Zeit: wie schnell der Ton einsetzt, wie weit er abfällt, auf welchem Pegel er stehen bleibt und wie lange er ausklingt.
  • Der LFO ist ein langsamer Oszillator, der nicht selbst klingt, sondern eine andere Größe bewegt. Auf die Tonhöhe gelegt ergibt er ein Vibrato, auf das Filter gelegt einen wandernden Klang.

Diese Arbeit heißt Sound Design und gehört in der elektronischen Musik zur Komposition. Wer eine Figur mit einem anderen Klang spielt, hat sie nicht neu instrumentiert, sondern ein anderes Stück geschrieben. Viele Techno-Titel bestehen aus zwei Akkorden, deren Filter sich über mehrere Minuten öffnet und wieder schließt. Das zentrale Gerät dafür ist der Synthesizer.

Elektronische Musik beginnt als Spannung, nicht als Luftschwingung. Aus diesem einen Unterschied folgt alles Weitere: Der Tonumfang ist nicht durch eine Rohrlänge oder Saitenmensur begrenzt, jeder Klang lässt sich in seinen Einstellungen speichern und exakt wiederholen, und die Lautstärke hängt nicht vom Kraftaufwand des Spielers ab, sondern vom Verstärker.

Was ist die Vier-Viertel-Bassdrum in der elektronischen Musik?

Die Vier-Viertel-Bassdrum setzt auf jede der vier Zählzeiten eines 4/4-Takts einen Schlag. Sie gibt House, Techno und Trance ein durchgehendes Raster, an dem sich alle übrigen Spuren ausrichten. Auf den Zählzeiten 2 und 4 liegt meist ein Clap oder eine Snare, zwischen den Vierteln eine offene Hi-Hat. Diese Aufteilung hält das Tempo auch dann hörbar, wenn Melodie und Bass aussetzen, und erlaubt dem DJ, zwei Titel taktgenau übereinanderzulegen.

Nicht jede Spielart folgt dem Raster. Drum and Bass und Dubstep bauen auf gebrochenen Mustern aus Breakbeats, Ambient verzichtet häufig ganz auf einen festen Puls.

Welche Geräte prägen die elektronische Musik?

Vier Gerätetypen tragen die Produktion, und drei davon stammen aus den 1980er Jahren.

  • Der Synthesizer erzeugt Klänge aus Oszillatoren, Filtern und Hüllkurven. Er liefert Bässe, Flächen und Melodiestimmen.
  • Der Drumcomputer spielt programmierte Schlagzeugmuster ab. Die Roland TR-808 und die TR-909 gaben Techno und House ihren Grundklang, obwohl beide Geräte im Handel zunächst wenig Erfolg hatten.
  • Der Sampler nimmt vorhandene Klänge auf und gibt sie über die Klaviatur in beliebiger Tonhöhe wieder. Er öffnete der elektronischen Musik das gesamte aufgezeichnete Klangmaterial.
  • Der Sequencer speichert eine Tonfolge als Schrittkette und wiederholt sie. Er trennt das Einspielen vom Spielen: Die Figur läuft weiter, während der Musiker Filter, Pegel und Effekte bewegt.

Ein Sonderfall ist die Roland TB-303. Sie war als Bassbegleitung für Alleinunterhalter gedacht, ergab aber bei hoher Resonanz und bewegter Grenzfrequenz den Klang, aus dem Acid House entstand.

Welche Spielarten hat die elektronische Musik?

Die Spielarten unterscheiden sich vor allem im Tempo und im Rhythmusmuster. Das Tempo trennt sie so deutlich, dass sich viele allein daran erkennen lassen.

  • House läuft bei rund 120 bis 128 BPM mit Vier-Viertel-Bassdrum und stammt aus Chicago der 1980er Jahre, aufgebaut auf den Mitteln der Disco.
  • Techno liegt bei 125 bis 150 BPM, klingt härter und synthetischer und entstand zeitgleich in Detroit.
  • Trance liegt bei 130 bis 145 BPM und arbeitet mit langen Flächen und Steigerungsteilen vor dem Wiedereinsatz der Bassdrum.
  • Drum and Bass läuft bei 165 bis 180 BPM mit gebrochenen Breakbeats über einer Basslinie, die halb so schnell empfunden wird.
  • Dubstep steht bei rund 140 BPM, setzt die Snare aber erst auf die dritte Zählzeit, wodurch das Stück halb so schnell wirkt.
  • Ambient verzichtet meist auf einen festen Puls und arbeitet mit Flächen und langen Hüllkurven.
Ambient ohne festen Puls, oft unter 90 House 120 bis 128 Techno 125 bis 150 Trance 130 bis 145 Dubstep rund 140, halb so schnell empfunden Drum and Bass 165 bis 180 60 80 100 120 140 160 180 Schläge pro Minute
House, Techno und Trance überlappen sich im Tempo, Drum and Bass und Ambient liegen an den Rändern. Dubstep steht bei 140 BPM, klingt aber langsam, weil die Snare erst auf der dritten Zählzeit einsetzt.

Woher stammt die elektronische Musik?

Die elektronische Musik stammt aus den Rundfunkstudios der Nachkriegszeit. Pierre Schaeffer arbeitete ab 1948 in Paris mit aufgezeichneten Geräuschen und nannte das Ergebnis musique concrète. Im Studio für elektronische Musik des WDR in Köln erzeugten Herbert Eimert und Karlheinz Stockhausen ab 1951 jeden Klang selbst, aus Sinusgeneratoren. Stockhausens Gesang der Jünglinge von 1956 verband beide Wege.

In die populäre Musik führte der Weg über Kraftwerk aus Düsseldorf. Das Album Autobahn erschien 1974, Trans Europa Express 1977, und beide lieferten Produzenten in New York und Detroit die Vorlage. In den 1980er Jahren entstanden House in Chicago und Techno in Detroit, gebaut auf gebraucht gekauften Drumcomputern und Sequencern. Der Hip-Hop nutzte dieselben Geräte zur selben Zeit für einen anderen Zweck.

Häufige Fragen zur elektronischen Musik

Was ist elektronische Musik?

Elektronische Musik ist Musik, deren Klang als elektrische Spannung in einer Schaltung entsteht und erst im Lautsprecher hörbar wird. Erzeugt wird sie mit Synthesizern, Drumcomputern, Samplern und Sequencern, heute meist innerhalb einer Audiosoftware. Der Begriff umfasst sowohl die Studiokompositionen ab 1948 als auch die Clubmusik ab den 1980er Jahren.

Was ist eine Vier-Viertel-Bassdrum?

Eine Vier-Viertel-Bassdrum setzt in jedem 4/4-Takt einen Bassdrum-Schlag auf jede der vier Zählzeiten. Sie ist das Grundraster von House, Techno und Trance und hält das Tempo auch dann hörbar, wenn alle anderen Spuren pausieren. Drum and Bass, Dubstep und Ambient verwenden sie nicht.

Welche Subgenres hat die elektronische Musik?

Die wichtigsten Spielarten der elektronischen Musik sind House, Techno, Trance, Drum and Bass, Dubstep und Ambient. Sie unterscheiden sich vor allem im Tempo und im Rhythmusmuster: House liegt bei 120 bis 128 BPM, Techno bei 125 bis 150, Trance bei 130 bis 145, Dubstep bei rund 140 und Drum and Bass bei 165 bis 180. Ambient verzichtet meist auf einen festen Puls.

Was ist der Unterschied zwischen House und Techno?

House und Techno teilen die Vier-Viertel-Bassdrum, unterscheiden sich aber in Tempo und Klangmaterial. House ist mit 120 bis 128 BPM langsamer, greift auf Disco, Soul und Gesangsstimmen zurück und entstand in Chicago. Techno läuft mit 125 bis 150 BPM schneller, verzichtet häufig auf Gesang und arbeitet mit synthetisch erzeugtem Material; er entstand in Detroit.

Weitere Artikel in Genres

Eurodance

Eurodance

Eurodance ist Tanzmusik aus Europa, die vor allem in den 1990er Jahren entstand und Bausteine aus House und Techno mit Popgesang verbindet. Sein Erkennungsmerkmal ist eine Rollenteilung zwischen zwei Stimmen: Eine Frauenstimme singt den Refrain, eine Männerstimme rappt oder spricht die Strophe. Das Tempo liegt meist zwischen 130 und 150 Schlägen pro Minute, die Bassdrum trifft jede Zählzeit. Anders als House und Techno zielt Eurodance auf Radio und Verkaufscharts und behält deshalb die Liedform aus Strophe und Refrain. Getragen haben ihn Produktionsteams im Studio, nicht gewachsene Bands.

Filmmusik

Filmmusik

Filmmusik ist Musik, die ein Filmbild begleitet und ihm dient. Diese Funktion unterscheidet sie von allen anderen Genres, denn einen eigenen Stil hat sie nicht: Sie nutzt Sinfonik, Jazz, Elektronik und Volksmusik, je nachdem was die Szene verlangt. Zwei Begriffe ordnen das Fach, das Leitmotiv als wiederkehrendes Thema für eine Figur oder eine Idee und die Unterscheidung zwischen diegetischer und nichtdiegetischer Musik. Der Komponist richtet seine Musik auf Bildschnitte aus, ein Film läuft dabei mit 24 Bildern je Sekunde.

Folk

Folk

Folk bezeichnet zweierlei: das überlieferte Liedgut ohne bekannten Urheber und den Stil des Folk Revival ab den 1950er Jahren, dessen Autoren namentlich bekannt sind. Beide teilen die akustische Besetzung aus Gitarre, Banjo, Fiddle und Kontrabass, die Strophenform und Texte mit gesellschaftlichem Bezug. Das Revival begann in den USA und in Großbritannien, das erste Newport Folk Festival fand 1959 statt. Aus ihm gingen Folkrock, Contemporary Folk und Indie-Folk hervor.

Free Jazz

Free Jazz

Free Jazz ist ein Jazzstil, der Ende der 1950er Jahre in den USA entstand. Er gibt die feste Akkordfolge auf, über die im übrigen Jazz improvisiert wird, dazu den durchlaufenden Grundpuls und häufig auch die Tonart. Gestaltet wird stattdessen mit Klangfarbe, Dichte, Lautstärke und wechselnden Rollen. Den Zusammenhalt liefern verabredete Motive und Einsatzsignale, weshalb die Musiker stärker aufeinander hören als bei fester Form.