Eurodance

6 Min. Lesezeit
Redaktion
Grüne und blaue Scheinwerferstrahlen über einer Tanzfläche voller Menschen. Foto: Kreulebeule / Pixabay.
Grüne und blaue Scheinwerferstrahlen über einer Tanzfläche voller Menschen. Foto: Kreulebeule / Pixabay.

Zusammenfassung

Eurodance ist Tanzmusik aus Europa, die vor allem in den 1990er Jahren entstand und Bausteine aus House und Techno mit Popgesang verbindet. Sein Erkennungsmerkmal ist eine Rollenteilung zwischen zwei Stimmen: Eine Frauenstimme singt den Refrain, eine Männerstimme rappt oder spricht die Strophe. Das Tempo liegt meist zwischen 130 und 150 Schlägen pro Minute, die Bassdrum trifft jede Zählzeit. Anders als House und Techno zielt Eurodance auf Radio und Verkaufscharts und behält deshalb die Liedform aus Strophe und Refrain. Getragen haben ihn Produktionsteams im Studio, nicht gewachsene Bands.

Eurodance ist Tanzmusik aus Europa, die vor allem in den 1990er Jahren entstand und Bausteine aus House und Techno mit Popgesang verbindet. Sein Erkennungsmerkmal ist eine Rollenteilung zwischen zwei Stimmen: Eine Frauenstimme singt den Refrain, eine Männerstimme rappt oder spricht die Strophe. Das Tempo liegt meist zwischen 130 und 150 Schlägen pro Minute, die Bassdrum trifft jede Zählzeit. Anders als House und Techno zielt Eurodance auf Radio und Verkaufscharts und behält deshalb die Liedform aus Strophe und Refrain.

130 bis 150BPM
4/4Taktart
2Stimmrollen
1990erBlütezeit

Was ist Eurodance?

Eurodance führt drei Herkünfte zusammen: das Rhythmusraster aus House und Techno, die Liedform aus dem Pop und den Sprechgesang aus dem Hip-Hop. Diese Mischung ist auf Radio und Verkaufscharts ausgerichtet. Ein Titel bringt den Refrain deshalb früh und wiederholt ihn mehrfach.

Ein Eurodance-Titel ist als Einzelstück für die Wiedergabe am Stück gebaut, ein Techno-Track als Baustein für ein DJ-Set.

MerkmalEurodance
GattungTanzmusik mit Popgesang
Blütezeit1990er Jahre
HerkunftEuropa, vor allem Italien, Deutschland, Belgien, die Niederlande und Schweden
Taktart4/4
Tempomeist 130 bis 150 Schläge pro Minute
RhythmusgrundlageBassdrum auf jeder Zählzeit, durchgehend
FormEinleitung, Strophe, Aufbau, Refrain, Strophe, Refrain, Zwischenteil, Refrain
GesangFrauenstimme im Refrain, Sprechgesang einer Männerstimme in der Strophe
Melodiekurze, hoch gelegte Figur aus dem Synthesizer
EntstehungsweiseProduktionsteams im Studio statt gewachsener Bands
Verwandte StileHouse, Techno, Dance-Pop

Wie verteilt Eurodance Gesang und Sprechgesang?

Eurodance teilt die beiden Stimmen nach Abschnitten auf: Die Frauenstimme singt den Refrain, die Männerstimme rappt oder spricht die Strophe. Beide treten selten gleichzeitig auf. An dieser Rollenteilung lässt sich ein Eurodance-Titel am schnellsten erkennen.

Der gesungene Refrain trägt die Melodie und die Zeile, die hängen bleibt, und liegt hoch genug, um sich über dem Rhythmus durchzusetzen. Der Sprechgesang der Strophe braucht keine Melodie und läuft deshalb über eine ausgedünnte Begleitung. Der Stimmwechsel zeigt den Formwechsel an, bevor sich die Instrumente ändern. Das niederländische Projekt 2 Unlimited besetzte diese beiden Rollen mit zwei festen Personen: Ray Slijngaard sprach die Strophen, Anita Doth sang die Refrains.

Gesang, Frauenstimme Sprechgesang, Männerstimme Abschnitt Einleitung Strophe Aufbau Refrain Strophe Refrain Zwischenteil Refrain 8 Takte 16 Takte 8 Takte 16 Takte 16 Takte 16 Takte 8 Takte 16 Takte Bassdrum auf jeder Zählzeit Takt 1 9 25 33 49 65 81 89 104 Die beiden Stimmen wechseln sich ab und treffen nirgends aufeinander. Die Marken der Bassdrum stehen schematisch für die Zählzeiten.
Ein Eurodance-Titel über 104 Takte. Die Frauenstimme liegt nur in den drei Refrains, der Sprechgesang der Männerstimme nur in den beiden Strophen, die Bassdrum läuft durchgehend.

Woraus besteht ein Eurodance-Titel?

Ein Eurodance-Titel setzt sich aus vier Bausteinen zusammen, die je nach Abschnitt anders gewichtet sind.

  • Die Bassdrum schlägt auf jeder Zählzeit und läuft vom ersten bis zum letzten Takt durch. Sie hält das Tempo von 130 bis 150 Schlägen pro Minute.
  • Die Synthesizerfigur ist kurz, hoch gelegt und wiederholt sich. Sie steht meist schon in der Einleitung und macht den Titel nach wenigen Sekunden wiedererkennbar.
  • Der Refrain stapelt Klänge: mehrere Gesangsspuren übereinander, dazu Flächen und Akkorde aus dem Synthesizer. Er ist der dichteste Abschnitt des Stücks.
  • Die Strophe nimmt Spuren heraus. Übrig bleiben Bassdrum, Basslinie und wenige Akzente, damit der Sprechgesang verständlich bleibt.

Der Unterschied in der Dichte zwischen Strophe und Refrain fällt im Eurodance größer aus als im übrigen Pop. Er ersetzt die allmähliche Steigerung, die im Club über Filter und Schichtung entsteht, durch einen harten Schnitt.

Im Eurodance trägt nicht eine Stimme das Stück, sondern der Wechsel zwischen zweien. Wer nur den Refrain hört, hält den Titel für Dance-Pop, wer nur die Strophe hört, für Hip-Hop über einer Bassdrum. Erst die Abfolge beider Abschnitte ergibt die Form, an der sich der Stil festmachen lässt.

Was unterscheidet Eurodance von House und Techno?

Eurodance teilt mit House und Techno die Bassdrum auf jeder Zählzeit und einen Teil des Tempobereichs. Er trennt sich von beiden in Form, Gesang und Zweck.

  • Die Form folgt im Eurodance Strophe und Refrain. House und Techno bauen aus Schleifen, die zu- und abgeschaltet werden, und kennen keinen Refrain, der textlich unverändert wiederkehrt.
  • Der Gesang steht im Eurodance im Vordergrund und liefert die Zeile, die den Titel benennt. Im Techno fehlt er meist, im House liefert er Material aus Soul und Gospel, ohne die Form festzulegen.
  • Der Zweck trennt am deutlichsten. Ein Eurodance-Titel ist für die Wiedergabe am Stück gebaut und hat einen Anfang und ein Ende. Ein House- oder Techno-Track ist für den Übergang im DJ-Set gebaut und beginnt und endet deshalb mit reinem Schlagwerk.

Woher stammt Eurodance?

Eurodance entstand um 1990 in mehreren europäischen Ländern zugleich. Produktionsteams in Italien, Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Schweden arbeiteten an derselben Verbindung aus Clubrhythmus und Popgesang. Einen einzelnen Entstehungsort, wie ihn Detroit für den Techno und Chicago für den House hat, gibt es deshalb nicht.

Der Weg vom Studio in die Charts lief dabei über Produzenten, nicht über Bands. Ein Team schrieb, programmierte und mischte einen Titel und suchte erst danach die Stimmen dazu. Das deutsche Projekt Snap! entstand auf diesem Weg: Zwei Frankfurter Produzenten bauten die Produktion, die Stimmen kamen von außen und wechselten über die Jahre.

Daraus folgt ein Merkmal, das viele Projekte der Zeit teilen: Die Personen auf der Bühne und im Videoclip waren nicht immer dieselben, die im Studio gesungen hatten. Ein Projekt war eine Produktion mit wechselnder Besetzung, keine Gruppe von Musikern, die zusammen geprobt hatte.

Warum verlor Eurodance seinen Platz in den Charts?

Eurodance verlor ab Ende der 1990er Jahre seinen Platz in den Verkaufscharts, weil sein Bauprinzip wenig Spielraum ließ. Rollenteilung, Tempo und Formablauf lagen fest, und die Zahl der Titel nach diesem Muster wuchs schneller als die Zahl der Unterschiede zwischen ihnen.

Dazu kam ein Wechsel dessen, was Radio und Charts trugen. Trance besetzte die schnelle Tanzmusik, im Pop rückten Gesangsgruppen und R&B nach. Auch die Projekte selbst hielten selten lange: Wer die Besetzung erst nach der Produktion sucht, baut keine Gruppe auf, die ein zweites Jahrzehnt trägt.

Der Stil verschwand damit nicht, sondern zog sich aus den Charts in eigene Szenen zurück. Einzelne Titel der 1990er Jahre halten sich bis heute im Radioprogramm.

Häufige Fragen zum Eurodance

Was ist Eurodance?

Eurodance ist Tanzmusik aus Europa, die vor allem in den 1990er Jahren entstand und Bausteine aus House und Techno mit Popgesang verbindet. Kennzeichnend ist die Rollenteilung zwischen einer Frauenstimme, die den Refrain singt, und einer Männerstimme, die die Strophe rappt oder spricht. Das Tempo liegt meist zwischen 130 und 150 Schlägen pro Minute, die Bassdrum trifft jede Zählzeit, und die Form folgt Strophe und Refrain.

Wie viele BPM hat Eurodance?

Eurodance läuft meist zwischen 130 und 150 Schlägen pro Minute. Das Tempo bleibt innerhalb eines Titels konstant, und die Bassdrum schlägt auf jeder Zählzeit vom ersten bis zum letzten Takt durch.

Warum singt im Eurodance eine Frau und rappt ein Mann?

Im Eurodance ordnet diese Aufteilung jeder Stimme den Abschnitt zu, der zu ihrer Aufgabe passt. Der gesungene Refrain trägt die Melodie in hoher Lage und setzt sich über dem Rhythmus durch, der Sprechgesang der Strophe kommt ohne Melodie aus und läuft über eine ausgedünnte Begleitung. Der Stimmwechsel zeigt außerdem den Formwechsel an, bevor sich die Instrumente ändern.

Woher kommt Eurodance?

Eurodance kommt aus Europa und entstand um 1990 in mehreren Ländern zugleich, vor allem in Italien, Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Schweden. Einen einzelnen Entstehungsort hat er anders als Techno und House nicht. Getragen haben ihn Produktionsteams im Studio: Ein Team baute die Produktion und besetzte die Stimmen erst danach.

Weitere Artikel in Genres

Filmmusik

Filmmusik

Filmmusik ist Musik, die ein Filmbild begleitet und ihm dient. Diese Funktion unterscheidet sie von allen anderen Genres, denn einen eigenen Stil hat sie nicht: Sie nutzt Sinfonik, Jazz, Elektronik und Volksmusik, je nachdem was die Szene verlangt. Zwei Begriffe ordnen das Fach, das Leitmotiv als wiederkehrendes Thema für eine Figur oder eine Idee und die Unterscheidung zwischen diegetischer und nichtdiegetischer Musik. Der Komponist richtet seine Musik auf Bildschnitte aus, ein Film läuft dabei mit 24 Bildern je Sekunde.

Folk

Folk

Folk bezeichnet zweierlei: das überlieferte Liedgut ohne bekannten Urheber und den Stil des Folk Revival ab den 1950er Jahren, dessen Autoren namentlich bekannt sind. Beide teilen die akustische Besetzung aus Gitarre, Banjo, Fiddle und Kontrabass, die Strophenform und Texte mit gesellschaftlichem Bezug. Das Revival begann in den USA und in Großbritannien, das erste Newport Folk Festival fand 1959 statt. Aus ihm gingen Folkrock, Contemporary Folk und Indie-Folk hervor.

Free Jazz

Free Jazz

Free Jazz ist ein Jazzstil, der Ende der 1950er Jahre in den USA entstand. Er gibt die feste Akkordfolge auf, über die im übrigen Jazz improvisiert wird, dazu den durchlaufenden Grundpuls und häufig auch die Tonart. Gestaltet wird stattdessen mit Klangfarbe, Dichte, Lautstärke und wechselnden Rollen. Den Zusammenhalt liefern verabredete Motive und Einsatzsignale, weshalb die Musiker stärker aufeinander hören als bei fester Form.

Funk

Funk

Funk ist eine ab Mitte der 1960er Jahre in den USA aus dem Soul entstandene Musikrichtung, die den Rhythmus über die Harmonie stellt. Die ganze Band betont gemeinsam die erste Zählzeit, alle übrigen Töne liegen synkopiert dazwischen. Die Gitarre schlägt Sechzehntel mit gedämpften Saiten an, der Bass spielt kurze, wiederholte Figuren. Statt einer Kadenz steht oft ein einziger Akkord über viele Takte.