Trance

6 Min. Lesezeit
Redaktion
Ein Laserfächer über einem Publikum, das nur als Silhouette zu sehen ist. Foto: LoggaWiggler / Pixabay.
Ein Laserfächer über einem Publikum, das nur als Silhouette zu sehen ist. Foto: LoggaWiggler / Pixabay.

Zusammenfassung

Trance ist elektronische Tanzmusik mit einer Bassdrum auf jeder Viertel, einem Tempo von meist 130 bis 145 Schlägen pro Minute und einer Melodie, die sich über acht oder sechzehn Takte spannt. Sein Kennzeichen ist der Verlauf: Ein Track baut über mehrere Minuten eine Spannungskurve auf, nimmt im Breakdown die Bassdrum heraus, steigert sich mit öffnendem Filter und anschwellendem Rauschen und läuft auf den Wiedereinsatz der Bassdrum zu. Die Melodie besteht meist aus Arpeggios über gebrochene Akkorde in Moll, getragen von Flächen aus verstimmten Sägezahnwellen und langem Hall. Der Stil entstand Anfang der 1990er Jahre, mit Schwerpunkten in Deutschland und den Niederlanden.

Trance ist eine Spielart der elektronischen Tanzmusik, die sich an vier Merkmalen festmachen lässt: Eine Bassdrum schlägt auf jeder Viertel wie im Techno, darüber liegt eine Melodie, die sich über viele Takte spannt, das Tempo liegt meist zwischen 130 und 145 Schlägen pro Minute, und der Aufbau läuft auf einen Höhepunkt zu. Der Stil entstand Anfang der 1990er Jahre, seine Schwerpunkte lagen in Deutschland und den Niederlanden. Ein Track ist als Verlauf mit Anfang, Steigerung und Auflösung gebaut, nicht als Schleife.

4/4Taktart
130 bis 145BPM
MollTongeschlecht
1990erEntstehungszeit

Was ist Trance?

Trance ist elektronische Tanzmusik im 4/4-Takt, deren Melodie sich über acht oder sechzehn Takte erstreckt und deren Form auf einen Höhepunkt zuläuft. Er ist damit eine Spielart der elektronischen Musik, die deren Geräte auf einen Spannungsbogen ausrichtet statt auf eine gleichbleibende Schleife.

MerkmalTrance
Gattungelektronische Tanzmusik
Taktart4/4
Tempo130 bis 145 Schläge pro Minute
RhythmusgrundlageBassdrum auf jeder Viertel, Hi-Hat auf den Achteln dazwischen, Clap auf 2 und 4
FormIntro, Aufbau, Breakdown, Anstieg, Höhepunkt, Ausklang als durchgehende Spannungskurve
MelodieArpeggio über gebrochene Akkorde, meist in Moll, gespannt über 8 oder 16 Takte
KlangquellenSynthesizer mit verstimmten Sägezahnwellen, Drumcomputer, Sampler, Filter und Hall
Gesangselten, meist einzelne gehaltene Zeilen im Breakdown
EntstehungAnfang der 1990er Jahre, Schwerpunkte in Deutschland und den Niederlanden
SpielartenProgressive Trance, Uplifting Trance, Psytrance, Hard Trance
Verwandte StileTechno, House, Progressive House

Wie ist ein Trance-Track aufgebaut?

Ein Trance-Track ist eine Spannungskurve über mehrere Minuten. Sechs Abschnitte teilen sie auf.

  • Das Intro bringt über 16 oder 32 Takte nur Bassdrum und Hi-Hat und legt Tempo und Taktposition offen.
  • Der Aufbau schichtet ein Element nach dem anderen dazu: Clap, Basslinie, Fläche, Arpeggio. Jede Spur setzt am Anfang einer Achtertaktgruppe ein.
  • Der Breakdown nimmt die Bassdrum heraus. Übrig bleiben Fläche und Melodie, oft über 32 Takte; der Puls verschwindet.
  • Der Anstieg steigert ohne Bassdrum: Ein Tiefpassfilter öffnet sich Takt für Takt, ein Rauschen schwillt an, ein Trommelwirbel wird dichter.
  • Der Höhepunkt setzt die Bassdrum wieder ein, meist genau auf der 1 einer neuen Sechzehnertaktgruppe, dazu die Melodie in voller Besetzung.
  • Der Ausklang nimmt die Spuren in umgekehrter Reihenfolge heraus, bis nur Bassdrum und Hi-Hat übrig bleiben.

Diese Form trägt länger als der Loop-Aufbau im Techno. Dort bleibt die Figur über die volle Länge dieselbe, nur ihre Klangfarbe wandert; wer nach der Hälfte einsteigt, verpasst nichts. Im Trance hängt jeder Abschnitt vom vorigen ab: Der Breakdown wirkt nur, weil vorher aufgebaut wurde, und der Wiedereinsatz der Bassdrum nur, weil sie minutenlang gefehlt hat.

Im Trance ist der Verlauf die Komposition. Andere Spielarten der Tanzmusik ordnen Bausteine nebeneinander an, die sich ein- und ausschalten lassen. Trance ordnet sie hintereinander und macht jeden Abschnitt von seinem Vorgänger abhängig. Wer die Reihenfolge ändert, hat kein anderes Arrangement, sondern das Stück zerstört.

Spannung Abschnitt Elemente Intro Aufbau Breakdown Anstieg Höhepunkt Ausklang Bassdrum, Hi-Hat dazu Clap, Bass, Arpeggio Fläche und Melodie, ohne Bassdrum Filter öffnet, Rauschen, Wirbel Bassdrum zurück, alle Spuren Bassdrum, Hi-Hat Die gestrichelte Linie markiert den Wiedereinsatz der Bassdrum.
Die Spannung steigt im Aufbau, bricht im Breakdown mit der Bassdrum weg und klettert im Anstieg ohne Puls auf ihren höchsten Punkt.

Wie führt Trance seine Melodie?

Trance führt seine Melodie als Arpeggio über gebrochene Akkorde. Der Synthesizer spielt die Töne eines Akkords nicht gleichzeitig, sondern nacheinander in gleichmäßigen Achteln oder Sechzehnteln. Die laufende Figur trägt ihre Harmonie damit selbst, statt sie als Akkord darunterzulegen.

Entscheidend ist die Länge des Bogens: Die Tonfolge spannt sich über acht oder sechzehn Takte, nicht über einen. Sie erreicht ihren höchsten Ton erst nach mehreren Wiederholungen des Grundmusters und kehrt danach zum Anfang zurück. Wer zwei Takte hört, kennt die Melodie noch nicht.

Das Tongeschlecht ist meist Moll, der kleine Terzabstand über dem Grundton gibt der Figur den dunkleren Klang. Wechselt der Akkord darunter, während die Tonfolge gleich bleibt, liegt derselbe Ton einmal auf dem Grundton und einmal auf der Quinte.

Mit welchen Klängen arbeitet Trance?

Drei Werkzeuge halten den Bogen über viele Takte hörbar. Alle drei entstehen im Synthesizer und im Effektweg dahinter.

  • Die Supersaw-Fläche besteht aus mehreren Sägezahnwellen, die gegeneinander leicht verstimmt sind. Ihre Schwingungen laufen langsam auseinander, dadurch schwebt der Klang und wirkt breit. Eine einzelne Sägezahnwelle klingt schmal und hart.
  • Die Filterfahrt bewegt die Grenzfrequenz eines Tiefpasses über viele Takte. Geschlossen lässt der Filter nur die tiefen Anteile durch, beim Öffnen kommen die Obertöne zurück. Das ergibt eine Steigerung, ohne dass sich eine Note ändert.
  • Der Hallraum legt Nachklang über Fläche und Melodie. Eine lange Nachhallzeit verbindet die Töne, weil jeder noch klingt, wenn der nächste einsetzt. Aus Einzeltönen wird eine durchgehende Linie.

Woher stammt Trance?

Trance entstand Anfang der 1990er Jahre, seine Schwerpunkte lagen in Deutschland und den Niederlanden. Die Produzenten arbeiteten mit denselben Geräten wie der Techno, richteten sie aber auf einen anderen Zweck aus: Statt eine Figur über die volle Länge zu verwandeln, bauten sie eine Steigerung auf einen Punkt hin.

Im Verlauf des Jahrzehnts trennten sich zwei Richtungen. Die eine blieb hart und schnell und behielt die Nähe zum Rave. Die andere dehnte den Breakdown aus und stellte die Melodie in den Mittelpunkt; aus ihr stammt der heute übliche Aufbau.

Welche Spielarten hat Trance?

Die Spielarten unterscheiden sich im Tempo und darin, wie scharf der Gegensatz zwischen Breakdown und Höhepunkt ausfällt.

  • Progressive Trance verzichtet auf den scharfen Schnitt und lässt die Spannung über viele Takte gleichmäßig steigen und wieder fallen.
  • Uplifting Trance dehnt den Breakdown weit aus und führt die Melodie in hoher Lage auf den Höhepunkt zu.
  • Psytrance läuft mit etwa 140 bis 150 Schlägen pro Minute schneller und setzt eine rollende Basslinie zwischen die Bassdrum-Schläge, statt einen Melodiebogen zu spannen.
  • Hard Trance übernimmt den verzerrten Bassdrum-Klang des harten Techno und liegt am oberen Rand des Tempobereichs.

Was unterscheidet Trance von Techno und House?

Trance, Techno und House teilen den 4/4-Takt und die Bassdrum auf jeder Viertel. Sie trennen sich im Verlauf, im Tempo und im Material.

  • Techno ist loopbasiert. Eine kurze Figur wiederholt sich über die volle Länge, der Verlauf entsteht aus der Wandlung ihrer Klangfarbe; eine Melodie über viele Takte fehlt.
  • House läuft mit 118 bis 130 Schlägen pro Minute langsamer und lebt von Anleihen beim Disco: Klavier- und Streicherakkorde, springende Basslinien, häufig Gesang.
  • Trance behält das Raster beider und setzt an die Stelle der Schleife eine Kurve, die auf einen Punkt zuläuft.

Häufige Fragen zu Trance

Was ist Trance?

Trance ist elektronische Tanzmusik im 4/4-Takt mit einer Bassdrum auf jeder Viertel, einem Tempo von meist 130 bis 145 Schlägen pro Minute und einer Melodie über acht oder sechzehn Takte. Ein Track ist als Spannungskurve gebaut, die auf einen Höhepunkt zuläuft. Der Stil entstand Anfang der 1990er Jahre in Deutschland und den Niederlanden.

Wie viele BPM hat Trance?

Trance läuft meist zwischen 130 und 145 Schlägen pro Minute, der größte Teil der Clubproduktionen zwischen 135 und 140. Psytrance liegt mit etwa 140 bis 150 darüber. Das Tempo bleibt innerhalb eines Tracks konstant.

Wie ist ein Trance-Track aufgebaut?

Ein Trance-Track durchläuft Intro, Aufbau, Breakdown, Anstieg, Höhepunkt und Ausklang. Der Aufbau schichtet Clap, Bass, Fläche und Arpeggio nacheinander dazu, der Breakdown nimmt die Bassdrum heraus, der Anstieg steigert mit öffnendem Filter und anschwellendem Rauschen, und im Höhepunkt setzt die Bassdrum mit der vollen Melodie wieder ein.

Was ist der Unterschied zwischen Trance und Techno?

Trance und Techno teilen die Bassdrum auf jeder Viertel und einen ähnlichen Tempobereich, unterscheiden sich aber in der Form. Techno wiederholt eine kurze Figur über die volle Länge und verändert daran nur die Klangfarbe. Trance spannt eine Melodie über acht oder sechzehn Takte und ordnet den ganzen Track als Spannungskurve.

Weitere Artikel in Genres

Trap

Trap

Trap ist eine Spielart des Hip-Hop, die sich an ihrer Rhythmusgruppe erkennen lässt. Die Hi-Hat wechselt innerhalb eines Taktes die Unterteilung bis hinauf zu Zweiunddreißigsteln, während Snare oder Clap nur auf der dritten Zählzeit fallen. Die Bassdrum ist gestimmt und klingt so lange aus, dass sie zugleich den Basston trägt. Notiert steht ein Stück meist um 140 Schläge je Minute, gefühlt läuft es halb so schnell. Trap entstand Anfang der 2000er Jahre im Süden der USA und prägt seit den 2010er Jahren den Mainstream-Pop.

Volksmusik

Volksmusik

Volksmusik ist überliefertes Liedgut und Instrumentalmusik einer Region. Sie entstand nicht für den Konzertsaal, sondern für einen Anlass: für den Tanz, das Fest, die Arbeit und das Kirchenjahr. Weitergegeben wurde sie durch Vorspielen und Nachspielen, weshalb bei vielen Stücken kein Urheber bekannt ist. Im deutschsprachigen Raum ist sie vor allem im Alpenraum als lebendige Praxis erhalten, mit Steirischer Harmonika, Klarinette, Trompete, Gitarre und Kontrabass.

Weltmusik

Weltmusik

Weltmusik ist keine Musikrichtung, sondern eine Kategorie des Musikhandels. Sie entstand 1987 in London, als Vertreter kleiner Plattenfirmen einen gemeinsamen Namen suchten, unter dem die Läden Aufnahmen aus Afrika, Asien und Lateinamerika einsortieren konnten. Musikalisch verbindet die so einsortierten Aufnahmen nichts: Sie teilen weder Besetzung noch Tonsystem noch Form. Der Begriff beschreibt deshalb die Perspektive des Marktes und nicht die Musik.

Wiener Klassik

Wiener Klassik

Die Wiener Klassik ist die Epoche der europäischen Kunstmusik von etwa 1770 bis 1830, mit Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven als Hauptvertretern. Sie gliedert die Musik in achttaktige Perioden aus Vordersatz und Nachsatz und stellt eine führende Melodie über eine Begleitung. Der Generalbass des Barock entfällt, die Harmonie steht ausgeschrieben in den Noten, und die Lautstärke wächst gleitend statt in Stufen. Klassik im Alltagsgebrauch meint dagegen die gesamte Kunstmusik, nicht diese Epoche.