Wiener Klassik

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Redaktion
Der leere Zuschauerraum eines Konzertsaals mit Rängen und Beleuchtung. Foto: ruthchia / Pixabay.
Der leere Zuschauerraum eines Konzertsaals mit Rängen und Beleuchtung. Foto: ruthchia / Pixabay.

Zusammenfassung

Die Wiener Klassik ist die Epoche der europäischen Kunstmusik von etwa 1770 bis 1830, mit Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven als Hauptvertretern. Sie gliedert die Musik in achttaktige Perioden aus Vordersatz und Nachsatz und stellt eine führende Melodie über eine Begleitung. Der Generalbass des Barock entfällt, die Harmonie steht ausgeschrieben in den Noten, und die Lautstärke wächst gleitend statt in Stufen. Klassik im Alltagsgebrauch meint dagegen die gesamte Kunstmusik, nicht diese Epoche.

Die Wiener Klassik ist die Epoche der europäischen Kunstmusik zwischen Barock und Romantik, und vier überprüfbare Merkmale machen sie aus. Ihre Melodik ist periodisch gebaut, sie gliedert sich hörbar in Vier- und Achttaktgruppen. Ihr Satz ist homophon: Eine Oberstimme führt die Melodie, die übrigen Stimmen begleiten sie mit Akkorden, statt gleichberechtigt nebeneinander zu laufen. Ihre Lautstärke schwillt gleitend an und ab, statt zwischen festen Stufen umzuschalten. Und ihre großen Formen entstehen aus dem Kontrast zweier Themen. Ihr Zentrum war Wien, ihre Hauptvertreter heißen Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven.

1770Beginn, etwa
1830Ende, etwa
8Takte je Periode
3Leitgattungen

Was ist die Wiener Klassik?

Die Wiener Klassik ist eine Stilepoche von etwa 1770 bis 1830, benannt nach der Stadt, in der ihre Hauptvertreter arbeiteten. Kennzeichnend ist keine Klangfarbe, sondern eine Bauweise: Die Musik zerfällt in gleich lange Abschnitte, und ganze Sätze wachsen aus dem Gegensatz zweier Themen. Den Namen vergaben Musikhistoriker im Rückblick, die Komponisten selbst nannten sich nie Wiener Klassiker.

MerkmalWiener Klassik
Zeitraumetwa 1770 bis 1830, Grenzen je nach Darstellung verschieden
ZentrumWien, dazu der süddeutsch-österreichische Raum
Satzarthomophon, führende Oberstimme über Begleitung
Melodikperiodisch, Vier- und Achttaktgruppen
Harmonieausgeschrieben, kein Generalbass
Dynamikgleitendes Anschwellen und Abnehmen statt Terrassen
LeitgattungenSinfonie, Streichquartett, Solokonzert, dazu Klaviersonate und Oper
LeitformSonatenhauptsatzform mit zwei kontrastierenden Themen
TasteninstrumentHammerflügel statt Cembalo
HauptvertreterJoseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven
Nachbarepochendavor Barock, danach Romantik

Warum ist Klassik nicht dasselbe wie die Wiener Klassik?

Klassik meint im Alltag die gesamte notierte Kunstmusik Europas, die Wiener Klassik dagegen genau eine Epoche darin. Wer sagt, er höre gern Klassik, meint meistens alles vom gregorianischen Choral bis zur Musik des 20. Jahrhunderts. Wer von der Wiener Klassik spricht, meint die sechzig Jahre um 1800.

Der Unterschied entscheidet über Zuordnungen. Johann Sebastian Bach starb 1750 und schrieb Barockmusik. Frédéric Chopin kam 1810 zur Welt und schrieb romantisch. Beide gehören zur Klassik im weiten Sinn, keiner von beiden zur Wiener Klassik. Im Englischen fällt die Verwechslung schwerer, weil dort classical music und Classical period zwei verschiedene Ausdrücke sind.

Klassik ist ein Sammelname, Wiener Klassik ein Zeitabschnitt. Der Sammelname umfasst mehr als tausend Jahre Musikgeschichte, der Zeitabschnitt rund sechzig Jahre. Wer beides gleichsetzt, ordnet Komponisten einer Epoche zu, in der sie nie geschrieben haben.

Was unterscheidet die Wiener Klassik vom Barock?

Der wichtigste Unterschied liegt im Satz: Der Generalbass verschwindet. Im Barock notiert der Komponist die Bassstimme und darüber Ziffern, ein Cembalist oder Organist ergänzt die Akkorde beim Spielen. In der Wiener Klassik schreibt der Komponist die Harmonie aus, Stimme für Stimme. Damit fällt das Cembalo aus dem Orchester heraus.

Der zweite Unterschied betrifft die Lautstärke. Der Barock arbeitet vor allem mit Terrassendynamik: Ein Abschnitt klingt laut, der nächste leise, dazwischen liegt eine Kante. Die Wiener Klassik lässt den Ton stattdessen anwachsen und wieder zurückgehen. Zwei Voraussetzungen machen das möglich. Der Hammerflügel löst das Cembalo ab und macht die Lautstärke vom Anschlag abhängig, was am gezupften Cembalo nicht geht. Und das Orchester wächst: Mehr Streicher und ein festes Paar Bläser je Instrument erlauben es, Stimmen nach und nach hinzuzunehmen. Die Hofkapelle in Mannheim wurde im 18. Jahrhundert für genau solche langen Steigerungen berühmt.

Auch die Stimmführung kehrt sich um. Barocke Sätze setzen gleichrangige Linien nebeneinander, die Wiener Klassik stellt eine Melodie nach vorn und legt darunter eine Begleitfigur, oft einen zerlegten Dreiklang, den man Alberti-Bass nennt.

Wie ist eine Periode der Wiener Klassik gebaut?

Die Periode ist die kleinste Einheit, an der sich die Epoche erkennen lässt. Sie umfasst acht Takte und zerfällt in zwei Hälften. Der Vordersatz reicht von Takt eins bis vier und bleibt offen, meist mit einem Halbschluss auf der Dominante. Der Nachsatz reicht von Takt fünf bis acht, greift den Anfang wieder auf und schließt mit einem Ganzschluss auf der Tonika.

Aus diesem Gegensatz entsteht die Wirkung von Frage und Antwort: Der Vordersatz lässt eine Erwartung offen, der Nachsatz erfüllt sie. Welche Akkorde den Schluss tragen, regelt die Kadenz mit den Stufen Tonika, Subdominante und Dominante. Wer diesen Achttakter einmal mitgezählt hat, findet ihn in Menuetten und Sonatenthemen der Epoche immer wieder.

Vordersatz, 4 Takte Nachsatz, 4 Takte Takt 1 2 3 4 5 6 7 8 Stufe T S D T D T Frage: Halbschluss, bleibt offen Antwort: Ganzschluss, schließt ab T Tonika, S Subdominante, D Dominante. Blau markiert die Töne und Stufen, die den Halbschluss und den Ganzschluss tragen.
Der Vordersatz endet auf der Dominante und bleibt offen, der Nachsatz führt zur Tonika zurück und schließt ab.

Welche Gattungen prägen die Wiener Klassik?

Drei Gattungen tragen die Epoche und bekommen in ihr die Gestalt, die sie bis heute haben.

  • Sinfonie: ein Werk für Orchester, in der Regel viersätzig mit schnellem Kopfsatz, langsamem Satz, Menuett und schnellem Finale.
  • Streichquartett: die Kammermusikbesetzung aus zwei Violinen, Viola und Violoncello, in der jede Stimme einfach besetzt ist.
  • Solokonzert: ein meist dreisätziges Werk, in dem ein Soloinstrument dem Orchester gegenübersteht und vor dem Satzschluss in der Kadenz allein weiterspielt.

Der Bauplan für ihre großen Sätze heißt Sonatenhauptsatzform. Sie stellt zwei Themen in verschiedenen Tonarten auf, zerlegt sie und führt beide in die Grundtonart zurück. Damit gibt sie dem Themenkontrast der Epoche seinen Ort und steht neben Rondo und Variation in der Reihe der musikalischen Formen.

Wann begann und endete die Wiener Klassik?

Die Wiener Klassik dauerte rund von 1770 bis 1830. Diese Grenzen sind Setzungen der Musikwissenschaft, keine Ereignisse. Kein Komponist wechselte an einem Stichtag den Stil, und die Übergänge verlaufen fließend: Frühe Werke Beethovens stehen mitten in der Epoche, späte weisen über sie hinaus.

Andere Darstellungen ziehen die Grenzen anders. Manche beginnen bereits 1750, dem Todesjahr Johann Sebastian Bachs, andere enden 1820 oder mit Beethovens Tod 1827. Alle Zahlen sind vertretbar, weil die eine auf den Stilwechsel zielt und die andere auf Lebensdaten.

Wer zählt zu den Komponisten der Wiener Klassik?

Den Kern bilden drei Komponisten. Joseph Haydn (1732 bis 1809) stand jahrzehntelang im Dienst der Fürsten Esterházy und legte die viersätzige Anlage von Sinfonie und Streichquartett fest. Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) schrieb in allen Gattungen seiner Zeit. Ludwig van Beethoven (getauft 1770, gestorben 1827) dehnte die Formen, verschärfte die Kontraste und öffnete die Epoche zur Romantik hin.

Franz Schubert (1797 bis 1828) steht am Übergang zur Romantik: Seine Instrumentalwerke folgen den Bauplänen der Wiener Klassik, sein Klavierlied gehört bereits zur nächsten Epoche. Alle vier lebten und arbeiteten in Wien und starben dort.

Häufige Fragen zur Wiener Klassik

Was macht die Wiener Klassik aus?

Die Wiener Klassik hat vier Merkmale: eine periodisch gebaute Melodik in Vier- und Achttaktgruppen, einen homophonen Satz mit führender Oberstimme, eine gleitend an- und abschwellende Lautstärke und Formen aus dem Kontrast zweier Themen. Der Generalbass des Barock entfällt, die Harmonie steht ausgeschrieben in den Noten.

Wann war die Wiener Klassik?

Die Wiener Klassik dauerte etwa von 1770 bis 1830. Die Jahreszahlen sind Setzungen der Musikwissenschaft: Manche Darstellungen beginnen schon 1750, andere enden 1820 oder mit Beethovens Tod 1827. Vor der Epoche liegt der Barock, nach ihr die Romantik.

Warum heißt die Epoche Wiener Klassik?

Die Epoche heißt Wiener Klassik, weil ihre drei Hauptvertreter in Wien arbeiteten. Wien war Residenzstadt mit Hofkapelle, Adelshäusern und Musikverlagen. Den Namen prägten Musikhistoriker des 19. Jahrhunderts im Rückblick, die Komponisten selbst benutzten ihn nicht.

Gehört Franz Schubert zur Wiener Klassik?

Franz Schubert (1797 bis 1828) steht am Übergang. Seine Sinfonien, Sonaten und Streichquartette folgen den Bauplänen der Wiener Klassik, seine Klavierlieder gelten als romantisch. Manche Darstellungen zählen ihn deshalb zur Wiener Klassik, andere zur frühen Romantik.

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