Ludwig van Beethoven

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Redaktion
Eine handgeschriebene Partitur neben einer Schreibfeder. Bild: KI generiert.
Eine handgeschriebene Partitur neben einer Schreibfeder. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Ludwig van Beethoven war ein Komponist am Übergang von der Wiener Klassik zur Romantik, getauft 1770 in Bonn und gestorben 1827 in Wien. Er entwickelt lange Sätze aus Motiven von drei oder vier Tönen und dehnt die Sonatenhauptsatzform. Ab etwa 1798 verlor er fortschreitend das Gehör und schrieb seine späten Werke, als er kaum noch hörte. Mit dem Chorfinale der neunten Sinfonie durchbrach er die Gattungsgrenze der rein instrumentalen Sinfonie.

Ludwig van Beethoven war ein Komponist, der die Wiener Klassik zur Romantik hin öffnete. Er baut ganze Sätze aus wenigen Tönen auf und dehnt die Sonatenhauptsatzform. Ab etwa seinem 30. Lebensjahr verlor er fortschreitend das Gehör und schrieb seine späten Werke, als er kaum noch hörte. Mit dem Chorfinale der neunten Sinfonie durchbrach er die Gattungsgrenze der rein instrumentalen Sinfonie.

1770getauft in Bonn
1827gestorben in Wien
9Sinfonien
32Klaviersonaten

Wer war Ludwig van Beethoven?

Ludwig van Beethoven war ein deutscher Komponist und Pianist, der ab 1792 in Wien lebte. Sein Geburtstag ist nicht überliefert: Die Bonner Taufmatrikel verzeichnet den 17. Dezember 1770, weshalb die Forschung den Tag davor als wahrscheinlichen Geburtstag ansetzt.

Christian Gottlob Neefe unterrichtete ihn in Bonn und verschaffte ihm eine Organistenstelle. 1792 ging Beethoven nach Wien, nahm dort Unterricht bei Joseph Haydn und machte sich zunächst als Pianist und Improvisator einen Namen.

MerkmalLudwig van Beethoven
Lebensdatengetauft am 17. Dezember 1770, gestorben am 26. März 1827
GeburtsortBonn
SterbeortWien
Epochespäte Wiener Klassik, Übergang zur Romantik
WirkungsstättenBonn bis 1792, danach Wien
Prägende GattungenSinfonie, Klaviersonate, Streichquartett, Solokonzert
WerkverzeichnisOpuszahlen, dazu WoO für Werke ohne Opuszahl
Besonderheitab etwa 1798 fortschreitend schwerhörig

Was zeichnet die Musik von Ludwig van Beethoven aus?

Ludwig van Beethoven entwickelt lange Sätze aus sehr kurzen Bausteinen. Ein Motiv aus drei oder vier Tönen genügt ihm als Material: Er versetzt es auf andere Tonstufen, spiegelt seine Richtung, dehnt die Notenwerte und schiebt die Einsätze enger zusammen. Der Kopfsatz der fünften Sinfonie arbeitet fast durchgehend mit einer Figur aus drei gleichen Tönen und einem Sprung nach unten. Die verbreitete Deutung, hier klopfe das Schicksal an die Pforte, stammt von Anton Schindler und gilt als unzuverlässig.

Zelle drei gleiche Töne, dann ein Sprung nach unten Sequenz gleiche Gestalt, andere Tonstufe Umkehrung Richtung gespiegelt, abwärts wird aufwärts Dehnung dieselben Töne, längere Notenwerte Verdichtung Einsätze rücken enger zusammen Blau: die Zelle in ihrer Ausgangsgestalt. Grau: dieselbe Zelle verändert.
Beethoven gewinnt sein Material aus wenigen Tönen. Dieselbe Zelle kehrt auf anderen Tonstufen, in gespiegelter Richtung, in gedehnten Notenwerten und in dichterer Folge wieder.

Die Sonatenhauptsatzform übernahm Beethoven von Haydn und Mozart und dehnte sie: Die Durchführungen werden länger und konfliktreicher, die Coda wird zu einem zweiten Durchführungsteil statt zu einem Anhang. Wer die Anlage dieser und anderer musikalischer Formen kennt, hört bei Beethoven vor allem, wo er von ihr abweicht.

Dazu kommt die Dynamik als Baustoff: Beethoven schreibt schroffe Wechsel zwischen sehr leise und sehr laut, setzt Akzente gegen den Takt und nutzt Pausen als Bauteil.

Beethoven rang um seine Themen. Seine Skizzenbücher sind zu großen Teilen erhalten und zeigen dieselbe Melodie in vielen Fassungen, bevor sie ihre endgültige Gestalt bekommt. Das Freudenthema der Neunten durchlief über Jahre mehrere Anläufe.

Wie wirkte sich die Schwerhörigkeit von Ludwig van Beethoven aus?

Ludwig van Beethoven bemerkte seine Schwerhörigkeit um 1798 und hörte in seinen letzten Lebensjahren fast nichts mehr. 1802 schrieb er im Heiligenstädter Testament an seine Brüder, wie sehr ihn das Leiden trifft. Als Pianist zog er sich von der Öffentlichkeit zurück und spielte 1814 zum letzten Mal öffentlich. Ab etwa 1818 verständigte er sich mit Besuchern über Konversationshefte, in die die Gäste ihre Fragen schrieben, während er laut antwortete. Ein großer Teil dieser Hefte ist erhalten.

Das Komponieren behinderte die Taubheit weniger als das Auftreten. Beethoven arbeitete ohnehin aus der Vorstellung und vom Notenbild her, nicht am Instrument probierend. Die späten Streichquartette, die Missa solemnis und die neunte Sinfonie entstanden, als er nur noch Reste hörte. Bei der Uraufführung der Neunten am 7. Mai 1824 in Wien stand er mit auf der Bühne, die Musiker folgten aber dem Kapellmeister Michael Umlauf.

Welche Werke schrieb Ludwig van Beethoven?

  • Sinfonie Nr. 3 Es-Dur (op. 55), Eroica, 1804 abgeschlossen; auf einem erhaltenen Titelblatt ist die Widmung an Napoleon Bonaparte durchgestrichen.
  • Sinfonie Nr. 5 c-Moll (op. 67), deren Kopfsatz eine Figur aus vier Tönen durch den ganzen Satz führt.
  • Sinfonie Nr. 6 F-Dur (op. 68), Pastorale.
  • Sinfonie Nr. 9 d-Moll (op. 125), deren Finale Gesangssolisten und Chor über Friedrich Schillers Ode An die Freude einbezieht.
  • Klaviersonate cis-Moll (op. 27 Nr. 2), von Beethoven Sonata quasi una fantasia genannt; den Beinamen Mondscheinsonate gab ihr nach seinem Tod Ludwig Rellstab.
  • Fidelio (op. 72), seine einzige Oper.
  • Missa solemnis (op. 123) für Solisten, Chor und Orchester.

Welche Stellung hatte Ludwig van Beethoven zu Lebzeiten?

Ludwig van Beethoven galt schon jung als führender Musiker Wiens, zuerst als Pianist. Eine feste Hofkapellmeisterstelle nahm er nie an, sondern lebte von Verlagshonoraren, Widmungen und eigenen Konzerten.

1809 sicherten ihm Erzherzog Rudolph, Fürst Lobkowitz und Fürst Kinsky vertraglich eine jährliche Rente zu, damit er in Wien blieb und ein Angebot aus Kassel ausschlug; der Vertrag ist erhalten. Schwierig fanden Zeitgenossen seine Musik trotzdem: Rezensionen zur Eroica bemängelten Länge und Härte.

Welchen Einfluss hat Ludwig van Beethoven bis heute?

Ludwig van Beethoven veränderte, was Komponisten nach ihm unter einer Sinfonie verstanden. Mit dem Finale der Neunten holte er Text und Chorgesang in eine Gattung, die bis dahin ohne Singstimmen auskam. Spätere Komponisten von Hector Berlioz bis Gustav Mahler bezogen sich darauf.

Seine 32 Klaviersonaten bilden den Kern des Repertoires für Klavier. Der Tonumfang der Hammerflügel wuchs zu Beethovens Lebzeiten mehrfach, und er nutzte jeden neuen Ton sofort.

Die Melodie des Freudenthemas wählte der Europarat 1972 zu seiner Hymne, die Europäische Gemeinschaft übernahm sie 1985. Damit hat ein Stück aus der Klassik eine offizielle Funktion außerhalb der Konzertsäle.

Häufige Fragen zu Ludwig van Beethoven

Wann wurde Ludwig van Beethoven taub?

Ludwig van Beethoven bemerkte erste Hörprobleme um 1798 und beschrieb sie 1802 im Heiligenstädter Testament. Das Gehör verschlechterte sich über zwei Jahrzehnte hinweg, ab etwa 1818 nutzte er Konversationshefte. In seinen letzten Lebensjahren hörte er fast nichts mehr und komponierte dennoch weiter, darunter die neunte Sinfonie. Die Ursache der Erkrankung ist bis heute ungeklärt.

Wie viele Sinfonien schrieb Ludwig van Beethoven?

Ludwig van Beethoven vollendete neun Sinfonien. Die erste stellte er 1800 in Wien vor, die neunte führte er 1824 zum ersten Mal auf. Sie bezieht im Finale vier Gesangssolisten und einen Chor ein und durchbrach damit die Grenze der rein instrumentalen Gattung.

Was ist das Heiligenstädter Testament von Ludwig van Beethoven?

Das Heiligenstädter Testament ist ein Brief, den Ludwig van Beethoven im Oktober 1802 im Wiener Vorort Heiligenstadt an seine beiden Brüder schrieb. Darin legt er offen, dass er schwerhörig ist und wie sehr ihn das von anderen trennt. Abgeschickt hat er den Brief nie; nach seinem Tod 1827 tauchte er im Nachlass auf.

Warum gilt Ludwig van Beethoven als Übergang zur Romantik?

Ludwig van Beethoven gilt als Übergangsfigur, weil er die Formen der Wiener Klassik beibehielt und zugleich sprengte. Er verlängerte Sätze, verschärfte die Kontraste, machte die Durchführung zum dramatischen Zentrum und band außermusikalische Inhalte ein, etwa Schillers Text im Finale der Neunten. Die Komponisten der Romantik knüpften genau daran an.

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