Volksmusik

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Redaktion
Eine Steirische Harmonika und eine Klarinette auf einer Holzbank. Bild: KI generiert.
Eine Steirische Harmonika und eine Klarinette auf einer Holzbank. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Volksmusik ist überliefertes Liedgut und Instrumentalmusik einer Region. Sie entstand nicht für den Konzertsaal, sondern für einen Anlass: für den Tanz, das Fest, die Arbeit und das Kirchenjahr. Weitergegeben wurde sie durch Vorspielen und Nachspielen, weshalb bei vielen Stücken kein Urheber bekannt ist. Im deutschsprachigen Raum ist sie vor allem im Alpenraum als lebendige Praxis erhalten, mit Steirischer Harmonika, Klarinette, Trompete, Gitarre und Kontrabass.

Volksmusik ist überliefertes Liedgut und Instrumentalmusik einer Region. Sie entstand nicht für den Konzertsaal, sondern für einen Anlass: für den Tanz, das Fest, die Arbeit und das Kirchenjahr. Weitergegeben wurde sie über Generationen durch Vorspielen und Nachspielen, weshalb bei vielen Stücken kein Urheber bekannt ist. Im deutschsprachigen Raum ist sie vor allem im Alpenraum als lebendige Praxis erhalten.

AlpenraumKernregion
mündlichWeitergabe
19. Jh.erste Sammlungen
1970ervolkstümliche Musik

Was ist Volksmusik?

Volksmusik ist die Musik, die eine Bevölkerungsgruppe selbst spielt und singt, ohne Ausbildung im Notenlesen und ohne Auftraggeber. Ihr Repertoire ist an eine Landschaft gebunden: Ein Landler aus dem Salzkammergut klingt anders als einer aus Oberbayern, obwohl beide denselben Tanz meinen. Die Melodien nutzen überwiegend Dur, brechen Dreiklänge aus und lassen sich zweistimmig in Terzen und Sexten begleiten. Diese Zweistimmigkeit ergibt den Satz, den man beim alpenländischen Gesang sofort erkennt.

MerkmalVolksmusik
Entstehungszeit und -ortmündlich überliefert, im Alpenraum über Jahrhunderte gewachsen, schriftlich gesammelt ab dem 19. Jahrhundert
Typische BesetzungSteirische Harmonika, Klarinette, Trompete oder Flügelhorn, Gitarre und Kontrabass; in der Stubenmusik Zither, Hackbrett, Harfe und Gitarre
Prägende MerkmaleDur-Melodik mit Dreiklangsbrechungen, Zweistimmigkeit in Terzen und Sexten, Tanzfunktion, überschaubare Harmonik
Wichtige SpielartenLandler, Walzer, Polka, Boarischer, Zwiefacher, Marsch, Jodler, Stubenmusik
Weitergabevorwiegend nach Gehör, viele Stücke ohne bekannten Urheber
Verwandte Gattungvolkstümliche Musik, ab den 1970er Jahren für Fernsehen und Tonträger produziert

Wie unterscheiden sich Volksmusik und volkstümliche Musik?

Volksmusik ist überliefert und regional gebunden, volkstümliche Musik ist produziert und überregional. Das ist der entscheidende Unterschied, und er liegt nicht im Klang, sondern in Herkunft, Zweck und Urheberschaft.

Die volkstümliche Musik entstand ab den 1970er Jahren für das Fernsehen und den Tonträgermarkt. Ihre Stücke haben benannte Komponisten und Texter, sie erscheinen als Neuware, und ihre Besetzung folgt der Studiotechnik: Schlagzeug, elektrischer Bass und Keyboard-Streicher tragen den Satz, die Harmonika liefert das Klangzeichen der Herkunft. Die Form übernimmt Strophe und Refrain vom Schlager, die Aufnahme ist auf Sendelänge geschnitten. Fernsehformate mit Bühnenshow machten diese Musik über Jahrzehnte zu einem festen Programmplatz.

Volksmusik ist überliefert, volkstümliche Musik ist produziert. Ein Landler, den drei Generationen einer Talschaft nach Gehör weitergegeben haben, ist Volksmusik. Ein neu komponierter Titel im selben Rhythmus, aufgenommen für eine Fernsehsendung, ist volkstümliche Musik. Beide können ähnlich klingen, aber nur das erste Stück gehört einer Region.

Welche Instrumente spielen in der Volksmusik?

Die alpenländische Tanzbesetzung, die Tanzlmusi, besteht meist aus fünf Instrumenten. Jedes hat eine feste Aufgabe im Satz.

  • Steirische Harmonika führt die Melodie. Die Steirische Harmonika ist wechseltönig: Dieselbe Taste ergibt bei Zug einen anderen Ton als bei Druck, was die typische Auf- und Abbewegung der Melodie mitbestimmt.
  • Klarinette übernimmt die Melodie oder legt die Oberstimme darüber und umspielt die Schlusstöne.
  • Trompete und Flügelhorn tragen die Melodie in Bläserbesetzungen. Das Flügelhorn klingt wegen seines durchgehend konischen Rohrs weicher als die Trompete.
  • Gitarre und Kontrabass teilen die Begleitung: Der Bass spielt die Grundtöne auf den schweren Zählzeiten, die Gitarre setzt die Akkorde auf die leichten dazwischen.
  • Hackbrett und Zither prägen die Stubenmusik. Das Hackbrett wird mit zwei Schlägeln angeschlagen und ist leise genug für das Spiel in der Stube statt im Tanzsaal.
  • Alphorn steht außerhalb der Tanzmusik. Das Alphorn hat weder Grifflöcher noch Ventile und spielt deshalb ausschließlich Naturtöne.

Welche Tanzformen prägen die Volksmusik?

Die Tanzformen unterscheiden sich nach Takt und Tempo. Der Landler steht im Dreivierteltakt und wird langsam gedreht, der Walzer nutzt denselben Takt schneller. Polka und Boarischer stehen im Zweivierteltakt, die Polka rasch, der Boarische gemäßigt. Der Marsch begleitet Umzüge im geraden Takt.

Eine Sonderstellung hat der Zwiefache. Er wechselt innerhalb eines Stücks zwischen Dreivierteltakt und Zweivierteltakt, zwischen Walzer- und Drehertakten. Die Reihenfolge dieser Takte ist für jedes Stück festgelegt, und die Tänzer müssen sie kennen, weil der Wechsel nicht angekündigt wird.

3/4 Walzer 3/4 Walzer 2/4 Dreher 2/4 Dreher 3/4 Walzer 2/4 Dreher 2/4 Dreher Jeder Punkt ist ein Schlag. Blaue Takte zählen zwei, graue zählen drei.
Beispielhafte Taktfolge eines Zwiefachen. Jedes Stück hat seine eigene Reihenfolge, die Tänzer und Musikanten auswendig kennen.

Wie funktioniert der Jodler in der Volksmusik?

Der Jodler wechselt ohne Text zwischen Brust- und Kopfstimme. Der Sänger springt hörbar über den Registerbruch, statt ihn wie im klassischen Gesang zu verdecken. Die Silben tragen keine Bedeutung, sie steuern nur, wie der Ton anspringt: harte Konsonanten für den Absatz, offene Vokale für den Halteton. Weil ein solcher Ruf über weite Entfernung trägt, diente die Technik in Berggegenden auch zur Verständigung zwischen Almen.

Wo wird Volksmusik heute gespielt?

Volksmusik wird heute an Musikschulen, in Seminaren und bei Wettbewerben weitergegeben, also in Einrichtungen, die es zur Zeit ihrer Entstehung nicht gab. Volksliedarchive der Länder und Regionen bewahren die im 19. und 20. Jahrhundert gesammelten Aufzeichnungen und geben Notensätze heraus. Daneben arbeitet eine Szene mit dem überlieferten Material weiter und verbindet es mit Jazz und Popmusik, ohne die Herkunft der Stücke zu verschweigen.

Häufige Fragen zur Volksmusik

Was ist der Unterschied zwischen Volksmusik und volkstümlicher Musik?

Volksmusik ist überliefertes, regional gebundenes Repertoire, das ohne Notenschrift von Generation zu Generation weitergegeben wurde und bei dem oft kein Urheber bekannt ist. Volkstümliche Musik entstand ab den 1970er Jahren als Neuproduktion für Fernsehen und Tonträger, hat benannte Komponisten und Texter und folgt in Form und Aufnahmetechnik dem Schlager. Sie übernimmt Instrumente und Kostüm der Volksmusik, gehört aber keiner Region.

Welche Instrumente gehören zur alpenländischen Volksmusik?

Zur alpenländischen Volksmusik gehören vor allem Steirische Harmonika, Klarinette, Trompete oder Flügelhorn, Gitarre und Kontrabass. Diese fünf bilden die Tanzlmusi. In der leiseren Stubenmusik treten Zither, Hackbrett und Harfe an ihre Stelle.

Was ist ein Zwiefacher in der Volksmusik?

Ein Zwiefacher ist ein Tanz der bayerisch-böhmischen Volksmusik, der innerhalb eines Stücks zwischen Dreivierteltakt und Zweivierteltakt wechselt. Die Walzer- und Drehertakte folgen in einer festen, für jedes Stück eigenen Reihenfolge aufeinander. Tänzer und Musikanten müssen diese Folge auswendig kennen, weil der Wechsel im Stück nicht angesagt wird.

Wer hat die Stücke der Volksmusik geschrieben?

Bei einem großen Teil der Volksmusik ist kein Urheber bekannt. Die Stücke wurden nach Gehör weitergegeben und dabei verändert, sodass von einer Melodie mehrere regionale Fassungen nebeneinander bestehen. Erst die Sammler des 19. Jahrhunderts schrieben das Repertoire auf und hielten damit einen Stand fest, der vorher nie festgeschrieben war.

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