Schlager

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Redaktion
Eine Bühne mit Mikrofonständer und farbigem Scheinwerferlicht. Bild: KI generiert.
Eine Bühne mit Mikrofonständer und farbigem Scheinwerferlicht. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Schlager ist deutschsprachige Unterhaltungsmusik, die alles auf ihren Refrain ausrichtet. Melodie und Harmonik bleiben einfach genug, dass ein Hörer den Refrain nach einem Durchgang mitsingt. Die Stücke stehen fast immer im Vierviertel-Takt, halten ein mittleres Tanztempo und erzählen von Liebe, Sehnsucht und Lebensgefühl. Der Begriff bezeichnete zuerst keinen Stil, sondern einen Erfolg: ein Stück, das beim Publikum einschlägt.

Schlager ist deutschsprachige Unterhaltungsmusik, die alles auf ihren Refrain ausrichtet. Melodie und Harmonik bleiben so einfach, dass ein Hörer den Refrain nach einem Durchgang mitsingt. Die Stücke stehen fast immer im Vierviertel-Takt und halten ein mittleres Tanztempo. Ihre Texte handeln von Liebe, Sehnsucht und Lebensgefühl.

4/4Taktart
DeutschSprache
RefrainKern der Form
3Akkorde im Grundgerüst

Was ist Schlager?

Schlager ist ein Genre der populären Musik, das sich über seine Wirkung beschreibt und nicht über eine Spieltechnik. Der Gesang steht im Vordergrund, die Begleitung stützt ihn und tritt nie mit ihm in Konkurrenz. Die Melodien bewegen sich in kleinen Schritten und bleiben meist im Umfang einer Oktave, damit auch ein ungeübter Sänger sie trifft. Harmonisch genügen in vielen Titeln Tonika, Subdominante und Dominante, also drei Akkorde.

Vom regionalen Liedgut der Volksmusik unterscheidet sich der Schlager durch seine Herkunft. Er entsteht im städtischen Unterhaltungsbetrieb, hat benannte Komponisten und Texter und erscheint als Neuware auf Tonträgern, während Volksmusik über Generationen weitergegeben wird und regional gebunden bleibt.

MerkmalSchlager
Entstehungszeit und -ortBegriff ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum, eigenes Genre seit dem Tonfilm der 1930er Jahre
Typische BesetzungSologesang, dazu Klavier oder Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug, häufig Streicher- und Bläsersatz
Prägende MerkmaleVierviertel-Takt, mittleres Tempo, einfache Harmonik, Refrain mit dem Titel als Kernzeile
Wichtige SpielartenTonfilmschlager, Fernwehschlager der Nachkriegszeit, chansonnaher Schlager, Discofox-Schlager, Partyschlager
Spracheüberwiegend Deutsch
TextthemenLiebe, Trennung, Sehnsucht, Fernweh, Lebensgefühl

Woher kommt der Begriff Schlager?

Der Begriff Schlager benannte zuerst eine Funktion und keinen Stil. Ein Schlager war ein Stück, das einschlug: Es kam beim Publikum sofort an und verkaufte sich. Das Wort kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Wiener Musikleben auf, wo Operette und Wienerlied ein städtisches Massenpublikum bedienten.

Erst als sich die Unterhaltungsmusik im 20. Jahrhundert über Notenhefte, Schallplatten, Rundfunk und Tonfilm verbreitete, wanderte der Name von der Wirkung auf die Machart. Wer heute Schlager sagt, meint eine bestimmte Bauweise. Wer ihn im 19. Jahrhundert sagte, meinte einen Verkaufserfolg.

Schlager benennt zuerst einen Erfolg, dann erst einen Stil. Wer den Begriff wörtlich nimmt, erkennt, worauf die Machart zielt: Jedes Element ist darauf angelegt, beim ersten Hören zu haften. Kurze Melodiebögen, einfache Harmonik und ein wiederkehrender Refrain folgen aus dieser Absicht.

Wie ist ein Schlager aufgebaut?

Ein Schlager folgt der Strophenform mit Refrain. Die Strophe erzählt und wechselt ihren Text, der Refrain bleibt Wort für Wort gleich und kehrt drei- bis viermal wieder. Er trägt den Titel des Stücks, meist in der ersten oder der letzten Zeile. Zwischen zwei Refrains steht oft eine Bridge, die harmonisch ausweicht und den letzten Refrain vorbereitet.

Ablauf eines Schlagers Intro Strophe Refrain Strophe Refrain Bridge Refrain meist einen Halbton höher Blaue Felder tragen denselben Text und dieselbe Melodie.
Die Strophen wechseln ihren Text, der Refrain bleibt gleich. Vor dem letzten Refrain heben viele Schlager die Tonart an.

Diese Anhebung um einen Halb- oder Ganzton lässt die Melodie unverändert und schiebt sie nur nach oben. Der Sänger singt am Ende höher und angestrengter, was den Schluss steigert, ohne dass sich etwas an Text oder Harmoniefolge ändert. Der Griff ist im Genre so verbreitet, dass er als Erkennungsmerkmal gilt.

Welche Besetzung prägt den Schlager?

Die Besetzung des Schlagers richtet sich nach der Aufnahmetechnik ihrer Zeit, ihre Aufgabenverteilung bleibt dagegen konstant.

  • Sologesang trägt die Melodie ohne Umspielung und steht in der Abmischung vor allen anderen Stimmen.
  • Rhythmusgruppe aus Bass, Schlagzeug und Klavier oder Keyboard hält den durchgehenden Puls und markiert die Viertel.
  • Streicher- und Bläsersätze füllen die Lücken zwischen den Gesangszeilen und kündigen den Refrain an.
  • Akkordeon prägt viele Aufnahmen der 1950er und 1960er Jahre; das Akkordeon lieferte den Klang, den Studioorchester später mit Streichern ersetzten.
  • Synthesizer und programmierte Schlagzeugspuren übernehmen ab den 1990er Jahren den größten Teil der Begleitung.

Wovon handeln Schlagertexte?

Schlagertexte handeln überwiegend von Liebe, Trennung, Sehnsucht und Aufbruch. Sie sprechen den Hörer direkt an, oft in der Du-Form, und arbeiten mit einfachem Wortschatz und klaren Endreimen. Die Nachkriegsjahrzehnte fügten das Fernweh hinzu: Titel über Italien, Griechenland und das Meer trafen ein Publikum, das gerade anfing zu reisen.

Politische Stoffe bleiben die Ausnahme und fallen deshalb auf, etwa das Friedenslied Ein bisschen Frieden, mit dem Nicole 1982 den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewann.

Wie hat sich der Schlager entwickelt?

Der Tonfilm machte den Schlager in den 1930er Jahren zum Massenprodukt. Ein Lied aus einem Film erreichte über Kino, Rundfunk und Notenheft binnen Wochen ein Millionenpublikum, und die Filmgesellschaften produzierten Lieder gezielt für diesen Weg.

In den 1960er Jahren öffnete sich der Schlager für Tanzrhythmen aus der lateinamerikanischen Musik, vor allem für Rumba und Cha-Cha-Cha. Ab 1969 bündelte die ZDF-Hitparade das Genre im Fernsehen und entschied über Jahrzehnte mit, welche Titel sich durchsetzten. Udo Jürgens verband in dieser Zeit die Schlagerform mit Texten, die dem Chanson näherstanden als der Tanzmusik.

In den 1990er Jahren übernahm der Discofox den Puls: gerade Viertel, programmierte Bassdrum, ein Tempo, das zum Paartanz passt. Die bekanntesten Schlager-Hits der 90er Jahre stammen fast alle aus dieser Produktionsweise. Seit den 2010er Jahren füllt der Schlager Arenen und Stadien; Helene Fischers Atemlos durch die Nacht von 2013 verband den Discofox-Puls mit einer Produktion aus dem Popbereich und erreichte damit ein deutlich jüngeres Publikum.

Häufige Fragen zum Schlager

Was macht einen Schlager aus?

Einen Schlager macht die Ausrichtung auf den Refrain aus. Die Melodie bleibt sangbar und im Umfang klein, die Harmonik kommt oft mit drei Akkorden aus, das Stück steht im Vierviertel-Takt und hält ein mittleres Tanztempo. Der Text ist deutsch und handelt meist von Liebe, Sehnsucht oder Lebensgefühl.

Woher kommt das Wort Schlager?

Das Wort Schlager stammt aus dem Musikleben des 19. Jahrhunderts und bezeichnete einen Titel, der einschlägt, also sofort ankommt und sich verkauft. Es benannte damit einen Erfolg und keine Machart. Erst im 20. Jahrhundert, mit Tonfilm und Schallplatte, wurde daraus der Name eines Genres.

Was ist der Unterschied zwischen Schlager und volkstümlicher Musik?

Der Unterschied liegt im Repertoirebezug. Schlager kommt aus dem städtischen Unterhaltungsbetrieb und bedient kein regionales Vorbild. Volkstümliche Musik entstand ab den 1970er Jahren für Fernsehen und Tonträger und übernimmt Melodik, Instrumente und Kostüm der alpenländischen Volksmusik, folgt in Form und Produktion aber dem Schlager.

In welchem Takt steht ein Schlager?

Ein Schlager steht fast immer im Vierviertel-Takt. Das Tempo liegt im mittleren Bereich, weil die Stücke tanzbar sein sollen, seit den 1990er Jahren meist im Tempo des Discofox. Ältere Titel stehen daneben im Dreivierteltakt, wenn sie den Walzer aufgreifen.

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