Shoegaze

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Redaktion
Eine Hand stellt ein Effektgerät mit mehreren Reglern und Fußschaltern ein. Foto: martihosta / Pixabay.
Eine Hand stellt ein Effektgerät mit mehreren Reglern und Fußschaltern ein. Foto: martihosta / Pixabay.

Zusammenfassung

Shoegaze ist eine Spielweise des Gitarrenrock, in der dicht bearbeitete Gitarrenwände den einzelnen Ton aufnehmen und der Gesang als weitere Klangschicht darin liegt. Verzerrung, Chorus, Flanger, Verzögerung und viel Hall laufen gleichzeitig, und ihre Reihenfolge entscheidet über das Ergebnis. Den Namen prägten britische Musikjournalisten um 1990 spöttisch für Musiker, die auf der Bühne nach unten blicken, weil sie große Effektgeräte-Boards am Boden bedienen. Der Stil entstand Ende der 1980er Jahre in Großbritannien und Irland, verlor Mitte der 1990er Jahre mit dem Britpop an Aufmerksamkeit und kehrte ab den 2000er Jahren zurück.

Shoegaze ist eine Spielweise des Gitarrenrock, in der die dicht bearbeitete Gitarrenwand den einzelnen Ton aufnimmt und darin verschwinden lässt. Mehrere Effektgeräte formen das Signal gleichzeitig um, bis sich die Anschläge nicht mehr trennen lassen. Der Gesang liegt in dieser Wand als weitere Klangschicht und führt das Stück nicht an. Die Melodien treten deshalb erst allmählich aus der Fläche hervor. Der Stil entstand Ende der 1980er Jahre in Großbritannien und Irland.

1980erEntstehung, spätes Jahrzehnt
5Stufen der Effektkette
2Gitarren in der üblichen Besetzung
hintenPlatz des Gesangs im Mix

Was ist Shoegaze?

Shoegaze ist eine Spielweise des Gitarrenrock, bei der die Effektbearbeitung den Klang bestimmt und nicht die einzelne Linie. Das Arrangement behandelt die Gitarren als Fläche: Hall und Verzögerung schieben die Töne ineinander, bis das Ohr die Anschläge nicht mehr auseinanderhält. Die Melodie liegt darunter und tritt erst hervor, wenn sich das Ohr an die Dichte gewöhnt hat.

MerkmalShoegaze
Art des BegriffsStilbezeichnung aus der Musikpresse
EntstehungszeitEnde der 1980er Jahre, stärkste Zeit Anfang der 1990er Jahre
EntstehungsraumGroßbritannien und Irland
Übergeordnete KategorieAlternative Rock
Typische Besetzungzwei E-Gitarren, Bassgitarre, Schlagzeug, Gesang
Prägende MittelVerzerrung, Chorus, Flanger, Verzögerung, viel Hall
Platz des Gesangsim Mix zurückgenommen, auf Höhe der Gitarren
Wortherkunftenglisch shoegazing, auf die eigenen Schuhe blicken
RückgangMitte der 1990er Jahre mit dem Aufkommen des Britpop
Wiederentdeckungab den 2000er Jahren

Woher kommt der Name Shoegaze?

Den Namen prägten britische Musikjournalisten um 1990, und sie meinten ihn spöttisch. Sie beschrieben damit Musiker, die auf der Bühne nach unten blicken statt ins Publikum. Shoegazing heißt wörtlich, auf die eigenen Schuhe zu starren.

Der Grund für diese Haltung ist technisch. Die Gitarristen bedienen während des Spielens große Effektgeräte-Boards am Boden, schalten mitten im Stück mehrere Geräte um und verstellen deren Regler mit dem Fuß. Wer dabei den richtigen Schalter treffen will, muss hinsehen. Der Name beschreibt also eine Arbeitshaltung und keine Schüchternheit.

Wie entsteht der Klang von Shoegaze?

Der Klang entsteht in einer Kette von Effektgeräten, die das Signal der E-Gitarre nacheinander bearbeiten. Fünf Stufen kehren regelmäßig wieder, oft mehrere davon gleichzeitig geschaltet.

  • Verzerrung: Das Gerät kappt die Spitzen des Signals, setzt Obertöne hinzu und drückt die Lautstärkeunterschiede zusammen. Der Ton hält dadurch länger an und bleibt dabei gleich laut.
  • Chorus: Das Gerät kopiert das Signal, verzögert die Kopie um wenige Millisekunden und verändert diese Verzögerung fortlaufend. Die Kopie steht damit leicht neben dem Original, und eine Gitarre klingt wie mehrere.
  • Flanger: Dasselbe Verfahren mit kürzerer Verzögerung und rückgeführtem Signal. Original und Kopie löschen sich in bestimmten Frequenzen aus, und diese Lücken wandern durch den Klang.
  • Verzögerung: Das Gerät wiederholt das Signal nach einer eingestellten Zeit, meist mehrfach und jedes Mal leiser. Bei kurzen Zeiten verschmelzen die Wiederholungen mit dem Original.
  • Hall: Das Gerät hängt an jeden Ton viele dicht aufeinanderfolgende Reflexionen. Lange Nachhallzeiten sorgen dafür, dass ein Akkord noch klingt, während der nächste einsetzt.

Die Reihenfolge der Geräte verändert das Ergebnis, obwohl die Geräte dieselben bleiben. Steht die Verzerrung vor dem Hall, legt sich die Hallfahne über den verzerrten Ton, und die Anschläge bleiben hörbar. Steht der Hall vorn, erfasst die Verzerrung auch die Hallfahne und hebt sie auf die Lautstärke des Tons. Der Anschlag verliert damit seinen Anfangspunkt.

Zwei weitere Mittel prägen den Stil. Beim Reverse-Reverb läuft das Hallsignal rückwärts, der Nachhall steht also vor dem Ton statt hinter ihm: Die Lautstärke wächst an und mündet in den Anschlag, sodass der Ton ohne erkennbaren Beginn einsetzt. Der Tremolo-Arm sitzt am Steg der E-Gitarre und verändert die Saitenspannung, ein Druck senkt die Tonhöhe, ein Zug hebt sie. Wer einen liegenden Akkord damit bewegt, verstimmt ihn gegen die übrigen Spuren, und die Fläche gerät ins Schwanken.

Weg des Signals durch die Effektkette E-Gitarre trockenes Signal ohne Bearbeitung Verzerrung kappt die Spitzen, setzt Obertöne zu, hält den Ton länger Modulation Chorus und Flanger verstimmen eine Kopie des Signals Verzögerung wiederholt den Ton nach fester Zeit, mehrfach und leiser Hall hängt Reflexionen an jeden Ton, lange Nachhallzeit Verstärker gibt die Summe als eine Fläche aus Dieselben Geräte, vertauschte Reihenfolge Verzerrung vor Hall Der Hall legt sich über den verzerrten Ton. Die einzelnen Anschläge bleiben hörbar. Hall vor Verzerrung Die Verzerrung erfasst die Hallfahne mit und hebt sie auf die Lautstärke des Tons an. Der Anschlag verliert seinen Anfang, es bleibt eine Fläche.
Die Kette zeigt den üblichen Weg des Signals. Dieselben Geräte ergeben einen anderen Klang, sobald ihre Reihenfolge wechselt.

Warum liegt der Gesang im Shoegaze so weit hinten?

Das Arrangement setzt die Stimme als Instrument ein und nicht als Erzähler. Die Mischung hält den Pegel des Gesangs auf der Höhe der Gitarren, gibt ihm denselben Hall und lässt die Anhebung der oberen Mitten weg, mit der eine Popmischung eine Stimme nach vorn holt.

Für den Hörer ändert das die Aufgabe. Er folgt keiner Hauptstimme, sondern hört auf den Gesamtklang, in dem die Stimme eine Farbe unter mehreren beisteuert. Der Text tritt zurück und bleibt oft unverständlich, die Melodie der Stimme bleibt hörbar.

Im Shoegaze trägt der Klang die Melodie, nicht die Stimme. Die Mischung stellt den Gesang mit Absicht hinter die Gitarren, damit kein Element die Fläche anführt. Wer auf den Text hört, findet wenig. Wer auf die Fläche hört, findet die Melodie darin.

Woher stammt Shoegaze?

Shoegaze entstand Ende der 1980er Jahre in Großbritannien und Irland und hatte seine stärkste Zeit Anfang der 1990er Jahre. Die Bands spielten in kleinen Clubs und veröffentlichten über unabhängige Labels. My Bloody Valentine, in Dublin gegründet und später in London ansässig, trieb die Bearbeitung des Gitarrensignals am weitesten; Slowdive aus Reading stand für die ruhigere Seite des Stils.

Mitte der 1990er Jahre verlor Shoegaze an Aufmerksamkeit. Der Britpop rückte genau das in den Mittelpunkt, was Shoegaze zurücknahm: eine vorn stehende Stimme, verständliche Textzeilen und Bands, die sich als Personen zeigten.

Ab den 2000er Jahren kehrte der Stil zurück. Jüngere Bands griffen die Effektarbeit auf, alte Aufnahmen erschienen wieder, und mehrere der ursprünglichen Gruppen traten erneut auf. Seither bezeichnet der Begriff auch neue Musik, die mit denselben Mitteln arbeitet.

Was unterscheidet Shoegaze von verwandten Stilen?

Shoegaze zählt zum Alternative Rock. Der Unterschied zu dessen anderen Strömungen liegt in der Behandlung des Gitarrensignals und in der Stellung der Stimme.

  • Gegenüber dem Grunge: Der Grunge entstand zur gleichen Zeit, springt aber hart zwischen leisen und lauten Teilen und stellt den Gesang nach vorn. Shoegaze hält die Lautstärke über weite Strecken gleich.
  • Gegenüber dem Psychedelic Rock: Vom Psychedelic Rock übernimmt Shoegaze den langen Hall und die verfremdeten Gitarren, verzichtet aber auf die ausgedehnten Soli. An deren Stelle tritt die Fläche.

Häufige Fragen zu Shoegaze

Was ist Shoegaze?

Shoegaze ist eine Spielweise des Gitarrenrock, in der mehrere gleichzeitig geschaltete Effektgeräte eine dichte Gitarrenfläche erzeugen. Der Gesang liegt darin als weitere Klangschicht statt als Hauptstimme, weshalb die Melodien erst allmählich hörbar werden. Der Stil entstand Ende der 1980er Jahre in Großbritannien und Irland.

Warum heißt Shoegaze so?

Shoegaze heißt so, weil britische Musikjournalisten um 1990 spöttisch beschrieben, dass die Musiker auf der Bühne nach unten blicken. Der Grund ist technisch: Die Gitarristen bedienen während des Spielens große Effektgeräte-Boards am Boden und müssen dafür hinsehen. Der Name benennt eine Arbeitshaltung und keine Schüchternheit.

Welche Effekte braucht der Shoegaze-Klang?

Der Shoegaze-Klang entsteht aus Verzerrung, Chorus, Flanger, Verzögerung und viel Hall, meist mehreren davon gleichzeitig. Die Reihenfolge verändert das Ergebnis: Steht der Hall vor der Verzerrung, erfasst diese auch die Hallfahne, und der Ton verliert seinen Anfangspunkt. Dazu kommen der Reverse-Reverb mit dem Nachhall vor dem Ton und der Tremolo-Arm, der die Tonhöhe schwanken lässt.

Warum versteht man den Gesang im Shoegaze so schlecht?

Im Shoegaze mischt die Produktion den Gesang mit Absicht zurück, weil sie die Stimme als Klangschicht behandelt und nicht als Hauptstimme. Der Gesang bekommt denselben Hall wie die Gitarren und bleibt auf deren Pegel. Der Text tritt dadurch zurück, während die Melodie der Stimme hörbar bleibt.

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