Psychedelic Rock

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Redaktion
Eine Tonbandspule mit braunem Magnetband und rotem Vorspannband. Foto: wongpear / Pixabay.
Eine Tonbandspule mit braunem Magnetband und rotem Vorspannband. Foto: wongpear / Pixabay.

Zusammenfassung

Psychedelic Rock ist eine Spielart der Rockmusik, die stark bearbeitete Gitarrenklänge, ausgedehnte Instrumentalteile und Studiotechnik als Gestaltungsmittel verbindet. Rückwärts abgespielte Bänder, Phasing und Flanging aus zwei gegeneinander verschobenen Bandmaschinen, langer Hall und wandernde Stereobilder entstanden dabei als Handarbeit am Magnetband. Melodik und Klangfarben borgt der Stil bei außereuropäischer Musik: modale Tonleitern, Bordunklänge und die Sitar. Psychedelic Rock entstand Mitte der 1960er Jahre in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten und ging Ende der 1960er Jahre in Hard Rock und Progressive Rock über.

Psychedelic Rock ist eine Spielart der Rockmusik, die vier Merkmale verbindet: stark bearbeitete Gitarrenklänge, ausgedehnte Instrumentalteile, Studiotechnik als Gestaltungsmittel und Anleihen bei außereuropäischer Musik. Der Stil entstand Mitte der 1960er Jahre in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten, mit Zentren in London und San Francisco. Ende der 1960er Jahre verlor er an Bedeutung und ging in Hard Rock und Progressive Rock über.

Mitte 1960erEntstehung
LondonZentrum in Europa
San FranciscoZentrum in den USA
Ende 1960erÜbergang in andere Stile

Was macht Psychedelic Rock aus?

Psychedelic Rock behandelt den Klang selbst als Gegenstand des Stücks. Die Gitarre läuft durch Verzerrer, Wah-Wah-Pedal und gesteuerte Rückkopplung, bis der Anschlag kaum noch als Saitenton zu erkennen ist, der Gesang steht im Hall statt vorn. Dazu kommt die Länge: Instrumentalteile sprengen den Rahmen der Single und laufen im Konzert offen weiter. Weil Akkordwechsel ausbleiben, gliedert die Klangfarbe den Ablauf.

MerkmalPsychedelic Rock
EntstehungszeitMitte der 1960er Jahre
EntstehungsortGroßbritannien und Vereinigte Staaten, Zentren London und San Francisco
Blütezeitetwa 1966 bis 1969
Typische BesetzungE-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug, Gesang, dazu Orgel, teils Sitar, Tabla oder Theremin
Prägende Studiomittelrückwärts abgespieltes Band, Phasing und Flanging, langer Hall, wandernde Stereobilder
Melodikmodal statt Dur und Moll, Bordunklänge, wenige Akkordwechsel
Formausgedehnte Instrumentalteile, im Konzert offen weitergeführt
NachfolgeHard Rock, Progressive Rock, Krautrock

Wie entstanden die Studioeffekte im Psychedelic Rock?

Am Magnetband, von Hand. Die vier Verfahren, die den Stil tragen, gab es Mitte der 1960er Jahre nicht als Gerät mit Knopf; ein Toningenieur stellte jedes aus den Mitteln des Aufnahmeraums her.

  • Rückwärts abgespieltes Band entsteht, wenn das Studio die Bandspule umdreht. Anschlag und Ausklang tauschen die Plätze: Der Ton schwillt an und bricht ab. Für eine rückwärts klingende Gitarrenstimme spielte der Gitarrist zur umgedrehten Begleitspur, danach lief das Band wieder vorwärts.
  • Phasing und Flanging entstehen aus zwei Bandmaschinen, die dieselbe Aufnahme gleichzeitig abspielen. Ein Techniker bremst eine davon mit dem Finger am Spulenrand leicht ab. Die zweite Spur läuft dadurch um Bruchteile einer Millisekunde nach, und beim Mischen löschen sich beide an bestimmten Frequenzen aus.
  • Langer Hall kam aus einem eigenen Raum oder von einer Stahlplatte. Ein Lautsprecher gibt das Signal in einen leeren gekachelten Raum, ein Mikrofon nimmt es dort wieder auf und trägt dessen Nachhall mit. Je länger der Nachhall, desto weiter rückt eine Stimme vom Hörer weg.
  • Wandernde Stereobilder nutzen die damals neue Zweikanaltechnik. Der Panoramaregler verteilt eine Spur auf linken und rechten Kanal; zieht eine Hand ihn während der Mischung langsam herüber, wandert das Instrument im Kopfhörer von einem Ohr zum anderen.
Spur A Spur B Versatz von wenigen Millisekunden Zeit Summe Summe beider Spuren, nach Frequenz aufgetragen Auslöschung Auslöschung Verstärkung Frequenz
Beide Spuren tragen dasselbe Signal, die zweite läuft um Bruchteile einer Millisekunde nach. In der Summe verstärken sie sich, wo sie gleich schwingen, und löschen sich aus, wo sie gegenläufig schwingen.

Im Psychedelic Rock entstehen die Kennzeichen des Stils im Studio und nicht auf der Bühne. Rückwärtsband, Flanging und wandernde Stereobilder lassen sich nicht spielen, sondern nur herstellen, und kein Handgriff am Band war genau wiederholbar: Ein zweiter Durchgang traf den Bremsdruck nie wieder so. Konzerte klangen deshalb anders als die Platten, und ein Teil der Bühnentechnik der folgenden Jahre entstand aus dem Versuch, diesen Abstand zu verkleinern.

Woher stammen Melodik und Klangfarben im Psychedelic Rock?

Aus außereuropäischer Musik, vor allem aus der klassischen Musik Nordindiens. Drei Mittel übernahm der Stil davon.

  • Modale Melodik tritt an die Stelle der Kadenz aus Dur und Moll. Ein Stück bleibt auf einer Tonleiter stehen, häufig dorisch oder mixolydisch, statt über Zwischenakkorde auf einen Zielakkord zuzulaufen. Der Leitton, der zur Auflösung drängt, verliert seine Aufgabe.
  • Bordunklänge halten einen Grundton oder eine Quinte durchgehend, während sich die Melodie darüber bewegt. Jeder Melodieton wird damit an einem festen Bezugston gemessen. Orgel, Bass oder eine offen gestimmte Gitarre übernehmen das.
  • Die Sitar brachte den Klang der nordindischen Klassik in die Rockaufnahme. Unter ihren gespielten Saiten liegen weitere Saiten, die niemand anschlägt und die trotzdem mitschwingen. Diesen Nachklang bringt eine Sitar in jede Aufnahme mit.

Die modale Anlage erklärt zugleich die Länge der Instrumentalteile: Wo keine Kadenz auf einen Schluss zusteuert, muss kein Abschnitt zu Ende sein.

Welche Rolle spielt die Orgel im Psychedelic Rock?

Die Orgel liefert die Fläche. Eine angeschlagene Saite klingt ab, eine gedrückte Orgeltaste hält den Ton unverändert, solange der Finger liegen bleibt; deshalb trägt die Orgel Bordunklänge über ganze Abschnitte und die Gitarre nicht. Transistororgeln wie Vox Continental und Farfisa klingen scharf und obertonreich, die Hammondorgel runder; der Wechsel ihres Lautsprechers von langsamer auf schnelle Drehung ist selbst ein Gestaltungsmittel.

Daneben kamen die ersten elektronischen Instrumente in die Rockaufnahme. Das Theremin spielt man ohne Berührung: Zwei Antennen bauen elektrische Felder auf, der Abstand der Hände dazu bestimmt Tonhöhe und Lautstärke. Weil Tasten und Bünde fehlen, gleitet der Ton stufenlos. Mellotron und frühe Synthesizer, die später den Progressive Rock prägten, tauchten hier zum ersten Mal in Rockaufnahmen auf.

Woher kommt der Name Psychedelic Rock?

Aus der psychiatrischen Fachsprache der 1950er Jahre. Das Wort psychedelisch setzt sich aus den griechischen Wörtern für Seele und für sichtbar machen zusammen und verweist auf die Wirkung bestimmter Substanzen; die Szene, in der die Musik entstand, war vom Umgang mit ihnen geprägt. Das gehört zur Geschichte des Stils, nicht zu seinen musikalischen Mitteln. Die Aufmachung nahm den Namen ebenfalls auf: Konzerte liefen unter Lichtprojektionen aus bewegten Farbmustern.

Woher stammt der Psychedelic Rock?

Aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten, etwa gleichzeitig ab Mitte der 1960er Jahre. In London dehnten Bands ihre Stücke in Clubs aus, die den Abend nicht mehr in Tanznummern einteilten; dort baute Pink Floyd seine langen Instrumentalteile. Die zweite Szene entstand in San Francisco, getragen unter anderem von Jefferson Airplane und Grateful Dead.

Drei technische Voraussetzungen kamen zusammen: Die Mehrspuraufnahme erlaubte es, einzelne Spuren nachträglich zu bearbeiten. Die Langspielplatte gab langen Stücken Platz. Und die Verstärkerleistung auf der Bühne wuchs so weit, dass sich Rückkopplung steuern ließ.

Ende der 1960er Jahre verlor der Stil seine Vorrangstellung, und seine beiden Hälften trennten sich: Aus Lautstärke und Verzerrung wurde Hard Rock, aus den langen Formen und den Tasteninstrumenten Progressive Rock. Der Rock behielt die Effektgeräte, die aus den Studiohandgriffen hervorgingen; Phaser, Flanger und Hallgeräte gehören seitdem zur Standardausrüstung.

Häufige Fragen zum Psychedelic Rock

Was ist Psychedelic Rock?

Psychedelic Rock ist eine Spielart der Rockmusik mit stark bearbeiteten Gitarrenklängen, ausgedehnten Instrumentalteilen, Studiotechnik als Gestaltungsmittel und Anleihen bei außereuropäischer Musik. Er entstand Mitte der 1960er Jahre in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten, mit Zentren in London und San Francisco, und verlor Ende der 1960er Jahre an Bedeutung.

Welche Effekte prägen den Klang des Psychedelic Rock?

Den Klang des Psychedelic Rock prägen vier Verfahren: rückwärts abgespielte Bänder, Phasing und Flanging aus zwei leicht gegeneinander verschobenen Bandmaschinen, langer Hall aus Hallraum oder Hallplatte und Stereobilder, die im Kopfhörer von einer Seite zur anderen wandern. Alle vier entstanden als Handarbeit am Magnetband, nicht am Effektgerät.

Was ist der Unterschied zwischen Phasing und Flanging?

Beide Bezeichnungen standen in den 1960er Jahren nebeneinander. Später setzte sich eine Unterscheidung durch: Flanging entsteht aus einer kurzen Verzögerung des Signals, seine Auslöschungen liegen deshalb in gleichmäßigen Frequenzabständen. Phasing entsteht aus einer Filterschaltung, die die Phase einzelner Frequenzbereiche dreht, und seine Auslöschungen liegen in ungleichen Abständen.

Was unterscheidet Psychedelic Rock vom Progressive Rock?

Psychedelic Rock dehnt ein Stück über Klangbearbeitung und modale Flächen aus und lässt die Form offen. Progressive Rock gliedert dieselbe Länge und setzt an ihre Stelle eine geschriebene Abfolge mehrerer Teile mit wechselnden Taktarten. Progressive Rock ging Ende der 1960er Jahre aus dem Psychedelic Rock hervor.

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