R&B steht für Rhythm and Blues, und der Begriff bezeichnet zwei verschiedene Dinge. Ab den 1940er Jahren fasste die amerikanische Musikbranche darunter die populäre Musik afroamerikanischer Künstler zusammen, aus der Rock and Roll und Soul hervorgingen. Ab den 1980er Jahren bezeichnet R&B einen eigenen Stil mit programmierten Beats, stark verzierten Gesangslinien und Harmoniefolgen aus Septakkorden. Wer heute von R&B spricht, meint fast immer diesen zweiten, den Contemporary R&B.
Was ist R&B?
R&B ist die Abkürzung für Rhythm and Blues und trägt zwei Bedeutungen. Die ältere ist eine Marktkategorie: Das Fachblatt Billboard führte 1949 die Chartrubrik Rhythm and Blues ein und ersetzte damit die bis dahin gebräuchliche Bezeichnung race records. Unter dieses Etikett fiel die gesamte populäre Musik afroamerikanischer Künstler, vom Jump Blues bis zum Doo Wop. Die jüngere Bedeutung ist ein eigener Stil, der sich ab den 1980er Jahren herausbildete und Contemporary R&B heißt. Beide Bedeutungen laufen im Alltag durcheinander, und daraus entstehen die meisten Missverständnisse über das Genre.
| Merkmal | R&B |
|---|---|
| Entstehungszeit | Rhythm and Blues ab den 1940er Jahren, Contemporary R&B ab den 1980er Jahren |
| Entstehungsort | Vereinigte Staaten, vor allem Chicago, New Orleans, Detroit und New York |
| Typische Besetzung | früher Gesang, Saxophon, Klavier, Gitarre, Kontrabass, Schlagzeug; heute Gesang über Drumcomputer, Sampler und Synthesizer |
| Taktart | 4/4, im frühen R&B mit Shuffle-Achteln |
| Tempobereich | 60 bis 130 BPM, im Contemporary R&B meist unter 100 |
| Prägende Merkmale | Gesang im Vordergrund, Melismen, Septakkorde und Vorhalte, gestapelte Gesangsspuren |
| Wichtige Subgenres | Jump Blues, Doo Wop, New Jack Swing, Contemporary R&B, Neo Soul |
Was bedeutete Rhythm and Blues in den 1940er Jahren?
Rhythm and Blues war damals keine Stilbeschreibung, sondern ein Etikett des Marktes. Musikalisch stand dahinter eine kleine Besetzung aus Gesang, Saxophon, Klavier, Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug. Sie spielte schneller und lauter als der ländliche Blues, häufig über dem zwölftaktigen Bluesschema und mit Shuffle-Achteln, also ungleich langen Achtelpaaren. Die Zweige dieser Musik reichten vom tanzbaren Jump Blues bis zum mehrstimmigen Doo Wop.
Aus dieser Musik gingen zwei Entwicklungen hervor. Der Rock and Roll übernahm ab Mitte der 1950er Jahre Tempo, Besetzung und Formschema und verkaufte sie einem breiteren Publikum. Der Soul entstand, als Sänger die Ausdrucksmittel des Gospel auf weltliche Texte übertrugen. Beide Genres wurden aus der Chartrubrik heraus eigenständig, und der Begriff R&B blieb ohne klaren Inhalt zurück.
Was ist Contemporary R&B?
Contemporary R&B ist der Stil, den der Begriff seit den 1980er Jahren bezeichnet. Er stellt die Gesangsstimme in den Mittelpunkt und baut die Begleitung nicht aus einer spielenden Band, sondern aus programmierten Spuren. Ein Drumcomputer liefert das Schlagzeug, ein Sampler einzelne Klangbausteine, dazu kommen Flächen aus dem Synthesizer und eine tiefe, weiche Basslinie, die früher der E-Bass spielte.
Der Wendepunkt war der New Jack Swing der späten 1980er Jahre. Produzenten legten Gesangslinien aus dem Soul über die harten, geradlinigen Beats des Hip-Hop. Aus dieser Verbindung entwickelte sich in den 1990er Jahren der Klang, den Alben von Whitney Houston, Mariah Carey, Boyz II Men und TLC weltweit bekannt machten. Seit den 2000er Jahren kamen mit Neo Soul und Alternative R&B Zweige hinzu, die das Tempo weiter senken und die Harmonik ausbauen.
R&B war zuerst eine Chartrubrik und erst später ein Stil. Bis in die 1960er Jahre sagte das Etikett nur, an welches Publikum eine Platte verkauft wurde, nicht wie sie klang. Der stilistische Inhalt kam erst mit dem Contemporary R&B der 1980er Jahre hinzu. Wer eine Aufnahme von 1952 und eine von 1995 mit demselben Wort beschreibt, meint deshalb zwei verschiedene Sachen.
Wie klingt R&B harmonisch?
R&B baut seine Harmonien aus vierstimmigen Akkorden statt aus Dreiklängen. Ein Septakkord setzt auf den Dreiklang eine weitere Terz und erzeugt damit eine Spannung, die den nächsten Akkord vorbereitet. Neuntöne und Vorhalte erweitern das Prinzip. Diese Harmonik teilt der R&B mit dem Jazz, und sie unterscheidet ihn vom Rock, der überwiegend bei Dreiklängen bleibt.
Auf der Gesangsseite ist das Melisma das auffälligste Mittel: Der Sänger verteilt mehrere Töne auf eine einzige Textsilbe. Die Technik stammt aus dem Gospel und dient dazu, eine gehaltene Silbe zu gliedern und den Zielton hinauszuzögern. Dazu kommt das Stapeln von Gesangsspuren, bei dem dieselbe Stimme die Harmonie mehrfach übereinander singt und so den Chor einer Aufnahme allein bildet.
Wie unterscheidet sich R&B von Soul und Hip-Hop?
Soul und R&B haben dieselbe Wurzel, setzen aber andere Schwerpunkte. Der Soul entstand Ende der 1950er Jahre aus der Übertragung des Gospelgesangs auf weltliche Themen; er wird von einer spielenden Band mit Bläsersatz getragen und lebt vom gemeinsamen Timing der Musiker. Der Contemporary R&B kam rund dreißig Jahre später und baut seine Begleitung aus programmierten Spuren, die exakt auf dem Raster sitzen.
Zum Hip-Hop ist die Grenze fließend, weil beide dieselben Beats verwenden. Der Unterschied liegt im Vortrag: Der Rapper spricht rhythmisch, der R&B-Sänger singt und verziert. Viele Aufnahmen stellen beides nebeneinander, eine gesungene Strophe und einen gerappten Gastbeitrag.
Häufige Fragen zu R&B
Wofür steht die Abkürzung R&B?
R&B steht für Rhythm and Blues. Das Fachblatt Billboard führte den Begriff 1949 als Namen einer Chartrubrik ein und ersetzte damit die Bezeichnung race records. Er fasste die populäre Musik afroamerikanischer Künstler zusammen und beschrieb zunächst keinen einzelnen Stil, sondern eine Zielgruppe des Marktes.
Was ist der Unterschied zwischen Rhythm and Blues und Contemporary R&B?
Rhythm and Blues ist die ältere Sammelbezeichnung ab den 1940er Jahren für eine Musik aus kleiner Bandbesetzung, Bluesschema und Shuffle-Rhythmus. Contemporary R&B ist ein eigener Stil ab den 1980er Jahren mit programmierten Beats, Septakkorden und stark verzierten Gesangslinien. Beide tragen dieselbe Abkürzung und klingen völlig unterschiedlich; im heutigen Sprachgebrauch ist fast immer der zweite gemeint.
Was ist der Unterschied zwischen R&B und Soul?
Soul entstand Ende der 1950er Jahre, als Sänger die Gesangstechnik des Gospel auf weltliche Texte übertrugen; ihn trägt eine spielende Band mit Bläsersatz. Contemporary R&B entstand rund dreißig Jahre später und baut seine Begleitung aus Drumcomputer, Sampler und Synthesizer. Beide gehen auf denselben Rhythm and Blues der 1940er Jahre zurück.
Was ist ein Melisma im R&B?
Ein Melisma verteilt mehrere Töne auf eine einzige Textsilbe. Im R&B ist es das wichtigste Verzierungsmittel des Gesangs und stammt aus dem Gospel. Es gliedert eine gehaltene Silbe und zögert den Zielton hinaus; ab den 1990er Jahren wurde es zum Erkennungsmerkmal des Genres.




