Romantik in der Musik

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Redaktion
Steg, Saiten und F-Loch eines Streichinstruments in Nahaufnahme. Foto: MAGstd / Pixabay.
Steg, Saiten und F-Loch eines Streichinstruments in Nahaufnahme. Foto: MAGstd / Pixabay.

Zusammenfassung

Die Romantik in der Musik ist die Epoche der europäischen Kunstmusik von etwa 1820 bis 1900, zwischen Wiener Klassik und Moderne. Ihre Harmonik nutzt häufige Chromatik, alterierte Akkorde und Ausweichungen in entfernte Tonarten, ihr Orchester wächst vor allem im Blech und im Schlagwerk. Neben die ererbten Formen treten freiere, oft einsätzige Anlagen, und der Ausdruck geht der Symmetrie vor. Neu sind vier Gattungen: Kunstlied mit Klavier, Charakterstück, sinfonische Dichtung und Musikdrama.

Die Romantik in der Musik ist die Epoche der europäischen Kunstmusik zwischen Wiener Klassik und Moderne, und vier überprüfbare Merkmale machen sie aus. Ihre Harmonik greift weiter: Chromatik wird häufig, einzelne Akkordtöne stehen um einen Halbton verändert da, und die Musik weicht in weit entfernte Tonarten aus. Ihr Orchester wächst, vor allem im Blech und im Schlagwerk. Neben die ererbten Formen treten freiere, oft einsätzige Anlagen. Und wo Symmetrie und Ausdruck sich widersprechen, entscheidet die Romantik für den Ausdruck: Eine Periode darf unregelmäßig ausfallen, wenn die melodische Linie es verlangt.

1820Beginn, etwa
1900Ende, etwa
4neue Leitgattungen
KlavierInstrument des Bürgerhauses

Was macht die Romantik in der Musik aus?

Die Romantik in der Musik ist eine Stilepoche von etwa 1820 bis 1900. Kennzeichnend ist kein einzelnes neues Mittel, sondern eine Verschiebung an den ererbten. Die Periode bleibt der Ausgangspunkt, ihr Nachsatz kommt später als erwartet. Die Kadenz bleibt in Kraft, der Weg zu ihr führt über mehr Zwischenstationen.

MerkmalRomantik in der Musik
Zeitraumetwa 1820 bis 1900, mit Ausläufern bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts
Nachbarepochendavor Wiener Klassik, danach Moderne
Harmonikerweiterte Dur-Moll-Tonalität, häufige Chromatik, alterierte Akkorde, Ausweichungen in entfernte Tonarten
Orchestergewachsen, Ventile bei Horn und Trompete, Tuba und Posaunen fest besetzt, größere Schlagwerkgruppe, Harfe
Formendie ererbten Formen der Klassik neben freien, oft einsätzigen Anlagen
Neue GattungenKunstlied mit Klavier, Charakterstück für Klavier, sinfonische Dichtung, Musikdrama
LeitinstrumentKlavier, im Konzertsaal wie im bürgerlichen Wohnzimmer
GegensatzpaarProgrammmusik und absolute Musik
Nationalstileunter anderem in Russland, Böhmen, Skandinavien, Ungarn und Spanien
HauptvertreterFranz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Clara Schumann, Frédéric Chopin, Franz Liszt, Johannes Brahms, Richard Wagner, Giuseppe Verdi, Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Antonín Dvořák

Wie erweitert die Romantik die Harmonik?

Die Romantik behält die Dur-Moll-Tonalität bei und dehnt sie an vier Stellen. Erstens nimmt die Chromatik zu: Töne außerhalb der geltenden Tonleiter treten häufiger auf, in der Melodie und in den Akkorden. Zweitens verändern Komponisten einzelne Akkordtöne um einen Halbton. Ein solcher alterierter Akkord bleibt als Klang erkennbar, gehört aber keiner Tonart mehr eindeutig an; der verminderte Septakkord lässt sich in mehrere Tonarten auflösen und dient deshalb als Scharnier zwischen ihnen.

Drittens rücken die Ziele der Ausweichungen weiter weg. Die Wiener Klassik wechselt vor allem zur Dominante und zur Paralleltonart, also zu nah verwandten Tonarten. Die Romantik greift Tonarten im Terzabstand auf und stellt sie unvermittelt nebeneinander. Viertens verschiebt sich der Schluss. Eine Kadenz führt über die Dominante zur Tonika und schließt einen Abschnitt ab. Im Spätwerk der Epoche setzen Komponisten diese Spannung an, lösen sie aber nicht ein, sondern führen sie weiter. Über lange Strecken bleibt dadurch offen, welche Tonart gerade gilt.

Die Romantik hebt die Tonalität nicht auf, sie dehnt sie. Auch ein Satz, in dem die Grundtonart minutenlang unklar bleibt, steuert am Ende auf einen Grundton zu. Erst die Moderne gibt dieses Ziel auf: Arnold Schönberg schreibt kurz nach 1900 Stücke ohne Grundton. Dazwischen liegt kein Bruch, sondern ein halbes Jahrhundert, in dem der Weg zum Ziel immer länger wird.

Welche Gattungen bringt die Romantik hervor?

Vier Gattungen entstehen in der Romantik oder bekommen in ihr ihre feste Gestalt.

  • Kunstlied mit Klavier: ein Gedicht für Singstimme und Klavier gesetzt, wobei der Klavierpart die Vorlage mit ausdeutet, statt nur zu begleiten.
  • Charakterstück für Klavier: ein kurzes einsätziges Klavierstück, das einen einzigen Gedanken ausführt und einen Titel trägt statt einer Formbezeichnung.
  • Sinfonische Dichtung: ein einsätziges Orchesterwerk, dessen Verlauf einem außermusikalischen Vorwurf folgt statt einem Formschema. Franz Liszt prägte die Bezeichnung.
  • Musikdrama: ein durchkomponiertes Bühnenwerk ohne abgeschlossene Nummern, in dem das Orchester den Zusammenhang trägt. Richard Wagner baute die Oper dazu um.

Zwei dieser Gattungen setzen einen Gedanken voraus, der die Epoche teilt. Programmmusik verweist auf einen Gegenstand außerhalb der Musik, auf eine Dichtung, ein Bild oder einen Ablauf; der Komponist nennt ihn im Titel oder in einem beigegebenen Text, und der Verlauf des Stücks richtet sich danach. Absolute Musik verzichtet auf diesen Bezug, trägt eine Formbezeichnung wie Sinfonie oder Streichquartett und will aus ihrem eigenen Material verstanden werden. Beide Seiten stritten in der zweiten Jahrhunderthälfte öffentlich, Liszt und Wagner auf der einen, Brahms auf der anderen. Die harmonischen Mittel waren auf beiden Seiten dieselben.

Warum wird das Klavier zum Leitinstrument der Romantik?

Zwei Änderungen am Bau machen das Klavier lauter und tragfähiger. Der gusseiserne Rahmen nimmt den Zug der Saiten auf, sodass sie sich stärker spannen lassen, ohne dass das Gehäuse nachgibt; der Ton wird lauter und steht länger. Die Kreuzsaitigkeit führt die Basssaiten schräg über die übrigen hinweg. Sie fallen dadurch länger aus, als es das Gehäuse in gerader Führung hergäbe, und ihre Schwingung erreicht die Mitte des Resonanzbodens.

Dazu kommt die Fertigung in großer Stückzahl. Das Klavier wird zum Hausinstrument des Bürgertums, und wer eine Sinfonie kennenlernen will, spielt sie zu Hause aus dem Klavierauszug, oft zu vier Händen.

Wann begann und endete die Romantik in der Musik?

Die Romantik in der Musik dauerte rund von 1820 bis 1900, mit Ausläufern bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Diese Grenzen sind Setzungen der Musikwissenschaft; wie solche Setzungen zustande kommen, führt der Artikel zur Wiener Klassik aus. Hier zählt die Folge daraus: Die Merkmale bilden sich nicht gleichzeitig aus. Schuberts Lieder stehen schon vor 1820 in romantischer Gestalt da, das Orchester erreicht seine größte Ausdehnung erst gegen Ende des Jahrhunderts.

Epochengrenze um 1820, eine Setzung groß gering Entfernung vom Grundton Orchestergröße Formfreiheit Wiener Klassik um 1800 frühe Romantik um 1840 Spätromantik um 1900 Die senkrechte Achse trägt keine Messwerte. Sie zeigt, dass alle drei Größen zunehmen, nicht um wie viel.
Alle drei Größen wachsen über die Epoche hinweg, und keine davon springt an der Epochengrenze. Genau deshalb lässt sich der Übergang besser als Verlauf beschreiben denn als Datum.

Wer zählt zu den Komponisten der Romantik?

Franz Schubert (1797 bis 1828) steht am Übergang: Seine Instrumentalwerke folgen den Bauplänen der Wiener Klassik, seine Lieder gehören bereits zur Romantik. Es folgt die um 1810 geborene Generation mit Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Frédéric Chopin und Franz Liszt, dazu Clara Schumann (1819 bis 1896), die als Pianistin sechs Jahrzehnte auf dem Podium stand. Die zweite Hälfte des Jahrhunderts tragen Johannes Brahms, Richard Wagner, Giuseppe Verdi, Pjotr Iljitsch Tschaikowski und Antonín Dvořák.

In mehreren Ländern greifen Komponisten Melodik und Rhythmik der eigenen Volksmusik auf: Tanzrhythmen, Skalen außerhalb der Dur-Moll-Ordnung und Wendungen aus überliefertem Liedgut. Solche Strömungen entstehen unter anderem in Russland, Böhmen, Skandinavien, Ungarn und Spanien. Chopin brachte die polnischen Tänze Mazurka und Polonaise in die Kunstmusik, Dvořák böhmisches Material. Das erweitert den Vorrat, aus dem die Epoche schöpft.

Häufige Fragen zur Romantik in der Musik

Was kennzeichnet die Romantik in der Musik?

Die Romantik in der Musik kennzeichnen vier Merkmale: eine erweiterte Harmonik mit häufiger Chromatik, alterierten Akkorden und Ausweichungen in entfernte Tonarten, ein gewachsenes Orchester mit erweitertem Blech und Schlagwerk, freiere Formen neben den ererbten und ein Vorrang des Ausdrucks vor der Symmetrie. Die Dur-Moll-Tonalität bleibt dabei in Kraft.

Wann war die Epoche der Romantik in der Musik?

Die Romantik in der Musik dauerte etwa von 1820 bis 1900, mit Ausläufern bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Vor ihr liegt die Wiener Klassik, nach ihr die Moderne. Die Jahreszahlen sind Setzungen der Musikwissenschaft, keine Ereignisse.

Was ist Programmmusik?

Programmmusik ist Musik, die auf einen Gegenstand außerhalb der Musik verweist, etwa auf eine Dichtung, ein Bild oder einen Ablauf. Der Komponist nennt ihn im Titel oder in einem beigegebenen Text. Der Gegenbegriff heißt absolute Musik: Sie trägt eine Formbezeichnung wie Sinfonie und verweist auf nichts außerhalb ihrer selbst.

Welche Komponisten gehören zur Romantik?

Zur Romantik gehören Franz Schubert am Übergang, dann Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Clara Schumann, Frédéric Chopin und Franz Liszt, später Johannes Brahms, Richard Wagner, Giuseppe Verdi, Pjotr Iljitsch Tschaikowski und Antonín Dvořák. Wagner und Verdi schrieben vor allem für die Bühne, Chopin fast ausschließlich für Klavier.

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