Richard Wagner

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Die Semperoper in Dresden, Ort mehrerer Wagner-Uraufführungen. Foto: paulsteuber / Pixabay.
Die Semperoper in Dresden, Ort mehrerer Wagner-Uraufführungen. Foto: paulsteuber / Pixabay.

Zusammenfassung

Richard Wagner war ein deutscher Komponist der Romantik, der die Oper zum durchkomponierten Musikdrama umbaute. Er schrieb Text und Musik seiner Bühnenwerke selbst, gab die geschlossenen Nummern auf und hielt die Handlung über wiederkehrende Leitmotive zusammen. Für den Ring des Nibelungen ließ er in Bayreuth ein eigenes Festspielhaus mit verdecktem Orchestergraben bauen, das 1876 eröffnete. Seine antisemitischen Schriften sind belegt und gehören zur Auseinandersetzung mit seinem Werk bis heute.

Richard Wagner war ein deutscher Komponist der Romantik, der die Oper zum durchkomponierten Musikdrama umbaute. Er schrieb Text und Musik seiner Bühnenwerke selbst, ersetzte die geschlossenen Nummern durch fortlaufende Szenen und hielt die Handlung über wiederkehrende Motive zusammen. Für sein vierteiliges Hauptwerk Der Ring des Nibelungen ließ er in Bayreuth ein eigenes Festspielhaus bauen, dessen Orchestergraben eine Blende verdeckt. Seine antisemitischen Schriften sind belegt und gehören zur Auseinandersetzung mit seinem Werk bis heute.

1813geboren
1883gestorben
4Abende im Ring des Nibelungen
1876erste Bayreuther Festspiele

Wer war Richard Wagner?

Richard Wagner war Komponist, Dirigent und Autor musiktheoretischer Schriften. Er arbeitete als Kapellmeister an mehreren Theatern, ab 1843 als Hofkapellmeister in Dresden. Nach seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand 1849 floh er in die Schweiz und lebte über ein Jahrzehnt im Exil. 1864 holte ihn König Ludwig II. von Bayern nach München und übernahm seine Schulden, ab 1872 baute Wagner in Bayreuth ein Theater für die eigenen Werke.

MerkmalRichard Wagner
Lebensdaten1813 bis 1883
GeburtsortLeipzig
SterbeortVenedig
EpocheRomantik
WirkungsstättenDresden, Zürich, München, Bayreuth
WerkgattungenOper und Musikdrama, dazu Schriften zur Musik
Textbücherschrieb er selbst
Uraufführungen der BühnenwerkeDer fliegende Holländer (Dresden 1843), Tannhäuser (Dresden 1845), Lohengrin (Weimar 1850), Tristan und Isolde (München 1865), Die Meistersinger von Nürnberg (München 1868), Der Ring des Nibelungen (vollständig Bayreuth 1876), Parsifal (Bayreuth 1882)
Besonderheiteigenes Festspielhaus in Bayreuth, eröffnet 1876

Die Tabelle nennt sieben Titel; weil der Ring aus vier Teilen besteht, umfasst der in Bayreuth gespielte Kanon zehn Bühnenwerke. Die frühen Opern Die Feen, Das Liebesverbot und Rienzi gehören nicht dazu. Am Ring arbeitete Wagner von 1848 bis 1874 und unterbrach ihn mitten im Siegfried für Tristan und die Meistersinger. Den Lohengrin führte Franz Liszt 1850 in Weimar ohne ihn auf, weil Wagner im Exil saß.

Was unterscheidet Wagners Musikdrama von der Nummernoper?

Die Nummernoper reiht abgeschlossene Stücke aneinander: Arie, Duett, Chor, dazwischen Rezitativ. Wagner gab diese Gliederung auf. Ab Das Rheingold laufen die Akte ohne Zäsur durch, und es gibt keine Nummer, an deren Ende das Publikum klatschen könnte.

Daraus folgen zwei Änderungen. Die Singstimme folgt dem Rhythmus des Textes statt einer geschlossenen Melodieform, und das Orchester trägt den Zusammenhang, den vorher die musikalischen Formen geliefert hatten. Wagner begründete das in seinen Zürcher Schriften, in Das Kunstwerk der Zukunft von 1849 und in Oper und Drama von 1851.

Wie funktioniert Wagners Leitmotivtechnik?

Ein Leitmotiv ist eine kurze, wiedererkennbare musikalische Gestalt, die für eine Person, einen Gegenstand oder eine Idee steht. Wagner führt sie ein, wenn die Sache zum ersten Mal auftritt, und ruft sie später auch dann auf, wenn niemand sie ausspricht. Das Orchester teilt damit mit, was die Figuren verschweigen. Die Motive bleiben dabei nicht gleich: Sie wechseln Tonart, Tempo, Instrument und Begleitung, und Wagner legt mehrere übereinander, wenn zwei Sachverhalte zusammentreffen.

Ein Motiv, vier Auftritte Beginn der Szene Ende der Szene Motiv Grundgestalt die Sache tritt auf Motiv in Moll, leiser Erinnerung daran Motiv gedehnt, im Blech die Sache wird wahr mit zweitem Motiv beides gehört zusammen Gleich bleibt die Tonfolge, veränderlich sind Tonart, Tempo und Instrument.
Dasselbe Motiv kehrt im Lauf einer Szene wieder und ändert dabei seine Gestalt. Der letzte Auftritt zeigt zwei Motive übereinander, wie Wagner sie verbindet, wenn zwei Sachverhalte zusammengehören.

Den Begriff Leitmotiv prägte nicht Wagner. Er setzte sich über die Motivführer von Hans von Wolzogen durch, der die Motive benannte und ordnete; Wagner sprach von Grundthemen. Das Verfahren wanderte in die Filmmusik, wo Figuren und Orte bis heute eigene Motive bekommen.

Ein Leitmotiv ist kein Namensschild, sondern verändert sich mit der Handlung. Wer nur nachschlägt, welches Motiv wofür steht, überhört den eigentlichen Vorgang. Die Auskunft steckt in der Abweichung: in welcher Tonart das Motiv wiederkommt, welches Instrument es spielt und womit es zusammenklingt.

Was ist an Wagners Harmonik neu?

Wagner verzögert die Auflösung. Eine Kadenz führt über die Dominante zurück zur Tonika und schließt damit einen Abschnitt ab. Wagner setzt die Spannung an, führt sie aber weiter, statt sie einzulösen: Er weicht in eine andere Tonart aus oder schiebt einen weiteren Akkord dazwischen. Der bekannteste Fall steht am Anfang von Tristan und Isolde, wo sich der erste Akkord des Vorspiels, der Tristan-Akkord, nicht dorthin auflöst, wohin er zu führen scheint. Die Folge für die Bühne ist praktisch: Solange kein Abschnitt schließt, läuft die Szene weiter.

Warum baute Wagner das Festspielhaus in Bayreuth?

Wagner brauchte für den Ring ein Haus, das die vorhandenen Opernhäuser nicht boten. 1872 legte er in Bayreuth den Grundstein, 1876 eröffnete das Festspielhaus mit der ersten vollständigen Aufführung des Rings. König Ludwig II. sprang mit einem Kredit ein, als der Verkauf von Patronatsscheinen den Bau nicht deckte.

  • Verdeckter Orchestergraben: Eine Blende deckt den Graben zum Saal hin ab. Das Publikum sieht weder Musiker noch Dirigenten, und der Klang mischt sich, bevor er den Zuschauerraum erreicht.
  • Ansteigender Zuschauerraum: Die Reihen laufen keilförmig und ohne Mittelgang durch, seitliche Ränge und Logen fehlen.

Parsifal band Wagner an dieses Haus. Bis zum Ablauf der Schutzfrist Ende 1913 stand es fast nur dort auf dem Spielplan.

Welche Rolle spielt Wagners Antisemitismus?

Wagners Antisemitismus ist durch seine eigenen Schriften belegt. 1850 veröffentlichte er in der Neuen Zeitschrift für Musik den Aufsatz Das Judenthum in der Musik, zunächst unter dem Decknamen K. Freigedank. Der Text spricht jüdischen Musikern eigenständiges Schaffen ab und richtet sich namentlich gegen Felix Mendelssohn Bartholdy. 1869 gab Wagner die Schrift erweitert und unter seinem eigenen Namen erneut heraus. Der öffentliche Widerspruch änderte seine Position nicht.

Im Nationalsozialismus vereinnahmte das Regime sein Werk. Adolf Hitler verkehrte in Bayreuth und förderte die Festspiele, deren Leiterin Winifred Wagner die Verbindung ihrerseits pflegte. Nach dem Krieg nahmen die Festspiele 1951 den Betrieb wieder auf; Wieland Wagner inszenierte ohne den germanisierenden Bühnenapparat der Vorkriegszeit.

Die Auseinandersetzung läuft weiter und betrifft zwei getrennte Fragen. Ob und wie sich der Antisemitismus in den Bühnenwerken selbst niederschlägt, beantwortet die Forschung unterschiedlich: Deutungen einzelner Figuren als antisemitische Zerrbilder stehen Gegenpositionen gegenüber, die dafür in Text und Partitur keinen Beleg sehen. Die zweite Frage betrifft den Umgang mit dem Werk. In Israel steht Wagners Musik seit 1938 faktisch nicht auf öffentlichen Konzertprogrammen; Daniel Barenboim löste 2001 mit einer Tristan-Zugabe in Jerusalem eine öffentliche Debatte aus. Die Bayreuther Festspiele lassen ihre Geschichte in der NS-Zeit seit den 2000er Jahren erforschen.

Häufige Fragen zu Richard Wagner

Was ist ein Leitmotiv bei Richard Wagner?

Ein Leitmotiv bei Richard Wagner ist eine kurze musikalische Gestalt, die für eine Person, einen Gegenstand oder eine Idee steht und im Lauf des Werks wiederkehrt. Sie bleibt dabei nicht unverändert: Tonart, Tempo, Instrument und Begleitung wechseln, und mehrere Motive lassen sich übereinanderlegen. Den Begriff prägte nicht Wagner, sondern sein Umfeld.

Wie lange dauert Der Ring des Nibelungen?

Der Ring des Nibelungen umfasst vier Abende und kommt je nach Aufführung auf rund fünfzehn Stunden Musik. Die Teile heißen Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung; Das Rheingold läuft als kürzester Teil ohne Pause durch. Wagner arbeitete von 1848 bis 1874 daran, die erste vollständige Aufführung fand 1876 in Bayreuth statt.

War Richard Wagner Antisemit?

Ja. Richard Wagners Antisemitismus ist durch seine eigenen Veröffentlichungen belegt, vor allem durch den Aufsatz Das Judenthum in der Musik von 1850, den er 1869 erweitert und unter eigenem Namen erneut herausgab. Im Nationalsozialismus vereinnahmte das Regime sein Werk und die Bayreuther Festspiele. Ob und wie sich diese Haltung in den Bühnenwerken selbst zeigt, beantwortet die Forschung bis heute unterschiedlich.

Warum liegt das Orchester in Bayreuth unter der Bühne?

Das Orchester liegt im Bayreuther Festspielhaus in einem abgedeckten Graben, weil Wagner den Blick des Publikums allein auf die Bühne richten wollte. Die Blende nimmt dem Klang die Schärfe und mischt ihn, bevor er den Saal erreicht. Für die Musiker bleibt der Dirigent damit die einzige Verbindung zwischen Graben und Bühne.

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