Folk bezeichnet zwei verschiedene Dinge, die oft verwechselt werden. Zum einen das überlieferte Liedgut ohne bekannten Urheber, also das, was im Deutschen Volkslied heißt. Zum anderen den Stil des Folk Revival, den ab den 1950er Jahren namentlich bekannte Autoren in den USA und in Großbritannien schrieben. Beide teilen die akustische Besetzung, die Strophenform und den Bezug auf Alltag und Gesellschaft. Sie unterscheiden sich in einem Punkt: Beim überlieferten Lied kennt niemand den Verfasser, beim Folk Revival steht er auf dem Plattencover.
Was ist Folk?
Folk ist im Englischen zuerst eine Herkunftsangabe und erst danach eine Stilbezeichnung. Ein folk song im ursprünglichen Sinn ist ein Lied, das mündlich weitergegeben wurde und dessen Verfasser niemand mehr kennt. Ein Folksong im Sinne des Revival ist ein neu geschriebenes Lied, das die Form und die Besetzung dieser überlieferten Lieder übernimmt.
| Merkmal | Folk |
|---|---|
| Entstehungszeit | überliefertes Liedgut seit Jahrhunderten, Folk als Stilbezeichnung seit den 1950er Jahren |
| Entstehungsort | Europa und Nordamerika, das Revival vor allem in den USA und in Großbritannien |
| Typische Besetzung | Akustikgitarre, Banjo, Fiddle, Mandoline, Kontrabass, ein- und mehrstimmiger Gesang |
| Prägende Merkmale | Strophenform, Refrain zum Mitsingen, akustische Begleitung, Texte mit gesellschaftlichem Bezug |
| Wichtige Subgenres | Folk Revival, Folkrock, Contemporary Folk, Indie-Folk |
| Doppelte Bedeutung | überliefertes Lied ohne Urheber und neu geschriebener Stil mit bekanntem Autor |
Folk meint zweierlei: das überlieferte Lied und den Stil, der es nachbildet. Ein Volkslied hat keinen bekannten Verfasser und verändert sich, während es weitergegeben wird. Ein Folksong aus dem Revival hat einen Autor, ein Erscheinungsjahr und einen festen Wortlaut. Beide klingen ähnlich, weil der zweite die Form des ersten übernimmt.
Was bedeutet Folk als überliefertes Liedgut?
Als überliefertes Liedgut meint Folk Lieder, die ohne Noten von Mensch zu Mensch weitergegeben wurden. Ein solches Lied hat keinen festen Wortlaut: Jede Region singt eine eigene Fassung, Strophen fallen weg, neue kommen hinzu. Erst als Sammler die Lieder aufschrieben, bekamen sie eine feste Gestalt.
Francis James Child veröffentlichte zwischen 1882 und 1898 eine Sammlung englischer und schottischer Balladen. Cecil Sharp sammelte englische Lieder und reiste ab 1916 in die Appalachen, wo er dieselben Balladen in amerikanischen Fassungen wiederfand. Ab den 1930er Jahren nahmen John und Alan Lomax Sänger in den USA direkt vor Ort auf, statt ihre Lieder nur zu notieren.
Was war das Folk Revival?
Das Folk Revival war eine Bewegung, die ab den 1950er Jahren überliefertes Liedgut wieder auf Bühnen brachte und zugleich neue Lieder in dessen Form schrieb. Woody Guthrie hatte in den 1940er Jahren vorgemacht, wie das geht: Er legte eigene Texte über bekannte Melodien und behandelte darin Arbeit, Armut und Wanderung. Pete Seeger trug diese Praxis in die 1950er Jahre und machte das gemeinsame Singen im Saal zum festen Teil des Auftritts.
1959 fand in Newport im Bundesstaat Rhode Island das erste Folk Festival statt. In den frühen 1960er Jahren erreichte das Revival seinen Höhepunkt, und Bob Dylan wurde als Autor eigener Lieder bekannt, die politische Ereignisse aufgriffen. Als Dylan 1965 in Newport mit einer elektrisch verstärkten Band auftrat, brach er mit der rein akustischen Besetzung. Ende der 1960er Jahre verbanden britische Gruppen wie Fairport Convention überlieferte englische Lieder mit Schlagzeug und elektrischer Gitarre, woraus der Folkrock entstand.
Wie klingt Folk?
Folk klingt akustisch, weil seine Besetzung ohne Verstärkung auskommen musste. Die Lieder entstanden in Küchen, Kirchen und auf Straßen, nicht im Studio.
- Akustikgitarre: Die Westerngitarre mit Stahlsaiten begleitet den Gesang mit wenigen Akkorden und trägt den Rhythmus im Anschlag.
- Banjo: Das Banjo liefert schnelle Tonfolgen zwischen den Gesangszeilen und stammt aus derselben Tradition wie im Country.
- Fiddle und Mandoline: Beide übernehmen die Melodie, wenn niemand singt, und spielen sonst Gegenstimmen.
- Gesang: Er steht vorn, oft mehrstimmig. Die Verständlichkeit des Textes hat Vorrang vor der Klangfülle.
Die Form bleibt einfach: Strophen mit gleicher Melodie, dazwischen ein Refrain, den das Publikum nach einmaligem Hören mitsingen kann.
Worüber handeln Folktexte?
Folktexte handeln von Arbeit, Wanderung, Krieg, Verlust und Ungerechtigkeit, also von dem, was die Sänger und ihr Publikum betraf. Überlieferte Balladen erzählen dabei meist eine abgeschlossene Handlung mit Namen und Ort, oft mit tödlichem Ausgang. Die Lieder des Revival wandten dieselbe Erzählweise auf Gegenwärtiges an, etwa auf Streiks und Bürgerrechte.
Weil Folktexte auf Verständlichkeit angelegt sind, bleiben ihre Bilder konkret: Ein Lied nennt Ort, Beruf und Ereignis, statt eine Stimmung zu umschreiben. Diese Haltung übernahm später der Singer-Songwriter, verlagerte den Blick aber von der Gemeinschaft auf die eigene Person.
Welche Spielarten gehören zum Folk?
Zum Folk gehören vier Spielarten, die sich in Besetzung und Material unterscheiden.
- Folk Revival: Neu geschriebene und wiederbelebte Lieder ab den 1950er Jahren, rein akustisch, oft mit gemeinsamem Singen.
- Folkrock: Ab Ende der 1960er Jahre übernahmen Bands die Rockbesetzung aus elektrischer Gitarre, Bass und Schlagzeug, behielten aber Melodien und Strophenform des Folk.
- Contemporary Folk: Der Sammelbegriff für alles, was nach dem Revival in dessen Form entstand, ohne überliefertes Material.
- Indie-Folk: Seit den 2000er Jahren verbinden Gruppen die akustische Besetzung des Folk mit der zurückgenommenen Produktion des Indie.
Häufige Fragen zum Folk
Was bedeutet Folk in der Musik?
Folk bedeutet in der Musik zweierlei. Erstens das überlieferte Liedgut, das mündlich weitergegeben wurde und dessen Verfasser unbekannt ist, im Deutschen Volkslied genannt. Zweitens den Stil des Folk Revival ab den 1950er Jahren, in dem namentlich bekannte Autoren neue Lieder in derselben Form schrieben. Der Klang ist ähnlich, die Herkunft des Materials ist verschieden.
Was ist das Folk Revival?
Das Folk Revival ist eine Bewegung, die ab den 1950er Jahren in den USA und in Großbritannien überliefertes Liedgut auf Bühnen zurückbrachte und daraus einen eigenen Stil entwickelte. Woody Guthrie und Pete Seeger legten die Grundlage, 1959 fand das erste Newport Folk Festival statt, in den frühen 1960er Jahren erreichte die Bewegung ihren Höhepunkt. Anders als beim überlieferten Lied sind die Autoren dieser Stücke bekannt.
Welche Instrumente gehören zum Folk?
Zum Folk gehören Akustikgitarre, Banjo, Fiddle, Mandoline und Kontrabass, dazu ein- oder mehrstimmiger Gesang. Alle kommen ohne Verstärkung aus, weil die Musik ursprünglich in Wohnungen, Kirchen und auf Straßen gespielt wurde. Im Folkrock kamen ab Ende der 1960er Jahre elektrische Gitarre, Bass und Schlagzeug hinzu.
Was ist der Unterschied zwischen Folk und Country?
Folk und Country teilen ihre Wurzeln in der Volksmusik britischer und irischer Einwanderer, trennten sich aber im Betrieb. Country entstand ab den 1920er Jahren als kommerzielles Genre mit eigener Industrie in Nashville und nutzt Pedal Steel Guitar und Schlagzeug. Folk blieb näher am überlieferten Material, bleibt akustisch besetzt und stellt Texte mit gesellschaftlichem Bezug voran.




