Pop

5 Min. Lesezeit
Redaktion
Ein Studiomikrofon mit Popschutz vor einem Mischpult. Bild: KI generiert.
Ein Studiomikrofon mit Popschutz vor einem Mischpult. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Pop ist ein Funktionsbegriff und kein Klangbegriff: Der Name kürzt popular music ab und bezeichnet Musik, die auf ein großes Publikum zielt, nicht eine feste Besetzung. Popstücke setzen auf Eingängigkeit und Wiedererkennbarkeit, gliedern sich in Strophe, Refrain und Bridge und dauern meist um drei Minuten. Die Produktion ist dabei ein eigenständiges Gestaltungsmittel, denn im Pop entsteht das Werk erst im Studio.

Pop ist ein Funktionsbegriff und kein Klangbegriff. Der Name kürzt popular music ab und bezeichnet Musik, die auf ein großes Publikum zielt, nicht eine feste Besetzung oder Harmonik. Popstücke setzen deshalb auf Eingängigkeit und Wiedererkennbarkeit, gliedern sich in Strophe, Refrain und Bridge und dauern meist um drei Minuten. Die Produktion ist dabei ein eigenständiges Gestaltungsmittel: Klangbild, Schnitt und Arrangement entstehen im Studio und gehören zum Stück wie die Melodie.

4/4Taktart
rund 3 minSpieldauer
100 bis 130Tempo in bpm
1950erEntstehung

Was macht Pop aus?

Pop macht dreierlei aus: eine Melodie, die sich nach einmaligem Hören behalten lässt, eine Form, die den Refrain mehrfach wiederbringt, und eine Produktion, die beides hörbar in den Vordergrund stellt. Die Mittel dafür wechseln mit jedem Jahrzehnt, das Ziel bleibt gleich.

Deshalb lässt sich Pop nicht an Instrumenten festmachen. Ein Popstück kann nach Gitarrenband klingen, nach Synthesizer, nach Streichorchester oder nach programmiertem Schlagzeug. Die Besetzung sagt über die Zuordnung nichts aus.

MerkmalPop
EntstehungszeitMitte der 1950er Jahre als eigene Kategorie, der Begriff kürzt popular music ab
EntstehungsortVereinigte Staaten und Großbritannien
Typische BesetzungGesang im Vordergrund, dazu Keyboards, Gitarre, Bass, Schlagzeug oder programmierte Spuren
Taktartfast durchgehend 4/4
Tempobereichmeist 100 bis 130 Schläge je Minute
Prägende Merkmaleeingängige Melodie, Refrain als Höhepunkt, kurze Spieldauer, Studioproduktion als Gestaltungsmittel
Wichtige SubgenresSynthpop, Dance-Pop, Teen-Pop, Electropop, Country-Pop, K-Pop

Warum ist Pop ein Funktionsbegriff?

Pop beschreibt den Zweck einer Musik: Sie soll ein großes Publikum erreichen. Andere Genrebegriffe benennen dagegen musikalische Eigenschaften. Rock bindet sich an Besetzung und Backbeat, Blues an ein Formschema, Metal an Verzerrung und Stimmung. Pop bindet sich an keine dieser Eigenschaften.

Daraus folgt zweierlei. Erstens kann ein Stück gleichzeitig Pop und etwas anderes sein, ein Rockstück ebenso wie ein Hip-Hop-Stück. Zweitens verschieben sich die klanglichen Mittel des Pop ständig, weil sie dem folgen, was ein großes Publikum gerade annimmt. Der Synthesizer wanderte so aus der elektronischen Musik in den Pop, das programmierte Schlagzeug aus dem Hip-Hop.

Pop bezeichnet einen Zweck, keinen Klang. Wer nach dem typischen Popsound sucht, sucht nach etwas, das die Kategorie nicht festlegt. Zusammen hält sie die Ausrichtung auf ein großes Publikum und auf schnelle Wiedererkennbarkeit, und dieses Ziel erreichen Musiker mit jedem Instrumentarium.

Wie ist ein Popsong aufgebaut?

Ein Popsong besteht aus wenigen Bausteinen, die in fester Reihenfolge wiederkehren. Der Refrain trägt die Hauptmelodie und meist den Titel, die Strophen liefern den wechselnden Text, die Bridge kommt genau einmal vor.

  • Strophe erzählt weiter und wechselt bei gleicher Musik den Text.
  • Pre-Chorus steigert Tonlage und Dichte und führt auf den Refrain zu. In vielen Stücken fehlt er.
  • Refrain bringt Hauptmelodie und Titelzeile und bleibt textlich gleich. Er ist der Teil, den Hörer behalten.
  • Bridge bringt neues Material, meist nach dem zweiten Refrain, und verhindert, dass die dritte Wiederholung als reine Wiederholung wirkt.
Intro Strophe Refrain Strophe Refrain Bridge Refrain Outro 0:00 1:00 2:00 3:00
Eine verbreitete Anordnung, keine Vorschrift: Der Refrain kehrt dreimal wieder und fällt beim dritten Mal am längsten aus, die Bridge steht einmal zwischen dem zweiten und dritten Refrain.

Der erste Refrain erklingt meist innerhalb der ersten Minute. Wer länger braucht, verliert Hörer, die weiterschalten. Aus demselben Grund beginnen viele Stücke mit einem sehr kurzen Intro oder gleich mit der Stimme.

Warum ist die Produktion im Pop ein Gestaltungsmittel?

Im Pop ist die Aufnahme das Werk. Es gibt keine Partitur, aus der ein anderes Ensemble dieselbe Fassung herstellen könnte. Was das Stück ausmacht, entsteht im Studio und lässt sich dort ändern, ohne dass sich eine einzige Note ändert.

Die Mittel dafür sind konkret. Produzenten schichten mehrere Gesangsspuren übereinander, damit der Refrain breiter klingt als die Strophe. Sie setzen mit Kompression die Lautheitsunterschiede herunter, damit die Stimme auf jedem Wiedergabegerät trägt. Sie schneiden Takte heraus, um den Refrain früher zu erreichen. Und sie bauen die Wiedererkennbarkeit auch aus dem Klang: Ein bestimmter Synthesizerton oder ein bearbeitetes Schlagzeug trägt ein Stück ebenso wie eine Gesangslinie. Der Synthesizer und die Drum Machine wurden dadurch zu zentralen Instrumenten des Pop.

Woher stammt der Pop?

Der Begriff kürzt popular music ab und trennte in den 1950er Jahren zunächst die Musik des Schallplattenmarkts von Klassik und Jazz. Zwei Dinge trugen diese Trennung: die Single, eine Schallplatte mit einem Stück je Seite, und ein neues Publikum aus Jugendlichen mit eigenem Geld.

Aus dem Marktbegriff wurde eine musikalische Kategorie, als sich Stücke gezielt auf dieses Publikum ausrichteten. Die Spieldauer von rund drei Minuten stammt dabei aus der Technik: Auf eine Seite der älteren Schellackplatte mit 78 Umdrehungen je Minute passten nur etwa drei Minuten. Die Länge blieb, auch als spätere Platten mehr Platz boten.

Welche Subgenres hat der Pop?

  • Synthpop baut Melodie und Begleitung fast vollständig aus Synthesizern und programmiertem Schlagzeug.
  • Dance-Pop richtet Tempo und Rhythmus auf den Club aus und arbeitet mit durchgehender Bassdrum.
  • Teen-Pop zielt auf ein jugendliches Publikum und stellt Gesangsgruppen oder einzelne Stimmen in den Mittelpunkt.
  • Country-Pop übernimmt Instrumente und Erzählform der Country-Musik und glättet ihre Produktion.
  • K-Pop verbindet die Popform mit Elementen aus Hip-Hop und elektronischer Musik und arbeitet mit fest zusammengestellten Gruppen.

Häufige Fragen zum Pop

Was ist Popmusik?

Popmusik ist Musik, die auf ein großes Publikum zielt und darauf ausgerichtet ist, schnell wiedererkannt zu werden. Der Begriff kürzt popular music ab und beschreibt einen Zweck, keinen Klang: Popstücke können mit Band, mit Synthesizern oder mit Orchester entstehen. Kennzeichnend sind die eingängige Melodie, die Form aus Strophe, Refrain und Bridge sowie eine Spieldauer um drei Minuten.

Welche Teile hat ein Popsong?

Ein Popsong folgt meist der Reihenfolge Intro, Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Bridge, Refrain, Outro. Die Strophe wechselt den Text bei gleicher Musik, der Refrain bringt Hauptmelodie und Titelzeile und bleibt gleich, die Bridge kommt genau einmal vor und bringt neues Material. Zwischen Strophe und Refrain steht häufig ein Pre-Chorus, der zum Refrain hinführt.

Wie lang ist ein Popsong?

Ein Popsong dauert meist zwischen zweieinhalb und vier Minuten, im Mittel rund drei. Diese Länge stammt aus der Zeit der Schellackplatte, deren Seite nur etwa drei Minuten fasste. Sie hat sich gehalten, weil ein Stück in dieser Dauer seinen Refrain dreimal bringen kann, ohne dass die Wiederholung ermüdet.

Was ist der Unterschied zwischen Pop und Rock?

Der Unterschied liegt in der Art des Begriffs. Rock benennt musikalische Eigenschaften: Kernbesetzung aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang, Backbeat auf zwei und vier, verzerrte Gitarre. Pop benennt eine Ausrichtung auf ein großes Publikum und lässt die Mittel offen. Ein Stück kann deshalb beides zugleich sein, während die Frage nach dem einen Popsound ins Leere geht.

Weitere Artikel in Genres

Power Metal

Power Metal

Power Metal ist eine Spielart des Metal mit einer hohen, klar gesungenen Stimme statt Growls oder Screams, einer schnellen Doublebass in gleichmäßigem Lauf, einer Dur-lastigen Harmonik mit hymnischen Refrains und Melodien, die zwei Gitarren häufig zweistimmig in Terzen oder Sexten führen. Der Stil entstand Mitte der 1980er Jahre aus dem Heavy Metal, in einer europäischen und einer amerikanischen Linie, die sich bis heute unterscheiden. Deutschland trug die europäische Linie maßgeblich mit. Viele Bands ergänzen die Besetzung um ein Keyboard, in der symphonischen Spielart um ein ganzes Orchesterarrangement.

Progressive Rock

Progressive Rock

Progressive Rock ist eine Spielart der Rockmusik, die lange, mehrteilige Stücke an die Stelle von Strophe und Refrain setzt. Die Stücke laufen häufig acht bis zwanzig Minuten und wechseln dabei die Taktart, oft in ungerade Maße wie den 5/4- oder den 7/8-Takt. Hammondorgel, Mellotron und Synthesizer stehen gleichberechtigt neben der Gitarre. Formen und Harmonik borgt der Stil bei Kunstmusik und Jazz. Progressive Rock entstand Ende der 1960er Jahre in Großbritannien.

Psychedelic Rock

Psychedelic Rock

Psychedelic Rock ist eine Spielart der Rockmusik, die stark bearbeitete Gitarrenklänge, ausgedehnte Instrumentalteile und Studiotechnik als Gestaltungsmittel verbindet. Rückwärts abgespielte Bänder, Phasing und Flanging aus zwei gegeneinander verschobenen Bandmaschinen, langer Hall und wandernde Stereobilder entstanden dabei als Handarbeit am Magnetband. Melodik und Klangfarben borgt der Stil bei außereuropäischer Musik: modale Tonleitern, Bordunklänge und die Sitar. Psychedelic Rock entstand Mitte der 1960er Jahre in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten und ging Ende der 1960er Jahre in Hard Rock und Progressive Rock über.

Punk

Punk

Punk ist eine Musikrichtung, die Reduktion zum Prinzip macht: drei Akkorde, durchgehende Achtel im Abschlag, kurze Stücke, keine Soli. Sie entstand Mitte der 1970er Jahre gleichzeitig in New York und in London. Ein Punkstück dauert oft weniger als zwei Minuten und läuft mit 160 bis 200 Schlägen je Minute. Zur Musik gehört die Arbeitsweise Do it yourself: eigene Aufnahmen, eigene Label, eigene Hefte.