Old School Hip-Hop bezeichnet die frühe Phase des Hip-Hop, etwa von Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre. Die Musik lag damals nicht auf Tonträgern vor, sondern entstand im Auftritt: Der DJ spielte dieselbe Platte auf zwei Plattenspielern und verlängerte damit ihren Schlagzeugteil, der MC sprach darüber. Spielarten wie Gangsta Rap oder Trap trennten sich erst danach voneinander. Drei Merkmale grenzen die Phase ab: der von Hand erzeugte Loop, kurze Zeilen mit Paarreimen und der Auftritt im Stadtteil.
Was ist Old School Hip-Hop?
Old School Hip-Hop ist die erste Phase des Hip-Hop, in der DJ und MC ein Stück gemeinsam vor Publikum herstellten. Der Begriff beschreibt einen Zeitraum und eine Arbeitsweise, kein Thema und keine Haltung. Er entstand rückblickend, als sich die Musik in den 1980er Jahren auffächerte und die Szene ein Wort für den Zustand davor brauchte. Die Grenze nach hinten bleibt unscharf, denn sie hängt daran, wann die Studioaufnahme den Auftritt als Maßstab ablöste.
| Merkmal | Old School Hip-Hop |
|---|---|
| Übergeordnete Kultur | Hip-Hop |
| Zeitraum | etwa Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre |
| Entstehungsort | New York, vor allem die Bronx |
| Auftrittsorte | Stadtteilfeste im Freien, Gemeinschaftsräume von Wohnanlagen |
| Klangquelle | Schallplatten mit Funk- und Soulaufnahmen |
| Zentrale Technik | den Break auf zwei Plattenspielern verlängern |
| Geräte | Plattenspieler mit Direktantrieb, Mischpult mit Überblendregler, später Drumcomputer und Sampler |
| Beteiligte | DJ, MC, Tanz, Sprayer |
| Taktart | 4/4 |
| Vortrag | kurze Zeilen, Paarreime, Publikumsansprache, Wechsel zwischen mehreren MCs |
| Reimtechnik | Endreim auf der letzten betonten Silbe, keine Mehrsilbenketten über Taktgrenzen |
Wie verlängert der DJ im Old School Hip-Hop den Break?
Der DJ verlängert den Break, indem er zwei Kopien derselben Platte abwechselnd anspielt. Der Break ist der Abschnitt eines Stücks, in dem Gesang und Melodieinstrumente aussetzen und nur Schlagzeug und Bass weiterlaufen. Er dauert auf der Platte oft nur wenige Sekunden. Genau dieser Abschnitt hielt die Tanzfläche in Bewegung, weil er den Puls freilegt. Die Breaks stammten überwiegend aus dem Funk und aus dem Soul.
Vier Handgriffe wiederholen sich dabei. Der DJ startet den Break auf dem ersten Plattenspieler. Während dieser läuft, dreht er die zweite Platte von Hand an ihren Einsatzpunkt zurück. Am Ende des ersten Breaks schiebt er den Überblendregler auf den zweiten Plattenspieler. Dann beginnt er von vorn, mit vertauschten Rollen.
Der Einsatzpunkt entscheidet über das Ergebnis. Der DJ markiert ihn auf dem Etikett. Trifft er ihn um den Bruchteil einer Sekunde daneben, verschiebt sich der Takt hörbar, und die Tanzenden verlieren den Schritt.
Der Loop entstand im Old School Hip-Hop von Hand, nicht im Gerät. Zwei Plattenspieler, zwei Kopien derselben Platte und ein Überblendregler genügten, um einen Abschnitt von wenigen Sekunden beliebig lange zu wiederholen. Diese Wiederholung hatte keine feste Länge: Sie endete, wenn der DJ sie beendete. Erst Drumcomputer und Sampler legten dieselbe Aufgabe in ein Gerät.
Wer wirkt im Old School Hip-Hop zusammen?
Im Old School Hip-Hop wirken vier Rollen zusammen. Zwei davon erzeugen Klang, zwei nicht.
- DJ. Er bedient die Plattenspieler, wählt die Platten aus und bestimmt, wie lange ein Break läuft.
- MC. Er spricht am Mikrofon, kündigt den DJ an, richtet Anweisungen an das Publikum und trägt gereimte Zeilen vor.
- Tanz. Die Tänzer setzen ihre Figuren auf den Break, weil dort nur Schlagzeug und Bass laufen und der Puls offen liegt.
- Sprayer. Sie arbeiten außerhalb der Veranstaltung, ihr Gegenstand ist der eigene Namenszug in ausgebauten Buchstabenformen.
Wie sind die Texte im Old School Hip-Hop gebaut?
Die Texte des Old School Hip-Hop arbeiten mit einfachen Paarreimen. Zwei aufeinanderfolgende Zeilen enden auf derselben betonten Silbe, danach wechselt das Reimwort. Die Zeile endet mit dem Takt, sodass Reim und Taktgrenze zusammenfallen.
Die betonten Silben liegen auf den Zählzeiten. Der MC bleibt nah am Puls und verschiebt ihn selten, denn sein Text muss über einer Anlage im Freien verständlich bleiben. Aus demselben Grund bleiben die Zeilen kurz und die Sätze abgeschlossen.
Das Publikum gehört zum Text. Der MC stellt Fragen, verlangt Antworten und lässt einzelne Zeilen mitsprechen. Treten mehrere MCs gemeinsam auf, übernimmt jeder eine oder zwei Zeilen und gibt an den nächsten ab, wobei der Reim über den Wechsel hinwegläuft.
Was später dazukam, fehlt hier: Mehrsilbenreime, die ganze Wortgruppen über Taktgrenzen hinweg binden, und Silbenfolgen, die sich gegen das Raster stemmen.
Welche Technik nutzt der Old School Hip-Hop?
Drei Geräte tragen diese Phase, ein viertes kommt gegen ihr Ende dazu.
- Plattenspieler mit Direktantrieb. Der Motor treibt den Teller ohne Riemen an. Der Teller erreicht seine Drehzahl fast sofort und läuft weiter, wenn eine Hand ihn festhält oder zurückdreht. Ein Riemenantrieb verträgt diesen Griff nicht.
- Mischpult mit Überblendregler. Der Regler läuft waagerecht zwischen beiden Plattenspielern. Eine Bewegung tauscht die Quelle, statt dass der DJ zwei Lautstärkeregler gleichzeitig führt.
- Kopfhörerweg im Mischpult. Der DJ hört den zweiten Plattenspieler ab, während das Publikum den ersten hört. Ohne diesen getrennten Weg findet er den Einsatzpunkt nicht.
- Drumcomputer und Sampler. Ab den 1980er Jahren erzeugte ein Drumcomputer den Beat aus programmierten Schlägen, und ein Sampler nahm den Break auf und gab ihn auf Tastendruck wieder.
Woher stammt der Old School Hip-Hop?
Old School Hip-Hop stammt aus New York, vor allem aus der Bronx. Er entstand nicht in Clubs, sondern auf Stadtteilfesten im Freien und in Gemeinschaftsräumen von Wohnanlagen. Wer auflegte, brachte Plattenspieler, Mischpult und Lautsprecher selbst mit und baute sie vor Ort auf.
Drei Namen stehen unstrittig für diese Zeit: DJ Kool Herc, Afrika Bambaataa und Grandmaster Flash. Alle drei traten als DJs auf, arbeiteten mit zwei Plattenspielern und versammelten Gruppen von MCs um sich.
Wer welchen Handgriff zuerst ausführte, lässt sich nicht klären. Die Überlieferung besteht aus Erinnerungen von Beteiligten, die einander widersprechen, und aus Kassettenmitschnitten einzelner Auftritte. Eine belastbare Ersturheberschaft für den verlängerten Break oder für den Namen der Musik gibt es deshalb nicht.
Häufige Fragen zum Old School Hip-Hop
Was bedeutet Old School im Hip-Hop?
Old School bezeichnet im Hip-Hop die frühe Phase dieser Musik, etwa von Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre. In dieser Zeit stellten DJ und MC ein Stück vor Publikum her, statt es im Studio aufzunehmen, und die späteren Spielarten hatten sich noch nicht voneinander getrennt. Der Begriff meint damit einen Zeitraum und eine Arbeitsweise, kein Thema und keine Haltung.
Wie hat der DJ im Old School Hip-Hop den Break verlängert?
Der DJ legte zwei Kopien derselben Platte auf zwei Plattenspieler und spielte den Break abwechselnd an. Während die eine Kopie lief, drehte er die andere von Hand an den markierten Einsatzpunkt zurück und schob am Ende des Breaks den Überblendregler herüber. Aus wenigen Sekunden Schlagzeug wurde so eine Wiederholung ohne festes Ende.
Was ist ein Break im Old School Hip-Hop?
Ein Break ist der Abschnitt einer Platte, in dem Gesang und Melodieinstrumente aussetzen und nur Schlagzeug und Bass weiterspielen. Er dauert im Original oft nur wenige Sekunden. Der DJ verlängerte gerade ihn, weil er den Puls freilegt und die Tanzenden darauf am stärksten reagierten.
Was unterscheidet Old School Hip-Hop von späterem Rap?
Old School Hip-Hop arbeitet mit Paarreimen am Zeilenende, mit Betonungen auf den Zählzeiten und mit direkter Ansprache des Publikums. Mehrsilbenreime, die ganze Wortgruppen über Taktgrenzen hinweg binden, kamen erst später dazu. Auch die Herstellung unterscheidet sich: Der Beat entstand live an zwei Plattenspielern, nicht im Sampler oder im Drumcomputer.




