Konsonanz und Dissonanz

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Redaktion
Eine Violine liegt auf einer aufgeschlagenen Partitur. Foto: Ri_Ya / Pixabay.
Eine Violine liegt auf einer aufgeschlagenen Partitur. Foto: Ri_Ya / Pixabay.

Zusammenfassung

Konsonanz und Dissonanz beschreiben, wie stark zwei gleichzeitig klingende Töne miteinander verschmelzen. Je einfacher das Verhältnis ihrer Frequenzen ist, desto mehr Obertöne fallen zusammen und desto ruhiger klingt der Zusammenklang: Oktave 2 zu 1, Quinte 3 zu 2, große Terz 5 zu 4. Vollkommene Konsonanzen sind Prime, Oktave und Quinte, unvollkommene die Terzen und Sexten, dissonant sind Sekunden, Septimen und der Tritonus. Dissonanz ist kein Werturteil, sondern eine Spannung, die eine Auflösung erwarten lässt.

Konsonanz und Dissonanz beschreiben, wie stark zwei gleichzeitig klingende Töne miteinander verschmelzen. Je einfacher das Verhältnis ihrer Frequenzen ausfällt, desto mehr Obertöne fallen zusammen und desto ruhiger klingt der Zusammenklang: Die Oktave steht bei 2 zu 1 und verschmilzt fast vollständig, die kleine Sekunde bei 16 zu 15 und klingt rau. Dissonanz ist dabei kein Werturteil: Der Begriff bezeichnet Spannung, nicht einen Fehler.

2:1Oktave
3:2Quinte
5:4große Terz
16:15kleine Sekunde

Was bedeuten Konsonanz und Dissonanz?

Konsonanz bezeichnet einen Zusammenklang, der in sich ruht und keine Fortsetzung verlangt. Dissonanz bezeichnet einen Zusammenklang, der Spannung erzeugt und eine Auflösung erwarten lässt. Beide Begriffe beschreiben, wie die Töne zueinander stehen und was der Hörer als Nächstes erwartet, nicht ob etwas schön klingt. Die Einteilung stützt sich auf das Frequenzverhältnis der beiden Töne und auf die Satzlehre, die festlegt, welches Intervall frei stehen darf.

MerkmalKonsonanz und Dissonanz
KonsonanzZusammenklang, der in sich ruht
DissonanzZusammenklang, der Spannung erzeugt und eine Auflösung erwarten lässt
Ursacheeinfaches Frequenzverhältnis, dadurch gemeinsame Obertöne
Vollkommene KonsonanzenPrime, Oktave, reine Quinte
Unvollkommene Konsonanzengroße und kleine Terz, große und kleine Sexte
DissonanzenSekunden, Septimen, Tritonus
Sonderfallreine Quarte, über dem Bass als Dissonanz behandelt
Wandelbardie Terz galt im Mittelalter als Dissonanz

Welche Frequenzverhältnisse stehen hinter Konsonanz und Dissonanz?

Je kleiner die beiden Zahlen im Frequenzverhältnis, desto konsonanter klingt das Intervall. Bei der Oktave schwingt der obere Ton doppelt so schnell wie der untere, bei der Quinte kommen auf zwei Schwingungen des unteren drei des oberen. Jeder Ton bringt zusätzlich seine Obertöne mit, deren Frequenzen ganzzahlige Vielfache des Grundtons sind. Bei einem einfachen Verhältnis treffen viele davon genau aufeinander, und was zusammenfällt, reibt sich nicht.

IntervallVerhältnisEinordnung
Prime1:1vollkommene Konsonanz
Oktave2:1vollkommene Konsonanz
Quinte3:2vollkommene Konsonanz
Quarte4:3Konsonanz, über dem Bass Dissonanz
große Terz5:4unvollkommene Konsonanz
große Sexte5:3unvollkommene Konsonanz
kleine Terz6:5unvollkommene Konsonanz
kleine Sexte8:5unvollkommene Konsonanz
große Sekunde9:8Dissonanz
kleine Sekunde16:15Dissonanz

Diese Werte gelten für die reine Stimmung. Auf einem gleichstufig gestimmten Klavier trifft nur die Oktave ihr Verhältnis genau, die große Terz gerät knapp 14 Cent zu weit. Der Tritonus lässt sich auf kein Verhältnis kleiner ganzer Zahlen bringen, und daraus folgt seine Sonderstellung.

Wie teilt die Musiktheorie Konsonanz und Dissonanz ein?

Die Satzlehre kennt drei Gruppen, und die reine Quarte fällt aus dem Raster.

  • Vollkommene Konsonanzen sind Prime, Oktave und reine Quinte. Sie verschmelzen so stark, dass beide Töne beinahe wie ein einziger wirken.
  • Unvollkommene Konsonanzen sind große und kleine Terz sowie große und kleine Sexte. Sie ruhen ebenfalls, lassen aber zwei getrennte Töne hörbar.
  • Dissonanzen sind Sekunden, Septimen und der Tritonus. Der klassische Satz führt sie in ein konsonantes Intervall weiter.
  • Die reine Quarte kann je nach Zusammenhang beides sein. Zwischen Oberstimmen zählt sie als Konsonanz, über dem Bass gilt sie als Dissonanz.

Warum ist Dissonanz kein Werturteil?

Dissonant heißt nicht falsch und nicht hässlich. Der Begriff beschreibt eine Spannung, die eine Auflösung erwarten lässt, und diese Erwartung trägt die abendländische Harmonik. Der Dominantseptakkord zeigt das: Er gehört zu den meistverwendeten Akkorden dieser Musik und ist trotzdem dissonant, denn zwischen seiner Terz und seiner Septime steht ein Tritonus.

In G7 mit den Tönen g, h, d und f bilden h und f diesen Tritonus. Das h drängt nach c, das f nach e, beide finden im C-Dur-Dreiklang ihr Ziel. Genau diese Bewegung macht den Schluss einer Kadenz hörbar. Die Septakkorde des Jazz beruhen auf derselben Spannung, nur löst die Jazzharmonik sie nicht mehr in jedem Fall auf.

Ohne Dissonanz gäbe es keine Kadenz. Die Spannung eines dissonanten Klangs zeigt an, wohin die Musik will. Ein Stück aus lauter Konsonanzen hätte weder Richtung noch Schluss, weil nichts aufzulösen wäre.

Warum klingen dissonante Intervalle rau?

Zwei Töne mit dicht benachbarten Frequenzen erzeugen eine Schwebung. Ihre Schwingungen laufen abwechselnd zusammen und gegeneinander, wodurch die Lautstärke regelmäßig an- und abschwillt. Die Zahl dieser Schwankungen je Sekunde entspricht dem Frequenzunterschied: 440 Hertz und 443 Hertz ergeben drei Schwebungen je Sekunde. Wächst der Unterschied, verschmelzen die Schwankungen zu einer Rauigkeit, und diese Rauigkeit nehmen Hörer als Dissonanz wahr.

Oktave, Verhältnis 2 zu 1 tieferer Ton höherer Ton Beide Wellen beginnen bei jeder Periode des tieferen Tons gemeinsam von vorn kleine Sekunde, Verhältnis 16 zu 15 tieferer Ton höherer Ton Erst nach 15 Perioden des tieferen Tons treffen sich beide Wellen wieder
Im Verhältnis 2 zu 1 decken sich beide Wellen ständig, im Verhältnis 16 zu 15 erst nach 15 Perioden. Dazwischen laufen sie gegeneinander, und genau das hört das Ohr als Schwebung.

Auch die Obertöne schweben gegeneinander. Bei einem einfachen Verhältnis fallen sie zusammen, bei einem komplizierten liegen viele von ihnen nur wenige Hertz auseinander.

Warum haben sich Konsonanz und Dissonanz historisch verschoben?

Die Grenze zwischen Konsonanz und Dissonanz folgt der Hörgewohnheit. Die mittelalterliche Satzlehre zählte Oktave, Quinte und Quarte zu den Konsonanzen und behandelte die Terz als Dissonanz, weshalb der frühe mehrstimmige Satz auf Oktaven und Quinten steht. In der Renaissance rückte die Terz unter die Konsonanzen, seither trägt sie den Dur- und den Molldreiklang.

Der Tritonus trug den Beinamen diabolus in musica, ausformuliert als Merksatz mi contra fa est diabolus in musica. Der Ausdruck stammt aus der Lehre vom Kontrapunkt und warnte Schüler vor einem Intervall, das sich schwer singen und schwer führen lässt. Ein kirchliches Verbot des Tritonus ist nicht belegt.

Häufige Fragen zu Konsonanz und Dissonanz

Was ist der Unterschied zwischen Konsonanz und Dissonanz?

Konsonanz und Dissonanz unterscheiden sich darin, ob ein Zusammenklang ruht oder eine Fortsetzung verlangt. Eine Konsonanz steht auf einem einfachen Frequenzverhältnis wie 2 zu 1 bei der Oktave oder 3 zu 2 bei der Quinte. Eine Dissonanz steht auf einem komplizierteren wie 16 zu 15 bei der kleinen Sekunde und löst sich im klassischen Satz in eine Konsonanz auf.

Ist die Quarte eine Konsonanz oder eine Dissonanz?

Die reine Quarte ist je nach Zusammenhang beides. Ihr Frequenzverhältnis von 4 zu 3 ist einfach, und zwischen zwei Oberstimmen gilt sie als Konsonanz. Über dem Basston behandelt die Satzlehre sie als Dissonanz, die eine Auflösung verlangt. Deshalb führt der klassische Satz den Quartsextakkord weiter, statt ihn stehen zu lassen.

Warum heißt der Tritonus diabolus in musica?

Der Tritonus heißt so, weil die Kontrapunktlehre ihn mit dieser Formel als schwierigstes Intervall kennzeichnete. Er misst sechs Halbtöne und lässt sich weder leicht treffen noch bequem weiterführen. Die Formel ist eine Lehrregel der Musiktheorie. Ein Verbot des Tritonus durch die Kirche ist nicht belegt.

Ist ein dissonanter Akkord falsch?

Nein, ein dissonanter Akkord ist nicht falsch. Dissonanz beschreibt Spannung, keinen Fehler. Der Dominantseptakkord ist dissonant und gehört zu den meistverwendeten Akkorden der abendländischen Musik, weil seine Spannung den Weg zum Grundakkord vorzeichnet. Im Jazz stehen dissonante Klänge auch ohne Auflösung.

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