Konsonanz und Dissonanz beschreiben, wie stark zwei gleichzeitig klingende Töne miteinander verschmelzen. Je einfacher das Verhältnis ihrer Frequenzen ausfällt, desto mehr Obertöne fallen zusammen und desto ruhiger klingt der Zusammenklang: Die Oktave steht bei 2 zu 1 und verschmilzt fast vollständig, die kleine Sekunde bei 16 zu 15 und klingt rau. Dissonanz ist dabei kein Werturteil: Der Begriff bezeichnet Spannung, nicht einen Fehler.
Was bedeuten Konsonanz und Dissonanz?
Konsonanz bezeichnet einen Zusammenklang, der in sich ruht und keine Fortsetzung verlangt. Dissonanz bezeichnet einen Zusammenklang, der Spannung erzeugt und eine Auflösung erwarten lässt. Beide Begriffe beschreiben, wie die Töne zueinander stehen und was der Hörer als Nächstes erwartet, nicht ob etwas schön klingt. Die Einteilung stützt sich auf das Frequenzverhältnis der beiden Töne und auf die Satzlehre, die festlegt, welches Intervall frei stehen darf.
| Merkmal | Konsonanz und Dissonanz |
|---|---|
| Konsonanz | Zusammenklang, der in sich ruht |
| Dissonanz | Zusammenklang, der Spannung erzeugt und eine Auflösung erwarten lässt |
| Ursache | einfaches Frequenzverhältnis, dadurch gemeinsame Obertöne |
| Vollkommene Konsonanzen | Prime, Oktave, reine Quinte |
| Unvollkommene Konsonanzen | große und kleine Terz, große und kleine Sexte |
| Dissonanzen | Sekunden, Septimen, Tritonus |
| Sonderfall | reine Quarte, über dem Bass als Dissonanz behandelt |
| Wandelbar | die Terz galt im Mittelalter als Dissonanz |
Welche Frequenzverhältnisse stehen hinter Konsonanz und Dissonanz?
Je kleiner die beiden Zahlen im Frequenzverhältnis, desto konsonanter klingt das Intervall. Bei der Oktave schwingt der obere Ton doppelt so schnell wie der untere, bei der Quinte kommen auf zwei Schwingungen des unteren drei des oberen. Jeder Ton bringt zusätzlich seine Obertöne mit, deren Frequenzen ganzzahlige Vielfache des Grundtons sind. Bei einem einfachen Verhältnis treffen viele davon genau aufeinander, und was zusammenfällt, reibt sich nicht.
| Intervall | Verhältnis | Einordnung |
|---|---|---|
| Prime | 1:1 | vollkommene Konsonanz |
| Oktave | 2:1 | vollkommene Konsonanz |
| Quinte | 3:2 | vollkommene Konsonanz |
| Quarte | 4:3 | Konsonanz, über dem Bass Dissonanz |
| große Terz | 5:4 | unvollkommene Konsonanz |
| große Sexte | 5:3 | unvollkommene Konsonanz |
| kleine Terz | 6:5 | unvollkommene Konsonanz |
| kleine Sexte | 8:5 | unvollkommene Konsonanz |
| große Sekunde | 9:8 | Dissonanz |
| kleine Sekunde | 16:15 | Dissonanz |
Diese Werte gelten für die reine Stimmung. Auf einem gleichstufig gestimmten Klavier trifft nur die Oktave ihr Verhältnis genau, die große Terz gerät knapp 14 Cent zu weit. Der Tritonus lässt sich auf kein Verhältnis kleiner ganzer Zahlen bringen, und daraus folgt seine Sonderstellung.
Wie teilt die Musiktheorie Konsonanz und Dissonanz ein?
Die Satzlehre kennt drei Gruppen, und die reine Quarte fällt aus dem Raster.
- Vollkommene Konsonanzen sind Prime, Oktave und reine Quinte. Sie verschmelzen so stark, dass beide Töne beinahe wie ein einziger wirken.
- Unvollkommene Konsonanzen sind große und kleine Terz sowie große und kleine Sexte. Sie ruhen ebenfalls, lassen aber zwei getrennte Töne hörbar.
- Dissonanzen sind Sekunden, Septimen und der Tritonus. Der klassische Satz führt sie in ein konsonantes Intervall weiter.
- Die reine Quarte kann je nach Zusammenhang beides sein. Zwischen Oberstimmen zählt sie als Konsonanz, über dem Bass gilt sie als Dissonanz.
Warum ist Dissonanz kein Werturteil?
Dissonant heißt nicht falsch und nicht hässlich. Der Begriff beschreibt eine Spannung, die eine Auflösung erwarten lässt, und diese Erwartung trägt die abendländische Harmonik. Der Dominantseptakkord zeigt das: Er gehört zu den meistverwendeten Akkorden dieser Musik und ist trotzdem dissonant, denn zwischen seiner Terz und seiner Septime steht ein Tritonus.
In G7 mit den Tönen g, h, d und f bilden h und f diesen Tritonus. Das h drängt nach c, das f nach e, beide finden im C-Dur-Dreiklang ihr Ziel. Genau diese Bewegung macht den Schluss einer Kadenz hörbar. Die Septakkorde des Jazz beruhen auf derselben Spannung, nur löst die Jazzharmonik sie nicht mehr in jedem Fall auf.
Ohne Dissonanz gäbe es keine Kadenz. Die Spannung eines dissonanten Klangs zeigt an, wohin die Musik will. Ein Stück aus lauter Konsonanzen hätte weder Richtung noch Schluss, weil nichts aufzulösen wäre.
Warum klingen dissonante Intervalle rau?
Zwei Töne mit dicht benachbarten Frequenzen erzeugen eine Schwebung. Ihre Schwingungen laufen abwechselnd zusammen und gegeneinander, wodurch die Lautstärke regelmäßig an- und abschwillt. Die Zahl dieser Schwankungen je Sekunde entspricht dem Frequenzunterschied: 440 Hertz und 443 Hertz ergeben drei Schwebungen je Sekunde. Wächst der Unterschied, verschmelzen die Schwankungen zu einer Rauigkeit, und diese Rauigkeit nehmen Hörer als Dissonanz wahr.
Auch die Obertöne schweben gegeneinander. Bei einem einfachen Verhältnis fallen sie zusammen, bei einem komplizierten liegen viele von ihnen nur wenige Hertz auseinander.
Warum haben sich Konsonanz und Dissonanz historisch verschoben?
Die Grenze zwischen Konsonanz und Dissonanz folgt der Hörgewohnheit. Die mittelalterliche Satzlehre zählte Oktave, Quinte und Quarte zu den Konsonanzen und behandelte die Terz als Dissonanz, weshalb der frühe mehrstimmige Satz auf Oktaven und Quinten steht. In der Renaissance rückte die Terz unter die Konsonanzen, seither trägt sie den Dur- und den Molldreiklang.
Der Tritonus trug den Beinamen diabolus in musica, ausformuliert als Merksatz mi contra fa est diabolus in musica. Der Ausdruck stammt aus der Lehre vom Kontrapunkt und warnte Schüler vor einem Intervall, das sich schwer singen und schwer führen lässt. Ein kirchliches Verbot des Tritonus ist nicht belegt.
Häufige Fragen zu Konsonanz und Dissonanz
Was ist der Unterschied zwischen Konsonanz und Dissonanz?
Konsonanz und Dissonanz unterscheiden sich darin, ob ein Zusammenklang ruht oder eine Fortsetzung verlangt. Eine Konsonanz steht auf einem einfachen Frequenzverhältnis wie 2 zu 1 bei der Oktave oder 3 zu 2 bei der Quinte. Eine Dissonanz steht auf einem komplizierteren wie 16 zu 15 bei der kleinen Sekunde und löst sich im klassischen Satz in eine Konsonanz auf.
Ist die Quarte eine Konsonanz oder eine Dissonanz?
Die reine Quarte ist je nach Zusammenhang beides. Ihr Frequenzverhältnis von 4 zu 3 ist einfach, und zwischen zwei Oberstimmen gilt sie als Konsonanz. Über dem Basston behandelt die Satzlehre sie als Dissonanz, die eine Auflösung verlangt. Deshalb führt der klassische Satz den Quartsextakkord weiter, statt ihn stehen zu lassen.
Warum heißt der Tritonus diabolus in musica?
Der Tritonus heißt so, weil die Kontrapunktlehre ihn mit dieser Formel als schwierigstes Intervall kennzeichnete. Er misst sechs Halbtöne und lässt sich weder leicht treffen noch bequem weiterführen. Die Formel ist eine Lehrregel der Musiktheorie. Ein Verbot des Tritonus durch die Kirche ist nicht belegt.
Ist ein dissonanter Akkord falsch?
Nein, ein dissonanter Akkord ist nicht falsch. Dissonanz beschreibt Spannung, keinen Fehler. Der Dominantseptakkord ist dissonant und gehört zu den meistverwendeten Akkorden der abendländischen Musik, weil seine Spannung den Weg zum Grundakkord vorzeichnet. Im Jazz stehen dissonante Klänge auch ohne Auflösung.




