Die chromatische Tonleiter besteht aus zwölf Tönen im Abstand von je einem Halbton. Sie umfasst damit alle Töne, die das temperierte System innerhalb einer Oktave kennt. Aufwärts ab c lauten sie c, cis, d, dis, e, f, fis, g, gis, a, ais, h. Alle Abstände sind gleich groß, deshalb hebt sich kein Ton als Grundton hervor. Die chromatische Tonleiter ist keine Tonart, sondern ein Tonvorrat.
Was ist die chromatische Tonleiter?
Die chromatische Tonleiter ist die Folge aller zwölf Halbtöne einer Oktave. Jeder Schritt misst genau einen Halbton, den kleinsten Abstand des westlichen Tonsystems. Zwölf Schritte ergeben eine Oktave, weshalb der dreizehnte Ton den Ausgangston eine Oktave höher wiederholt. Der Name stammt vom griechischen Wort chroma für Farbe.
| Merkmal | Chromatische Tonleiter |
|---|---|
| Anzahl der Töne | zwölf innerhalb einer Oktave |
| Schrittweite | durchgehend ein Halbton |
| Grundton | keiner, alle zwölf Töne sind gleichrangig |
| Aufwärts ab c | c, cis, d, dis, e, f, fis, g, gis, a, ais, h, c |
| Abwärts ab c | c, h, b, a, as, g, ges, f, e, es, d, des, c |
| Vorzeichen | aufwärts Kreuze, abwärts b |
| Auf der Klaviatur | sieben weiße und fünf schwarze Tasten |
| Einordnung | Tonvorrat, keine Tonart |
Welche zwölf Töne hat die chromatische Tonleiter?
Aufwärts ab c lauten die zwölf Töne c, cis, d, dis, e, f, fis, g, gis, a, ais und h. Abwärts ab c lauten sie c, h, b, a, as, g, ges, f, e, es, d und des. Beide Reihen treffen dieselben Tasten und unterscheiden sich nur in den Namen. Die Reihe kann auf jedem der zwölf Töne beginnen, denn nur der Startpunkt wandert.
Auf dem Klavier liegen diese zwölf Töne als sieben weiße und fünf schwarze Tasten nebeneinander. Wer alle Tasten einer Oktave nacheinander anschlägt, ohne eine auszulassen, spielt die chromatische Tonleiter.
Warum ist die chromatische Tonleiter keine Tonart?
Die chromatische Tonleiter hat keinen Grundton, weil alle zwölf Abstände gleich groß sind. Eine Dur-Tonleiter setzt ihre beiden Halbtonschritte an feste Stellen, zwischen die dritte und vierte sowie zwischen die siebte und achte Stufe. Diese ungleiche Verteilung gibt dem Ohr einen Bezugspunkt: Es erkennt am Muster, welcher Ton der erste ist. Die natürliche Moll-Tonleiter verteilt ihre Halbtonschritte anders und bleibt daran ebenso erkennbar.
In der chromatischen Tonleiter fehlt dieses Merkmal. Von jedem Ton aus sieht die Folge gleich aus, also fehlt der Maßstab für einen Grundton. Damit entfällt auch die Stufenhierarchie: Es gibt keine Tonika, keine Dominante, keine Subdominante und keinen Leitton.
Gleiche Abstände lassen keinen Grundton zu. Eine Tonart entsteht aus der ungleichen Verteilung von Ganz- und Halbtonschritten. Die chromatische Tonleiter verteilt nichts, sie zählt nur ab. Sie liefert das Material für Melodien in jeder Tonart, bildet selbst aber keine.
Wie notiert man die chromatische Tonleiter?
Aufwärts schreibt man die chromatische Tonleiter mit Kreuzen, abwärts mit b. Das Kreuz erhöht den Stammton um einen Halbton, das b senkt ihn um einen Halbton. Die Schreibweise folgt damit der Richtung der Bewegung. Diese Vorzeichen stehen als Versetzungszeichen im Takt und gelten bis zum nächsten Taktstrich.
Aus den zwei Schreibweisen folgt, dass dieselbe Taste zwei Namen trägt. Cis und des bezeichnen im temperierten System denselben Klang, weil die Oktave dort in zwölf gleich große Halbtöne zerfällt. Musiker nennen das enharmonische Verwechslung. Im Notenbild unterscheiden sich beide klar: Cis sitzt auf der Position des c und trägt ein Kreuz, des auf der Position des d und trägt ein b.
Fünf schwarze Tasten tragen jeweils zwei Namen:
- cis und des liegen zwischen c und d.
- dis und es liegen zwischen d und e.
- fis und ges liegen zwischen f und g.
- gis und as liegen zwischen g und a.
- ais und b liegen zwischen a und h.
Die beiden übrigen Halbtonschritte kommen ohne Vorzeichen aus, denn zwischen e und f sowie zwischen h und c liegt keine schwarze Taste.
Wo kommt die chromatische Tonleiter in der Praxis vor?
Die chromatische Tonleiter erscheint selten als vollständige Reihe. Meist liefert sie einzelne Töne, die in der geltenden Tonart fehlen, oder sie dient als Übungsmaterial.
- Durchgangsnoten füllen den Abstand zwischen zwei leitereigenen Tönen. Zwischen der ersten und der zweiten Stufe einer Dur-Tonleiter liegt ein Ganzton. Ein chromatischer Durchgangston teilt ihn in zwei Halbtonschritte und führt die Melodie ohne Sprung weiter.
- Grifftechnik und Ansatz übt man an der chromatischen Tonleiter lückenlos. Wer sie über den ganzen Umfang spielt, greift jede Ventil- oder Klappenkombination einmal und hört auf Blasinstrumenten, wo der Ansatz nachgibt. Pianisten trainieren dabei den Fingersatz aus Daumen und drittem Finger.
- Jazz und Neue Musik behandeln die zwölf Halbtöne als eigenes Material. Im Jazz nähern sich Solisten einem Zielton von einem Halbton darüber oder darunter. Arnold Schönberg entwickelte in den 1920er Jahren die Zwölftontechnik, die alle zwölf Töne in einer festgelegten Reihe ordnet. Diese Reihe sortiert die Töne nicht nach Tonhöhe und ist deshalb keine chromatische Tonleiter.
Häufige Fragen zur chromatischen Tonleiter
Wie viele Töne hat die chromatische Tonleiter?
Die chromatische Tonleiter hat zwölf Töne. Jeder liegt einen Halbton über dem vorigen, die zwölf Schritte ergeben eine Oktave. Der dreizehnte Ton wiederholt den ersten eine Oktave höher und zählt nicht als eigener Ton.
Welche Töne gehören zur chromatischen Tonleiter?
Zur chromatischen Tonleiter gehören alle zwölf Töne einer Oktave. Aufwärts ab c heißen sie c, cis, d, dis, e, f, fis, g, gis, a, ais und h. Abwärts ab c heißen dieselben Tasten c, h, b, a, as, g, ges, f, e, es, d und des.
Warum schreibt man die chromatische Tonleiter aufwärts mit Kreuzen und abwärts mit b?
Die Vorzeichen folgen der Richtung der Bewegung. Aufwärts erhöht ein Kreuz den Stammton um einen Halbton, abwärts senkt ein b ihn um einen Halbton. Der Notentext läuft dadurch in derselben Richtung wie die Melodie, und der Spieler liest ihn schneller. Der Klang bleibt in beiden Schreibweisen derselbe.
Was ist der Unterschied zwischen chromatischer Tonleiter und Dur-Tonleiter?
Die chromatische Tonleiter hat zwölf Töne im gleichen Abstand von je einem Halbton, die Dur-Tonleiter sieben Töne im Muster Ganz, Ganz, Halb, Ganz, Ganz, Ganz, Halb. Aus der ungleichen Verteilung der Dur-Tonleiter ergibt sich ein Grundton mit Stufenhierarchie, aus der gleichmäßigen Verteilung der chromatischen Tonleiter nicht. Die Dur-Tonleiter bildet eine Tonart, die chromatische Tonleiter einen Tonvorrat.




