Vorzeichen verändern die Tonhöhe einer Note um einen Halbton. Das Kreuz erhöht, das b erniedrigt, das Auflösungszeichen nimmt beides zurück. Wo das Zeichen steht, entscheidet über seine Reichweite: Hinter dem Notenschlüssel gilt es für das ganze Stück, mitten im Takt nur bis zum nächsten Taktstrich.
Was sind Vorzeichen?
Ein Vorzeichen ist ein Zeichen links vom Notenkopf, das dessen Tonhöhe um einen Halbton verschiebt. Der Halbton ist der kleinste Schritt im europäischen Tonsystem, auf dem Klavier der Abstand von einer Taste zur unmittelbar benachbarten. Ohne Vorzeichen kämen nur die sieben Stammtöne c, d, e, f, g, a und h vor, also allein die weißen Tasten.
Das Zeichen steht immer links vom Notenkopf und auf derselben Höhe wie er. Gesprochen kommt es dagegen hinten an den Namen: Geschrieben steht das Kreuz vor der Note, gesagt wird cis.
| Zeichen | Wirkung | Endung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Kreuz | erhöht um einen Halbton | -is | aus c wird cis |
| b | erniedrigt um einen Halbton | -es | aus d wird des |
| Auflösungszeichen | hebt Erhöhung und Erniedrigung auf | keine | aus cis wird wieder c |
| Doppelkreuz | erhöht um zwei Halbtöne | -isis | aus c wird cisis |
| Doppel-b | erniedrigt um zwei Halbtöne | -eses | aus d wird deses |
Wie heißen die erhöhten und erniedrigten Töne?
Erhöhte Töne bekommen die Endung -is, erniedrigte die Endung -es. Aus c wird cis, aus f wird fis, aus d wird des, aus g wird ges. Drei Namen weichen ab, weil sie sich im Sprachgebrauch verkürzt haben: e wird zu es, a wird zu as, und das erniedrigte h heißt schlicht b.
Genau dieses b führt regelmäßig zu Verwechslungen mit dem englischen Sprachraum. Der deutsche Ton H heißt dort B, und das deutsche b heißt dort B flat. Wer eine englische Ausgabe spielt, muss diese Umbenennung mitlesen.
Wie wirkt das Auflösungszeichen bei Vorzeichen?
Das Auflösungszeichen stellt den Stammton wieder her. Es hebt sowohl ein Kreuz als auch ein b auf, gleichgültig ob dieses aus der Vorzeichnung am Zeilenanfang oder aus einem Versetzungszeichen im Takt stammt. Nach einem Auflösungszeichen klingt also die weiße Taste.
Bei Doppelvorzeichen genügt ein einziges Auflösungszeichen, um beide Halbtöne zurückzunehmen. Soll dagegen nur einer der beiden entfallen, schreibt der Notensatz das verbleibende einfache Zeichen neu hin.
Wo gelten Vorzeichen und wo Versetzungszeichen?
Die Reichweite hängt allein vom Ort ab. Stehen die Zeichen direkt hinter dem Notenschlüssel, bilden sie die Vorzeichnung der Tonart. Sie gelten dann für alle Töne dieses Namens, in jeder Oktave, bis zum Ende des Stücks oder bis eine neue Vorzeichnung erscheint. Ein Kreuz auf der f-Linie macht jedes f im Stück zum fis.
Steht dasselbe Zeichen mitten im Takt vor einer Note, heißt es Versetzungszeichen. Es gilt nur für diese Tonhöhe in dieser Oktave und nur bis zum nächsten Taktstrich. Danach fällt der Ton ohne weiteres Zutun auf die Vorzeichnung zurück. Ein Haltebogen über den Taktstrich hinweg nimmt die Wirkung allerdings mit in den nächsten Takt.
Am Zeilenanfang gilt ein Vorzeichen für das ganze Stück, im Takt nur bis zum Taktstrich. Dieselbe Form hat also zwei völlig verschiedene Reichweiten, und den Unterschied macht allein die Position. Wer ein Versetzungszeichen über den Taktstrich hinaus mitspielt, spielt ab dort falsch.
Was ist eine enharmonische Verwechslung?
Eine enharmonische Verwechslung ist der Wechsel der Schreibweise bei gleichem Klang. Cis und des liegen auf derselben schwarzen Taste, ebenso dis und es, fis und ges, gis und as sowie ais und b. Welche Schreibweise ein Notensatz wählt, hängt von der Tonart ab: In A-Dur heißt der Ton cis, in Des-Dur heißt derselbe Klang des.
Gleich klingen die beiden allerdings nur in der gleichstufigen Stimmung, nach der Klaviere gestimmt werden. Auf einer Geige oder im Chor wählt der Ausführende die Tonhöhe frei, und dort liegt ein cis als aufwärts strebender Leitton oft etwas höher als ein des.
Warum stehen Vorzeichen in einer festen Reihenfolge?
Die Vorzeichnung folgt einer festen Reihenfolge, damit das Auge die Tonart am Bild erkennt statt sie abzuzählen. Kreuze treten in der Folge fis, cis, gis, dis, ais, eis und his auf, b-Vorzeichen in der Folge b, es, as, des, ges, ces und fes. Die eine Reihe ist die Umkehrung der anderen.
Jedes weitere Zeichen rückt die Tonart um eine Quinte weiter. Diese Ordnung stellt der Quintenzirkel dar, und aus ihr ergibt sich auch, welche Dur-Tonleiter zu welcher Vorzeichnung gehört. Mehr als sieben Zeichen kommen dabei nicht vor, weil dann jeder Stammton bereits eines trägt.
Häufige Fragen zu Vorzeichen
Was bedeutet ein Kreuz in den Noten?
Ein Kreuz erhöht den Ton um einen Halbton. Aus c wird cis, aus f wird fis. Steht das Kreuz hinter dem Notenschlüssel, gilt es für alle Töne dieses Namens im ganzen Stück; steht es im Takt vor einer Note, nur bis zum nächsten Taktstrich. Auf dem Klavier führt es meist auf die schwarze Taste rechts daneben.
Was bedeutet ein b in den Noten?
Ein b erniedrigt den Ton um einen Halbton. Aus d wird des, aus g wird ges. Drei Namen verkürzen sich dabei: e wird zu es, a zu as und h zu b. Auf dem Klavier führt das b meist auf die schwarze Taste links daneben.
Wie lange gilt ein Versetzungszeichen?
Ein Versetzungszeichen gilt bis zum nächsten Taktstrich und nur für die Tonhöhe, vor der es steht. Ein cis in der einen Oktave macht also kein cis in der anderen. Reicht ein Haltebogen über den Taktstrich, klingt der gehaltene Ton verändert weiter, alle folgenden Noten dagegen wieder nach der Vorzeichnung.
Was ist der Unterschied zwischen cis und des?
Cis und des klingen auf dem Klavier gleich, weil beide dieselbe schwarze Taste treffen. Sie unterscheiden sich in der Herkunft: cis ist ein erhöhtes c, des ein erniedrigtes d. Welche Schreibweise gilt, entscheidet die Tonart. Auf Instrumenten mit freier Tonhöhe, etwa der Geige, können die beiden auch klanglich leicht auseinanderliegen.




