Die besten Songs der 90er sind hier nach ihrer Wirkung ausgewählt, nicht nach Verkaufszahlen. Ein Titel steht in diesem Artikel, wenn er ein Genre in den Mainstream getragen, eine Produktionsweise eingeführt oder ein Klangbild geprägt hat, das andere übernahmen. Das Jahrzehnt trennt vier Welten voneinander: Grunge aus dem amerikanischen Nordwesten, Eurodance aus mitteleuropäischen Studios, Britpop aus England und einen Hip-Hop, der zum meistverkauften Genre wurde. Über allem steht der Wechsel von analoger auf digitale Produktion.
Wonach wählt dieser Artikel die besten Songs der 90er aus?
Der Maßstab ist die Wirkung, nicht die Platzierung. Ein Titel gehört in diese Auswahl, wenn er ein Genre für ein breites Publikum geöffnet, eine Aufnahmetechnik durchgesetzt oder ein Klangmerkmal geprägt hat, das nach ihm zum Standard wurde. Verkaufszahlen bleiben außen vor, weil sie in den 90ern zwischen Ländern und Erhebungsmethoden stark auseinanderfallen.
| Merkmal | Populäre Musik der 90er |
|---|---|
| Leitgeräte | Sampler, Hardware-Sequenzer, digitale Mehrspurrekorder, ab Mitte des Jahrzehnts der Rechner |
| Prägende Modelle | Akai-Sampler, Alesis ADAT, Roland-Groovebox, Pro Tools |
| Klangmerkmale | Wechsel zwischen leiser Strophe und verzerrtem Refrain, gesampelte Schlagzeugtakte, gerader Viervierteltakt in der Clubmusik |
| Tonträger | CD als Hauptformat, Maxi-CD als Single, Musikkassette im Rückgang |
| Verbreitung | Radio, Musikfernsehen, ab 1999 Tauschbörsen im Internet |
| Stilrichtungen | Grunge, Britpop, Eurodance, Hip-Hop, TripHop, R&B |
Wie veränderte die digitale Produktion die Songs der 90er?
Die Produktion wechselte in den 90ern vom Tonband auf Festplatte und Speicherchip. Der Alesis ADAT nahm ab 1991 acht Spuren auf eine gewöhnliche Videokassette auf und brachte Mehrspurtechnik in Räume, die sich keine Studiomaschine leisten konnten. Sampler speicherten ganze Takte fremder Aufnahmen und gaben sie taktgenau wieder; darauf beruht der Aufbau fast jeder Hip-Hop-Produktion des Jahrzehnts.
Ab 1997 korrigierte Auto-Tune die Tonhöhe von Gesang nachträglich. Cher setzte das Verfahren 1998 in Believe hörbar statt versteckt ein und machte aus dem Korrekturwerkzeug ein Stilmittel, das bis heute in Gebrauch ist. Wie sich daraus die heutige Clubproduktion entwickelte, beschreibt der Artikel über elektronische Musik.
Welche Grunge-Songs prägten die 90er?
Grunge verband den Aufbau eines Popsongs mit dem Klang von Punk und Hardrock. Das Merkmal ist der Sprung in der Lautstärke: Die Strophe bleibt leise und dünn besetzt, der Refrain setzt mit verzerrten Gitarren ein. Nirvana baute Smells Like Teen Spirit 1991 genau nach diesem Muster, und das Album Nevermind verdrängte im Januar 1992 Michael Jacksons Dangerous von der Spitze der amerikanischen Albumcharts.
Pearl Jam, Soundgarden und Alice in Chains kamen aus derselben Stadt Seattle, klangen aber unterschiedlich: Pearl Jam blieb näher am klassischen Rock, Soundgarden nutzte ungerade Taktarten, Alice in Chains schichtete zwei Gesangsstimmen dicht übereinander. Gemeinsam war ihnen die Ablehnung der geschliffenen Produktion der 80er.
Wie funktionieren die Eurodance-Hits der 90er?
Eurodance folgt einem festen Bauplan, und genau darin liegt seine Wirkung. Vier Merkmale kehren in fast jedem Titel wieder:
- Gerader Viervierteltakt mit etwa 130 bis 140 Schlägen je Minute und einer Basstrommel auf jeder Zählzeit.
- Ein gesungener Refrain, meist von einer Frauenstimme, mit einer Melodie aus wenigen Tönen.
- Eine gerappte Strophe von einer zweiten Stimme, die den Refrain vorbereitet.
- Eine kurze Synthesizerfigur als Wiedererkennungszeichen, oft schon vor dem ersten Gesang.
Snap!, Culture Beat, Haddaway und 2 Unlimited produzierten überwiegend in deutschen und niederländischen Studios. Der Erfolg lief über die Maxi-CD und über Diskotheken, nicht über das Album.
Die 90er trennten den Song von der Band. Sampler und Sequenzer ermöglichten fertige Produktionen ohne feste Besetzung. Ein Produzent baute den Titel, Sänger und Rapper kamen für einzelne Spuren dazu, und die Gruppe entstand erst danach für Auftritte und Videos. Eurodance und ein großer Teil des Hip-Hop arbeiteten so.
Welche Britpop-Songs prägten die 90er?
Britpop stellte britische Vorbilder aus den sechziger Jahren gegen den amerikanischen Grunge. Die Titel setzen auf klare Gesangsmelodien, kurze Refrains und Texte über den britischen Alltag. Blur beschrieb auf Parklife von 1994 Szenen aus London, Oasis baute auf Morning Glory von 1995 breite Gitarrenwände unter einfache Melodien, Pulp erzählte in Common People von 1995 eine Geschichte über Herkunft und Klasse.
Im August 1995 erschienen die Singles von Blur und Oasis am selben Tag. Die Presse machte daraus einen Wettbewerb, Blur gewann die Chartwoche, Oasis verkaufte auf lange Sicht deutlich mehr Alben.
Wie kam Hip-Hop in den 90ern in den Mainstream?
Hip-Hop wurde in den 90ern zur meistgehörten Musik junger Hörer in den Vereinigten Staaten. Dr. Dre legte 1992 mit The Chronic den Bauplan des G-Funk fest: langsames Tempo, eine gleitende Synthesizerlinie in hoher Lage, eine Basslinie aus Funkaufnahmen. An der Ostküste arbeiteten der Wu-Tang Clan und Notorious B.I.G. mit kurzen, rauen Ausschnitten aus Soul- und Jazzplatten.
Zugleich verteuerte ein amerikanisches Urteil von Ende 1991 das Sampling: Ein Gericht untersagte die Verwendung eines nicht freigegebenen Ausschnitts, und Produzenten mussten danach jede Übernahme vorher lizenzieren. Wie sich das Genre daraufhin entwickelte, beschreibt der Artikel über Hip-Hop.
Welche Rolle spielte die CD für die Hits der 90er?
Die CD löste in den 90ern die Musikkassette als wichtigsten Tonträger ab. Sie fasst rund 74 Minuten, deutlich mehr als eine Langspielplatte, und Alben wurden entsprechend länger. Die Maxi-CD wurde zum Singleformat und trug meist mehrere Fassungen desselben Titels, darunter eine Clubfassung.
Gegen Ende des Jahrzehnts kehrte sich die Richtung um. Das Datenformat MP3 verkleinerte eine Aufnahme so weit, dass sie sich über schmale Internetleitungen übertragen ließ, und ab 1999 tauschten Hörer einzelne Titel statt ganzer Alben. Der Weg der 80er, den der Artikel über die besten Songs der 80er beschreibt, endete damit.
Häufige Fragen zu den besten Songs der 90er
Welche Musikrichtungen prägten die 90er?
Die 90er prägten vier Richtungen nebeneinander: Grunge ab 1991 aus Seattle, Eurodance ab 1992 aus deutschen und niederländischen Studios, Britpop ab 1994 aus England und Hip-Hop, der über das ganze Jahrzehnt zum meistverkauften Genre der Vereinigten Staaten wurde. Dazu kamen TripHop aus Bristol und ein R&B, der Gesangstechnik mit Hip-Hop-Rhythmen verband.
Was macht die Eurodance-Hits der 90er aus?
Eurodance-Titel folgen einem festen Bauplan: ein gerader Viervierteltakt mit etwa 130 bis 140 Schlägen je Minute, eine Basstrommel auf jeder Zählzeit, ein gesungener Refrain über wenige Töne, eine gerappte Strophe und eine kurze Synthesizerfigur als Wiedererkennungszeichen. Die Produktionen entstanden im Studio, die Besetzung für Auftritte kam danach dazu.
Wie veränderte die CD die Musik der 90er?
Die CD verlängerte in den 90ern die Alben, weil sie rund 74 Minuten fasst und damit deutlich mehr als eine Langspielplatte. Sie machte außerdem die Maxi-CD zum wichtigsten Singleformat, auf der meist mehrere Fassungen eines Titels standen. Ende des Jahrzehnts löste das Datenformat MP3 diese Bündelung wieder auf.
Warum nennt dieser Artikel keine Verkaufszahlen der 90er-Songs?
Verkaufszahlen aus den 90ern lassen sich schlecht vergleichen. Jedes Land erhob eigene Werte, die Zählweise für Maxi-CDs unterschied sich von der für Alben, und ab 1999 fiel ein wachsender Teil der Verbreitung ganz aus der Statistik. Dieser Artikel begründet seine Auswahl deshalb mit der Wirkung eines Titels auf spätere Musik.




