Cover oder Original

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Redaktion
Ein Stapel Schallplatten auf hellem Untergrund. Bild: KI generiert.
Ein Stapel Schallplatten auf hellem Untergrund. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Eine Coverversion ist die neue Einspielung eines bestehenden Werks: Sie übernimmt Melodie und Text und ersetzt die Aufnahme. Ein Remix mischt dagegen die vorhandenen Spuren neu ab, ein Sample übernimmt einen Ausschnitt der Aufnahme. Der Artikel trennt die drei Formen, nennt belegte Fälle, in denen die Coverversion bekannter wurde als das Original, und beschreibt die rechtliche Grundlinie.

Eine Coverversion ist die neue Einspielung eines bereits veröffentlichten Musikstücks durch andere Interpreten. Sie übernimmt Melodie und Text, also das Werk, und ersetzt die Aufnahme durch eine eigene. Ein Remix und ein Sample tun etwas anderes: Sie greifen auf die vorhandene Tonaufnahme zu. Aus diesem Unterschied folgt alles Weitere, von der Frage nach der Erlaubnis bis zu der Frage, wem das Ergebnis gehört.

Werkwas ein Cover übernimmt
Aufnahmewas Remix und Sample nutzen
70 JahreSchutz nach dem Tod des Urhebers

Was ist eine Coverversion?

Eine Coverversion ist eine neue Aufnahme eines bestehenden Werks durch andere Interpreten. Sie behält Melodie und Text bei und ersetzt alles andere: Besetzung, Tempo, Tonart, Arrangement. Ob die Fassung dem Original nahe bleibt oder es in ein anderes Genre überträgt, ändert an der Einordnung nichts, solange Melodie und Text erkennbar bleiben. Erst wenn jemand die Melodie ändert oder den Text übersetzt, wird aus der Coverversion eine Bearbeitung, und dafür gelten andere Regeln. Im Pop gehören solche Neueinspielungen seit Jahrzehnten zum festen Bestand.

Was unterscheidet Coverversion, Remix und Sample?

Der Unterschied liegt darin, worauf jede Form zugreift. Eine Coverversion nutzt das Werk, ein Remix und ein Sample nutzen die fertige Tonaufnahme.

MerkmalCoverversionRemixSample
Was übernommen wirdMelodie und Textdie Spuren einer bestehenden Aufnahmeein Ausschnitt einer bestehenden Aufnahme
Was entstehteine neue Aufnahme desselben Werkseine neue Abmischung derselben Aufnahmeein neues Werk mit fremdem Klangmaterial
Betroffenes RechtUrheberrecht am WerkWerk und AufnahmeRecht des Tonträgerherstellers an der Aufnahme
Erlaubnis des Urhebers nötignein, solange das Werk unverändert bleibtjaja, sofern der Ausschnitt hörbar wiedererkennbar bleibt
Typischer FallNeueinspielung eines KlassikersClubfassung einer SingleSchlagzeugtakt unter einem Rap-Titel
Vorhandene Veröffentlichung Was daraus entsteht Werk Melodie und Text Aufnahme die eingespielten Spuren Coverversion Remix Sample neu eingespielt neu abgemischt Ausschnitt übernommen
Eine Coverversion greift auf das Werk zu und ersetzt die Aufnahme. Remix und Sample greifen dagegen auf die vorhandene Aufnahme zu, der Remix auf alle Spuren, das Sample auf einen Ausschnitt.

Welche Coverversionen wurden bekannter als das Original?

Fünf Fälle sind gut belegt und zeigen, wie weit eine zweite Aufnahme die erste verdrängen kann:

  • Respect schrieb und veröffentlichte Otis Redding 1965. Aretha Franklin nahm den Titel 1967 aus weiblicher Perspektive auf und gilt seither als die maßgebliche Stimme dazu.
  • I Will Always Love You schrieb Dolly Parton als Country-Ballade und veröffentlichte sie 1974. Whitney Houston nahm sie 1992 für einen Kinofilm neu auf.
  • Tainted Love sang Gloria Jones 1964 als Northern-Soul-Titel. Soft Cell reduzierte ihn 1981 auf Synthesizer und Drumcomputer.
  • Hurt veröffentlichten Nine Inch Nails 1994 als lautes Stück. Johnny Cash nahm es 2002 mit Gitarre und Klavier auf.
  • Hallelujah erschien 1984 auf einem Album von Leonard Cohen und blieb zunächst unbeachtet. Erst die Fassung von John Cale und danach die von Jeff Buckley aus dem Jahr 1994 machten das Stück bekannt.

Welche Songs beruhen auf einem Sample?

Ein Sample übernimmt einen Ausschnitt einer bestehenden Tonaufnahme in ein neues Stück. Drei Fälle sind gut dokumentiert:

  • Ice Ice Baby von Vanilla Ice aus dem Jahr 1990 nutzt die Basslinie aus Under Pressure, das Queen und David Bowie 1981 veröffentlicht hatten. Nach einem Rechtsstreit erschienen deren Namen in den Urheberangaben.
  • Bitter Sweet Symphony von The Verve aus dem Jahr 1997 nutzt ein Orchesterarrangement einer Aufnahme aus dem Umfeld der Rolling Stones. Die Verlagsrechte lagen deshalb zunächst bei Mick Jagger und Keith Richards; 2019 übertrugen sie diese an den Autor Richard Ashcroft.
  • Der Amen Break, ein wenige Sekunden langer Schlagzeugtakt aus Amen, Brother der Winstons von 1969, liegt unter tausenden Titeln des Jungle und des Drum and Bass. Wie diese Bauweise die Clubmusik prägte, beschreibt der Artikel über elektronische Musik.

Ein deutsches Verfahren um zwei Sekunden Schlagzeug aus einer Kraftwerk-Aufnahme beschäftigte die Gerichte über zwanzig Jahre. Der Europäische Gerichtshof entschied 2019, dass die Übernahme eines Ausschnitts das Recht des Tonträgerherstellers verletzt, sofern der Ausschnitt beim Hören wiedererkennbar bleibt. Für den Hip-Hop, dessen Produktionsweise auf solchen Übernahmen aufbaut, hatte diese Frage jahrzehntelang Gewicht.

Welche Regeln gelten für eine Coverversion?

Wer ein Werk unverändert neu einspielt, braucht dafür keine Zustimmung des Urhebers. Die Nutzung läuft über die Verwertungsgesellschaft, bei der der Urheber Mitglied ist: Wer die Aufnahme veröffentlicht oder das Stück öffentlich spielt, meldet und vergütet sie dort.

Anders liegt der Fall bei einer Bearbeitung. Wer den Text übersetzt, die Melodie ändert oder das Stück umgestaltet, braucht die Einwilligung des Urhebers. Eine Erlaubnis braucht ebenso, wer die vorhandene Tonaufnahme verwendet, also bei Remix und Sample. Das Urheberrecht am Werk endet siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers; die einzelne Tonaufnahme unterliegt daneben einem eigenen Schutzrecht des Herstellers. Dieser Abschnitt beschreibt die Grundlinie und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

Eine werkgetreue Coverversion braucht keine Erlaubnis des Urhebers, eine Bearbeitung schon. Die Grenze verläuft nicht zwischen ähnlich und unähnlich, sondern zwischen unverändert und verändert. Ein Titel in anderem Tempo, anderer Besetzung und anderer Tonart bleibt eine Coverversion. Ein Titel mit übersetztem Text oder geänderter Melodie ist eine Bearbeitung.

Woran erkennt man das Original eines Songs?

Das Original ist die älteste belegte Veröffentlichung, nicht die bekannteste Aufnahme. Drei Quellen führen dorthin:

  • Die Urheberangaben auf der Veröffentlichung nennen Komponist und Texter. Stimmen sie nicht mit den Interpreten überein, liegt häufig eine Coverversion vor.
  • Die Werkdatenbanken der Verwertungsgesellschaften führen jedes angemeldete Werk mit Urheber und Anmeldedatum.
  • Sammlungen zu Coverversionen und Samples ordnen Aufnahmen einander zu und nennen die Quelle.

Eine Fehlerquelle bleibt: Manche Titel entstanden für einen Interpreten und erschienen in dessen Aufnahme später als in einer anderen. Killing Me Softly with His Song etwa nahm Lori Lieberman 1972 auf, bekannt wurde die Fassung von Roberta Flack aus dem Jahr 1973 und danach die der Fugees von 1996. Wer nur die bekannteste Aufnahme kennt, ordnet in solchen Fällen falsch zu.

Häufige Fragen zu Cover und Original

Was ist eine Coverversion?

Eine Coverversion ist die neue Einspielung eines bereits veröffentlichten Stücks durch andere Interpreten. Sie übernimmt Melodie und Text und ersetzt Besetzung, Arrangement, Tempo und Tonart nach eigenem Ermessen. Bleiben Melodie und Text unverändert, handelt es sich um eine Coverversion; ändert jemand sie, entsteht eine Bearbeitung.

Was ist der Unterschied zwischen Coverversion und Remix?

Eine Coverversion greift auf das Werk zu und erzeugt eine komplett neue Aufnahme. Ein Remix greift auf die vorhandene Aufnahme zu und mischt deren Spuren neu ab, oft mit neuem Rhythmus und neuem Tempo. Deshalb braucht ein Remix immer die Erlaubnis des Rechteinhabers an der Aufnahme, eine werkgetreue Coverversion nicht.

Braucht eine Coverversion eine Erlaubnis?

Eine werkgetreue Coverversion braucht keine Einwilligung des Urhebers. Die Nutzung wird über die Verwertungsgesellschaft gemeldet und vergütet, bei der der Urheber Mitglied ist. Eine Einwilligung ist nötig, sobald jemand das Werk bearbeitet, also den Text übersetzt oder die Melodie ändert. Diese Angaben beschreiben die Grundlinie und ersetzen keine Beratung im Einzelfall.

Welche Coverversion ist bekannter als das Original?

Mehrere Coverversionen haben ihr Original verdrängt. Aretha Franklins Respect von 1967 ist bekannter als die Fassung von Otis Redding aus dem Jahr 1965, Whitney Houstons I Will Always Love You von 1992 bekannter als Dolly Partons Aufnahme von 1974, und Soft Cells Tainted Love von 1981 bekannter als die von Gloria Jones aus dem Jahr 1964.

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