Die besten Songs der 80er lassen sich nicht über Verkaufszahlen bestimmen. Jedes Land führte eigene Charts, die Zählweisen unterscheiden sich, und für viele Titel liegen keine belastbaren Zahlen vor. Dieser Artikel wählt deshalb nach Wirkung aus: Ein Titel steht hier, wenn er eine Produktionstechnik eingeführt, ein Genre für ein größeres Publikum geöffnet oder einen Klang geprägt hat, den andere danach übernahmen. Drei Entwicklungen tragen das Jahrzehnt: der programmierbare Synthesizer, der Drumcomputer und das Musikvideo.
Wonach wählt dieser Artikel die besten Songs der 80er aus?
Der Maßstab ist die Wirkung auf spätere Musik. Drei Fragen entscheiden über die Aufnahme: Führt der Titel eine Produktionstechnik ein? Öffnet er ein Genre für ein neues Publikum? Prägt er einen Klang, den andere kopieren? Eine Rangliste der meistverkauften Titel steht hier nicht.
| Merkmal | Populäre Musik der 80er |
|---|---|
| Leitgeräte | programmierbarer Synthesizer, Drumcomputer, Sampler |
| Prägende Modelle | Yamaha DX7, Roland TR-808 und TR-909, LinnDrum, Fairlight CMI |
| Klangmerkmale | FM-Klänge, programmierte Schlagzeugspuren, hart abgeschnittene Hallfahne |
| Verbreitung | Radio und Musikfernsehen |
| Tonträger | Single, Maxi-Single im 12-Zoll-Format, Musikkassette, ab 1982 die CD |
| Stilrichtungen | Synthpop, Neue Deutsche Welle, Stadionrock, früher Hip-Hop |
Welche Technik prägte die Songs der 80er?
Drei Gerätegruppen veränderten den Klang des Jahrzehnts. Der Yamaha DX7 kam 1983 auf den Markt und wurde zum meistverkauften Synthesizer seiner Zeit. Seine FM-Synthese erzeugt glockige und metallische Klangfarben, die analoge Geräte so nicht liefern.
Der Drumcomputer übernahm die Rhythmusspur. Die Roland TR-808 erzeugt ihre Klänge selbst und klingt deshalb künstlich und tief, die LinnDrum spielt kurze Aufnahmen echter Trommeln ab und liegt näher am Studioschlagzeug. Beide erzeugen einen gleichmäßigen Puls ohne die kleinen Schwankungen eines Schlagzeugers.
Der dritte Baustein ist eine Schaltung, kein Instrument: Ein Kompressor hebt das Schlagzeug an, ein Noise Gate schneidet die Hallfahne hart ab. Phil Collins machte diesen Klang 1981 mit In the Air Tonight bekannt; entwickelt hatte ihn der Toningenieur Hugh Padgham kurz zuvor bei Aufnahmen mit Peter Gabriel.
Wie veränderte MTV den Erfolg der Songs in den 80ern?
MTV startete am 1. August 1981 in den Vereinigten Staaten und sendete rund um die Uhr Musikvideos. Damit entschied nicht mehr allein das Radio über die Verbreitung eines Titels. Plattenfirmen drehten Videos, bevor eine Single erschien.
Michael Jackson drehte 1983 das Video zu Thriller als vierzehnminütigen Kurzfilm mit dem Regisseur John Landis. Sein Video zu Billie Jean lief im selben Jahr als eines der ersten eines schwarzen Künstlers in der Dauerrotation des Senders. MTV Europe ging 1987 auf Sendung, das erste gespielte Video war Money for Nothing von Dire Straits.
Das Musikvideo entschied in den 80ern mit über den Erfolg eines Songs. Vor 1981 verbreitete das Radio einen Titel, danach kam ein Kanal hinzu, der ein Bild verlangte. Plattenfirmen planten Videos ab da vor der Veröffentlichung ein, und ein Titel ohne Video erreichte weniger Hörer, obwohl sich an der Musik nichts geändert hatte.
Welche Synthpop-Songs prägten die 80er?
Synthpop ersetzt Gitarre und Schlagzeug durch Synthesizer und Drumcomputer und behält die Liedform aus Strophe und Refrain bei. Vier Titel zeigen die Bandbreite:
- The Human League, Don't You Want Me (1981) stellt zwei Gesangsstimmen gegeneinander und trägt den Refrain über einer einzigen Synthesizerfigur.
- Soft Cell, Tainted Love (1981) nimmt einen Northern-Soul-Titel von Gloria Jones aus dem Jahr 1964 und reduziert ihn auf zwei Klangfarben und einen Drumcomputer.
- New Order, Blue Monday (1983) ist vollständig programmiert, dauert über sieben Minuten und erschien als 12-Zoll-Maxi. Die Ausgabe gilt als meistverkaufte Maxi-Single überhaupt.
- Depeche Mode, People Are People (1984) baut den Rhythmus aus gesampelten Metallgeräuschen.
Welche Songs der Neuen Deutschen Welle prägten die 80er?
Die Neue Deutsche Welle brachte ab 1980 deutschsprachige Texte in die Charts und übernahm dabei die knappe Form des Punk und die Geräte der elektronischen Musik.
- DAF, Der Mussolini (1981) kombiniert einen laufenden Sequenzer, ein Schlagzeug und Sprechgesang. Mehr Instrumente kommen nicht vor.
- Trio, Da Da Da (1982) kommt mit einer Casio-Heimorgel, deren eingebautem Rhythmusgerät und wenigen Akkorden aus.
- Nena, 99 Luftballons (1983) erreichte in der deutschsprachigen Fassung Platz zwei der amerikanischen Singlecharts.
- Falco, Rock Me Amadeus (1985) legt Sprechgesang über eine Synthesizerfigur und stand 1986 als bislang einziger deutschsprachiger Titel an der Spitze der amerikanischen Singlecharts.
Wie klingt der Stadionrock der 80er?
Stadionrock richtet den Songbau auf große Hallen aus. Die Tempi bleiben mittel, die Refrains bestehen aus wenigen Silben, und viele Titel enthalten einen Teil ohne Text, den das Publikum mitsingt. Bruce Springsteen setzt in Born in the U.S.A. von 1984 eine Synthesizerfigur gegen ein hart gestimmtes Schlagzeug. Def Leppard schichtete für Hysteria von 1987 unter der Leitung von Robert John Lange dutzende Gesangsspuren übereinander, sodass der Refrain wie ein Chor klingt. U2 baute den Gitarrenklang auf The Joshua Tree aus taktgenau eingestellten Echos statt aus Verzerrung. Die Wurzeln dieser Spielweisen beschreibt der Artikel über Rock.
Welche Hip-Hop-Songs der 80er wirkten am weitesten?
Hip-Hop verließ in den 80ern die Blockpartys und wurde zur Studioproduktion. Grandmaster Flash and the Furious Five brachten 1982 mit The Message einen erzählenden, gesellschaftskritischen Text in einen Rap-Titel. Afrika Bambaataa baute im selben Jahr Planet Rock auf der Roland TR-808 auf und übernahm die Melodie aus zwei Stücken von Kraftwerk.
Run-DMC nahmen 1986 Walk This Way gemeinsam mit Aerosmith auf und brachten Rap damit in die MTV-Rotation und vor ein Rockpublikum. Public Enemy zeigte kurz darauf, wie weit sich ein Stück allein aus Ausschnitten fremder Aufnahmen bauen lässt. Diese Produktionsweise beschreibt der Artikel über Hip-Hop.
Häufige Fragen zu den besten Songs der 80er
Welche Technik prägte die Songs der 80er?
Die Songs der 80er prägten drei Gerätegruppen: der programmierbare Synthesizer, allen voran der Yamaha DX7 von 1983, der Drumcomputer mit der Roland TR-808 und der LinnDrum, und der Sampler. Dazu kommt eine Studioschaltung aus Kompressor und Noise Gate, die dem Schlagzeug eine hart abgeschnittene Hallfahne gibt.
Warum war MTV für die Hits der 80er so wichtig?
MTV schuf ab dem 1. August 1981 einen zweiten Verbreitungsweg neben dem Radio, der ein Bild verlangte. Ein Titel mit aufwendigem Video lief in Dauerrotation und erreichte damit ein Publikum, das ihn sonst nie gehört hätte. Plattenfirmen produzierten Videos ab da vor der Veröffentlichung der Single.
Welche deutschen Songs prägten die 80er?
Die prägenden deutschsprachigen Titel der 80er kamen aus der Neuen Deutschen Welle. Der Mussolini von DAF aus dem Jahr 1981 zeigt die reduzierte Besetzung aus Sequenzer, Schlagzeug und Sprechgesang, Da Da Da von Trio aus dem Jahr 1982 die Heimorgel als vollständiges Instrumentarium. 99 Luftballons von Nena erreichte 1983 auch außerhalb des deutschsprachigen Raums ein großes Publikum.
Warum nennt dieser Artikel kaum Chartplatzierungen der 80er-Songs?
Chartplatzierungen aus den 80ern lassen sich nur eingeschränkt vergleichen. Jedes Land erhob eigene Zahlen, die Methoden wechselten innerhalb des Jahrzehnts, und für viele Titel fehlen belastbare Angaben. Dieser Artikel begründet die Auswahl deshalb mit der technischen und stilistischen Wirkung eines Titels und nennt eine Platzierung nur dort, wo sie gut belegt ist.




