Beste Songs der 60er

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Redaktion
Eine Wand aus gerahmten Singles mit farbigen Etiketten. Foto: ArminEP / Pixabay.
Eine Wand aus gerahmten Singles mit farbigen Etiketten. Foto: ArminEP / Pixabay.

Zusammenfassung

Die besten Songs der 60er sind hier nach ihrer prägenden Wirkung auf die Musik danach ausgewählt, nicht nach Absatz und nicht nach Geschmack. Vier Linien tragen das Jahrzehnt: das Album als künstlerische Einheit, das Studio als eigenes Werkzeug, der Soul mit festen Studiobands in Detroit und Memphis und der britische Rückgriff auf den amerikanischen Blues. Der Artikel erklärt Mehrspuraufnahme, Overdub, Bandschleife und Rückwärtsaufnahme so, dass der Höreindruck auf seine Ursache zurückgeht.

Die besten Songs der 60er stehen hier nach ihrer prägenden Wirkung auf die Musik danach, nicht nach Absatz und nicht nach Geschmack. Vier Linien tragen das Jahrzehnt: Das Album löst die Single als künstlerische Einheit ab, das Studio wird zum Werkzeug, feste Studiobands formen den Soul, und britische Gruppen holen den amerikanischen Blues zurück in die Charts.

1963Vierspur bei EMI
1968Achtspur bei EMI
1968letzte Mono-Alben
16Bandschleifen für ein Stück

Wonach wählt dieser Artikel die besten Songs der 60er aus?

Der Maßstab ist die Wirkung auf spätere Musik. Drei Fragen entscheiden: Bringt der Titel ein Studioverfahren in die Popmusik? Prägt er eine Spielweise, die andere übernehmen? Setzt er eine Form durch, für die vorher kein Platz war? Zahlen ohne belastbare Quelle bleiben weg.

MerkmalPopuläre Musik der 60er
AufnahmetechnikZweispur, bei EMI ab 1963 Vierspur, ab 1968 Achtspur
KlangformatMono als führende Mischung, ab 1968 Stereo als Regelfall
StudioverfahrenOverdub, Reduktionsmischung, Bandschleife, Rückwärtsaufnahme
TonträgerSingle mit 45 Umdrehungen, Langspielplatte
Feste StudiobandsFunk Brothers in Detroit, Booker T. and the M.G.'s in Memphis
Neue GitarrenklängeRückkopplung, Fuzz, Powerchord
StilrichtungenSoul, Folk und Protestlied, britischer Bluesrock, Psychedelik

Wie löste das Album in den 60ern die Single ab?

Am Anfang des Jahrzehnts trug die Single den Markt, am Ende das Album. Pet Sounds von den Beach Boys erschien im Mai 1966 als geplantes Ganzes: aufeinander bezogene Stücke in festgelegter Reihenfolge. Freak Out! der Mothers of Invention kam im selben Jahr heraus, Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band 1967. Welches davon das erste seiner Art war, ist umstritten.

Wichtiger ist die Folge für die Arbeit: Wer eine Platte als Einheit plant, braucht keine Radiolänge und kann ein Verfahren einsetzen, das für eine Single zu aufwendig wäre.

Wie wurde das Studio in den 60ern zum Instrument?

Eine Mehrspurmaschine nimmt mehrere Signale getrennt nebeneinander auf dasselbe Band auf. Die Band muss deshalb nicht gleichzeitig spielen: Der Sänger legt seine Stimme später über eine fertige Begleitung. Dieser Nachtrag heißt Overdub. EMI stellte 1963 auf vier Spuren um und 1968 auf acht.

Waren alle vier Spuren belegt, mischten die Techniker sie auf eine einzige Spur einer zweiten Maschine zusammen und gewannen so wieder freie Spuren. Jeder solche Durchgang hebt das Rauschen an.

Dazu kamen Eingriffe ins Band. Rückwärts abgespielt steht der Nachklang vorn und der Anschlag am Ende; die Beatles legten 1966 auf Rain eine so abgespielte Gesangsspur an. Für Tomorrow Never Knows von 1966 klebten sie Bandstücke zu endlos laufenden Schleifen; George Martin wählte 16 aus, acht liefen gleichzeitig in die Mischung. John Lennons Stimme lief dabei durch eine Leslie-Box mit rotierendem Schalltrichter, deren Drehung die Tonhöhe fortlaufend verschiebt und die Stimme schwanken lässt.

In den 60ern wurde das Studio vom Aufnahmeraum zum Instrument. Vorher hielt ein Tonband fest, was im Raum geschah. Mit Mehrspurmaschine, Overdub, Bandschleife und Rückwärtsaufnahme entstand Musik, die niemand am Stück spielen konnte. Der Toningenieur wurde damit zum Beteiligten an der Komposition, nicht nur zum Protokollanten.

Technik Stil Jahr VierspurBandschleifeAchtspurStereo SoulFolkBritische WelleFunkPsychedelik 1960196119621963196419651966196719681969
Über der Achse stehen die Schritte der Aufnahmetechnik, darunter die Stilwellen mit dem Jahr ihres Durchbruchs.

Welche Soul-Songs der 60er prägten die Musik danach?

Der Soul der 60er entstand an zwei Orten mit je einer festen Hausband. In Detroit spielten die Funk Brothers von 1959 bis 1972 die Begleitung fast aller Motown-Aufnahmen ein. James Jamerson führte dort den elektrischen Bass melodisch statt nur auf den Grundtönen, und ein Tamburin betont den Nachschlag.

In Memphis arbeitete Stax anders: Booker T. and the M.G.'s wurden dort 1962 zur Hausband, und die Arrangements entstanden im Raum statt auf Notenpapier. Otis Redding schrieb Respect und nahm es 1965 auf; Aretha Franklin nahm es im Februar 1967 für Atlantic neu auf. Außerhalb beider Häuser verschob James Brown 1965 mit Papa's Got a Brand New Bag das Gewicht auf den ersten Schlag des Takts und legte damit den Grund für den Funk.

Was nahm die britische Welle der 60er vom amerikanischen Blues?

Britische Gruppen spielten ab 1964 in den Vereinigten Staaten Musik, die dort zuvor kaum ein weißes Publikum gefunden hatte. Die Rolling Stones griffen dafür auf den Chicagoer Blues zurück: Little Red Rooster stammt von Willie Dixon, Howlin' Wolf nahm es 1961 auf, und die Fassung der Stones stand im Dezember 1964 an der Spitze der britischen Singlecharts.

Aus dem Nachspielen entstanden neue Klänge. Dave Davies schlitzte für You Really Got Me von 1964 den Lautsprecherkegel eines Verstärkers mit einer Rasierklinge auf; das gilt als erster Hit auf Powerchords. Die Beatles ließen im Oktober 1964 am Anfang von I Feel Fine eine Rückkopplung stehen, und Keith Richards spielte das Riff von (I Can't Get No) Satisfaction 1965 über ein Maestro-Fuzzgerät.

Welche Folk- und Protestsongs prägten die 60er?

Im Folk der 60er trägt der Text, und die Begleitung tritt zurück. The Freewheelin' Bob Dylan erschien im Mai 1963 und besteht bis auf ein Stück nur aus Stimme, Akustikgitarre und Mundharmonika. Elf der dreizehn Titel schrieb Dylan selbst, auf seinem Debüt von 1962 waren es zwei.

Der Bruch mit dieser Besetzung fiel ins Jahr 1965. Bringing It All Back Home vom März 1965 zeigt ihn in der Anlage: eine Plattenseite mit Band, die andere allein. Am 25. Juli 1965 trat Dylan beim Newport Folk Festival mit elektrischer Begleitung auf; Buhrufe und Beifall mischten sich.

Wie klingen die psychedelischen Songs am Ende der 60er?

Der psychedelische Rock bestimmte zwischen 1967 und 1969 den Klang der Rockmusik und bündelt die Verfahren des Jahrzehnts: rückwärts laufende Bänder, starker Nachhall, veränderte Bandgeschwindigkeit, lange Soli, Rückkopplung, Wah-Wah und Fuzz sowie Sitar, Tabla und Tanpura. Statt einer Akkordfolge trägt oft ein einziger liegender Ton das Stück.

Good Vibrations von den Beach Boys erschien im Oktober 1966 und zeigt die andere Seite derselben Technik: Brian Wilson nahm kurze Abschnitte in mehreren Studios getrennt auf und schnitt das Stück daraus zusammen. Den hohen schwebenden Ton erzeugt ein Electro-Theremin. Um 1970 ebbte die Welle ab; aus ihr gingen Progressive Rock, Hard Rock und Heavy Metal hervor.

Häufige Fragen zu den besten Songs der 60er

Welche Technik prägte die Songs der 60er?

Die Songs der 60er prägte die Mehrspuraufnahme. Sie nimmt mehrere Signale getrennt auf ein Band auf, sodass eine Stimme später zu einer fertigen Begleitung hinzukommen kann. EMI stellte 1963 auf vier und 1968 auf acht Spuren um. Darauf bauen die übrigen Verfahren auf: Overdub, Reduktionsmischung, Bandschleife und Rückwärtsaufnahme.

Wie löste das Album in den 60ern die Single ab?

Das Album verdrängte in den 60ern die Single als künstlerische Einheit, weil Musiker eine ganze Platte als zusammenhängendes Werk zu planen begannen. Pet Sounds und Freak Out! von 1966 und Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band von 1967 gelten als Wendepunkte.

Welche Rolle spielten feste Studiobands für die Soul-Songs der 60er?

Feste Studiobands gaben den Soul-Songs der 60er ihren wiedererkennbaren Klang. In Detroit spielten die Funk Brothers von 1959 bis 1972 auf fast allen Motown-Aufnahmen, in Memphis waren Booker T. and the M.G.'s ab 1962 die Hausband von Stax. Weil über Jahre dieselben Musiker im selben Raum arbeiteten, klingen Aufnahmen verschiedener Sänger desselben Labels verwandt.

Warum nennt dieser Artikel kaum Chartplatzierungen der 60er-Songs?

Chartplatzierungen aus den 60ern lassen sich schlecht vergleichen, weil mehrere Listen nebeneinander liefen. In Großbritannien führten Record Retailer, New Musical Express, Melody Maker und Disc eigene Erhebungen. In den Vereinigten Staaten setzte Billboard seine Rhythm-and-Blues-Liste vom 30. November 1963 bis zum 23. Januar 1965 ganz aus. Dieser Artikel wählt deshalb nach Wirkung aus.

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