Die Shamisen ist ein japanisches Zupfinstrument mit drei Saiten, einem Korpus aus beidseitig bespannter Tierhaut oder Kunststoff und einem langen, bundlosen Hals. Gespielt wird sie mit einem großen, breiten Plektrum, dem Bachi, das die Saiten anschlägt und dabei oft auch das Fell des Korpus trifft. Das Instrument stammt vom chinesischen Sanxian ab, das im 16. Jahrhundert über die Ryukyu-Inseln nach Japan kam und sich dort zur Shamisen weiterentwickelte. Je nach Halsdicke unterscheidet die Bauweise drei Typen, vom schlanken Hosozao bis zum kräftigen Futozao. Bis heute begleitet die Shamisen das Kabuki-Theater und das Bunraku-Puppentheater und trägt als Tsugaru-jamisen einen eigenen virtuosen Solostil.
Wie ist die Shamisen aufgebaut?
Die Shamisen besteht aus drei Teilen: dem Korpus (Dō), dem Hals (Sao) und den drei Saiten (Ito). Der Dō ist ein quadratischer Holzrahmen aus vier leicht gewölbten Segmenten, der auf Vorder- und Rückseite mit einer straff gespannten Haut bezogen ist, traditionell Katzen- oder Hundehaut, bei einfacheren und lauteren Ausführungen heute meist Kunststoff. Diese beidseitige Bespannung unterscheidet die Shamisen von den meisten anderen Lauteninstrumenten, deren Decke aus Holz besteht. Der lange Hals trägt keine Bünde: Die linke Hand drückt die Saiten direkt auf das Holz. Am oberen Ende sitzen drei Wirbel (Itomaki), am unteren Ende der Saiten liegt der Steg (Koma) auf dem Fell, meist aus Elfenbein oder Holz gefertigt. Bei vielen Modellen lässt sich der Hals in drei Teile zerlegen (Mitsuori-Sao), was Transport und Lagerung erleichtert; einteilige Hälse heißen Nobezao.
| Merkmal | Shamisen |
|---|---|
| Familie | Lauteninstrument, gezupft, ohne Bünde |
| Saitenzahl | 3 |
| Korpus | Holzrahmen, beidseitig mit Fell bespannt (Katze, Hund oder Kunststoff) |
| Hals | lang, bundlos, oft dreiteilig zerlegbar (Mitsuori-Sao) |
| Anschlag | großes Plektrum (Bachi) aus Holz, Elfenbein oder Kunststoff |
| Bauformen | Hosozao (dünn), Chuzao (mittel), Futozao (dick) |
| Herkunft | chinesisches Sanxian, über Okinawa im 16. Jahrhundert nach Japan |
Der schnarrende Ton der Shamisen entsteht am Hals, nicht an der Saite. Direkt unter dem oberen Steg schleift die dickste Saite über eine flache Kerbe im Holz. Schwingt die Saite, schlägt sie leicht gegen diese Erhöhung und erzeugt einen metallischen Brummton, den Sawari. Ohne diese Kerbe klänge die Shamisen sauberer, aber auch unauffälliger.
Woher stammt die Shamisen?
Die Shamisen geht auf das chinesische Sanxian zurück, ein ebenfalls dreisaitiges Lauteninstrument mit Schlangenhaut-Bespannung. Händler brachten das Sanxian im 16. Jahrhundert auf die Ryukyu-Inseln im heutigen Okinawa, wo daraus das kleinere Sanshin entstand, das bis heute in der okinawanischen Musik in Gebrauch ist. Von dort gelangte das Instrument über Handelswege in die japanische Hafenstadt Sakai bei Osaka und verbreitete sich von dort auf dem japanischen Festland. Dort ersetzten Baumeister die Schlangenhaut durch Katzen- oder Hundehaut, vergrößerten den Korpus und entwickelten das Instrument zur heutigen Shamisen weiter. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde sie zum festen Bestandteil der Theater- und Unterhaltungsmusik in den japanischen Städten.
Welche Bauformen der Shamisen gibt es?
Die drei Bauformen der Shamisen unterscheiden sich in der Dicke des Halses und im Einsatzbereich.
- Hosozao: der dünnste Hals, leicht und wendig, typisch für Nagauta-Musik im Kabuki-Theater sowie für Kouta und Hauta, kurze lyrische Lieder.
- Chuzao: mittlere Halsdicke, vielseitig einsetzbar, verbreitet in Jiuta, der klassischen Kammermusik, und in Min'yō, der japanischen Volksmusik.
- Futozao: der dickste und schwerste Hals, gebaut für kräftigen Anschlag, Standard im Bunraku-Begleitgesang Gidayu-bushi und im Tsugaru-jamisen.
Die Bauform bestimmt nicht nur die Lautstärke, sondern auch das Gewicht der Saiten und die Härte des Bachi, mit dem die jeweilige Musik gespielt wird.
Wie spielt man die Shamisen?
Die rechte Hand führt den Bachi, ein großes, fächerförmiges Plektrum aus Holz, Elfenbein oder Kunststoff, in einer schwungvollen Bewegung gegen die Saiten. Beim Uchi-Anschlag schlägt der Bachi von oben auf die Saite und trifft dabei auch das Fell, was den perkussiven Grundcharakter der Shamisen erzeugt. Beim Sukui-Anschlag führt der Spieler den Bachi von unten nach oben durch die Saite für einen weicheren Ton. Die linke Hand drückt die Saiten direkt auf den bundlosen Hals. Da keine Bünde die Tonhöhe vorgeben, muss der Spieler jede Position nach Gehör und Fingergefühl treffen, was Gleittöne und feine Tonhöhenkorrekturen erlaubt, wie sie ein Instrument mit Bünden nicht bietet, etwa die verwandte Biwa mit ihren vier bis sechs hohen Bünden. Vor dem Spiel stimmt der Musiker die drei Saiten in einer von drei Grundstimmungen: Honchōshi als Grundstimmung, Niagari mit angehobener mittlerer Saite und Sansagari mit abgesenkter dünnster Saite.
Welche Musik prägt die Shamisen?
Im Kabuki-Theater begleitet die Shamisen im Stil Nagauta Gesang und Bühnengeschehen und liefert damit seit Jahrhunderten die musikalische Grundlage vieler Stücke. Im Bunraku-Puppentheater trägt sie im Stil Gidayu-bushi den dramatischen Sprechgesang, gespielt auf dem kräftigen Futozao. In der Kammermusik Jiuta bildet die Shamisen zusammen mit der Koto und der Bambusflöte Shakuhachi das Ensemble Sankyoku, das seit der Edo-Zeit die städtische Salonmusik prägt. Im Norden Japans entwickelten wandernde Musiker in der Region Tsugaru im späten 19. Jahrhundert einen eigenen, perkussiven Spielstil: Sie schlugen die Saiten hart wie ein Schlaginstrument an, um auf der Straße gegen Umgebungslärm gehört zu werden. Aus dieser Praxis wurde ab den 1960er-Jahren der virtuose Solostil Tsugaru-jamisen, den Duos wie die Yoshida Brothers seit den 1990er-Jahren auch außerhalb Japans bekannt gemacht haben.
Häufige Fragen zur Shamisen
Hat die Shamisen Bünde?
Nein, die Shamisen hat keine Bünde. Der Hals bleibt glatt, und die linke Hand drückt die Saiten direkt auf das Holz. Die Tonhöhe ergibt sich allein aus der Fingerposition, die der Spieler nach Gehör findet, was Gleittöne und feine Korrekturen erlaubt.
Woraus besteht das Fell der Shamisen?
Das Fell der Shamisen besteht traditionell aus Katzen- oder Hundehaut, die den Korpus auf Vorder- und Rückseite bespannt. Wegen des hohen Preises und aus Rücksicht auf den Tierschutz setzen Hersteller heute zunehmend Kunststofffolien ein, vor allem bei günstigeren Instrumenten für Einsteiger.
Was unterscheidet Hosozao, Chuzao und Futozao?
Hosozao, Chuzao und Futozao unterscheiden sich in der Dicke des Halses und damit im Klang: Der schlanke Hosozao passt zu leiser, filigraner Nagauta-Musik, der mittlere Chuzao zu Jiuta und Volksliedern, der kräftige Futozao zum lauten Gidayu-bushi und zum perkussiven Tsugaru-jamisen.
Was ist Tsugaru-jamisen?
Tsugaru-jamisen ist ein virtuoser Solostil der Shamisen, der im 19. Jahrhundert bei wandernden Straßenmusikern in der Region Tsugaru im Norden Japans entstand. Gespielt wird er auf dem kräftigen Futozao-Hals mit hartem, perkussivem Anschlag und viel Improvisation. Seit den 1990er-Jahren machten Duos wie die Yoshida Brothers den Stil auch international bekannt.




