Slide-Gitarre

3 Min. Lesezeit
Bild: Daniel Ridge / Shutterstock.com
Bild: Daniel Ridge / Shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Slide-Gitarre bezeichnet keine eigenständige Bauform, sondern eine Spieltechnik auf einer normalen, resonatorverstärkten oder Lap-Steel-Gitarre: Statt die Saiten mit den Fingern auf dem Griffbrett zu greifen, gleitet der Spieler mit einem Röhrchen aus Metall oder Glas über die Saiten und erzeugt so einen charakteristischen, gleitenden Glissando-Klang.

Die Slide-Gitarre bezeichnet keine eigenständige Bauform, sondern eine Spieltechnik auf einer normalen, resonatorverstärkten oder Lap-Steel-Gitarre: Statt die Saiten mit den Fingern auf dem Griffbrett zu greifen, gleitet der Spieler mit einem Röhrchen aus Metall oder Glas über die Saiten und erzeugt so einen charakteristischen, gleitenden Glissando-Klang. Ihre Wurzeln liegen im Blues des amerikanischen Südens, insbesondere im Mississippi-Delta, wobei zusätzlich Einflüsse der hawaiischen Steel-Gitarre eine wichtige Rolle spielten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA populär wurde. Die Slide-Technik wird heute in zahlreichen Musikstilen eingesetzt, von Blues und Country über Southern Rock bis hin zu Jazz.

Wie klingt die Slide-Gitarre?

Die Slide-Gitarre hat einen einzigartigen, warmen und weichen Klang mit einer typisch bluesigen, klagenden Note. Weil der Slide anders als ein gegriffener Bund stufenlos zwischen den Tönen gleiten kann, entstehen die charakteristischen Glissandi und Vibrati, die dem Instrument seinen unverwechselbaren, gesanglichen Ausdruck verleihen. Der Klang reicht von sanften, klagenden Tönen bis zu lauten, schneidenden Rocksounds, je nachdem, ob eine akustische, elektrische oder Resonatorgitarre verwendet wird.

Woraus besteht die Slide-Gitarre?

Eine Slide-Gitarre ist baulich meist eine ganz normale Akustik-, Resonator- oder Lap-Steel-Gitarre, "Slide-Gitarre" bezeichnet also primär die Spielweise, nicht eine eigene Bauform. Der Korpus besteht üblicherweise aus Holz und dient als Resonanzkörper, während bei Resonatorgitarren (Dobro, National) zusätzlich eine oder mehrere Metallmembranen im Korpus den Klang verstärken. Der wesentliche Unterschied zum konventionellen Gitarrenspiel liegt nicht im Instrument selbst, sondern im verwendeten Hilfsmittel: dem Slide, einem Röhrchen aus Metall, Glas oder gelegentlich Porzellan, das über einen Finger der linken Hand (bei Rechtshändern meist den kleinen Finger oder Ringfinger) gestreift wird. Häufig werden Slide-Gitarren zusätzlich in einer offenen Stimmung (Open Tuning, etwa Open G oder Open D) gestimmt, bei der die leeren Saiten bereits einen vollständigen Akkord ergeben, sodass sich mit dem Slide allein durch Verschieben entlang des Griffbretts verschiedene Akkorde spielen lassen.

Wie spielt man die Slide-Gitarre?

Beim Spiel wird der Slide nicht auf eine einzelne Saite gelegt, sondern quer über mehrere oder alle Saiten gleichzeitig geführt, während die rechte Hand die Saiten wie gewohnt zupft oder anschlägt. Der Slide berührt die Saiten dabei nur leicht, ohne sie, wie beim normalen Greifen, bis auf das Griffbrett herunterzudrücken; zu starker Druck dämpft den Klang und erzeugt unerwünschte Nebengeräusche. Die exakte Tonhöhe ergibt sich aus der Position des Slides direkt über dem jeweiligen Bund, weshalb Slide-Gitarristen ein sehr präzises Gehör für Intonation entwickeln müssen. Metallslides erzeugen tendenziell einen härteren, helleren Klang, während Glas- oder Porzellanslides wärmer und runder klingen; viele Spieler wechseln je nach Musikstil zwischen beiden Materialien.

Typische Musikstile mit der Slide-Gitarre

Die Slide-Technik ist untrennbar mit dem Delta-Blues verbunden, wo Pioniere wie Son House und Robert Johnson sie in den 1920er- und 1930er-Jahren prägten, und lebt bis heute im Chicago-Blues, im Southern Rock und in zahlreichen Rock- und Country-Spielarten weiter. Auch die hawaiische Steel-Gitarrenmusik, aus der Elemente der Open-Tuning-Technik stammen, zählt zu den wichtigen Einflussquellen. In der Bottleneck-Tradition des akustischen Country-Blues wurde häufig improvisatorisch ein abgebrochener Flaschenhals als Slide verwendet, woher die im Englischen gebräuchliche Bezeichnung "Bottleneck Guitar" stammt.

Bekannte Lieder mit der Slide-Gitarre

1. "Statesboro Blues" von The Allman Brothers Band: eines der bekanntesten Slide-Gitarren-Stücke überhaupt, geprägt von Duane Allmans virtuosem Slide-Spiel und ein Klassiker des Southern Rock. 2. "Layla" von Derek and the Dominos (1970): Der berühmte, gleitende Slide-Gitarren-Part im Coda-Teil des Songs stammt nicht von Eric Clapton, sondern von Duane Allman, der als Gastmusiker an den Aufnahmen beteiligt war, eine der bekanntesten Slide-Passagen der Rockgeschichte. 3. "Dust My Broom" von Elmore James (1951): Mit seinem markanten, sofort wiedererkennbaren Slide-Riff gilt der Song als eines der einflussreichsten und meistkopierten Slide-Gitarren-Stücke der Bluesgeschichte. 4. "Trouble No More" von Muddy Waters: ein Klassiker des elektrischen Chicago-Blues mit prägnantem Slide-Spiel. 5. "My Sweet Lord" von George Harrison (1970): geprägt von Harrisons charakteristischem Slide-Gitarrenspiel, das er nach dem Ende der Beatles zu seinem musikalischen Markenzeichen entwickelte.

Weitere Artikel in Saiteninstrumente

Sopran-Mandoline

Sopran-Mandoline

Die Sopran-Mandoline, meist einfach "Mandoline" genannt, ist ein gezupftes Saiteninstrument aus der Lautenfamilie und bildet die höchste, führende Stimme in der Mandolinenfamilie, zu der auch die tieferen Mandola, Mandocello und Mandobass gehören. Sie entstand Mitte des 18. Jahrhunderts in Neapel, wo vor allem die Instrumentenbauerfamilie Vinaccia die bis heute als "neapolitanisch" bekannte Bauform mit gewölbtem Rippenboden prägte.

Stagg Westerngitarre

Stagg Westerngitarre

Stagg ist ein Hersteller diverser Musikinstrumente. Gegründet im Jahre 1995, produziert das belgische Unternehmen seit jeher sowohl Gitarren, als auch Bässe, Mandolinen, Schlagzeuge und Blasinstrumente. Internationaler Erfolg gilt jedoch vor allem der Stagg Westerngitarre. Zahlreiche Modelle werden in verschiedenen Orten produziert und überall auf der Welt verkauft.

Stahlgitarre

Stahlgitarre

Die Stahlgitarre ist keine Gitarre aus Metall, sondern eine Gitarre, die mit einem kleinen, handgehaltenen Metallstab, dem sogenannten "Steel" oder Tonstab, gespielt wird; der Name bezieht sich also auf dieses Hilfsmittel, nicht auf das Baumaterial des Instruments. Erfunden wurde diese Spieltechnik Ende des 19. Jahrhunderts auf Hawaii, wo der Gitarrist Joseph Kekuku in den 1880er und 1890er Jahren erstmals einen Metallgegenstand über die liegenden Saiten seiner Gitarre gleiten ließ.

Stimmgeräte für Gitarren

Ein Stimmgerät für Gitarren misst die Frequenz einer Saite und vergleicht sie mit dem Kammerton A bei 440 Hz. Vier Bauarten sind gebräuchlich: das Clip-Stimmgerät am Kopf der Gitarre, das Mikrofon- oder Standgerät für akustische Instrumente ohne Tonabnehmer, das stummschaltbare Pedal-Stimmgerät in der Signalkette der E-Gitarre und die App auf dem Smartphone. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie sie den Ton aufnehmen und wie zuverlässig sie in lauter Umgebung arbeiten.