Das Arpeggione ist ein seltenes Streichinstrument, das 1823 in Wien vom Instrumentenbauer Johann Georg Staufer erfunden wurde. Es gilt als Bogengitarre: Körperform, Bünde und die sechs Saiten erinnern an eine Gitarre, gespielt wird es aber aufrecht zwischen den Knien und mit einem Bogen gestrichen, ganz wie ein Cello. Es hat einen tiefen, warmen Klang, der sich gut für romantische Musik eignet. Populär wurde es vor allem durch Franz Schuberts "Sonate für Arpeggione und Klavier" (D. 821) von 1824, die bis heute das bekannteste Werk für das Instrument ist. Weil es kompliziert zu spielen und schwer zu meistern war, geriet das Arpeggione schon wenige Jahrzehnte nach seiner Erfindung wieder in Vergessenheit; heute wird es fast ausschließlich zur historisch informierten Aufführung von Schuberts Sonate wiederbelebt, meist von Cellistinnen, Cellisten oder Gambenspielern.
Wie klingt das Arpeggione?
Der Klang des Arpeggione ist einzigartig und unverwechselbar. Als gestrichenes Instrument hat es einen warmen, weichen und vollen Ton, der zwischen Cello und Gitarre changiert. Der Klang ist sehr melodisch und hat eine leichte Resonanz, die sich durch die gesamte Länge des Instruments erstreckt. Es besitzt eine reiche, vollständige Klangpalette von tiefen, dunklen Tönen bis hin zu helleren, klareren Lagen. Weil der Bogen die Saiten anders anregt als gezupfte Saiten, klingt das Arpeggione runder und gesangvoller als eine Gitarre, bleibt dabei aber durch die Bünde intonatorisch präziser als ein bundloses Streichinstrument.
Woraus besteht das Arpeggione?
Das Arpeggione ist ein sechssaitiges Streichinstrument mit einem Korpus, der stark an eine Gitarre erinnert, aber wie bei einem Cello eine gewölbte Decke besitzt, damit der Bogen über die Saiten geführt werden kann. Der Hals ist mit Bünden aus Metall versehen, ähnlich wie bei einer Gitarre, was das Arpeggione von bundlosen Streichinstrumenten wie Cello oder Violine unterscheidet. Der Korpus ist ein hölzerner, tailliert geformter Resonanzkasten mit Schalllöchern, der an einer Seite offen ist, um den Klang zu verstärken. Der Steg hält die sechs Saiten in der für Streichinstrumente typischen, leicht gewölbten Anordnung, damit jede Saite einzeln mit dem Bogen angestrichen werden kann. Gestimmt wird das Arpeggione in guter Annäherung wie eine sechssaitige Gitarre, was Gitarristen den Einstieg erleichterte.
Wie spielt man das Arpeggione?
Das Arpeggione wird trotz seines gitarrenähnlichen Aussehens wie ein Cello gespielt: Es steht aufrecht zwischen den Knien des Spielers, der es mit einem Bogen streicht statt zu zupfen. Die linke Hand greift die sechs Saiten auf dem mit Metallbünden versehenen Griffbrett, ganz ähnlich wie bei einer Gitarre, die Bünde erleichtern das saubere Greifen von Tönen und Akkorden erheblich gegenüber bundlosen Streichinstrumenten. Die rechte Hand führt den Bogen über die Saiten und erzeugt so den charakteristischen, gesanglichen Ton.
Weil Arpeggien, schnell aufeinanderfolgende, gestrichene Einzeltöne eines Akkords, auf diesem Instrument besonders gut und namensgebend gelingen, verdankt es ihnen seinen Namen. Für die rechte Hand ist die Bogenführung entscheidend: Sie bestimmt Lautstärke, Klangfarbe und Artikulation.
Weil das Arpeggione die Bundierung der Gitarre mit der Bogentechnik des Cellos verbindet, mussten Spielerinnen und Spieler beide Techniken gleichzeitig beherrschen, eine der Ursachen, warum sich das Instrument nie dauerhaft durchsetzte. Wer heute Arpeggione lernt, kommt meist vom Cello oder von der Gambe und muss sich vor allem an die Bünde und die Gitarrenstimmung gewöhnen.
Typische Musikstile mit dem Arpeggione
Das Arpeggione hatte nur eine sehr kurze Blütezeit: Es wurde 1823 erfunden und war spätestens um 1830 schon wieder aus der Mode gekommen. Sein musikalisches Erbe beruht praktisch vollständig auf einem einzigen Werk, Franz Schuberts Sonate für Arpeggione und Klavier D. 821, die er 1824 eigens für das damals neue Instrument komponierte. Heute wird dieses Werk fast ausschließlich auf modernen Instrumenten wie Cello, Viola oder Kontrabass gespielt, weil kaum noch spielbare historische Arpeggioni erhalten sind. Nur wenige spezialisierte Musikerinnen und Musiker der historischen Aufführungspraxis spielen die Sonate heute noch auf originalgetreu nachgebauten Instrumenten. Außerhalb dieses einen Werks existiert kaum nennenswertes Repertoire für das Arpeggione.
Bekannte Lieder mit dem Arpeggione
Das einzige bedeutende und bis heute regelmäßig aufgeführte Werk für das Arpeggione ist Franz Schuberts Sonate für Arpeggione und Klavier in a-Moll, D. 821, komponiert 1824. Entgegen mancher Behauptungen existieren keine "Arpeggione-Sonaten" von Brahms, Debussy, Bach oder Beethoven, diese Komponisten haben nie für das Instrument geschrieben. Schuberts Sonate wird heute meist auf Cello oder Viola gespielt und gilt als eines der schönsten Kammermusikwerke der Romantik, obwohl (oder gerade weil) das Instrument, für das sie ursprünglich komponiert wurde, längst aus der Mode gekommen ist.




