Baglama (Saz)

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Redaktion
A Turkish baglama saz: pear-shaped spruce body. Bild: KI generiert.
A Turkish baglama saz: pear-shaped spruce body. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Die Bağlama, auch Saz genannt, ist ein traditionelles türkisches Zupfinstrument aus der Familie der Langhalslauten, das seit Jahrhunderten die türkische und weiter gefasst die anatolische und balkanische Volksmusik prägt. Sie besteht aus einem birnenförmigen Korpus, der meist aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt wird, einem langen Hals mit aufgebundenen Bünden und einer flachen Holzdecke.

Die Bağlama, auch Saz genannt, ist ein traditionelles türkisches Zupfinstrument aus der Familie der Langhalslauten, das seit Jahrhunderten die türkische und weiter gefasst die anatolische und balkanische Volksmusik prägt. Sie besteht aus einem birnenförmigen Korpus, der meist aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt wird, einem langen Hals mit aufgebundenen Bünden und einer flachen Holzdecke. Anders als gelegentlich behauptet wird sie ausschließlich gezupft oder mit einem Plektrum (türkisch "tezene") angeschlagen, ein Bogen kommt bei der Bağlama nie zum Einsatz. Je nach Bauform besitzt sie sechs oder sieben Saiten, die in zwei oder drei Saitenchören angeordnet sind. Die Bağlama ist ein zentrales Instrument der türkischen Volksmusik und wird in vielen verschiedenen Größen gebaut, von der kleinen Cura bis zum großen Divan Sazı.

Wie klingt die Baglama?

Die Bağlama/Saz hat einen warmen, obertonreichen und leicht schwirrenden Klang, der stark von den mehrfach besaiteten Chören geprägt wird: Weil mehrere Saiten fast gleichzeitig, aber nie exakt synchron schwingen, entsteht ein charakteristisches, leicht schwebendes Timbre. Der Klang ist sehr ausdrucksstark und trägt sowohl getragene, melancholische Melodien als auch schnelle, rhythmische Tanzstücke. Durch die feine Bundierung, die auch Vierteltonschritte der türkischen Makam-Musik ermöglicht, klingt die Bağlama unverwechselbar anders als europäische Zupfinstrumente wie Gitarre oder Mandoline. Sie eignet sich sowohl für traditionelle türkische Volksmusik als auch für moderne Fusion-, Rock- und Weltmusikprojekte.

Woraus besteht die Baglama?

Die Bağlama/Saz besteht aus einem birnenförmigen Korpus, der traditionell aus einem einzigen Stück Holz, meist Maulbeere, Ahorn, Walnuss oder Wacholder, herausgeschnitzt oder aus gebogenen Holzspänen zusammengesetzt wird. Die Decke besteht, anders als bei manchen Trommeln oder Lauten mit Fell-Resonanz, aus dünnem, massivem Weichholz, meist Fichte, eine Tierhaut kommt bei der Bağlama nicht zum Einsatz. Der lange, dünne Hals trägt bewegliche, aufgebundene Bünde aus Darm- oder heute meist Nylonschnur, die sich verschieben lassen und so auch die für die türkische Musik typischen Vierteltonschritte ermöglichen. Am Kopf des Instruments sitzen sechs oder sieben Stimmwirbel für ebenso viele Saiten, die in zwei oder drei Chören zu je zwei oder drei Saiten gruppiert sind. Die Saiten bestehen heute meist aus Stahl oder umsponnenem Metall und laufen über einen einfachen, auf die Decke geklebten Steg zu einem Saitenhalter am unteren Ende des Korpus.

Je nach Region und Musikstil wird die Bağlama in unterschiedlichen Stimmungen gespielt, etwa der weit verbreiteten "Bağlama-Düzeni" oder der "Bozuk-Düzeni". Die Chöre sind meist unisono oder in der Oktave gestimmt, was dem Klang zusätzliche Fülle verleiht. Kleinere Bauformen wie die Cura klingen heller und werden oft in Ensembles als hohe Stimme eingesetzt, während größere Bauformen wie der Divan Sazı einen tieferen, volleren Klang liefern.

Wie spielt man die Baglama?

Die Bağlama wird meist im Sitzen gespielt, wobei der Korpus auf dem rechten Oberschenkel ruht und der Hals leicht schräg nach oben zeigt. Die linke Hand umgreift den Hals von unten und greift mit den Fingerspitzen die Saiten auf den Bünden, während die rechte Hand mit einem Plektrum oder mit bloßen Fingern über die Saiten schlägt oder zupft.

Eine besonders charakteristische Technik ist das sogenannte "Şelpe"-Spiel, bei dem sowohl mit dem Daumen als auch mit den übrigen Fingern der rechten Hand gleichzeitig Melodie- und Begleitstimmen gespielt werden, ähnlich einem gitarristischen Fingerstyle. Häufiger ist jedoch das Spiel mit dem Plektrum, bei dem schnelle Auf- und Abwärtsbewegungen charakteristische, tremoloartige Klangmuster erzeugen.

Weil viele Bünde beweglich aufgebunden sind, lassen sich auf der Bağlama auch die Vierteltonschritte der türkischen Makam-Musik spielen, die auf europäischen, fest bundierten Instrumenten wie der Gitarre nicht möglich sind. Das Erlernen dieser mikrotonalen Feinheiten erfordert viel Gehörschulung und Übung.

Die Bağlama kann sowohl solistisch als auch zur Begleitung von Gesang eingesetzt werden und ist fester Bestandteil sowohl der traditionellen Aşık- und Volksmusiktradition als auch moderner türkischer Popmusik.

Typische Musikstile mit der Baglama

Die Bağlama ist das zentrale Instrument der anatolischen Aşık-Tradition, in der wandernde Sänger-Dichter (Aşıklar) Geschichten, Legenden und Liebeslieder zur eigenen Begleitung vortragen. Diese Tradition reicht Jahrhunderte zurück und lebt bis heute in ländlichen Regionen der Türkei fort. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt die Bağlama auch Einzug in die türkische Popmusik, wo Künstlerinnen und Künstler sie mit westlichen Instrumenten wie E-Gitarre, Bass und Schlagzeug kombinierten und so einen eigenständigen anatolischen Rock- und Popstil prägten. Verwandte Langhalslauten der Saz-Familie finden sich unter verschiedenen Namen auch auf dem Balkan und im gesamten Nahen Osten, etwa als Tambura, was die enge kulturelle Verflechtung dieser Instrumentenfamilie über Ländergrenzen hinweg zeigt.

Bekannte Lieder mit der Baglama

Kaum ein Musiker steht so sehr für die Bağlama wie der legendäre Aşık Veysel Şatıroğlu, dessen Lied "Kara Toprak" zu den bekanntesten Stücken der türkischen Volksmusik überhaupt zählt und bis heute in nahezu jedem Bağlama-Unterricht eine Rolle spielt. Auch in der modernen türkischen Popmusik greifen Künstlerinnen und Künstler wie Barış Manço immer wieder auf den charakteristischen Klang der Bağlama zurück, um traditionelle und zeitgenössische Klangwelten zu verbinden. Wer das Instrument kennenlernen möchte, findet in den Aufnahmen von Aşık Veysel den besten Einstieg in seinen unverwechselbaren, jahrhundertealten Klang.

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