Bağlama (Saz)

6 Min. Lesezeit
A Turkish baglama saz: pear-shaped spruce body. Bild: KI generiert.
A Turkish baglama saz: pear-shaped spruce body. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Die Bağlama, auch Saz genannt, ist eine türkische Langhalslaute mit birnenförmigem Korpus und beweglich aufgebundenen Bünden, die eine ganze Familie von Bauformen von der Cura bis zum Divan Sazı umfasst. Weil ihre Bünde nicht fest eingelassen, sondern verschiebbar gebunden sind, spielt sie mikrotonale Zwischentöne der türkischen Makam-Musik, die auf Instrumenten mit festen Bünden wie der Gitarre nicht liegen. Sie trägt die Aşık-Tradition anatolischer Sänger-Dichter, die alevitischen Semah-Zeremonien und die moderne türkische Volks- und Popmusik.

Die Bağlama, auch Saz genannt, ist eine türkische Langhalslaute mit birnenförmigem Korpus, langem, dünnem Hals und beweglich aufgebundenen Bünden. Der Name bezeichnet zugleich eine ganze Familie von Bauformen unterschiedlicher Größe, von der kleinen Cura bis zum großen Divan Sazı. Weil die Bünde aus Nylon- oder Darmschnur nicht fest eingelassen, sondern verschiebbar um den Hals gebunden sind, erreicht die Bağlama mikrotonale Zwischentöne, die auf Instrumenten mit festen Metallbünden wie der Gitarre nicht spielbar sind. Sie begleitet seit Jahrhunderten die Verse der anatolischen Aşık-Sänger, trägt die religiösen Semah-Zeremonien der Aleviten und steht heute ebenso in der modernen türkischen Volks- und Popmusik.

3Saitenchöre
7Saiten in Standardbesetzung
beweglichBundschnüre für Mikrotöne
3Baugrößen: Cura, Bağlama, Divan Sazı

Wie ist die Bağlama aufgebaut?

Die Bağlama vereint einen birnenförmigen Korpus, einen langen, schmalen Hals mit beweglichen Bünden und meist sieben Saiten auf Stimmwirbeln am Kopf. Der Korpus besteht meist aus einem einzigen, in Form geschnitzten Stück Holz, etwa Maulbeere, Walnuss, Wacholder oder Ahorn, und trägt eine dünne Decke aus Fichtenholz statt einer bespannten Tierhaut. Der Hals trägt heute meist Nylonschnüre als Bünde, die der Spieler oder Instrumentenbauer um den Hals bindet, statt sie fest einzulassen. Ein einfacher, auf die Decke geklebter Steg führt die Saiten zu einem Saitenhalter am unteren Ende des Korpus.

MerkmalBağlama
FamilieLanghalslaute, Zupfinstrument
KorpusBirnenförmig, meist aus einem Stück Holz geschnitzt
DeckeDünnes Fichtenholz, keine Tierhaut
BündeBeweglich gebundene Nylon- oder Darmschnüre
SaitenMeist sieben Saiten in drei Chören (2-2-3)
AnschlagPlektrum (Tezene) oder Fingertechnik (Şelpe)
HerkunftAnatolien, Türkei

Welche Baugrößen hat die Bağlama-Familie?

Die Bağlama-Familie reicht von der kleinen Cura bis zum großen Divan Sazı und unterscheidet sich vor allem in Korpusgröße und Halslänge, nicht im Grundaufbau. Die Cura ist mit einer Gesamtlänge von etwa 55 bis 60 Zentimetern die kleinste gebräuchliche Bauform und klingt entsprechend hell; in Ensembles übernimmt sie oft die hohe Begleitstimme. Die Bağlama in Standardgröße mit langem Hals ist die im Alltag am weitesten verbreitete Form und gibt der ganzen Familie ihren Namen. Der Divan Sazı besitzt einen größeren Korpus und eine längere Mensur als die Standardgröße und zählt zu den größten gebräuchlichen Bauformen; sein Klang ist voller und tiefer, weshalb er eher in der türkischen Kunstmusik zum Einsatz kommt. Weil Bezeichnungen und Größengrenzen von Region zu Region und von Baumeister zu Baumeister variieren, ordnen nicht alle Quellen dieselben Maße denselben Namen zu.

Cura kurzer Hals, heller Klang Bağlama Standardgröße, meistgespielt Divan Sazı größter Korpus, tiefster Klang
Cura, Bağlama und Divan Sazı folgen demselben Bauprinzip und unterscheiden sich vor allem in Korpusgröße und Halslänge.

Wie sind die Saiten der Bağlama gestimmt?

Die Bağlama trägt in der Standardbesetzung sieben Saiten in drei Chören, aufgeteilt in zwei, zwei und drei Saiten. Musiker stimmen die Saiten eines Chors meist unisono oder in der Oktave. Zwei Stimmsysteme sind gebräuchlich: die Bağlama-Düzeni, häufiger auf kurzhalsigen Bauformen und in Begleitstücken verwendet, und die Bozuk-Düzeni, auch Kara-Düzeni genannt, die vor allem auf der langhalsigen Bağlama und im breiten Repertoire der Volksmusik erklingt. Weil die Saiten eines Chors nicht perfekt synchron schwingen, entsteht ein obertonreicher, leicht schwebender Klang, der die Bağlama von einzelsaitig bespielten Zupfinstrumenten unterscheidet.

Warum spielt die Bağlama Töne, die einer Gitarre fehlen?

Bei der Bağlama liegen Nylon- oder Darmschnüre als Bünde um den Hals, statt fest eingelassener Metallbünde, wie sie eine Gitarre trägt. Ein Spieler oder Instrumentenbauer bindet diese Schnüre beweglich und verschiebt jeden Bund um einen sogenannten Komma-Schritt, um genau die Zwischentöne der türkischen Makam-Musik zu treffen, die zwischen den Halbtönen einer gleichstufig gestimmten Gitarre liegen. Auf einer Gitarre bleiben diese Zwischentöne unerreichbar, ohne die Saite zu biegen oder das Griffbrett umzubauen. Eine ähnliche Lösung nutzt die persische Setar, deren ebenfalls bewegliche Darmbünde die Mikrotöne der persischen Dastgah-Modi ermöglichen, wenngleich beide Instrumente unterschiedlichen Modalsystemen folgen.

Bewegliche Bünde machen die Bağlama mikrotonal spielbar. Weil die Bundschnüre verschiebbar sind, erreicht sie Zwischentöne der türkischen Makam-Musik, die auf fest bundierten Instrumenten wie der Gitarre nicht liegen.

Wie spielt man die Bağlama?

Die Bağlama liegt beim Spielen auf dem rechten Oberschenkel, der Hals zeigt schräg nach oben, und die linke Hand umgreift ihn von unten, um die Saiten auf den beweglichen Bünden zu greifen. Die rechte Hand führt meist ein flexibles Plektrum, die Tezene, mit schnellen Auf- und Abwärtsbewegungen, die ein tremoloartiges Klangbild erzeugen. Bei der Fingertechnik Şelpe verzichtet der Spieler auf das Plektrum und schlägt, zupft und klopft die Saiten mit beiden Händen zugleich an, wodurch Melodie- und Begleitstimme gleichzeitig erklingen, ähnlich dem gitarristischen Fingerstyle. Weil die beweglichen Bünde je nach Stück und Region anders sitzen können, verlangt das genaue Treffen der Zwischentöne viel Gehörschulung.

Welche Musik prägt die Bağlama?

Die Bağlama trägt die Aşık-Tradition anatolischer Sänger-Dichter, die eigene Verse, Erzählungen und Liebeslieder zur eigenen Begleitung vortragen; der blinde Aşık Veysel Şatıroğlu gilt mit seinem Lied Kara Toprak als einer der bekanntesten Vertreter dieser Tradition. In den religiösen Zeremonien der Aleviten begleitet die Bağlama den Semah, den rituellen Tanz, sowie die Gattungen Deyiş und Nefes, gesungene Bekenntnis- und Lobtexte des alevitisch-bektaşitischen Glaubens. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt die Bağlama auch in die türkische Pop- und Rockmusik Einzug: Musiker wie Barış Manço verbanden ihren Klang mit E-Gitarre, Bass und Schlagzeug zu einem eigenständigen anatolischen Rockstil. Verwandte Langhalslauten mit ähnlichem Aufbau finden sich unter anderen Namen auch in Zentralasien, etwa beim zweisaitigen Dutar, den seine Spieler ausschließlich mit den Fingern zupfen, nie mit einem Plektrum.

Häufige Fragen zur Bağlama

Was ist der Unterschied zwischen Bağlama und Saz?

Zwischen Bağlama und Saz besteht kein Unterschied im Instrument, beide Wörter bezeichnen dieselbe türkische Langhalslaute. Saz ist die alltägliche, umgangssprachliche Bezeichnung, ursprünglich ein persisches Lehnwort für Instrument. Bağlama ist der genauere, an Konservatorien gebräuchliche Name und leitet sich vom Verb bağlamak, binden, ab, weil der Instrumentenbauer die Bünde um den Hals bindet, statt sie fest einzulassen.

Warum hat die Bağlama bewegliche Bünde?

Die Bağlama hat bewegliche Bünde, weil ihre Bundschnüre aus Nylon oder Darm um den Hals gebunden statt fest aus Metall eingelassen sind. Dadurch lässt sich jeder Bund um kleine Komma-Schritte verschieben und exakt auf die Zwischentöne der türkischen Makam-Musik einstellen. Ein Instrument mit fest eingelassenen Bünden wie eine Gitarre kann diese Zwischentöne ohne Umbau nicht erreichen.

Wie viele Saiten hat eine Bağlama?

Eine Bağlama hat in der Standardbesetzung sieben Saiten, verteilt auf drei Chöre in der Aufteilung zwei-zwei-drei. Die Saiten eines Chors klingen meist unisono oder in der Oktave zusammen und erzeugen dadurch den charakteristischen, obertonreichen Klang des Instruments. Andere Baugrößen der Familie können in Saitenzahl und Chörung leicht abweichen.

Was unterscheidet Cura, Bağlama und Divan Sazı?

Cura, Bağlama und Divan Sazı unterscheiden sich in Korpusgröße und Halslänge, nicht im grundsätzlichen Aufbau. Die Cura ist mit rund 55 bis 60 Zentimetern Gesamtlänge die kleinste Bauform und klingt hell, die Bağlama in Standardgröße ist die am weitesten verbreitete Form, und der Divan Sazı zählt mit größerem Korpus und tieferem, volleren Klang zu den größten gebräuchlichen Bauformen der Familie.

Weitere Artikel in Saiteninstrumente

Baglamas

Baglamas

Der Baglamas ist eine verkleinerte Version des Bouzouki. Dieses Instrument ist mit drei Doppelsaiten versehen und in den Stimmungen D-a-d erhältlich. Außerdem wird das Rebetiko als Rhythmus, und Melodieinstrument verwendet. Der Begriff Baglama ist als Saiteninstrument zu verstehen, welches vor allem in mehreren Ländern des Mittelmeerraums verwendet wird.

Bajo Sexto

Bajo Sexto

Das Bajo Sexto ist eine mexikanische Bassgitarre, die aus zwölf Saiten besteht. Das Instrument ist vor allem mit der mexikanischen Folklore in Verbindung zu bringen. Besonders bei diesem Tanz, wird mit dem Bajo Sexto gespielt, welches den Rhythmus und den Klang bringen soll. Außerdem wird das Instrument auch in der Tex-Mex-Musik eingesetzt.

Bandola

Bandola

Bandola ist der Name für mehrere Zupfinstrumente aus der Lautenfamilie, die in Kolumbien und Venezuela beheimatet sind. Die venezolanische Bandola llanera hat vier Einzelsaiten und begleitet den Joropo. Die kolumbianische Bandola andina hat sechs Saitenchöre mit zwölf bis sechzehn Saiten und führt die Melodie in Trío típico und Estudiantina. Beide gehen auf spanische Lauten der Kolonialzeit zurück, haben sich aber unabhängig voneinander entwickelt.

Barbitos

Barbitos

Der Barbitos ist ein Instrument, welches aus Griechenland stammt. Dieses Instrument ist ein antikes Saiteninstrument und gehört zu den Leiern. Selbst bekannte Lyriker haben sich oft mit diesem Instrument befasst und haben dieses für die begleitenden Gesänge benutzt. Große Lyriker, unter denen auch Alkaios und Sappho zählen, sind mit diesem Bereich gemeint.