Bandola

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Bild: Jairo G / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Bandola ist der Name für mehrere Zupfinstrumente aus der Lautenfamilie, die in Kolumbien und Venezuela beheimatet sind. Die venezolanische Bandola llanera hat vier Einzelsaiten und begleitet den Joropo. Die kolumbianische Bandola andina hat sechs Saitenchöre mit zwölf bis sechzehn Saiten und führt die Melodie in Trío típico und Estudiantina. Beide gehen auf spanische Lauten der Kolonialzeit zurück, haben sich aber unabhängig voneinander entwickelt.

Bandola ist der Name für mehrere Zupfinstrumente aus der Lautenfamilie, die in Kolumbien und Venezuela beheimatet sind, sich in Bauform, Saitenzahl und Musikstil aber deutlich unterscheiden. Die venezolanische Bandola llanera aus den Llanos hat vier Einzelsaiten und begleitet den Joropo. Die kolumbianische Bandola andina aus der Andenregion hat sechs Saitenchöre mit insgesamt zwölf bis sechzehn Saiten und führt die Melodie im Trío típico und in Estudiantinas. Beide gehen letztlich auf spanische Lauten der Kolonialzeit zurück, haben sich seither aber getrennt voneinander entwickelt. Wer beide Instrumente unter einem Namen zusammenfasst, übersieht zwei eigenständige Bauweisen.

4Saiten der Bandola llanera
12Saiten der Bandola andina (heute üblich)
6Saitenchöre der Bandola andina
2Länder als Kernregionen

Was ist die Bandola?

Die Bandola bezeichnet keine einzelne Bauform, sondern eine Gruppe birnenförmiger Zupfinstrumente aus der Lautenfamilie, die in Kolumbien und Venezuela unter demselben Namen verbreitet sind. Alle Varianten gehen auf Lauten zurück, die spanische Kolonisatoren ab dem 16. Jahrhundert nach Südamerika brachten. In Venezuela kennt man neben der Bandola llanera weitere regionale Bauformen wie die Bandola oriental und die Bandola guayanesa, die sich in Saitenzahl und Stimmung unterscheiden. Dieser Artikel beschreibt die zwei am weitesten verbreiteten Typen: die viersaitige Bandola llanera aus den Llanos und die mehrchörige Bandola andina aus dem kolumbianischen Andenraum. Andere südamerikanische Lauten wie der bolivianische Charango teilen zwar die koloniale Herkunft, zählen aber nicht zur Bandola-Familie und stammen von der Vihuela ab, nicht von der Bandurria.

Bandola ist ein Sammelname, kein einzelnes Instrument. Wer von der Bandola spricht, meint je nach Kontext ein viersaitiges Melodieinstrument des Joropo oder ein mehrchöriges Instrument der kolumbianischen Andenmusik. Beide teilen den Namen, nicht die Bauform.

Wie unterscheiden sich Bandola llanera und Bandola andina?

Die Bandola llanera trägt vier einzelne Nylonsaiten, zwei Bass- und zwei Diskantsaiten, und einen birnenförmigen, vergleichsweise flachen Korpus mit traditionell nur sieben Bünden. Die Bandola andina dagegen trägt Saitenchöre: Historisch besaß sie sechzehn Stahlsaiten in vier Dreifachchören und zwei Doppelchören, heute ist die Version mit zwölf Saiten in sechs Doppelchören am weitesten verbreitet. Ihr Korpus ist größer und der Hals länger als bei der Bandola llanera. Beide Instrumente werden mit einem Plektrum gespielt, das zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten wird, erklingen aber in unterschiedlichen Ensembles und Musikstilen, wie die folgende Übersicht zeigt.

MerkmalBandola llaneraBandola andina
RegionLlanos (Kolumbien/Venezuela)Kolumbianische Anden
Saitenzahl4 Einzelsaiten12 (historisch 16)
Saitenchörekeine (Einzelsaiten)6 Doppelchöre (historisch 4 Dreifach- und 2 Doppelchöre)
SaitenmaterialNylonStahl
Korpusformbirnenförmig, flachbirnenförmig, groß, gewölbt
EnsembleArpa llanera, Cuatro, MaracasTiple, Gitarre (Trío típico) oder Estudiantina
MusikstilJoropo llaneroBambuco, Pasillo, Danza
Bandola llanera: 4 Einzelsaiten Jede Saite klingt einzeln. Bandola andina: 6 Doppelchöre (12 Saiten) Je zwei gleich gestimmte Saiten klingen als ein Chor.
Die Bandola llanera spielt vier Einzelsaiten, die Bandola andina spielt sechs Chöre aus je zwei eng benachbarten Saiten.

Wie ist die Bandola llanera aufgebaut?

Die Bandola llanera hat vier Einzelsaiten aus Nylon, zwei tiefere Bordunsaiten und zwei höhere Diskantsaiten, die einzeln und nicht als Chöre gestimmt sind. Eine verbreitete Stimmung lautet, von der tiefsten zur höchsten Saite, Mi-La-Re-La, wobei je nach Region und Stück auch andere Stimmungen wie Si-Mi-La-Re gebräuchlich sind. Der Korpus ist birnenförmig und vergleichsweise flach, das Griffbrett trägt in der klassischen Bauform nur sieben Bünde. Die Variante aus Casanare, die Bandola casanareña, baut das Griffbrett mit achtzehn Bünden deutlich länger. Regional trägt das Instrument weitere Namen wie Bandola barinesa oder Bandola criolla, ihr genauer Entstehungsort in den Llanos gilt als umstritten.

Wie ist die Bandola andina aufgebaut?

Die Bandola andina spielt ihre Melodien über Saitenchöre statt über Einzelsaiten: Mehrere Stahlsaiten liegen dicht nebeneinander, sind gleich gestimmt und werden gemeinsam angeschlagen. Der Musiker Pedro Morales Pino etablierte Anfang des 20. Jahrhunderts ein Modell mit sechzehn Saiten in vier Dreifachchören und zwei Doppelchören. Der Musiker Diego Estrada änderte später die Stimmung, sein Kollege Fernando León reduzierte anschließend die Chöre auf sechs Doppelchöre mit insgesamt zwölf Saiten, weil die volle Besetzung mit sechzehn Saiten den Korpus stark belastete und Saiten häufig rissen. Diese Version mit zwölf Saiten hat sich seither an den Musikschulen in Bogotá durchgesetzt, auch wenn einige Instrumentenbauer weiterhin die historische Bandola mit sechzehn Saiten fertigen. Eine gebräuchliche Stimmung der sechs Chöre lautet, vom tiefsten zum höchsten Chor, Fa♯-Si-Mi-La-Re-Sol.

Welche Musik prägt die Bandola?

Die Bandola llanera übernimmt im Joropo llanero die Melodiestimme und tritt dabei in einen Dialog mit der Arpa llanera, während der Cuatro den Rhythmus trägt und die Maracas den Puls markieren. Sie spielt Gegenstimmen und Verzierungen zur Melodie der Harfe, nicht nur deren einfache Wiederholung. Die Bandola andina führt dagegen im Trío típico gemeinsam mit Tiple und Gitarre die Melodie, in größeren Estudiantinas übernehmen mehrere Bandolas diese Rolle gemeinsam. Ihr Repertoire trägt die Genres der kolumbianischen Andenregion: Bambuco, Pasillo und Danza.

Woher stammt die Bandola?

Beide Varianten gehen auf Lauten zurück, die mit der spanischen Kolonisation ab dem 16. Jahrhundert nach Südamerika kamen. Die Bandola llanera leitet sich von der spanischen Laute ab, die ihrerseits von der arabischen Laute abstammt. Die Bandola andina geht dagegen auf die Bandurria und die Mandoline zurück, zwei Zupfinstrumente, die im 19. Jahrhundert nach Kolumbien kamen. Aus diesen Vorbildern entwickelten Instrumentenbauer in den jeweiligen Regionen über Generationen die heutigen, deutlich unterschiedlichen Bauformen.

Häufige Fragen zur Bandola

Ist die Bandola llanera dasselbe Instrument wie die Bandola andina?

Nein, die Bandola llanera und die Bandola andina sind zwei eigenständige Instrumente, die nur den Namen teilen. Die Bandola llanera aus den Llanos hat vier Einzelsaiten und begleitet den Joropo, die Bandola andina aus dem kolumbianischen Andenraum hat sechs Saitenchöre und spielt Bambuco und Pasillo.

Wie viele Saiten hat eine Bandola?

Die Saitenzahl einer Bandola hängt von der Variante ab. Die Bandola llanera hat vier Einzelsaiten, die Bandola andina hat heute meist zwölf Saiten in sechs Doppelchören, in der historischen Bauform sechzehn Saiten in vier Dreifach- und zwei Doppelchören.

Welche Musik spielt man auf der Bandola?

Auf der Bandola llanera spielt man vor allem Joropo llanero, das schnelle Tanzgenre der kolumbianisch-venezolanischen Llanos, im Ensemble mit Arpa llanera und Cuatro. Auf der Bandola andina spielt man die Genres der kolumbianischen Andenregion, vor allem Bambuco, Pasillo und Danza, meist im Trío típico oder in einer Estudiantina.

Was ist der Ursprung der Bandola?

Die Bandola geht auf Lauten zurück, die spanische Kolonisatoren ab dem 16. Jahrhundert nach Südamerika brachten. Die Bandola llanera leitet sich von der spanischen Laute ab, die Bandola andina von der Bandurria und der Mandoline, die im 19. Jahrhundert nach Kolumbien kamen.

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