Cuatro

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Bild: g images.com / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Cuatro heißt wörtlich vier und bezeichnet in Lateinamerika mehrere unterschiedliche Zupfinstrumente, die auf vierseitige Renaissance-Gitarren der spanischen Kolonialzeit zurückgehen. Am bekanntesten ist der venezolanische Cuatro: ein kleiner, gitarrenförmiger Korpus mit vier einzelnen Nylonsaiten in reentranter Stimmung, dem zentralen Rhythmusinstrument des Joropo. Der puertoricanische Cuatro trägt trotz des gleichen Namens heute zehn Stahlsaiten in fünf Chören, eine andere Stimmung und eine violinenförmige Bauform. Beide Instrumente sind nur über eine gemeinsame vierseitige Frühform verwandt und werden hier getrennt behandelt.

Cuatro heißt wörtlich vier und bezeichnet in Lateinamerika mehrere unterschiedliche Zupfinstrumente, die alle auf vierseitige Renaissance-Gitarren der spanischen Kolonialzeit zurückgehen. Am bekanntesten ist der venezolanische Cuatro: ein kleiner, gitarrenförmiger Korpus mit vier einzelnen Nylonsaiten in reentranter Stimmung, dem zentralen Rhythmusinstrument des Joropo. Der puertoricanische Cuatro trägt trotz des gleichen Namens heute zehn Stahlsaiten in fünf Chören, eine andere Stimmung und eine andere Bauform. Beide Instrumente sind nur über eine gemeinsame vierseitige Frühform verwandt, klanglich und im Aufbau aber grundverschieden. Dieser Artikel behandelt beide Varianten getrennt.

4Saiten, venezolanischer Cuatro
10Saiten, puertoricanischer Cuatro
2013Kulturerbe Venezuelas
2003Nationalinstrument Puerto Ricos

Was ist ein Cuatro?

Ein Cuatro ist zunächst der Name einer vierseitigen Frühform, aus der sich in Venezuela und Puerto Rico unabhängig voneinander zwei unterschiedliche Instrumente entwickelten. Beide gehen auf vierseitige Ableger der spanischen Renaissance-Gitarre zurück, die Kolonisatoren ab dem 16. Jahrhundert nach Südamerika und in die Karibik brachten. Der Name blieb erhalten, obwohl der puertoricanische Cuatro seine ursprüngliche Saitenzahl längst hinter sich gelassen hat: In Venezuela blieben es vier Saiten, in Puerto Rico wuchs das Instrument über eine achtsaitige Zwischenstufe bis etwa 1915 auf die heute üblichen zehn Saiten in fünf Chören.

Cuatro heißt vier, das puertoricanische Instrument hat aber zehn Saiten. Der Name stammt von einer gemeinsamen vierseitigen Frühform des 16. Jahrhunderts. In Venezuela blieb es bei vier Saiten, in Puerto Rico wuchs das Instrument bis etwa 1915 auf zehn Saiten in fünf Chören an.

Woher stammt der Cuatro?

Der Cuatro stammt von vierseitigen spanischen Gitarren ab, die mit der Kolonisierung ab dem 16. Jahrhundert nach Lateinamerika kamen. In Venezuela belegen kirchliche Aufzeichnungen aus der Stadt Barinas bereits für das frühe 18. Jahrhundert ein cuatroähnliches Instrument; der heutige Name Cuatro setzte sich dort erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch. In Puerto Rico ist das Instrument seit rund 400 Jahren belegt und durchlief drei Bauformen: den ursprünglichen cuatro antiguo mit vier Einzelsaiten, eine achtsaitige Zwischenform mit vier Saitenpaaren und schließlich den zehnsaitigen cuatro moderno mit fünf Chören, der sich bis etwa 1915 als Standard etablierte.

Wie ist der venezolanische Cuatro aufgebaut und gestimmt?

Der venezolanische Cuatro hat einen kleinen, taillierten Korpus, der einer verkleinerten Gitarre ähnelt. Traditionell fertigen Instrumentenbauer die Decke aus Kiefer, Boden, Zargen und Hals aus Cedro, dem in Venezuela am häufigsten verwendeten Instrumentenholz. Die vier Saiten bestanden historisch aus Tierdarm, heute fast ausschließlich aus Nylon. Der Hals trägt ein Griffbrett mit Bünden, und die obere Hälfte der Decke ist häufig mit einer Schutzplatte aus Hartholz belegt, weil das Instrument vor allem für kräftiges Anschlagen gebaut ist.

Die Standardstimmung folgt der Reihenfolge A-D-Fis-H von der vierten zur ersten Saite. Dabei steigt die Tonhöhe nicht durchgehend an: Die erste, dünnste Saite (H) klingt tiefer als die benachbarte zweite Saite (Fis) und unterbricht damit die aufsteigende Reihe. Fachleute nennen dieses Prinzip eine reentrante Stimmung; dieselbe Idee kennen die Ukulele in ihrer klassischen Stimmung und der andine Charango. Gespielt wird der venezolanische Cuatro überwiegend mit den Fingern im rhythmischen Anschlag Rasgueo. Der Musiker Hernán Gamboa entwickelte daraus die Technik Rasgapunteo, die Schlag- und Zupfbewegungen in einer Spielfigur verbindet.

A D Fis H hier läge der erwartete Ton Saite 4 Saite 3 Saite 2 Saite 1 Reihenfolge der Saiten und ihre tatsächliche Tonhöhe
Die vier Saiten des venezolanischen Cuatro liegen in der Reihenfolge A-D-Fis-H, doch die dünnste Saite (H) klingt tiefer als die benachbarte Fis-Saite. Dieser Bruch in der aufsteigenden Reihe ist die reentrante Stimmung.

Welche Rolle spielt der Cuatro in der venezolanischen Musik?

Der Cuatro bildet zusammen mit der Harfe arpa llanera und den Maracas das Klangbild des Joropo, dem bekanntesten Musik- und Tanzgenre der venezolanischen Llanos. Auch in der Gaita zuliana, der traditionellen Weihnachtsmusik aus dem Bundesstaat Zulia, gehört der Cuatro zur festen Besetzung. Am 9. April 2013 erklärte das venezolanische Kulturerbe-Institut IPC den Cuatro per Gaceta Oficial Nr. 40.176 zum Kulturerbe der Nation. Über seine Rolle als Begleitinstrument hinaus hat sich der Cuatro in den letzten Jahrzehnten auch als Soloinstrument etabliert: Das 2005 gegründete venezolanische Ensemble C4 Trío aus drei Cuatro-Spielern und einem Bassisten gewann 2019 mit dem Album Tiempo al tiempo einen Latin Grammy als bestes Folk-Album. Der Cuatrist Fredy Reyna, geboren 1917 und gestorben 2001 in Caracas, veröffentlichte 1957 die erste schriftliche Lehrmethode für das Instrument und dokumentierte dessen Entwicklung aus der Renaissance-Gitarre.

Wie unterscheidet sich der puertoricanische Cuatro vom venezolanischen?

Der puertoricanische Cuatro hat sich unabhängig vom venezolanischen entwickelt und trägt heute zehn Stahlsaiten in fünf Chören statt vier Einzelsaiten aus Nylon. Anders als beim venezolanischen Cuatro steigt seine Stimmung durchgehend in Quarten an, von H über E, A und D bis G, wobei die beiden tiefsten Chöre zusätzlich oktaviert sind. Eine reentrante Stimmung kennt der puertoricanische Cuatro nicht. Sein Korpus ist heute meist violinenförmig (aviolinado) statt gitarrenförmig, mit einer Mensur von rund 50 bis 52 Zentimetern. Gespielt wird er häufig mit einem Plektrum statt mit den Fingern.

MerkmalVenezolanischer CuatroPuertoricanischer Cuatro
Saiten4 Einzelsaiten, Nylon10 Saiten in 5 Chören, Stahl
StimmungA-D-Fis-H, reentrantH-E-A-D-G, aufsteigend, unten oktaviert
Korpusformklein, tailliert, gitarrenartigmeist violinenförmig (aviolinado)
Mensurkeine feste Normetwa 50 bis 52 cm
Spielweiseüberwiegend mit den Fingern (Rasgueo)häufig mit Plektrum
Offizieller Status2013 Kulturerbe der Nation, Gaceta Oficial 40.1762003 gesetzlich Nationalinstrument, Gesetz Nr. 154
Zentrale MusikJoropo, Gaita zulianaMúsica jíbara, Seis, Aguinaldo

Am 27. Juni 2003 erklärte das Gesetz Nr. 154 den puertoricanischen Cuatro gemeinsam mit dem Pandero de Plena und dem Barril de Bomba gesetzlich zum Nationalinstrument des Estado Libre Asociado de Puerto Rico. Auf ihm spielt man traditionell die Música jíbara sowie Gattungen wie Seis und Aguinaldo, daneben aber auch Salsa, Jazz und Popmusik.

Häufige Fragen zum Cuatro

Wie viele Saiten hat ein Cuatro?

Ein Cuatro hat je nach Variante vier oder zehn Saiten. Der venezolanische Cuatro trägt vier einzelne Nylonsaiten, der puertoricanische Cuatro zehn Stahlsaiten in fünf Chören. Beide Instrumente tragen denselben Namen, weil sie auf eine gemeinsame vierseitige Frühform zurückgehen, haben sich seither aber unabhängig voneinander entwickelt.

Was ist eine reentrante Stimmung beim Cuatro?

Eine reentrante Stimmung liegt beim venezolanischen Cuatro vor, weil die Tonhöhe seiner vier Saiten nicht durchgehend ansteigt. Die Saiten folgen der Reihenfolge A-D-Fis-H, doch die dünnste Saite (H) klingt tiefer als die benachbarte Fis-Saite und unterbricht damit die aufsteigende Reihe. Dasselbe Prinzip kennen die Ukulele und der andine Charango. Der puertoricanische Cuatro ist dagegen durchgehend aufsteigend gestimmt.

Was unterscheidet den venezolanischen vom puertoricanischen Cuatro?

Der venezolanische und der puertoricanische Cuatro unterscheiden sich in Saitenzahl, Stimmung, Korpusform und Musikstil. Der venezolanische Cuatro hat vier Einzelsaiten in reentranter Stimmung und einen kleinen, gitarrenförmigen Korpus. Der puertoricanische Cuatro hat zehn Saiten in fünf Chören, eine durchgehend aufsteigende Stimmung und einen meist violinenförmigen Korpus. Trotz des gleichen Namens sind beide Instrumente nur über eine gemeinsame vierseitige Frühform des 16. Jahrhunderts verwandt.

Welche Musik spielt man auf dem Cuatro?

Auf dem venezolanischen Cuatro spielt man vor allem Joropo, das zentrale Tanzgenre der venezolanischen Llanos, sowie die Weihnachtsmusik Gaita zuliana. Der puertoricanische Cuatro trägt die traditionelle Música jíbara sowie Gattungen wie Seis und Aguinaldo und wird heute zusätzlich in Salsa, Jazz und Pop eingesetzt.

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