Domra

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Bild: Likman Uladzimir / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Die Domra ist ein russisches Zupfinstrument mit rundem, halbkugelförmigem Korpus und langem Hals, das meist drei, seltener vier Saiten trägt. Ein Plektrum schlägt die Saiten an, das charakteristische Tremolo lässt einzelne Töne lang aushallen. Von der Balalaika unterscheidet sie vor allem der Korpus: rund bei der Domra, dreieckig bei der Balalaika. Historiker verbinden ihr Verschwinden aus dem öffentlichen Leben im 17. Jahrhundert mit dem Verbot, das Zar Alexei I. gegen fahrende Spielleute erließ, erst 1896 rekonstruierte sie der Musiker Wassili Andrejew für sein Orchester russischer Volksinstrumente. Dort führt die Domra bis heute meist die Melodie, tiefere Balalaikas übernehmen Begleitung und Bass.

Die Domra ist ein russisches Zupfinstrument mit rundem, halbkugelförmigem Korpus und langem Hals. Sie trägt meist drei Saiten, seltener vier. Ein Plektrum schlägt die Saiten an, und ein schnelles Hin und Her des Plektrums, das Tremolo, lässt einzelne Töne lang klingen. Von der äußerlich ähnlichen Balalaika unterscheidet sie vor allem der Korpus: rund bei der Domra, dreieckig bei der Balalaika. Im russischen Volksinstrumentenorchester führt die Domra meist die Melodie, tiefere Balalaikas übernehmen Begleitung und Bass.

3Saiten meist
rundKorpusform
PlektrumAnschlagtechnik
1896Rekonstruktion durch Andrejew

Was unterscheidet die Domra von der Balalaika?

Der Korpus trennt beide Instrumente eindeutig: Die Domra trägt einen runden bis halbkugelförmigen Korpus, die Balalaika einen flachen, dreieckigen. Auch wenn beide oft in einem Atemzug genannt werden, ist die Balalaika keine Vorstufe oder ein Abkömmling der Domra: Die Balalaika blieb als Volksinstrument in Gebrauch, während die Domra über rund zwei Jahrhunderte aus dem Alltag verschwand. Wassili Andrejew standardisierte zunächst die Balalaika für sein neu gegründetes Orchester und rekonstruierte 1896 zusätzlich die Domra, um dem Ensemble eine hell timbrierte Melodiestimme zu geben.

  • Korpus: Die Domra ist rund bis halbkugelförmig gewölbt, die Balalaika trägt einen flachen, dreieckigen Korpus.
  • Saitenzahl: Beide Instrumente kommen meist dreisaitig vor, die Domra existiert zusätzlich in einer selteneren viersaitigen Bauform mit Mandolinenstimmung.
  • Rolle im Orchester: Die Domra übernimmt im Volksinstrumentenorchester meist die Melodie, die Balalaika liefert Begleitakkorde und die tiefen Register.
Domra runder Korpus Balalaika dreieckiger Korpus
Der Korpus unterscheidet beide Instrumente auf einen Blick: rund bei der Domra, dreieckig bei der Balalaika.

Der Korpus unterscheidet Domra und Balalaika, nicht die Saitenzahl. Beide kommen meist dreisaitig vor, doch nur die Domra hat einen runden, die Balalaika einen dreieckigen Klangkörper.

Wie ist die Domra aufgebaut?

Der Korpus einer Domra setzt sich aus mehreren gebogenen Holzspänen zusammen, die zu einer runden Wölbung verleimt sind, ähnlich dem Schalenkorpus einer Laute oder Mandoline. Eine dünne Holzdecke schließt den Korpus auf der Vorderseite. Der lange, schmale Hals trägt ein Griffbrett mit Bünden, die Töne exakt begrenzen, und endet oben in einer Wirbelplatte, an der die Saiten gestimmt werden. Ein Steg leitet die Schwingung von den Saiten auf die Decke.

MerkmalDomra
FamilieZupfinstrument, Laute mit rundem Korpus
Saitenzahlmeist drei, seltener vier
Stimmung dreisaitige-a-d in Quarten, je nach Größe transponiert
Stimmung viersaitigg-d-a-e in Quinten, wie Mandoline und Violine
AnschlagPlektrum, charakteristisch im Tremolo
Verwandtes InstrumentBalalaika, unterschieden durch den dreieckigen Korpus
Rekonstruiert1896 durch Wassili Andrejew

Wie spielt man die Domra?

Ein Plektrum schlägt die Saiten an, senkrecht zum Griffbrett geführt. Das Tremolo bildet die charakteristische Spieltechnik der Domra: Die Spielhand bewegt das Plektrum aus dem Handgelenk und dem Unterarm schnell hin und her über eine einzelne Saite und hält so einen Ton beliebig lang aus, ohne dass er abklingt. Neben dem Tremolo spielt die Domra Einzelanschlag, Staccato, Pizzicato mit den Fingern, Glissando und Flageolett-Töne. Akkorde entstehen, wenn das Plektrum mehrere Saiten gleichzeitig streift.

Woher stammt die Domra?

Die Domra geht wohl auf mittelalterliche Vorläufer zurück, die über zentralasiatische Wege nach Russland gelangten, eine gängige Herleitung sieht in der von den Tataren im 13. Jahrhundert verbreiteten Dombra eine Vorstufe. Im 16. und 17. Jahrhundert war das Instrument vor allem unter fahrenden Spielleuten, den Skomorochi, verbreitet, die damit an Höfen, auf Märkten und bei Festen auftraten.

Zar Alexei I. ließ die Auftritte der Skomorochi 1648 per Erlass verbieten und ordnete an, ihre Instrumente einzuziehen und zu zerstören, ein weiterer Erlass von 1657 verschärfte das Verbot. Historiker sind sich uneins, wie direkt dieses kirchlich mitgetragene Verbot das Verschwinden der Domra verursachte, doch nach dem 17. Jahrhundert fehlt das Instrument über rund zwei Jahrhunderte in Abbildungen und Schriftquellen fast vollständig.

Ende des 19. Jahrhunderts baute der Musiker Wassili Andrejew die Domra aus Bruchstücken eines aufgefundenen Instruments sowie aus alten Abbildungen nach, ob das Fundstück tatsächlich eine historische Domra war, lässt sich im Nachhinein nicht mehr sicher belegen. 1896 ließ er die rekonstruierte Bauform patentieren und in sein Orchester für russische Volksinstrumente aufnehmen, wenig später ergänzte der Moskauer Instrumentenbauer Ljubimow eine viersaitige Variante mit Mandolinenstimmung.

Welche Rolle spielt die Domra im russischen Volksorchester?

Andrejew baute die Domra gezielt für sein neues Orchester russischer Volksinstrumente, das Vorbild aller späteren Balalaika- und Domraorchester. Wie bei einem Streichorchester gibt es die Domra in mehreren Größen: Die kleine Piccolodomra und die Primadomra führen die Melodie, Alt- und Tenordomra liegen in der Mitte, Bass- und Kontrabassdomra tragen das Fundament. Die tieferen Register übernehmen meist Balalaikas, sodass Domren im Klangbild die Rolle der Violinen und Balalaikas die der Bratschen, Celli und Kontrabässe einnehmen. Das 1919 gegründete Orchester, das später den Namen seines langjährigen Leiters Nikolai Ossipow trug, zählt bis heute zu den bekanntesten Klangkörpern dieser Besetzung.

Häufige Fragen zur Domra

Wie viele Saiten hat eine Domra?

Eine Domra hat meist drei Saiten, die in Quarten gestimmt sind, etwa e-a-d bei der Primadomra. Daneben gibt es eine viersaitige Bauform mit Quintstimmung g-d-a-e wie bei Mandoline und Violine, die vor allem in der Ukraine und in Belarus verbreitet ist. Im russischen Volksinstrumentenorchester ist die dreisaitige Domra die Standardbauform.

Wer hat die Domra rekonstruiert?

Der russische Musiker Wassili Andrejew rekonstruierte die Domra 1896 anhand von Bruchstücken eines aufgefundenen Instruments und alter Abbildungen. Er ließ die Bauform patentieren und nahm sie in sein neu gegründetes Orchester russischer Volksinstrumente auf, für das er zuvor bereits die Balalaika standardisiert hatte. Wenig später ergänzte der Moskauer Instrumentenbauer Ljubimow eine viersaitige Domra mit Mandolinenstimmung.

Warum verschwand die Domra für lange Zeit?

Die Domra verschwand vermutlich im Zusammenhang mit den Verboten, die Zar Alexei I. 1648 und 1657 gegen die fahrenden Spielleute, die Skomorochi, erließ, deren Instrumente sollten eingezogen und zerstört werden. Wie direkt dieses Verbot das Verschwinden der Domra verursachte, ist unter Historikern umstritten, doch nach dem 17. Jahrhundert fehlt sie über rund zwei Jahrhunderte fast vollständig in Quellen und Abbildungen. Erst 1896 tauchte sie durch die Rekonstruktion Wassili Andrejews wieder auf.

Wie spielt man Tremolo auf der Domra?

Tremolo auf der Domra entsteht, indem die Spielhand ein Plektrum aus dem Handgelenk und Unterarm sehr schnell über eine einzelne Saite hin und her bewegt. Dadurch klingt ein einzelner Ton beliebig lange nach, ohne wie bei einem einzelnen Anschlag sofort abzuklingen. Das Tremolo gilt als die charakteristische Spieltechnik der Domra und prägt den Klang der Melodiestimme im russischen Volksinstrumentenorchester.

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