Charango

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Bild: Espinosa Laura / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Der Charango ist ein kleines, zehnsaitiges Zupfinstrument aus der Lautenfamilie, das in den Anden Boliviens und Perus beheimatet ist. Traditionell bildete der Panzer eines Gürteltiers, des Quirquincho, die gewölbte Rückseite des Korpus, heute bauen Instrumentenmacher ihn meist aus Holz. Das Instrument entstand während der spanischen Kolonialzeit aus der Vihuela und trägt seine fünf Doppelchöre in der re-entranten Stimmung G, C, E, A, E. Heute gilt der Charango als zentrales Instrument der andinen Folklore, von Huayño bis zur Nueva-Canción-Bewegung.

Der Charango ist ein kleines Zupfinstrument aus der Lautenfamilie, das in den bolivianischen und peruanischen Anden beheimatet ist. Er trägt zehn Saiten in fünf Doppelchören und misst insgesamt etwa 66 Zentimeter. Traditionell bildete der Panzer eines Gürteltiers, des Quirquincho, die gewölbte Rückseite des Korpus; weil die Art heute unter Artenschutz steht, bauen Instrumentenmacher den Korpus überwiegend aus Holz. Der Charango entwickelte sich während der spanischen Kolonialzeit aus der eingeführten Vihuela und zählt heute zu den zentralen Instrumenten der andinen Folklore.

10Saiten
5Doppelchöre
66 cmGesamtlänge
18. Jh.Entstehungszeit

Was ist ein Charango?

Ein Charango ist ein kleines, bundiertes Zupfinstrument aus der Lauten- und Gitarrenfamilie mit einem taillierten, meist gewölbten Korpus. Er trägt zehn Saiten in fünf Doppelchören; die Mandoline kennt dasselbe Prinzip, allerdings nur mit vier Chören. Mit einer Mensur von etwa 35 bis 37 Zentimetern und einer Gesamtlänge von rund 66 Zentimetern fällt der Charango kleiner aus als eine Gitarre und kommt der Größe einer Ukulele nahe. Ein Steg am unteren Ende der Decke hält alle zehn Saiten, ein kurzer, mit Bünden versehener Hals führt zum Wirbelkasten.

Woraus besteht ein Charango?

Der Korpus eines traditionellen Charango besteht aus dem getrockneten Panzer eines Quirquincho, eines im bolivianischen und peruanischen Hochland heimischen Gürteltiers. Der gewölbte Panzer bildete die Rückseite, während Decke, Hals und Steg aus Holz gefertigt wurden. Weil die als Quirquincho bekannte Art, der Anden-Haargürteltier (Chaetophractus nationi), als gefährdet gilt und im Artenschutzabkommen CITES gelistet ist, fertigen Instrumentenbauer den Korpus heute überwiegend aus Holz und schnitzen die gewölbte Form nach, die früher der Panzer vorgab. Für die Decke verwenden sie meist Fichten- oder Zedernholz, wie es auch im Gitarrenbau üblich ist. Je nach Bauform läuft der Korpusboden gerundet oder spitz zulaufend aus; die spitze Form heißt im Bauhandwerk pecho de gallo, wörtlich Hühnerbrust. Die zehn Saiten bestanden traditionell aus Darm, heute meist aus Nylon.

Der geschützte Quirquincho hat den Charango aus Holz gemacht. Weil das Gürteltier, dessen Panzer früher den Korpus bildete, heute unter Artenschutz steht, schnitzen Instrumentenmacher die charakteristische gewölbte Form inzwischen aus Holz nach.

MerkmalCharango
FamilieZupfinstrument, Lautenfamilie
HerkunftAndenregion Boliviens und Perus
Saiten10 Saiten in 5 Doppelchören
Stimmung (temple natural)G4 G4, C5 C5, E5 E4, A4 A4, E5 E5
Gesamtlängeetwa 66 cm
Mensuretwa 35 bis 37 cm
Korpusrückseite, traditionellPanzer des Quirquincho (Gürteltier)
Korpusrückseite, heute üblichgewölbtes oder flaches Holz

Wie ist ein Charango gestimmt?

Ein Charango trägt in der Standardstimmung, den Chören nach in Bolivien und Peru temple natural genannt, die Töne G, C, E, A und E über seine fünf Doppelchöre. Anders als bei einer Gitarre steigt die Tonhöhe der Chöre dabei nicht gleichmäßig an: Im dritten Chor liegt eine der beiden Saiten eine Oktave tiefer als die andere, wodurch die Tonfolge kurz absinkt, bevor sie zum höchsten Ton im ersten Chor wieder ansteigt. Fachleute nennen diese Anordnung eine re-entrante Stimmung; dasselbe Prinzip kennt die Ukulele in ihrer klassischen C-Stimmung und der venezolanische Cuatro. Schlägt ein Spieler alle zehn Saiten offen an, erklingt der Akkord Am7.

G4 G4 C5 C5 E4 E5 (Oktave) A4 A4 E5 E5 Chor 5 Chor 4 Chor 3 Chor 2 Chor 1
Die Tonhöhe der fünf Doppelchöre steigt nicht gleichmäßig an: Im dritten Chor liegt eine Saite eine Oktave tiefer, dadurch sinkt die Reihe kurz ab, bevor sie zum höchsten Ton im ersten Chor wieder ansteigt.

Woher stammt der Charango?

Der Charango entstand während der spanischen Kolonialzeit in der Andenregion, vermutlich im 18. Jahrhundert. Er geht auf die Vihuela und verwandte spanische Zupfinstrumente zurück, welche die Kolonisatoren in die Anden brachten. Die indigene und mestizische Bevölkerung baute diese Instrumente mit Materialien nach, die vor Ort verfügbar waren, darunter der Panzer des Quirquincho auf dem holzarmen Altiplano. Frühe bildliche Belege für ein charangoähnliches Instrument finden sich in Kirchenmalereien der bolivianischen Bergbaustadt Potosí. Heute gilt die Kleinstadt Aiquile im bolivianischen Departamento Cochabamba als Zentrum des Instrumentenbaus; ihre Feria y Festival Nacional e Internacional del Charango findet seit 1984 statt und wurde 2003 zum immateriellen Kulturerbe Boliviens erklärt. Peru führt den Charango seit 2007 als eigenständiges immaterielles Kulturerbe der Nation.

Welche Musik spielt man auf dem Charango?

Der Charango trägt in der andinen Folklore Boliviens, Perus, Nordchiles und Nordargentiniens die harmonische Begleitung in Tanzformen wie Huayño, Carnavalito und Cueca boliviana. In traditionellen Ensembles spielt er neben den Panflöten Zampoña beziehungsweise Sikus und der Kerbflöte Quena, wobei die Blasinstrumente meist die Melodie führen. In den 1960er- und 1970er-Jahren trug die Nueva-Canción-Bewegung den Charango über die Anden hinaus in die Weltmusik, unter anderem durch die chilenische Gruppe Inti-Illimani und die bolivianische Gruppe Los Kjarkas. Deren 1981 aufgenommenes Lied "Llorando se fue" wurde, in abgewandelter Form, später als "Lambada" weltbekannt. Auch die international bekannte Melodie "El Cóndor Pasa", ursprünglich 1913 von Daniel Alomía Robles für eine Zarzuela komponiert, erhielt ihre heute vertraute andine Fassung mit Quena, Zampoña, Charango und Gitarre erst durch spätere Ensembles wie Los Incas. Der bolivianische Charango-Virtuose Ernesto Cavour gründete 1962 in La Paz ein Charango-Museum, aus dem später das Museo de Instrumentos Musicales de Bolivia hervorging.

Welche Bauformen des Charango gibt es?

Neben dem Standard-Charango gibt es kleinere und größere Bauformen, die dieselbe Grundstimmung meist um eine Quinte oder Oktave versetzt spielen.

  • Walaycho: die kleinste gebräuchliche Bauform mit einer Mensur von etwa 30 Zentimetern, eine Quinte höher gestimmt als der Standard-Charango.
  • Charangón: eine größere, tenorartige Bauform mit rund 75 Zentimetern Gesamtlänge.
  • Ronroco: die tiefste Bauform mit etwa 80 Zentimetern Gesamtlänge und einer Stimmung eine Oktave unter dem Standard-Charango. Gonzalo Hermosa, Gründer von Los Kjarkas, entwickelte den Ronroco in den 1980er-Jahren.

Häufige Fragen zum Charango

Woraus besteht der Korpus eines Charango?

Der Korpus eines Charango bestand traditionell aus dem Panzer eines Quirquincho, eines Andengürteltiers, das heute als gefährdet gilt und im Artenschutzabkommen CITES gelistet ist. Moderne Instrumente bauen Instrumentenmacher deshalb überwiegend aus Holz und schnitzen die gewölbte Form nach, die früher der Panzer vorgab.

Wie viele Saiten hat ein Charango?

Ein Charango hat zehn Saiten, die in fünf Doppelchören angeordnet sind. Jeder Chor besteht aus zwei Saiten, die meist im Einklang gestimmt sind; eine Ausnahme bildet der dritte Chor, dessen zweite Saite eine Oktave tiefer liegt.

Wie ist ein Charango gestimmt?

Ein Charango ist in der Standardstimmung temple natural auf die Töne G, C, E, A und E über seine fünf Doppelchöre gestimmt. Werden alle zehn Saiten offen angeschlagen, erklingt der Akkord Am7.

Was unterscheidet den Charango von einer Ukulele?

Der Charango unterscheidet sich von einer Ukulele durch zehn statt vier Saiten und fünf statt vier Doppelchöre. Beide Instrumente sind ähnlich klein und teilen eine re-entrante Stimmung, bei der die Tonhöhe der Saiten nicht gleichmäßig ansteigt.

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