Das Cimbalom ist ein ungarisches Hackbrett: Der Spieler schlägt mit zwei Schlägeln auf Metallsaiten, die straff über einen trapezförmigen Resonanzkasten gespannt liegen. Es gehört damit zur Familie der Hackbretter und geschlagenen Zithern, nicht zu den Zupfinstrumenten im engeren Sinn, denn niemand zupft oder streicht die Saiten. Der Budapester Instrumentenbauer József Schunda entwickelte 1874 die moderne Konzertform mit vier eigenen Beinen, erweitertem Tonumfang und einem Dämpferpedal. Neben diesem Konzertcimbalom spielen ungarische und Roma-Musiker bis heute kleinere, tragbare Cimbalom-Varianten ohne Pedal.
Wie ist ein Cimbalom aufgebaut?
Der Resonanzkasten des Konzertcimbaloms ist trapezförmig gebaut und steht auf vier Beinen in Tischhöhe. Über die Decke laufen mehrere Reihen aus Steg zu Steg gespannter Saiten: Für die hohen Töne liegen jeweils vier Stahlsaiten im Chor, für die tiefen drei mit Kupferdraht umsponnene Saiten. Ein Standardinstrument trägt 133 Saiten; das Original von 1874 deckte gut vier Oktaven ab, moderne Konzertcimbalome reichen chromatisch bis zu fünf Oktaven. Unter der Decke liegt das Dämpferpedal: Tritt der Spieler es, heben sich gefilzte Dämpfer von den Saiten, und der Ton klingt länger nach, ähnlich dem rechten Pedal eines Klaviers.
| Merkmal | Cimbalom |
|---|---|
| Familie | Hackbrett, geschlagene Zither (Chordophon) |
| Herkunft | Ungarn |
| Konzertform entwickelt | 1874 von József Schunda in Budapest |
| Saitenzahl (Standard) | 133, in Chören zu drei oder vier Saiten |
| Tonumfang | vier (1874) bis fünf Oktaven (moderne Bauart), chromatisch |
| Spielweise | zwei Schlägel mit Filz-, Watte- oder Lederkopf |
| Besonderheit | Dämpferpedal wie beim Klavier |
| Verwandte Instrumente | Hackbrett, Santur, Zither |
Wie erzeugt das Cimbalom seinen Klang?
Der Spieler hält in jeder Hand einen dünnen, biegsamen Schlägel und schlägt damit auf die gewünschte Saite. Ein weicher Kopf aus Watte oder Filz ergibt einen runden, gedämpften Ton, ein harter Lederkopf einen helleren, lauteren Anschlag. Weil eine angeschlagene Saite rasch verklingt, wechselt der Spieler oft schnell zwischen beiden Schlägeln und schlägt dieselbe Saite mehrfach an, ein Tremolo, um einen gehaltenen Ton zu erzeugen. Das Dämpferpedal bleibt für kurze, trockene Töne unbenutzt und kommt erst bei lang ausgehaltenen Passagen zum Einsatz.
Der Spieler schlägt die Saiten des Cimbaloms an, er zupft sie nicht. Anders als Gitarre oder Harfe zählt das Cimbalom deshalb zu den Hackbrettern und nicht zu den Zupfinstrumenten, auch wenn beide Gruppen zu den Saiteninstrumenten gehören.
Was unterscheidet das Konzertcimbalom vom kleinen Volks-Cimbalom?
Vor 1874 lagen Hackbretter dieser Bauart in Mitteleuropa meist auf einer Tonne oder einem Tisch, ohne eigene Beine und ohne Pedal. József Schunda zeigte 1873 auf der Wiener Weltausstellung einen ersten Entwurf und brachte 1874 die überarbeitete Konzertform in Serie: mit vier eigenen Beinen, verlängerten Saiten, verstärkter Rahmenkonstruktion und dem neuen Dämpferpedal. Diese Konzertform ist seither die Bühnen- und Orchesterversion des Instruments. Daneben spielen ungarische und Roma-Musiker bis heute kleinere, unpedalisierte Cimbalome: Sie tragen weniger Saiten, decken einen schmaleren Tonumfang ab, und der Spieler trägt sie an einem Gurt vor dem Körper oder stellt sie auf einen einfachen Ständer, statt auf eigenen Beinen zu stehen.
Gehört das Cimbalom zu den Zupfinstrumenten?
Nein, das Cimbalom gehört nicht zu den Zupfinstrumenten. Die Instrumentenkunde ordnet es als geschlagene Zither ein: Die Saiten liegen frei über dem Resonanzkasten, ohne Hals und ohne Griffbrett, und der Spieler schlägt sie mit Schlägeln an, statt sie zu zupfen. Das unterscheidet das Cimbalom von der meist gezupften oder gestrichenen Zither, mit der es die Bauweise als Kastenchordophon teilt, aber nicht die Spielweise. Verwandt in der Anschlagstechnik ist der persische Santur: Bei beiden Instrumenten schlägt der Spieler ausschließlich mit Schlägeln an, auch wenn Santur und Cimbalom aus unterschiedlichen Musiktraditionen stammen und unterschiedlich gestimmt sind.
In welcher Volksmusik spielt das Cimbalom eine Rolle?
Das Cimbalom trägt die ungarische Volksmusik seit dem 19. Jahrhundert und ist fester Bestandteil der Roma-Musik in Ungarn und den Nachbarländern. Verwandte Cimbalom-Formen kommen auch in der Volksmusik der Slowakei, Mährens, Rumäniens, Moldaus, der Ukraine und Belarus vor. In solchen Ensembles übernimmt das Cimbalom meist die harmonische Begleitung, während die Geige die Melodie führt und der Kontrabass den Rhythmus trägt.
Welche Komponisten setzen das Cimbalom in der klassischen Musik ein?
Drei Werke der klassischen Musik nutzen das Cimbalom nachweislich als Orchesterinstrument.
- Zoltán Kodály, Háry János (1926): Die Orchestersuite gab dem Cimbalom eine tragende Rolle und machte es erstmals einem größeren Publikum außerhalb Ungarns bekannt.
- Igor Strawinsky, Renard (1915/16) und Ragtime für elf Instrumente (1918): Strawinsky besaß selbst ein Cimbalom, nachdem er den Cimbalisten Aladár Rácz gehört hatte, und schrieb eigene Partien für das Instrument.
- Béla Bartók, Rhapsodie Nr. 1 für Violine und Orchester (1928): Bartók setzte das Cimbalom als Farbinstrument neben der Solovioline ein.
Häufige Fragen zum Cimbalom
Ist das Cimbalom ein Zupfinstrument?
Nein, das Cimbalom ist kein Zupfinstrument. Es gehört zur Familie der Hackbretter beziehungsweise der geschlagenen Zithern: Der Spieler schlägt die frei über dem Resonanzkasten gespannten Saiten mit zwei Schlägeln an und zupft oder streicht sie nicht.
Wer hat das Konzertcimbalom erfunden?
Der Budapester Instrumentenbauer József Schunda entwickelte 1874 die moderne Konzertform des Cimbaloms. Er gab dem Instrument vier eigene Beine, ein Dämpferpedal und einen erweiterten Tonumfang und machte es damit erstmals bühnentauglich.
Wie viele Saiten hat ein Cimbalom?
Ein Konzertcimbalom trägt üblicherweise 133 Saiten in Chören zu drei oder vier Saiten je Ton und deckt chromatisch bis zu fünf Oktaven ab. Kleinere Volks-Cimbalome kommen mit deutlich weniger Saiten und einem schmaleren Tonumfang aus.
Welche Komponisten haben für Cimbalom geschrieben?
Zoltán Kodály gab dem Cimbalom 1926 in seiner Suite Háry János eine tragende Rolle, Igor Strawinsky setzte es 1915/16 in seinem Ballett Renard und 1918 in Ragtime für elf Instrumente ein, und Béla Bartók verwendete es 1928 in seiner Rhapsodie Nr. 1 für Violine und Orchester.




