Der Santur ist ein persisches Hackbrett, ein Chordophon, dessen Saiten nicht gezupft, sondern ausschließlich mit zwei leichten Holzschlägeln angeschlagen werden. Das Instrument stammt aus dem heutigen Iran und blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte in der persischen Musiktradition zurück; verwandte Hackbrettformen wie das indische Santoor, das irakische Santur, das griechische Santouri oder mitteleuropäische Hackbretter gehen letztlich auf dieselbe Grundbauweise zurück. Der trapezförmige Resonanzkasten aus Nussbaum- oder Ahornholz ist mit 72 bis über 90 Metallsaiten bespannt, die in Gruppen (Chören) zu jeweils vier Saiten über bewegliche Stege laufen. Gespielt wird der Santur ausschließlich mit den sogenannten Mezrab, zwei sehr leichten, federnden Holzschlägeln, die zwischen den Fingern beider Hände gehalten werden, ein Zupfen der Saiten mit den Fingern, wie es in älteren Beschreibungen fälschlich behauptet wurde, ist beim Santur nicht üblich.
Wie klingt der Santur?
Der Klang des Santur ist hell, metallisch-schimmernd und zugleich warm, mit einem schnellen Attack durch den Schlägelanschlag und einem langen, glockenartigen Nachklingen der Metallsaiten. Durch die vier parallel gestimmten Saiten pro Ton entsteht ein natürlicher Chorus-Effekt, der dem Instrument seine charakteristische, leicht schwebende Klangfarbe verleiht. Schnelle Schlagfolgen (Riz) erzeugen ein tremoloartiges Beben, das dem Santur eine fast perkussive, dabei aber sehr melodiöse Qualität gibt.
Woraus besteht der Santur?
Der Resonanzkasten des Santur ist trapezförmig und wird meist aus Nussbaum- oder Maulbeerholz, gelegentlich Ahorn, gefertigt. Über die Decke verlaufen mehrere Reihen beweglicher Holz- oder Metallstege, auf denen die Saiten in Chören zu je vier Stück aufliegen; durch Verschieben dieser Stege lässt sich die Stimmung an das jeweilige Dastgah, das modale System der persischen Kunstmusik, anpassen. Insgesamt sind zwischen 72 und über 90 Stahl- und Messingsaiten aufgespannt, gestimmt nach dem persischen Vierteltonsystem.
Die beiden Schlägel (Mezrab) bestehen aus dünnem, federndem Holz mit einem kleinen wattierten oder ledernen Kopf und werden nicht, wie in älteren fehlerhaften Beschreibungen behauptet, an den Saiten befestigt, sondern lose zwischen Zeige- und Mittelfinger gehalten. Ein Stimm-Pedal, wie es teils fälschlich beschrieben wird, existiert beim traditionellen Santur nicht; die Stimmung erfolgt ausschließlich manuell über die Stege. Der iranische Santur wird zudem meist auf einem niedrigen Ständer vor dem sitzenden Spieler positioniert, während das daraus abgeleitete indische Santoor häufig auf dem Schoß liegt und mit deutlich mehr, dünneren Saiten sowie leichteren Schlägeln bespielt wird.
Wie spielt man den Santur?
Der Santur wird auf einem Ständer oder auf dem Schoß des Spielers positioniert und ausschließlich mit den beiden Mezrab-Schlägeln angeschlagen. Die rechte und linke Hand übernehmen dabei oft unterschiedliche melodische oder rhythmische Aufgaben, sodass polyphone Strukturen und schnelle, virtuose Läufe entstehen können. Zentrale Technik ist der Riz, ein sehr schnelles, tremoloartiges Wechselschlagen einzelner Saiten, das einen gehaltenen, singenden Ton simuliert, da die Saiten selbst schnell verklingen. Der Santur ist sowohl Soloinstrument als auch fester Bestandteil des klassischen persischen Ensembles und begleitet häufig den Gesang innerhalb des Radif, des überlieferten Repertoires der persischen Kunstmusik.
Typische Musikstile mit dem Santur
Der Santur ist eines der zentralen Instrumente der persischen Kunstmusik (Musiqi-e assil) und spielt eine tragende Rolle im Radif, dem modalen Referenzrepertoire, das in zwölf Dastgah- und Awaz-Systeme gegliedert ist; die UNESCO nahm den Radif der persischen Musik 2009 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Daneben findet der Santur Verwendung in der irakischen Maqam-Tradition sowie, über das aus ihm abgeleitete Santoor, in der nordindischen klassischen Musik. In den letzten Jahrzehnten wird der Santur zunehmend auch in zeitgenössischer Weltmusik und in Fusion-Projekten eingesetzt, die persische Kunstmusik mit Jazz oder westlicher Klassik verbinden.
Innerhalb des Iran haben sich zudem unterschiedliche Schulen etabliert: Während Faramarz Payvar für einen eher zurückhaltenden, an westlichen Arpeggien orientierten Stil steht, gilt Parviz Meshkatians Spielweise als virtuoser und rhythmisch freier. Regionale Volksmusiktraditionen, etwa der Bachtiaren oder Kurden im Westen Irans, kennen zudem eigene, einfachere Santur-Varianten mit abweichender Stimmung.
Bekannte Lieder mit dem Santur
- "Bidad" (1985), gemeinsames Album des Santur-Meisters Parviz Meshkatian und des Sängers Mohammad Reza Shajarian, gilt als Meilenstein der modernen persischen Kunstmusik.
- "20 Pieces for Santur" (1982), einflussreiche Kompositionssammlung von Parviz Meshkatian, die bis heute zum Standardrepertoire vieler Santur-Schüler gehört.
- Aufnahmen von Faramarz Payvar, der als Begründer der modernen Santur-Solotradition gilt und den Santur erstmals als eigenständiges Konzertinstrument etablierte.
- Die Dastgah-Zyklen des Radif (u. a. Dastgah-e Shur, Dastgah-e Homayoun, Dastgah-e Chahargah), kein einzelnes "Lied", sondern das überlieferte modale Kernrepertoire, in dem der Santur traditionell eine tragende Rolle spielt.
- Aufnahmen von Manoochehr Sadeghi, der den Santur seit den 1960er-Jahren maßgeblich außerhalb des Iran bekannt gemacht hat.




