Die Saraswati Veena, in wissenschaftlicher Umschrift Sarasvati Vina und oft nur Veena genannt, ist die klassische Griffbrettlaute der südindischen (karnatischen) Musiktradition und benannt nach der hinduistischen Göttin der Musik und Weisheit, Saraswati. Sie ist ein reines Zupfinstrument und wird niemals mit einem Bogen gestrichen. Der große Korpus wird traditionell aus einem einzigen Block Jackfruchtholz geschnitzt, das breite Griffbrett trägt 24 feste Messingbünde, die in Wachs eingelassen sind, und das Instrument ist mit sieben Saiten bespannt, vier Melodiesaiten über den Bünden sowie drei zusätzliche Bordun- und Rhythmussaiten seitlich des Griffbretts. Nicht zu verwechseln ist sie mit der nordindischen Rudra Vina, einer bundlosen Stabzither der Hindustani-Tradition, mit der sie außer dem Namensbestandteil "Vina" wenig gemein hat.
Wie klingt die Saraswati Veena?
Der Klang der Saraswati Veena ist warm, voll und sehr gesangsnah: Durch die Bünde und die charakteristische Gleittechnik der linken Hand entstehen die für die karnatische Musik typischen Gamakas, fließende Verzierungen und Tonhöhenschwankungen, die dem Instrument eine fast stimmenähnliche Ausdruckskraft verleihen. Die mitschwingenden Bordunsaiten sorgen zusätzlich für einen dichten, resonanten Unterton.
Woraus besteht die Saraswati Veena?
Der große Resonanzkörper der Veena wird traditionell aus einem einzigen Block Jackfruchtholz gefertigt, bei manchen Modellen ergänzt durch einen kleinen, kürbisförmigen Zusatzresonator am oberen Ende des Halses. Auf dem breiten Griffbrett sitzen 24 feste Messingbünde, die in eine Wachsmasse eingebettet sind, nicht, wie fälschlich beschrieben, Metallstäbe im Korpusinneren.
Von den sieben Saiten verlaufen vier Hauptsaiten über die Bünde und dienen der Melodie, während drei weitere Saiten seitlich am Griffbrett vorbeilaufen und mit dem Daumen als Bordun- und Rhythmussaiten gezupft werden, nicht nur vier Saiten, wie in älteren Fehlbeschreibungen behauptet. Man unterscheidet vor allem zwei Bauformen: die Tanjore-Veena, bei der Korpus und der obere Zusatzresonator aus einem einzigen Holzstück geschnitzt sind, sowie die Mysore-Veena, deren oberer Resonator abnehmbar konstruiert ist. Gestimmt werden die Saiten meist auf die Grundtöne Sa und Pa der jeweiligen Raga-Tonleiter. Wie verbreitet lautenartige Vorläuferinstrumente in Südindien bereits vor Jahrhunderten waren, zeigen unter anderem die berühmten "musikalischen Säulen" des Vittala-Tempels von Hampi aus der Vijayanagara-Zeit, in deren Steinreliefs Vina-Spielerinnen und -Spieler dargestellt sind.
Wie spielt man die Saraswati Veena?
Die Spielerin oder der Spieler sitzt im Schneidersitz, der große untere Resonanzkörper liegt auf dem Boden bzw. dem Oberschenkel, der kleinere obere Resonator ruht auf der linken Schulter oder dem Knie. Die rechte Hand zupft die Saiten mit kleinen Metallplektren (Mizrab), die an Zeige- und Mittelfinger getragen werden, während der Daumen die Bordunsaiten rhythmisch anschlägt. Die linke Hand drückt und zieht die Saiten seitlich über die Bünde, um die charakteristischen Gamakas, Gleittöne, Schleifer und Vibrati, zu erzeugen, die das Herzstück der karnatischen Ausdruckskunst bilden. Ein Streichen der Saiten mit einem Bogen ist bei der Veena nicht vorgesehen.
Typische Musikstile mit der Saraswati Veena
Die Saraswati Veena ist eines der ältesten und angesehensten Soloinstrumente der karnatischen (südindischen) klassischen Musik und eng mit dem Kriti-Repertoire großer Komponisten wie Tyagaraja, Muthuswami Dikshitar und Syama Sastri verbunden. Traditionell diente sie sowohl der Konzert- als auch der Tempelmusik und wird bis heute in reinen Veena-Konzerten (Veena Vidwat) sowie zur Begleitung von Gesang eingesetzt.
Bekannte Lieder mit der Saraswati Veena
- Konzertaufnahmen von Chitti Babu, einem der einflussreichsten Veena-Virtuosen des 20. Jahrhunderts, bekannt für seinen lyrischen, ausdrucksstarken Stil.
- Aufnahmen von S. Balachander, der mit unkonventionellen Techniken und langen Phrasierungen auf einer einzigen Saite die Veena-Spielweise revolutionierte.
- Die Interpretationen von Doraiswamy Iyengar, einem der Begründer der modernen Mysore-Veena-Schule.
- Zeitgenössische Veena-Konzerte von Jayanthi Kumaresh und E. Gayathri, die die Tradition der Saraswati Veena bis heute fortführen.
- Traditionelle Kritis von Tyagaraja, etwa "Entaro Mahanubhavulu", die zum Kernrepertoire jedes Veena-Konzerts zählen.



