Der Setar ist eines der wichtigsten Instrumente der persischen Kunstmusik: eine gezupfte Langhalslaute (Chordophon) aus dem Iran, deren Wurzeln bis ins 9. Jahrhundert zurückreichen. Der Name "Setar" bedeutet wörtlich "drei Saiten" (persisch se-tar), ursprünglich war das Instrument tatsächlich dreisaitig, bis der Sufi-Wanderderwisch Moshtaq Ali Shah im 18. Jahrhundert eine vierte Saite hinzufügte, um zusätzliche Bordun- und Rhythmustöne zu ermöglichen. Der Setar gehört zur Familie der Tanbur-Langhalslauten und ist eng mit dem persischen Modalsystem, dem Radif, verbunden. Wegen seines leisen, introspektiven Klangs gilt er traditionell als Instrument der stillen, meditativen Einkehr und der sufischen Mystik, eher für das Spiel im kleinen Kreis als für die große Bühne gedacht.
Wie klingt der Setar?
Der Klang des Setar ist zart, silbrig und obertonreich, deutlich leiser und intimer als der des verwandten Tar. Durch die feine, mit Fingernagel gezupfte Anschlagstechnik entsteht ein filigraner, fast flüsternder Ton, der sich mit den beweglichen Bünden zu den charakteristischen Vierteltönen und Mikrointervallen der persischen Dastgah-Modi biegen lässt. Gerade diese Fähigkeit zu feinsten Tonhöhenschattierungen macht den Setar zu einem der ausdrucksstärksten Soloinstrumente der persischen Klassik, das eng an die menschliche Singstimme erinnert.
Woraus besteht der Setar?
Der Korpus des Setar ist birnenförmig und wird traditionell aus einem einzigen Stück Maulbeer- oder Walnussholz geschnitzt. Anders als häufig behauptet, ist die Decke nicht mit Tierhaut bespannt, sondern besteht, wie bei fast allen persischen Lauten, aus einem dünnen, dicht gemaserten Holzblatt, das über den hohlen Resonanzkörper geleimt wird und mit kleinen Schalllöchern versehen ist. Der lange, schlanke Hals trägt 25 bis 28 bewegliche Bünde aus Darmsaite, die der Spieler selbst verschieben kann, um das Instrument exakt auf den jeweiligen Dastgah (Modus) einzustimmen und die für die persische Musik typischen Mikrotöne zu erzeugen. Die vier Metallsaiten laufen über einen kleinen Holzsteg zu Wirbeln am Kopf des Instruments; es gibt weder Tonabnehmer noch andere elektronische Zusätze, der Setar ist ein rein akustisches Instrument.
Wie spielt man den Setar?
Der Setar wird im Sitzen gespielt, meist auf dem Schoß oder leicht schräg an die Brust gelehnt. Gezupft wird er nicht mit einem Plektrum, sondern, ungewöhnlich unter Lauteninstrumenten, mit dem eigenen, meist etwas länger gelassenen Fingernagel des rechten Zeigefingers, wodurch der charakteristisch feine, perkussive Anschlag entsteht. Eine zentrale Technik ist der "Riz", ein sehr schnelles Tremolo, mit dem eine einzelne Note zu einem fließenden, gesanglichen Klang verlängert wird. Mit der linken Hand zieht der Spieler die Saiten seitlich über die Bünde, vergleichbar dem Bending auf der Gitarre, um die gleitenden Tonhöhenverläufe zu erzeugen, die für die persische Modalmusik unverzichtbar sind. Der Setar wird nahezu ausschließlich solistisch oder in kleiner Sängerbegleitung gespielt, selten in großen Ensembles.
Typische Musikstile mit dem Setar
Der Setar ist das zentrale Soloinstrument der persischen Kunstmusik (Radif) und eng mit dem System der zwölf Dastgahs verbunden, den modalen Rahmenwerken, innerhalb derer persische Musiker improvisieren. Er wird sowohl in der klassischen Konzerttradition als auch in der sufischen Ritual- und Andachtsmusik eingesetzt, wo sein leiser, introspektiver Klang als besonders geeignet für spirituelle Versenkung gilt. Im 20. Jahrhundert erlebte der Setar durch Lehrer wie Nur Ali Borumand und Abdollah Davami sowie durch Interpreten wie Jalal Zolfonun und Dariush Talai eine Wiederbelebung als eigenständiges Solokonzertinstrument, nachdem er zuvor meist nur als Übungsinstrument für Sänger gedient hatte.
Bekannte Lieder mit dem Setar
1. Jalal Zolfonun (1938-2012): Der Setar-Meister gründete in den 1970er-Jahren das erste reine Setar-Ensemble Irans und veröffentlichte gemeinsam mit dem Sänger Shahram Nazeri das Album "Gol-e Sadbarg" (die hundertblättrige Rose), bis heute eines der meistverkauften Alben der persischen Klassik. 2. Dariush Talai (geb. 1953): gilt als einer der bedeutendsten lebenden Setar- und Tar-Virtuosen; seine Einspielung des kompletten Radif von Mirza Abdollah auf dem Setar gilt als Referenzaufnahme der persischen Musiktradition. 3. Der Radif von Mirza Abdollah: das im 19. Jahrhundert systematisierte Repertoire bildet bis heute das Grundgerüst, aus dem alle Setar-Schüler ihre Improvisationen entwickeln. 4. Mohammad Reza Lotfi (1947-2014): neben dem Tar auch als Setarist und Lehrer prägend für die moderne persische Instrumentalmusik. 5. Amir Nojan: zeitgenössischer Setarist, der die Tradition mit neuen Kompositionen für das Instrument fortführt.




