Der Saw sam sai ist eine dreisaitige Stachelgeige und gilt als das anspruchsvollste und angesehenste Streichinstrument der thailändischen Musiktradition. Er stammt vermutlich aus der Sukhothai-Zeit und steht in enger Verwandtschaft zur khmerischen Tro-Familie. Der charakteristische, dreilappige Resonanzkörper wird meist aus einer Kokosnussschale gefertigt, deren eine Öffnung mit Tierhaut bespannt ist; der Hals besteht aus Hartholz oder Elfenbein, und gespielt wird das Instrument mit einem separaten, nicht am Instrument befestigten Pferdehaarbogen.
Wie klingt der Saw sam sai?
Der Klang des Saw sam sai ist weich, hauchig und außergewöhnlich obertonreich, er gilt in der thailändischen Musiktradition als der menschlichen Singstimme am nächsten kommende Instrumentalklang. Durch die drei Saiten und die feine, kontrollierte Bogenführung entsteht ein schwebender, schleierhafter Ton, der sich deutlich vom kräftigeren Klang der zweisaitigen Saw-Instrumente unterscheidet.
Woraus besteht der Saw sam sai?
Der dreilappige Resonanzkörper besteht meist aus einer Kokosnuss- oder Palmschale, deren offenes Ende mit dünner Kalbs- oder Ziegenhaut bespannt ist. Durch die Schale führt ein Halsstab aus Hartholz oder traditionell aus Elfenbein, oft kunstvoll mit einem verzierten Kopfstück ("Krone") versehen. Drei Seidensaiten laufen über den Hals und werden traditionell exakt auf die Stimmlage der zu begleitenden Sängerin bzw. des Sängers abgestimmt, historisch besaßen Hofensembles daher mehrere unterschiedlich große Instrumente. König Rama II. von Siam, selbst ein versierter Spieler, soll die Form des Instruments im frühen 19. Jahrhundert weiter verfeinert haben, um dessen Klangprojektion zu verbessern.
Der Bogen ist, anders als etwa bei der Violine, nicht fest mit dem Instrument verbunden, sondern wird separat gehalten und zwischen den Saiten geführt. Die im Volksmund kursierende Beschreibung als geschlagenes Metallophon mit Hammer und Metallplatte entbehrt jeder Grundlage: Der Saw sam sai ist und bleibt ein Streichinstrument.
Wie spielt man den Saw sam sai?
Der Saw sam sai wird senkrecht auf dem Schoß des sitzenden Spielers abgestützt. Die rechte Hand führt den freien Bogen zwischen den drei Saiten, die linke Hand berührt und verschiebt die Saiten auf dem bundlosen Hals, um Tonhöhen und ausgeprägte Gleittöne zu erzeugen. Wegen der fehlenden Bünde und der besonderen Bogenhaltung gilt der Saw sam sai als eines der technisch anspruchsvollsten thailändischen Instrumente; seine Beherrschung erfordert traditionell eine jahrelange Ausbildung bei einem anerkannten Meister. Da jede Sängerin und jeder Sänger eine individuelle Stimmlage hat, musste ein Ensemble historisch oft mehrere, unterschiedlich große Saw sam sai bereithalten oder eigens neue Instrumente für einen bestimmten Vortragenden anfertigen lassen, ein hoher handwerklicher und musikalischer Aufwand, der zum besonderen Prestige des Instruments beitrug.
Typische Musikstile mit dem Saw sam sai
Der Saw sam sai ist historisch eng mit dem höfischen Mahori-Kammerensemble verbunden, in dem er vor allem zur Begleitung von Sologesang eingesetzt wird und dem Ensemble seine charakteristische, gedämpfte Klangfarbe verleiht. Besondere Bedeutung hat das Instrument in der Begleitung von Sepha, der traditionellen, gesungen vorgetragenen Rezitation klassischer thailändischer Literatur; für den Saw sam sai wurden eigens Sepha-Soli und daraus abgeleitete Instrumentalstücke (Phleng Deo) komponiert. Aufgrund seines hohen Prestiges war das Instrument über lange Zeit vorrangig den Königshöfen vorbehalten und zählt bis heute zu den am höchsten angesehenen Instrumenten der thailändischen Musiktradition.
Bekannte Lieder mit dem Saw sam sai
- Das höfische Mahori-Ensemble, die traditionelle Kammermusikbesetzung, in der der Saw sam sai historisch beheimatet ist und Sologesang begleitet.
- Sepha-Repertoire, die traditionelle Begleitung erzählter Rezitation klassischer thailändischer Literatur, für die eigens Saw-sam-sai-Soli komponiert wurden, unter anderem am Hof von König Rama II.
- Aufnahmen des Ensembles Fong Naam (Reihe "The Sound of Thai Music"), das zur Bewahrung und Dokumentation des historischen Saw-sam-sai-Repertoires beigetragen hat.
- Traditionelle "Phleng Deo"-Solostücke, die aus dem Sepha-Repertoire abgeleitet sind und zu den anspruchsvollsten Solowerken für das Instrument zählen.
- Die überlieferte höfische Praxis der Ayutthaya- und frühen Rattanakosin-Zeit, in der Instrumente individuell auf die Stimmlage einzelner Hofsängerinnen und -sänger abgestimmt wurden.



