Der Crwth ist ein historisches Streichinstrument aus Wales, auch als Crowd oder Crwd bekannt und in mittelalterlichen lateinischen Quellen als Crotta erwähnt. Sein Rahmen ist rechteckig statt tailliert wie bei einer Geige, und ein durchgehendes Griffbrett teilt die sechs Saiten in zwei Gruppen: Vier laufen über das Griffbrett und werden gestrichen, zwei liegen seitlich daneben und klingen nur als gezupfter Bordun. Schriftlich belegt ist der Name spätestens seit dem 12. Jahrhundert in Wales, wo Wandermusiker den Crwth bis ins 18. Jahrhundert bei Festen und an Adelshöfen spielten. Danach verschwand das Instrument aus der lebendigen Musizierpraxis, verdrängt von der vielseitigeren Fiedel. Seit dem späten 20. Jahrhundert bauen einzelne Instrumentenmacher den Crwth anhand erhaltener historischer Stücke nach, und eine kleine Zahl von Musikerinnen und Musikern spielt ihn wieder.
Wie ist der Crwth aufgebaut?
Der Crwth besteht aus einem rechteckigen, flachen Rahmen: Korpus und die beiden Arme mit der oberen Querstrebe, dem Joch, sind aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt, meist Bergahorn. Die Decke ist ein separates, dünnes Brett aus Weichholz, das auf den Korpus geleimt wird und zwei runde Schalllöcher trägt. Mitten durch den Rahmen läuft ein flaches, bundloses Griffbrett vom Joch bis über die Decke. Sechs Darmsaiten liegen auf dem Instrument: Vier laufen über das Griffbrett, die restlichen zwei seitlich daran vorbei, ohne es zu berühren. Ungewöhnlich ist der Steg: Ein Fuß steht auf der Decke, der zweite reicht durch eines der Schalllöcher hindurch und stützt sich auf dem Boden im Korpusinneren ab.
| Merkmal | Crwth |
|---|---|
| Familie | Bogenleier, gestrichenes Kastenzupfinstrument mit Griffbrett |
| Herkunftsregion | Wales |
| Belegzeitraum | spätestens ab dem 12. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert |
| Saitenzahl | 6 Darmsaiten, 4 gestrichen und 2 als Bordun gezupft |
| Korpus | Rechteckiger Rahmen, Korpus und Joch aus einem Holzstück geschnitzt |
| Griffbrett | Flach, ohne Bünde |
| Steg | Ein Fuß auf der Decke, der andere durch ein Schallloch bis auf den Korpusboden |
| Status heute | Aus der lebendigen Praxis verschwunden, seit dem späten 20. Jahrhundert rekonstruiert |
Was unterscheidet den Crwth von einer Geige?
Der Crwth unterscheidet sich von der Geige vor allem durch seinen rechteckigen, leierartigen Rahmen statt einer tailliert geschwungenen Form. Bei der Geige stehen beide Stegfüße auf der Decke; beim Crwth reicht ein Fuß des Stegs durch eines der Schalllöcher hindurch und stützt sich auf dem Boden des Korpus ab. Am deutlichsten fällt der Unterschied bei den Saiten auf: Alle vier Saiten einer Geige werden gegriffen und tragen abwechselnd die Melodie, während beim Crwth zwei der sechs Saiten fest gestimmt neben dem Griffbrett liegen und nur als Bordun erklingen.
Zwei der sechs Saiten liegen am Crwth neben dem Griffbrett und werden nie gegriffen. Sie laufen parallel zum Griffbrett, ohne es zu berühren, und klingen in fester Stimmung als Bordun mit, während die vier Griffbrettsaiten die Melodie tragen. Dieses Nebeneinander von Bordun und Melodie unterscheidet den Crwth grundlegend von der Geige.
Wie spielt man den Crwth?
Der Spieler hält den Crwth aufrecht vor dem Oberkörper, das untere Ende gegen die Brust gestützt, oft zusätzlich mit einem Riemen um den Hals gesichert. Mit der linken Hand drückt er die vier Griffbrettsaiten direkt mit den Fingerkuppen auf das bundlose Holz, um die Tonhöhe zu verändern, während der Bogen in der rechten Hand über diese Saiten streicht. Dieselbe linke Hand zupft im Vorbeigreifen mit dem Daumen die beiden Bordunsaiten neben dem Griffbrett, sodass Melodie und Bordunton gleichzeitig erklingen. Anders als bei der Drehleier, bei der ein gekurbeltes Rad die Saiten in Schwingung versetzt, entsteht der Ton beim Crwth ausschließlich durch den Bogen und den Daumen, ohne mechanisches Zwischenglied.
Woher stammt der Crwth?
Der Crwth entwickelte sich aus der älteren europäischen Leiertradition und war ursprünglich ein gezupftes Instrument mit drei oder vier Saiten. Ab dem 11. Jahrhundert kam der Bogen hinzu, gegen Ende des 13. Jahrhunderts das Griffbrett, und die Saitenzahl wuchs bis zum 15. Jahrhundert auf sechs. Schriftlich belegt ist der Name in Wales spätestens im 12. Jahrhundert durch die Gesetzessammlung von Hywel Dda, die den Crwth neben der Harfe und dem Pibgorn als Instrument walisischer Hofmusiker nennt. Wandernde Berufsmusiker, auf Walisisch crythorion genannt, spielten das Instrument an Adelshöfen und bei Festen und begleiteten damit Gesang und Dichtvortrag.
Warum verschwand der Crwth aus der Musizierpraxis?
Der Crwth verschwand, weil die Fiedel ab dem 17. Jahrhundert ein größeres Repertoire an Tanzmusik nach Wales brachte, das der Crwth nicht mitspielen konnte. Seine zwei fest gestimmten Bordunsaiten eigneten sich für die Begleitung von Gesang und Dichtvortrag, nicht aber für die wechselnden Tonarten neuer Tanzmusik. Im Lauf des 18. Jahrhunderts gaben die letzten crythorion ihr Handwerk auf, sodass Bauweise und Spieltechnik um 1800 aus der lebendigen Überlieferung verschwunden waren.
Wird der Crwth heute noch gebaut und gespielt?
Ja, seit dem späten 20. Jahrhundert bauen einzelne Instrumentenmacher wie Guy Flockhart und Nial Cain den Crwth anhand erhaltener historischer Exemplare und schriftlicher Quellen nach. Weil die Spielpraxis nicht durchgehend überliefert war, mussten Bauweise und Technik aus Museumsstücken sowie zeitgenössischen Abbildungen und Beschreibungen rekonstruiert werden. Die walisische Musikerin Cass Meurig gilt als bekannteste heutige Spielerin und veröffentlichte 2004 das Soloalbum "Crwth"; weitere Musiker wie Bob Evans im Ensemble Bragod spielen das Instrument im Rahmen der walisischen Folk- und Alte-Musik-Szene.
Häufige Fragen zum Crwth
Was ist ein Crwth?
Ein Crwth ist ein historisches walisisches Streichinstrument aus der Familie der Bogenleiern, mit rechteckigem Rahmen und sechs Darmsaiten. Vier Saiten laufen über ein bundloses Griffbrett und werden mit dem Bogen gestrichen, zwei weitere liegen seitlich daneben und klingen nur als gezupfter Bordun. Belegt ist der Crwth spätestens seit dem 12. Jahrhundert in Wales, wo er bis ins 18. Jahrhundert gespielt wurde.
Wie viele Saiten hat ein Crwth?
Ein Crwth hat sechs Darmsaiten. Vier davon laufen über das Griffbrett, werden mit der linken Hand gegriffen und mit dem Bogen gestrichen, die restlichen zwei liegen seitlich neben dem Griffbrett und werden mit dem Daumen als Bordun gezupft. Der Vorläufer des Crwth kam ursprünglich mit drei oder vier Saiten aus; auf sechs Saiten wuchs das Instrument erst bis zum 15. Jahrhundert.
Was unterscheidet den Crwth von einer Geige?
Der Crwth unterscheidet sich von der Geige durch seinen rechteckigen statt taillierten Rahmen, ein durchgehendes bundloses Griffbrett und zwei Saiten, die fest gestimmt neben dem Griffbrett liegen und nie gegriffen werden. Außerdem reicht beim Crwth ein Fuß des Stegs durch ein Schallloch bis auf den Boden des Korpus, während bei der Geige beide Stegfüße auf der Decke stehen.
Wird der Crwth heute noch gespielt?
Ja, der Crwth wird heute wieder gespielt, nachdem er um 1800 aus der lebendigen walisischen Musizierpraxis verschwunden war. Seit dem späten 20. Jahrhundert bauen Instrumentenmacher wie Guy Flockhart und Nial Cain den Crwth anhand erhaltener historischer Exemplare nach, und eine kleine Zahl von Musikerinnen und Musikern, darunter Cass Meurig, spielt ihn im Rahmen der walisischen Folk- und Alte-Musik-Szene.




