Der Chitarrone ist eine sehr lang gebaute Bassform der Laute aus der italienischen Renaissance. Ein zweiter Wirbelkasten sitzt am Ende eines verlängerten Halsabschnitts und trägt freischwingende Basssaiten, während ein kürzerer, bebundener Hals die gegriffenen Chöre führt. Chitarrone und Theorbe bezeichnen dasselbe Instrument: Chitarrone war der ältere Name, Theorbe setzte sich ab der Mitte des 17. Jahrhunderts durch. Von der eng verwandten Erzlaute unterscheidet ihn vor allem ein zusätzliches Halsstück zwischen den beiden Wirbelkästen. Komponisten der frühen Oper setzten den Chitarrone als Generalbassinstrument ein, allen voran Claudio Monteverdi.
Wie unterscheiden sich Chitarrone und Theorbe?
Chitarrone und Theorbe bezeichnen kein unterschiedliches Instrumentenpaar, sondern denselben Lautentyp unter zwei Namen aus verschiedenen Zeiten. Chitarrone war die gebräuchliche italienische Bezeichnung bis etwa zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Danach verdrängte der Name Tiorba beziehungsweise Theorbe den älteren Begriff im alltäglichen Sprachgebrauch, während Chitarrone als gelehrte, akademische Bezeichnung weiterlebte. Der Name Chitarrone leitet sich von chitarra ab und bedeutet wörtlich große Gitarre. Die Herkunft von Tiorba ist dagegen nicht sicher geklärt, einige Quellen vermuten einen slawischen oder türkischen Ursprung. Beide Namen meinen bis heute dasselbe Instrument mit zwei Wirbelkästen und einem verlängerten Basshals.
Chitarrone und Theorbe sind dasselbe Instrument, die Erzlaute ist ein anderes. Chitarrone ist der ältere, Theorbe der jüngere Name für denselben Lautentyp mit zwei Wirbelkästen. Die Erzlaute teilt dieses Bauprinzip, baut die beiden Wirbelkästen aber ohne Zwischenstück direkt aneinander.
Wie ist ein Chitarrone aufgebaut?
Ein Chitarrone besitzt einen gewölbten Lautenkorpus mit flacher Decke und einen bebundeten Hals für die gegriffenen Saitenchöre, an den sich ein zweiter, unbebundener Halsabschnitt mit einem eigenen Wirbelkasten anschließt. Über das Griffbrett laufen meist sechs bis acht doppelchörige Saiten, die der Spieler mit der linken Hand abgreift. Über den zweiten Wirbelkasten sind zusätzliche, einzeln gespannte Basssaiten geführt, die frei mitschwingen und nie gegriffen werden. Insgesamt trägt ein Chitarrone je nach Bauform 14 bis 19 Saiten. Die lange Mensur der Basssaiten verlangt Darmsaiten von beträchtlicher Länge, weshalb das gesamte Instrument bis zu zwei Meter misst.
| Merkmal | Chitarrone |
|---|---|
| Familie | Zupfinstrument, Basslaute (Chordophon) |
| Wirbelkästen | zwei: einer am Ende des Griffbretts, einer am Ende des verlängerten zweiten Halsabschnitts |
| Saitenzahl | 14 bis 19 Saiten, verteilt auf beide Wirbelkästen |
| Gegriffene Chöre | meist 6 bis 8, mit Bünden aus umwickeltem Darm |
| Basssaiten | freischwingend und unbebundet |
| Gesamtlänge | bis zu etwa 2 Meter |
| Herkunft | Italien, Ende des 16. Jahrhunderts |
| Hauptfunktion | Generalbassinstrument (Continuo) in Oper und Kammermusik |
Wie ist ein Chitarrone gestimmt?
Ein Chitarrone nutzt eine re-entrant genannte Stimmung, bei der die beiden obersten gegriffenen Chöre eine Oktave tiefer klingen, als ihre Reihenfolge vermuten lässt. Dadurch trägt nicht der erste, sondern der dritte Chor den höchsten Ton des Instruments. Diese Umkehrung hat einen praktischen Grund: Auf der langen Mensur des Chitarrone würde eine dünne Darmsaite in der eigentlich erwarteten hohen Stimmung reißen. Eine Oktave tiefer bleibt dieselbe Saite spielbar und hält die nötige Spannung. Die freischwingenden Basssaiten des zweiten Wirbelkastens ergänzen darunter die tiefen Stufen, die eine gewöhnliche Laute nicht erreicht.
Was unterscheidet den Chitarrone von der Erzlaute?
Der Chitarrone unterscheidet sich von der Erzlaute vor allem durch ein zusätzliches Halsstück zwischen den beiden Wirbelkästen. Bei der Erzlaute schließt der zweite Wirbelkasten unmittelbar an den ersten an, beim Chitarrone liegt dazwischen ein weiterer Halsabschnitt von etwa eineinhalb Fuß, umgerechnet knapp 45 Zentimeter. Der Korpus des Chitarrone fällt außerdem kleiner aus als der der Erzlaute. Der deutsche Begriff Erzlaute geht auf Johann Gottfried Walther zurück, der ihn 1732 als Übersetzung des italienischen arciliuto einführte. Als Sammelbezeichnung fasst er mehrere Basslauten unterschiedlicher Bauart und Stimmung zusammen, darunter die eigentliche Archlaute, die deutsche Barocklaute mit Schwanenhals und die Angélique, während Chitarrone und Theorbe innerhalb dieser Gruppe ein eigenes, klar umrissenes Instrument bilden.
Welche Rolle spielte der Chitarrone in der frühen Oper?
Der Chitarrone diente der frühen italienischen Oper als bevorzugtes Generalbassinstrument unter den Zupfinstrumenten. Seine langen, freischwingenden Basssaiten lieferten mehr Klangvolumen als eine gewöhnliche Laute und trugen die Bassstimme auch in größeren Sälen. In der Partitur zu Claudio Monteverdis Oper Orfeo aus dem Jahr 1607 gehören Chitarroni ausdrücklich zur vorgeschriebenen Besetzung, gemeinsam mit Cembalo, Orgel und Harfe. Zusammen mit diesen Instrumenten begleitete der Chitarrone vor allem die Rezitative, in denen ein einzelner Sänger im Vordergrund stand. Unter diesem Namen oder als Theorbe blieb das Instrument bis ins 18. Jahrhundert eines der bevorzugten Continuo-Instrumente der Barockmusik.
Wer komponierte für den Chitarrone?
Giovanni Girolamo Kapsberger und Alessandro Piccinini zählen zu den ersten Lautenisten, die eigene Kompositionen für den Chitarrone veröffentlichten. Kapsberger legte 1604 in Venedig ein gedrucktes Tabulaturbuch für Chitarrone vor, eines der frühesten seiner Art. Piccinini veröffentlichte 1623 eine Sammlung mit Stücken für Laute und Chitarrone und gehörte neben Kapsberger zu den prägenden Spielern des Instruments in Italien. Beide Werke zeigen, dass der Chitarrone nicht nur als Begleitinstrument diente, sondern auch ein eigenes Soloprogramm besaß, auch wenn die Begleitung von Gesang seine Hauptaufgabe blieb.
Häufige Fragen zum Chitarrone
Ist der Chitarrone dasselbe Instrument wie die Theorbe?
Ja, der Chitarrone und die Theorbe bezeichnen dasselbe Instrument. Chitarrone war der ältere italienische Name und bis etwa zur Mitte des 17. Jahrhunderts gebräuchlich, danach setzte sich zunehmend die Bezeichnung Theorbe beziehungsweise Tiorba durch. Beide Namen meinen eine Basslaute mit zwei Wirbelkästen und einem verlängerten Halsabschnitt für freischwingende Basssaiten.
Wie viele Saiten hat ein Chitarrone?
Ein Chitarrone trägt je nach Bauform 14 bis 19 Saiten, verteilt auf zwei Wirbelkästen. Sechs bis acht doppelchörige Saiten laufen über das bebundete Griffbrett und werden gegriffen. Die übrigen Saiten sind einzeln gespannte, freischwingende Basssaiten, die über den zweiten Wirbelkasten am Ende des verlängerten Halses laufen.
Was unterscheidet den Chitarrone von der Erzlaute?
Der Chitarrone unterscheidet sich von der Erzlaute (Arciliuto) durch ein zusätzliches Halsstück von rund 45 Zentimetern zwischen den beiden Wirbelkästen. Bei der Erzlaute schließen beide Wirbelkästen ohne dieses Zwischenstück direkt aneinander an, dafür fällt ihr Korpus größer aus als beim Chitarrone.
Wofür wurde der Chitarrone eingesetzt?
Der Chitarrone diente vor allem als Generalbassinstrument in der frühen italienischen Oper und in der Kammermusik des 17. und 18. Jahrhunderts. Seine freischwingenden Basssaiten lieferten mehr Klangvolumen als eine gewöhnliche Laute und trugen die Bassstimme unter Rezitativen und Gesang. Claudio Monteverdi schrieb den Chitarrone ausdrücklich in die Besetzung seiner Oper Orfeo von 1607. Daneben existierte auch Sololiteratur für das Instrument, etwa von Giovanni Girolamo Kapsberger.




